Sehverstehen als Zugang zum Thema Behinderung im Französischunterricht anhand von "Intouchables"


Term Paper, 2017
23 Pages, Grade: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung und Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung: Sehverstehen und Filmdidaktik im Französischunterricht

3. Zum Film Intouchables

4. Didaktisch-methodische Überlegungen: Intervallverfahren & Dreischritt-Methode
4.1. Avant la séance
4.2. Pendant la séance
4.3. Après la séance

5. Fazit

6. Selbstständigkeitserklärung

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Vorbemerkung und Abkürzungsverzeichnis

In der gesamten Arbeit wird der besseren Lesbarkeit wegen durchgängig das generische Maskulinum verwendet, das sowohl männliche als auch weibliche Referenten einschließt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung: Sehverstehen und Filmdidaktik im Französischunterricht

In der Folge der Veröffentlichung des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen und der Bildungsstandards sind die Begriffe Hörverstehen und Sehverstehen zentrale Bestandteile des fremdsprachendidaktischen Diskurses geworden. Das HörSehverstehen wird allerdings in offiziellen Dokumenten wie den Bildungsstandards meist als Variante des Hörverstehens eingeordnet (vgl. KMK, 2003, 2004 & 2012). Laut Thaler stellt sie jedoch eine eigenständige Kompetenz dar, die deutlich

„vielschichtiger ist als das Hörverstehen, empfangen Lernende doch gleichzeitig einen auditiven und einen visuellen Input. Der Prozess des Hörverstehens muss mit dem Sehverstehen synchronisiert werden, d. h. gesprochene Texte müssen verstanden, Bilder gedeutet, außersprachliche Merkmale erschlossen und kinematografische Techniken (z. B. Bildmontage) analysiert und zueinander in eine sinnvolle Beziehung gesetzt werden. Wenn schließlich noch textuelle Elemente (z. B. Untertitel oder im Bild zu sehende Schriftzüge) hinzukommen, dehnt sich das Hör-Seh-Verstehen zu einem Hör-Seh-Lese-Verstehen aus“ (2012, S. 169).

Auch die „Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (Englisch/Französisch) für die Allgemeine Hochschulreife“ (KMK, 2012) benennen Hör-Sehverstehen und Hörverstehen als funktionale kommunikative Kompetenzen gemeinsam. Die SuS sollen einem Hörbzw. Hörsehtext die Hauptaussagen oder Einzelinformationen entnehmen, textinterne Informationen und textexternes Wissen kombinieren, Rezeptionsstrategien anwenden, angemessene Strategien zur Lösung von Verständnisproblemen einsetzen, Stimmungen und Einstellungen der Sprechenden erfassen, gehörte und gesehene Informationen aufeinander beziehen und in ihrem kulturellen Zusammenhang verstehen. Für das erweiterte Niveau werden zusätzlich das Verstehen impliziter Informationen sowie impliziter Einstellungen und Beziehungen zwischen Sprechern verlangt. Des Weiteren sollen die SuS Hauptaussagen oder Einzelinformationen auch bei Hintergrundgeräuschen oder beeinflusst durch die Art der Wiedergabe verstehen (vgl. KMK, 2012).

Der Fremdsprachenunterricht kann sich nicht nur mit strukturellen Aspekten des Grammatik-, Wortschatzund Wissenserwerbs beschäftigen, wenn damit die eigentliche Bedeutung des Kommunizierens und der Sprache aus dem Blick gerät. Man denke an die meist fruchtlosen Versuche, Grammatik spannender und bunter zu machen. Man würde nicht nur beschleunigende und qualitätssteigernde Effekte auf den Spracherwerb verzeichnen, sondern hätte auch eine echte Sprachbewusstheit, die selbst einen enormen Beitrag zu einer lebendigen und gut ausgeprägten Sprachkultur leisten würde.

In meiner Arbeit werde ich mich auf Grund meines Themas hauptsächlich auf den Aspekt des Sehverstehens beziehen.

3. Zum Film Intouchables

„Wenn wir auf einen Menschen mit Behinderung treffen, ist das oft eine ungewohnte Situation. Uns schießen Gedanken durch den Kopf wie: Wie soll ich mich verhalten? Gibt es überhaupt eine richtige Verhaltensweise? Kann ich der Person helfen? Oder soll ich die Person lieber nicht auf ihre Behinderung ansprechen?“ (Först, o. J., S. 1)

Obwohl die heutige Zeit durch das Internet einen unendlichen Fluss an Wissen, Informationen und Unterhaltung jedweder Qualität bietet, fehlt es oft am Kontakt und der damit verbundenen Auseinandersetzung mit sogenannten Randgruppen innerhalb einer Gesellschaft. Menschen mit Behinderungen wurden von der Gesellschaft lange aktiv und passiv separiert. Ein angemessener Umgang mit behinderten Menschen erweist sich also als schwierig, ist aber erlernbar. Hier kann die Schule einen wertvollen Beitrag leisten, da sie nicht nur einen allgemeinen Erziehungsauftrag übernimmt, sondern auch Inklusion in jüngster Zeit immer ein Thema ist. Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich der Umgang zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen gestalten lässt, wird in der Regel in Unterrichtsfächern wie Ethik oder Religion durchgeführt. Die Frage, die an dieser Stelle aufkommt, ist, wieso man den Eingang nicht auch im Französischunterricht finden sollte. „Der Umgang mit behinderten Menschen ist schließlich eine Frage, die die Zielkulturen unserer Schulfremdsprachen genauso betrifft wie unsere eigene Kultur“ (Leitzke-Ungerer, o. J., S. 413). Um dieses prekäre Thema nun im Französischunterricht ansprechen zu können, bedarf es dazu geeignete Materialien, welche Wissen vermitteln, zum Nachdenken anregen und Beispiele guter Praxis zeigen.

An dieser Stelle soll die französische Filmkomödie Intouchables (FSK 6; deutscher Titel: Ziemlich beste Freunde) von Nakache und Toledano aus dem Jahre 2011 als Grundlage dienen, da er oben genannte Kriterien erfüllt. Wichtig ist, dass der Film an die Lebenswelt der SuS anknüpft, welche durch die FSK 6 automatisch gewährleistet ist:

„Ein sechsjähriges Kind taucht noch ganz in die Filmhandlung ein, leidet und fürchtet mit den Identifikationsfiguren. Spannungsund Bedrohungsmomente können zwar schon verkraftet werden, dürfen aber weder zu lang anhalten noch zu nachhaltig wirken. Eine positive Auflösung von Konfliktsituationen ist auch hier maßgebend“ (FSK Ausschuss).

Wie können die SuS nun die Botschaft des Films erfassen und daraus Nutzen für ihr eigenes Verhalten und Handeln gegenüber behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ziehen?

Hier erweist sich die Kompetenz des Sehverstehens gerade in Bezug auf sensiblen Themen als bedeutender Zugang und zwar aus folgenden zwei Gründen:

Zum einen fällt es uns oft schwer, die wesentlichen Worte zu finden, d. h., die Konzentration auf das, was man sehend wahrnimmt, ermöglicht es uns, den schwierigeren, rationalanalytischen Weg über die Sprache zu vermeiden. Zum anderen wird der Zuschauer mit Situationen (z. B. Pflegen eines behinderten Menschen) konfrontiert, in denen man im echten Leben eher zum Wegsehen neigen würde – sei es aus Unsicherheit, Gleichgültigkeit oder weil man sich vielleicht sogar peinlich berührt oder abgestoßen fühlt. Dennoch wirken die Bilder auf den Zuschauer nicht verstörend – sie motivieren eher zum Hinsehen. Untermalt kann das Ganze durch entsprechende Aufgaben zum Sehverstehen.

Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe des Films Intouchables einen angemessenen Umgang mit diesem wichtigen und zugleich sensiblen sowie tabubelasteten Thema herauszuarbeiten. Nach einer kurzen Filmzusammenfassung sowie -kritik wird eine Unterrichtssequenz basierend auf der Dreischritt-Methode avant, pendant, après vorgestellt. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Kompetenz des Sehverstehens.

3.1. Filmzusammenfassung und -kritik

Der Film Intouchables (deutscher Titel: Ziemlich beste Freunde) ist eine französische TragikKomödie, die auf einer Autobiographie von Philippe Pozzo di Borgo (2011) beruht, der bis zu seinem Unfall beim Gleitschirmfliegen Chef einer französischen Champagner-Firma war. Pozzo di Borgo stellte den arbeitslosen, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Algerier Abdel Sellou als Pfleger ein, der später auch sein Freund wurde. Die Biografien von Pozzo di Borgo und Sellou dienten dem Film als Vorlage und als Legitimation. Da es sich jedoch um keine Dokumentation handelt, weicht der Film in einigen Punkten von den Biografien der beiden ab. Dies ist zum einen der künstlerischen Freiheit geschuldet, die aus zeitlichen und dramaturgischen Zwecken notwendigerweise überspitzen oder verknappen muss. So wurde der weiße Araber Sellou zum schwarzen Senegalesen Driss – was den Gegensatz zwischen den beiden Hauptfiguren noch deutlicher und damit ihre Freundschaft noch märchenhafter macht.

Der Film war einer der größten Kinoerfolge der letzten Jahre, der in Frankreich mehr als 19 Millionen Zuschauer hatte, in Deutschland über 9 Millionen und weltweit knapp 50 Millionen. Doch worauf beruht das Geheimnis seines Erfolges? Intouchables ist ein Film, der die Zuschauer trotz des Tabuthemas zum Lachen bringt und verwandelt somit die Tragödie eines Rollstuhlfahrers in eine Komödie. Außerdem wirkt er durch seine wahre Begebenheit um einiges attraktiver, da er zeigt, dass es sich nicht um eine Utopie handelt, sondern im Rahmen des Möglichen stattfindet, in der ein gelähmter Reicher und sein armer, lebensfroher Pfleger trotz aller Widerstände eine innige Freundschaft aufbauen. Bourgeosie und banlieue kommen sich nah.

Worum geht es in Intouchables ? Der reiche Philippe ist vom Hals abwärts gelähmt und benötigt folglich jemanden, der ihm bei alltäglichen Dingen wie Zähneputzen oder Ankleiden hilft. Um solch einen Pfleger zu finden, veranstaltet er eine Reihe von Bewerbungsgesprächen, bei denen sich auch Driss in dem luxuriösen Anwesen findet. Der afrikanisch-stämmige, junge Mann aus dem Pariser Vorort ist abhängig von Sozialhilfe und hat eigentlich kein Interesse an diesem Job. Er erscheint nur, um eine Unterschrift vorweisen zu können, die zeigt, dass er sich zumindest bemüht hat, sich zu bewerben. Zu seiner Überraschung wird er auf Probe eingestellt und erscheint am nächsten Morgen. Driss zeigt wenig Ehrgeiz und ist unerfahren, schlägt sich aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit dennoch hervorragend. Mit seinen eigenen und recht unkonventionellen Methoden kommt er bei Philippe gut an. Vor allem aber zeigt er sich offen und unvoreingenommen; er bringt Philippe kein falsches Mitleid entgegen und ermöglicht ihm die Teilhabe an einem „normalen“ Leben. Statt des behindertengerechten Kombis wird der Maserati in Anspruch genommen. Ermutigt durch Driss gelingt es Philippe, viele Hürden, die durch seine Behinderung (handicap physique) entstanden sind, in seinem Leben zu überwinden.

Auch Driss überwindet die soziale Ausgrenzung (handicap social), für das ihn seine Herkunft sowie Arbeitslosigkeit prädestiniert haben. Dies wiederum ist der Verdienst von Philippe. Mit seinem neuen Job verdient er nicht nur gut und erlebt somit einen sozialen Aufstieg; auch sein Interesse für Musik, Kunst und Literatur wird geweckt.

Durch diese wechselseitige positive Beeinflussung entwickelt sich zwischen den beiden Männern trotz ihrer unterschiedlichen Welten eine bedeutende Freundschaft, die zeigt, dass sie sich tief im Inneren gar nicht so unterscheiden.

Intouchables, der französische Originaltitel, lässt sich auch unter dem Verweis auf die Parallelen zwischen Driss und Philippe erklären. Der Verfasser Philippe Pozzo di Borgo (Philippe) sagt über Abdel (Driss) und sich, sie beide seien wie die Unberührbaren in dem Kastenwesen Indiens1. Das ist der gemeinsame Kern, der sie verbindet. Beide sind sie gesellschaftlich ausgegrenzt Philippe durch seine Behinderung und Driss durch seine soziale Stellung. In der Realität erzählt Pozzo di Borgo, dass sich sein Freund und Pfleger Abdel als Außenseiter in Frankreich fühlte, da er eigentlich Maghrebiner ist und auch im Film steht Driss am Rande der Gesellschaft ohne Arbeit und ohne geregeltes Leben. Philippe wiederum fühlt sich aufgrund seiner Lähmung als Außenseiter und wie in einem goldenen Gefängnis. Seine vollständige Lähmung und das Fehlen jeglichen Gefühls in den Gliedern hindern ihn daran, irgendetwas zu berühren. Andere Menschen trauen sich nicht, ihn zu berühren, weil sein Zustand sie einschüchtert. Unberührbar sind sie also beide. Daher lautet der Originaltitel I ntouchables, der bewusst gewählt wurde: „ Le titre, ‚Intouchables‘ fait référence à la cinquième caste indienne, ces gens mis au ban de la société, comme nos deux personnages “ (Herberg & Weber, 2013, S. 32).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Indisches Kastensystem

160 Millionen Hindus „Unberührbare" und weitere 80 Millionen Christen und Moslems sind aus diesem Kastenwesen ausgeschlossen. Für viele der "Unberührbaren" heißt das, ein Leben in Verachtung zu führen. Trotz gesetzlicher Gleichstellung machen Unberührbare nach wie vor den Bodensatz der Gesellschaft aus. Sie werden in allen Lebensbereichen von den Angehörigen der vier Kasten als unwürdig, unrein und verachtenswert behandelt. Kastenangehörige vermeiden mitunter sogar die Berührung mit dem Schatten eines „Kastenlosen". Unberührbare dürfen in der Regel nur die niedrigsten Arbeiten ausführen. Ihre Löhne sind extrem niedrig. Sie dürfen keine Hindu-Tempel betreten und in vielen Bereichen des Landes dürfen sie auch kein Wasser aus den Brunnen der Kasten schöpfen.

4. Didaktisch-methodische Überlegungen: Dreischritt-Methode

Im Folgenden soll eine potenzielle Unterrichtssequenz zu Intouchables vorgestellt werden. Sie richtet sich an fortgeschrittene Lerner ab dem vierten Lernjahr, d. h. ab der Jahrgangsstufe 10/11 (G8/G9) durchgeführt werden können. Dies ist damit begründet, dass hinsichtlich des Projektthemas die die Kompetenzerwartungen am Ende der Jahrgangsstufe 9/10 vorausgesetzt werden dürfen, u. a. das Verstehen von kurzen Filmsequenzen, die Personen, ihre Lebenswelt, ihre Gewohnheiten beschreiben; wesentliche Aussagen von Filmsequenzen zusammenfassen sowie auch eigene Meinungen dazu formulieren (vgl. KMK 2012).

Die Sequenz ist auf sechs Doppelstunden à 90 Minuten angelegt. Außerdem lassen sie Spielraum für einen Wechsel der Aktionsowie Sozialformen – von Unterrichtsgesprächen über Partnersowie Stillarbeiten bis hin zu Rollenspielen.

Maßgeblich für die Wahl dieses Themenschwerpunkts sind zwei Gründe: Der erste Grund ist, dass I ntouchables ein Film ist, der sich dem tabubelasteten Thema der körperlichen Behinderung (handicap physique) mit Unvoreingenommenheit, Feinfühligkeit, aber auch Humor nähert. Somit stellt der Film eine geeignete Ausgangslage dar, um das Thema im Unterricht zu behandeln. Der zweite Grund, der für den Fremdsprachenunterricht spricht und nicht klassischerweise im Ethik-/Religionsunterricht behandelt werden muss, ist der, dass es sich hierbei um einen französischsprachigen Film aus Frankreich handelt, was als authentisches Medium fungiert. Auf diese Weise kann ein Beitrag zum inklusiven Fremdsprachenunterricht geleistet werden.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, den Film in den Unterricht einzuführen: Die erste Möglichkeit sieht vor, nicht mit dem gesamten Film, sondern nur mit vorher ausgewählten Schlüsselszenen zu arbeiten. Die zweite Möglichkeit sieht vor, mit dem ganzen Film im Rahmen einer kompletten Unterrichtseinheit zu arbeiten, in der nicht nur das zentrale Thema Behinderung behandelt wird, sondern weitere Themen wie z. B. Solidarität, Freundschaft oder bourgeoisie vs. banlieue zum Tragen kommen. In der folgenden Unterrichtssequenz soll jedoch Ersteres vorgestellt werden, da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der körperlichen Behinderung liegt. Diese Unterrichtssequenz kann also als Bestandteil einer größeren Unterrichtseinheit zum gesamten Film angesehen werden.

Der Film soll mit Hilfe des Segmentverfahrens in einzelne Teilsequenzen rezipiert werden, die insgesamt ca. 15 Minuten andauern. Hierbei werden nur einzelne Filmausschnitte, etwa die Eröffnungsszene oder eine andere Schlüsselszene, gezeigt, was die Fokussierung auf einzelne thematische oder sogar filmsprachliche Aspekte zulässt. Da die Aufmerksamkeitsspanne der SuS bereits nach fünf Minuten drastisch nachlässt, können nur kurze Ausschnitte aufmerksam rezipiert werden. Des Weiteren erhöhen kurze Pausen die Aufmerksamkeit.

Beim Intervallverfahren dagegen wird der Film in mehrere Handlungsabschnitte eingeteilt, die sukzessiv in mehreren Unterrichtseinheiten gesehen werden. Aufgaben regen die Besprechung der einzelnen Sequenzen an und bereiten das weitere Filmeschauen vor. Der Vorteil dieses Verfahrens ist zwar, dass der Film als Ganzes gesehen wird im Gegensatz zum Segmentverfahren, wodurch der Film in seiner Gesamtheit sowie Dramaturgie nachvollzogen werden kann. Die Nachteile dieses Verfahrens sind jedoch, dass die Spannung im Film durch eine unnatürliche Fragmentierung verloren geht und allen voran viel Zeitaufwand erfordert, da die Rezeption über mehrere Doppelstunden geht. Im Rahmen dieser Unterrichtssequenz eignet sich das Segmentverfahren also etwas besser.

Es empfiehlt sich, französische Untertitel einzusetzen, weil es sich sonst als schwierig erweisen könnte, die Pointen der Dialoge zu erfassen, da sie zum Teil umgangssprachlich sind, und sehr schnell gesprochen werden. Allerdings hat es sich in der Unterrichtspraxis bewährt, schwer verständliche Szenen in drei Durchgängen zu sehen: zunächst die Bildspur ohne Ton (da beim ersten Anschauen die Aufmerksamkeit der SuS eher auf die Handlung als auf die Sprache gerichtet ist), anschließend die Bildspur mit Ton und im letzten Durchgang die Bildspur mit Ton und Untertiteln. Auf diese Art können Hypothesen zu den Dialogen überprüft werden (vgl. Visionkino). D. h., auch wenn Untertitel auf das Hörverstehen positiv unterstützend wirken, sollte man den SuS nicht das Erlebnis vorenthalten, sich auf einen nicht mit Untertitel untermalten Film in der zu erlernenden Fremdsprache einzulassen. So haben sie die Möglichkeit, das Geschehen über ihre Augen und Tonkanäle aktiv wahrnehmen zu können.

Da es besonders wichtig ist, dass die SuS den Film nicht nur passiv konsumieren und sich aktiv mit dem Inhalt auseinandersetzen, soll der didaktische Dreischritt avant, pendant und après helfen, sich mit dem Film auseinanderzusetzen. Dies geschieht schon, bevor die erste Sichtung der ersten Filmszenen überhaupt stattfindet. Denn dadurch werden die Lernenden nicht nur vorentlastet, sondern schaffen sich auch eine Erwartungshaltung. Die Begleitaufträge während des Films steuern demnach gegen das passive Konsumieren des Filminhalts und fördern die Kompetenz des Hör-Seh-Verstehens.

[...]


1 Von Geburt an bis zum Tod bleibt ein Hindu an seine Kaste gebunden. Die Einteilung der Menschen in Gruppen und eine strenge Rangordnung sind die Merkmale des indischen Kastensystems. Nach der indischen Verfassung von 1950 darf zwar kein Inder wegen seiner Kaste diskriminiert werden. Die Realität jedoch ist eine andere.

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Details

Title
Sehverstehen als Zugang zum Thema Behinderung im Französischunterricht anhand von "Intouchables"
College
University of Frankfurt (Main)  (Romanische Sprachen und Literaturen)
Grade
1,0
Author
Year
2017
Pages
23
Catalog Number
V424869
ISBN (eBook)
9783668998179
ISBN (Book)
9783668998186
Language
German
Tags
sehverstehen, zugang, thema, behinderung, französischunterricht, intouchables
Quote paper
Eda Sarikaya (Author), 2017, Sehverstehen als Zugang zum Thema Behinderung im Französischunterricht anhand von "Intouchables", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424869

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