Schulabsentismus und Interventionsstrategien der Schulsozialarbeit


Forschungsarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schulabsentismus
1.1. Schulabsentismus
1.2. Schulschwänzen
1.3. Schulverweigerung
1.4. Elterliches Zurückhalten
1.5. Ursachen

2. Schulsozialarbeit
2.1. Zielgruppen, Adressaten und Angebote
2.2. Methoden und Aufgaben

3. Rechtliche Grundlagen

4. Forschungsdesign
4.1. Forschungsmethode
4.2. Erhebungsverfahren
4.3. Sampling
4.4. Durchführung
4.5. Auswertung

5. Forschungsergebnisse

6. Interpretation

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus (2011, S. 1) verkündet, dass rund 200.000 Schüler und Schülerinnen in Deutschland täglich den Unterricht „schwänzen“. In knapp der Hälfte aller Fälle nennt Kraus „Mobbing, Angst vor Mitschülern und Prüfungen“ (Kraus 2011, S. 1) als Ursache für Schulverweigerung. Seiner Meinung nach sind Sanktionen in so einem Fall der falsche Weg, daher lehnt er strenge Sanktionen wie Bußgelder ab und erachtet diese für unwirksam und zwecklos. Dennoch fallen die Konsequenzen der Kommunen unterschiedlich aus und sind regional abhängig. Des Weiteren führt er an, dass in einigen Bundesländern Geldstrafen oder Jugendarrest verhangen werden, andere Bundesländer wiederum setzen auf Beratung und intensive Begleitung und Betreuung der betroffenen SchülerInnen (Kraus 2011, S. 1). Insbesondere für das Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit ist Schulabsentismus ein permanent präsentes Phänomen an Schulen und ein praxisrelevantes Thema, da schulverweigerndes Verhalten ein Ausdruck von Unzufriedenheit, Überforderung und seelischer Belastung sein kann und somit der Intervention sowie der Beratung der Vorort praktizierenden SchulsozialarbeiterInnen bedarf, indem sie die möglichen Gründe und Ursachen im Einzelfall mit der/dem Betroffenen erforschen und aufarbeiten, sozialpädagogische Hilfen und Angebote anbietet umso einer Verschlimmerung des Problems und einem totalen Fernbleiben der Schule entgegenzuwirken (Sälzer 2010, S.16).

In diesem Zusammenhang behandelt die vorliegende Forschungsarbeit das Thema Schulabsentismus und die entsprechenden Interventions- sowie Präventionsstrategien der Schulsozialarbeit und befasst sich darin mit der Forschungsfrage wie SchulsozialarbeiterInnen im Falle von Schulabsentismus intervenieren und welche Maßnahmen sie ergreifen um Schulabsentismus präventiv entgegenzuwirken. Als Einführung in das Thema werden im ersten Kapitel der Begriff des Schulabsentismus und seine Formen definiert. Sälzer (2010, S. 15 ff.) unterscheidet hier zwischen Schulschwänzen, Schulverweigerung und elterliches Zurückhalten. In Anlehnung an die Definition werden im Folgenden die Ursachen für Schulabsentismus dargestellt. Um im darauffolgenden Kapitel eine Verbindung zur Schulsozialarbeit zu schaffen und ihre Rolle in Bezug auf Schulabsentismus zu verdeutlichen, folgt im zweiten Kapitel zunächst eine definitorische Begriffsklärung der Schulsozialarbeit sowie die Beschreibung ihrer Zielgruppen und die Charakterisierung ihrer Aufgabenbereiche und Methoden. Zur Vervollständigung des Themas werden im dritten Kapitel abschließend die rechtlichen Grundlagen der Schulsozialarbeit festgelegt.

Die Beantwortung der untersuchungsleitenden Fragestellung soll mithilfe eines Experteninterviews erfolgen. Dazu werden im zweiten Untersuchungsteil der Arbeit zunächst

Hinweise zur ausgewählten Forschungsmethode gegeben, weiterhin werden die Erhebungsmethode sowie der Leitfaden vorgestellt, weiter das Sampling und die Durchführung beschrieben. Anschließend folgt die Auswertung des Experteninterviews mit der qualitativen Inhaltsanalyse, deren Ergebnisse dann im darauffolgenden Kapitel präsentiert werden. Zum Abschluss wird im letzten Kapitel ein Ausblick gegeben.

1. Schulabsentismus

Das Versäumnis eines Schülers die Schule zu besuchen, wird in diversen publizierten Beiträgen in Informationsmedien sowie in wissenschaftlichen Veröffentlichungen durch eine Vielzahl von Termini umschrieben (Sälzer 2010, S.14). Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulschwänzen, Schulversäumnis oder Schulphobie sind nur ein paar Bezeichnungen (Stamm/Ruckdäschel/Templer/Niederhauser 2009, S.25). Im Folgenden konzentrieren wir uns auf drei Hauptformen des Schulabsentismus.

1.2 Schulabsentismus

Unter Schulabsentismus versteht man das Fernbleiben einer Schülerin oder eines Schülers vom Unterricht, welches „… unentschuldigt und absichtlich aus einem gesetzlich nicht vorgesehenen Grund …“ (vgl.: Stamm/Ruckdäschel/Templer/Niederhauser 2009, S.25) von statten geht. Hierbei spielt es keine Rolle ob die Schülerin oder der Schüler einzelne Stunden oder einen halben oder ganzen Tag fehlt (Stamm/Ruckdäschel/Templer/Niederhauser 2009, S.25). Sälzer (2010, S.14) zitiert hierzu Ricking wie folgt: „ Schulabsentismus “ ist „… das dauerhafte und wiederkehrende Vers ä umen des Unterrichts von Sch ü lern ohne ausreichende Begr ü ndung “ . Schulabsentismus meint hierbei eine körperliche Abwesenheit (Sälzer 2010, S.14).

1.3 Schulschwänzen

Das Schulschw ä nzen meint ein vorübergehendes oder anhaltendes Fernbleiben der Schule. Hierbei wird die Unterrichtszeit genutzt um außerhalb der Schule und außerhalb des Elternhauses „angenehmeren Beschäftigungen“ nachzugehen (Thimm 2000, S.103). Solange diese Form von Schulabsentismus, welche gerne genutzt wird um in anderer Gesellschaft Spaß zu haben, nicht zur Gewohnheit wird und sie nicht einhergeht mit einem Schulversagen, so muss dies nicht zwangsläufig als problematisch eingestuft werden. Besonders weil die Anwesenheit beim Schulschw ä nzen meist der Abwesenheit überwiegt. Schulschw ä nzen geschieht anders als bei der Schulverweigerung, ausschließlich in physischer Abwesenheit (Sälzer 2010, S. 15f). Unabhängig davon ob eine Schülerin oder ein Schüler das Einverständnis der Eltern eingeholt hat, ist dies ein bewusster Regelverstoß, der jedoch in der Regel ohne Elternwissen abläuft (Thimm 2000, S.103f).

1.4 Schulverweigerung

Wie bereits erwähnt kommt es bei der Schulverweigerung im Vergleich zum Schulschw ä nzen hingegen nicht zwangsläufig zur körperlichen Abwesenheit einer Schülerin oder eines Schülers. Hierbei kommt es auch vor, dass die Schülerin oder der Schüler den Unterricht, trotz Anwesenheit in der Schule, boykottiert oder den Unterricht meidet (Stamm/Ruckdäschel/Templer/Niederhauser 2009, S.25f). Jedoch überwiegt hier der Anteil der Abwesenheit dem Anteil der Anwesenheit im Vergleich zum Schulschw ä nzen (Sälzer 2010, S.16).

1.5 Elterliches Zurückhalten

Hierbei geht die Initiative des Fernbleibens der Schule nicht vom Kind aus, sondern von den Eltern. Erziehungsberechtigte nehmen in solch einem Fall bewusst in Kauf, dass die Schulpflicht verletzt wird (Sälzer 2010, S.17). Im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema Schulabsentismus ist es nun zunächst wichtig, die Ursachen des Gegenstandsbereiches herauszufinden um im Anschluss zu verdeutlichen welche Rolle die Schulsozialarbeit dabei einnimmt.

1.6 Ursachen

Die Ursachen für Schulabsentismus, welcher wie wir vorangehend bereits erläutert haben durch drei Hauptformen beschrieben wird, sind sehr vielfältig. Zum einen kann es wie bereits erwähnt hinsichtlich des Schulschw ä nzens der Spaß dabei sein, die Unterrichtszeit damit zu verbringen, abseits der Schule und des Elternhausen, etwas „angenehmeres“ zu machen (Thimm 2000, S.103). Zum anderen können es bezüglich der Schulverweigerung jedoch schwerwiegende Gründe sein die ggfs. einer therapeutischen Maßnahme bedürfen. Leistungsdruck, eigenes Leistungsversagen und schwierige Beziehungen zu Mitschülern und Lehrern werden von Sälzer (2010, S.16) genauso genannt wie die Schule als Zwang zu sehen und die mangelnde Identifikation mit der Schule selbst. Hinsichtlich des „ elterlichen Zur ü ckhaltens “ gibt Sälzer (2010, S.17) mögliche Ursachen an wie Krankheit innerhalb der Familie, „… nicht allein sein wollen oder der Bedarf an Hilfeleistungen des Sohnes bzw. der Tochter in Haushalt oder Betrieb …“ (vgl.: Sälzer 2010, S.17).

2. Schulsozialarbeit

Unter Schulsozialarbeit versteht man „… ein Angebot der Jugendhilfe …“ (vgl. Speck 2014, S.44) welches Permanent am Lern und Lebensraum Schule tätig ist. Sozialpädagogische Fachkräfte arbeiten hierbei verbindlich auf einer gleichberechtigten Basis mit den Lehrkräften zusammen „… um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu f ö rdern …“ (vgl. Speck 2014, S.44 ). Bildungsbenachteiligungen sollen vermieden oder abgebaut werden, Lehrkräfte sowie Eltern sollen bei der Erziehung beraten und unterstützt werden, sowie ein Beitrag „… zu einer sch ü lerfreundlichen Umwelt …“ (vgl. Speck 2014, S.44) geleistet werden.

2.1 Zielgruppen, Adressaten und Angebote

Wie in der Definition bereits erwähnt richtet sich Schulsozialarbeit an Kinder und Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte. Bei der Arbeit mit der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen kommt den gehandicapten und beeinträchtigten Adressaten zwar eine besondere Bedeutung zu, jedoch ist die Arbeit nicht ausschließlich an sie gerichtet (Gastiger/Lachat 2012, S.22). Nach Speck (2014, S.65) ist es wichtig den Kindern und Jugendlichen präventive und intervenierende Angebote zu bieten die in einer modernen und besonders lebensweltorientierten Schulsozialarbeit unerlässlich sind. Speck spricht hierbei von Angeboten die, die

- „ … Identit ä ts- und Pers ö nlichkeitsentwicklung …“ (vgl. Speck 2014, S.65)
- Lebensbewältigung, im schulischen und außerschulischen Kontext, bezüglich der Entwicklungsaufgaben, Probleme und Konflikte
- sozialen Kompetenzen fördern.

Daher Kinder und Jugendliche nicht isoliert leben und einen Teil eines Familienverbandes oder eines ähnlichen Systems mit volljährigen Bezugspersonen darstellen, ist es für die Schulsozialarbeit natürlich, dass Mitglieder des Familienverbandes wie Eltern und Verwandte aktiv in die Arbeit mit einbezogen werden (Gastiger/Lachat 2012, S.22f). Oft ist die Förderung von Kindern und Jugendlichen nur dann erfolgversprechend, wenn Eltern oder Erziehungsberechtigte als bedeutsame Bezugspersonen gesehen werden und mit eingebunden sind. Inhalte der Arbeit sind bspw. durch folgende Angebote gegeben:

- Die Unterstützung bei Fragen und Problemen in der Erziehung
- Die Beratung bei Fragen des Kinder- und Jugendschutzes
- Information über Örtliche Hilfsangebote und deren Ansprechpartner
- Vermittlung bei Konfliktsituationen zwischen Lehrkräften, Eltern oder Erziehungsberechtigte und deren Kinder (Speck 2014, S.66).

Lehrkräfte sowie Schulleitung sind für die Schulsozialarbeit auf der einen Seiten Zielgruppe, jedoch auf der anderen Seite auch ein zentraler und wesentlicher Kooperationspartner (Gastiger/Lachat 2012, S.23). In der Zusammenarbeit mit den Lehrkräften sieht Speck (2014, S.65) beispielweise folgende Punkte als Angebot der Schulsozialarbeit:

- Information über soziale Einrichtungen und deren Unterstützungsmöglichkeiten

- Beratung und Fortbildung bezogen auf verschiedene „ … sozialp ä dagogische Themen (z.B. Pr ä ventionskonzepte, Elternarbeit) …“ (vgl. Speck 2014, S65)

Wie wir sehen konnten richtet sich das Handeln der Schulsozialarbeit an Kinder, Eltern sowie Lehrer. Auf welche grundsätzlichen Methoden und Kernaufgabenbereiche sich dabei die Schulsozialarbeit beruft werden im Folgenden dargestellt.

2.2 Methoden und Aufgaben

Heute gibt es nur wenige Fachbücher die sich mit den Methoden und dem methodischen Handeln in der Schulsozialarbeit beschäftigen. Ein eventueller Grund könnte nach Speck (2014, S.84) sein, dass Schulsozialarbeit am Ort Schule über dieselben Methoden verfügt wie die „…systematisch übergeordnete Soziale Arbeit…“ (vgl. Speck 2014, S.85). Die bereits vorhandenen Methoden müssen bloß an die Schulsozialarbeit mit Ihren Adressaten und den Anforderungen angepasst werden. „ Es gibt also keine spezifischen Methoden der Schulsozialarbeit “ (vgl. Speck 2014, S.85). Daraus folgt zwangsläufig, dass es auch keine spezifischen oder grundsätzlichen Vorgehensweisen der Schulsozialarbeit hinsichtlich des Schulabsentismus geben kann.

In Anlehnung daran, und um nur Beispiele für Methoden der Sozialen Arbeit zu nennen, zitieren wir Speck (2014, S85) der sich an Galuskes Konzept- und Methodeneinteilung in der Sozialen Arbeit anlehnt und vier Gruppen nennt:

- „ Direkte einzelfall- und prim ä rgruppenbezogene Methoden mit direktem

Interventionsbezug …“

- „ Direkte sekund ä rgruppen- und sozialraumbezogene Methoden mit direktem

Interventionsbezug …“

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Schulabsentismus und Interventionsstrategien der Schulsozialarbeit
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Professionelle Grundlagen und Handlungskompetenzen aus erziehungswissenschaftlicher Sicht
Note
1,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V423531
ISBN (eBook)
9783668692886
ISBN (Buch)
9783668692893
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Schule, Schulabsentismus, Schulschwänzer, Schulsozialarbeit, Schulverweigerung, Kindeswohlgefährdung, Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Kinder
Arbeit zitieren
Natalie Alber (Autor), 2016, Schulabsentismus und Interventionsstrategien der Schulsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/423531

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