Die didaktische Umsetzung der literarischen Aspekte nach Kaspar H. Spinner anhand des Regenbogenfisches (Grundschule)


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Regenbogenfisch
2.1 Inhalt des Buches
2.2 Bildliche Gestaltung
2.3 Hauptaussage des Buches

3. Aspekte literarischen Lernen nach Spinner

4. Die Anwendung des Kinderbuches Der Regenbogenfisch im Grundschulunterricht anhand der 11 Aspekte literarischen Lernens
4.1 Einstieg des Buches
4.2 Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln
4.3 Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen
4.4 Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
4.5 Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
4.6 Narrative bzw. dramaturgische Handlungslogik verstehen
4.7 Mit Fiktionalität bewusst umgehen
4.8 Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen
4.9 Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
4.10 Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden
4.11 Prototypische Vorstellungen von Gattungen/Genres gewinnen
4.12 Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das ausgewählte Thema dieser Arbeit sind die „Elf Aspekte“ literarischen Lernens von Kaspar H. Spinner, die an dem Buch Der Regenbogenfisch didaktisch angewendet werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Grundschulunterricht.

Das Thema ist stets aktuell, da in Grundschulen oft verschiedene Kinderbücher benutzt werden, damit die Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Literatur lernen. Besonders in der heutigen Zeit, in der die Kinder kaum noch in ihrer Freizeit ein Buch lesen und sich mit Literatur beschäftigen, ist es wichtig, dass sich in der Grundschule mit Büchern beschäftigt wird. Bücher sind pädagogisch wertvoller als Fernsehen schauen oder Computerspiele spielen. Wie auf den nächsten Seiten erläutert, werden durch Bücher viele Fähigkeiten und das Wissen der Kinder geschult und tragen somit zur Entwicklung des Kindes bei.

In den letzten Jahren wurde der Begriff des literarischen Lernens vermehrt diskutiert, da man Literatur im Unterricht weiterhin für wichtig empfindet und dafür besondere Lernprozesse beschreiben will. Verstärkt wurde dies noch mit einer vertiefenden Analyse der PISA-Daten, in der untersucht wurde, ob es einen Unterschied in der Kompetenz beim Umgang mit literarischen Texten im Vergleich zum Umgang mit anderen Texten gibt. Das Ergebnis war, dass der Umgang mit literarischen Texten offenbar andere Lese- und Verstehensanforderungen stellt. Bei IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) wurden sogar von vornherein Daten zum Leseverständnis von literarischen Texten und von Sachtexten getrennt voneinander ausgewertet.

Die Hausarbeit beginnt mit der Inhaltsangabe, gefolgt von der bildlichen Gestaltung und der Hauptaussage des Buches Der Regenbogenfisch. Im weiteren Verlauf werden die Elf Aspekte des literarischen Lernens von Kaspar H. Spinner genannt und schließlich wird jeder Aspekt auf das Kinderbuch angewandt. Dabei werden Vorschläge bzw. Beispiele vorgestellt, welche Aufgaben/Übungen eine Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern stellen kann, damit sie am Ende mit Literatur bewusst umgehen können und die literarischen Aspekte Spinners beherrschen.

2. Der Regenbogenfisch

Der Regenbogenfisch illustriert und verfasst von Marcus Pfister im Jahr 1992 besteht aus 12 Seiten, aufgeteilt in 6 Seiten Bilder und 6 Seiten Text.

2.1 Inhalt des Buches

Der glitzernde Regenbogenfisch ist der schönste Fisch im Meer, jedoch ist er auch sehr einsam. Aufgrund seiner überheblichen Art distanziert er sich von den anderen Fischen. Ein kleiner Fisch fragt ihn, nach einer Glitzerschuppe, doch er verneint dies und bleibt weiterhin isoliert. Da er nach einiger Zeit anfängt unter dieser Einsamkeit zu leiden, sucht er Rat bei einem Tintenfisch. Dieser schlägt ihm vor, den Fischen seine Schuppen zu schenken. Doch der Regenbogenfisch möchte seine Schuppen behalten. Der kleine Fisch kommt wieder und fragt ihn nochmals nach einer Schuppe. Diesmal gibt der Regenbogenfisch ihm eine kleine Schuppe ab. Schnell schwimmen andere Fische herbei, sodass er schließlich nur noch eine einzige glitzernde Schuppe besitzt. Die anderen Fische fragen, ob er mit ihnen spielen möchte. Nun ist er nicht mehr alleine.

2.2 Bildliche Gestaltung

Marcus Pfister illustrierte das Buch mit frohen Farben. Hierbei handelt es sich um Aquarellbilder mit glitzernden Effekten, wodurch das Buch besonders anziehend für die Kinder ist. Außerdem fördert die kindgerechte Gestaltung die instrinsische Motivation: Das Kind beschäftigt sich freiwillig mit dem Buch und muss nicht durch äußere Reize gedrängt werden. “Das Besondere der intrinsischen Motivation besteht in der internen Verstärkung und in der spontanen Auseinandersetzung mit einem Gegenstand.“ (Fromm 2017: 76)

2.3 Hauptaussage des Buches

Das Buch möchte den Kindern vor Augen führen, wie wichtig es ist zu teilen. Auch wenn es heißt etwas von sich abgeben zu müssen, macht es einen selber glücklich, wenn man Andere glücklich macht. Wer etwas von sich hergibt, bleibt nicht alleine und gewinnt an Freude. Damit sind nicht nur materielle Gegenstände gemeint, sondern auch Fähigkeiten, Fertigkeiten, Freude, Wissen etc., die man teilen kann.

3. Aspekte literarischen Lernen nach Spinner

„Kaspar H. Spinners „Elf Aspekte“ literarischen Lernens von 2006 sind eine hoch anschluss- und leistungsfähige Ausbuchstabierung literarischen Lernens. Sie stiften eine Einheit des Literaturunterrichts von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe 2, sie kombinieren text- und leseorientierte Anliegen, sie verfolgen eine Subjektorientierung auch unter den Vorzeichen Kompetenzorientierung.“ (Mailwald 2015: 85)

1. Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln
2. Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen
3. Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen
4. Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
5. Narrative bzw. dramaturgische Handlungslogik verstehen
6. Mit Funktionalität bewusst umgehen
7. Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen
8. Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
9. Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden
10. Prototypische Vorstellungen von Gattungen/Genres gewinnen
11. Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln

4. Die Anwendung des Kinderbuches Der Regenbogenfisch im Grundschulunterricht anhand der 11 Aspekte literarischen Lernens

4.1 Einstieg des Buches

In der ersten Phase ist die Präsentation des Kinderbuches sehr wichtig. Es kommt dabei darauf an Motivation und Neugier in den Kindern zu erwecken. Die Lehrkraft könnte die Titelseite des Buches der Klasse zeigen und die Kinder können überlegen, was hinter dem Titelbild für eine Geschichte stecken könnte. Das Buch könnte rumgegeben werden, damit die Kinder darin blättern können, um erste Eindrücke zu erlangen (vgl. Karst 1977: 33f).

Schließlich kann die Lehrkraft leise Musik anmachen und den Kindern in aller Ruhe die Geschichte vorlesen. „Wenn gutes Vorlesen Kindern echten Hörgenuss verschafft, ihnen Zugänge zu Geschichten ermöglicht, ihnen Anregungen zur Begegnung mit Büchern gibt, dann ist dies unterhaltender Literaturunterricht“ (Kretschmer 2001: 27) Da es heutzutage auch andere Medien dazu gibt, wie ein Lied oder ein Hörbuch, könnte man dies zwischendurch anmachen, ob in der Pause oder während der Arbeitszeit. Die Aufgaben, die sie im Unterricht zu dem Kinderbuch bekommen, sollten von den Kindern mit Spaß und Motivation bearbeitet werden. „Ob… ein Kind ein tiefes und dauerndes Verhältnis zum Lesen gewinnt, wird stark davon abhängen, ob es im Lesen etwas sieht, was ihm von außen aufgezwungen wurde, oder etwas, an dessen Zustandekommen es selbst aktiv beteiligt wird“ (Bettelheim, 1982: 47)

4.2 Beim Lesen und Hören Vorstellungen entwickeln

Durch die im Kinderbuch vorhandenen Beschreibungen wie „Er ist der allerschönste Fisch im ganzen Ozean“ oder „Stolz lässt er seine Schuppen glitzern“ (S. 1) wird das Vorstellungsvermögen vom Kind angeregt. Schnell kann es eigene Vorstellungen entwickeln, wie der Regenbogenfisch aussieht. Um dies im Unterricht noch zu intensivieren, können die Kinder ihre Vorstellungen zu Papier bringen und malen oder sie können anderen Mitschülern ihre Vorstellungen beschreiben. Schülerinnen und Schüler sind hierbei keine Grenzen gesetzt und können sich kreativ entfalten. „Das freie Malen, ausgehend von einer Lektüre, ist ein zentrales Medium, um die innere Vorstelluung der Schüler zu fördern. Sich etwas zu Texten vorzustellen, ist für einige Kinder eine schwere Aufgabe, weil ihr Vorstellungsvermögen noch wenig entfaltet ist. Das Malen von Bildern konkretisiert diesen mentalen Prozess“ (Waldt 2010: 119) Danach sollten die Kinder sich über ihre gemalten Bilder austauschen: Sie schildern ihre Wahrnehmung und ihre Assoziationen, um sie im nächsten Schritt zu erläutern. Durch die sprachliche Auseinandersetzung ihrer Eindrücke entsteht ein „bildgestützter Gedankenfluss“ (Waldt 2010: 119)

4.3 Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen

Hierbei geht es um das Spannungsverhältnis zwischen Subjektivität und Textbezug. „So kann zum Beispiel ein Kinderbuch mit einer Hauptfigur, die unter Minderwertigkeitsgefühl leidet (ein Hauptthema gegenwärtiger Kinder- und Jugendliteratur), zur Projektionsfläche eigener entsprechender Gefühle werden und gerade durch solche Betroffenheit eine intensiv mitvollziehende, genaue Lektüre bewirken.“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 8) Bei dem Kinderbuch Der Regenbogenfisch wäre der subjektive Aspekt, die Ausgrenzung von anderen Mitschülern. Viele Schülerinnen und Schüler können sich mit dem Regenbogenfisch identifizieren, da sie in ihrem Leben auch schon einmal ausgegrenzt wurden und somit einsam waren. Im Unterricht könnte man den Kindern die Aufgabe geben, ihre eigenen ähnlichen Erfahrungen, die sie mit dem Regenbogenfisch vergleichen, wiedergeben. Dies kann in einem Doppelkreis oder als aufgeschriebene und selbstverfasste Geschichte durchgeführt werden (vgl. Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 9). In dem Doppelkreis stehen die Schüler im Kreis, der im Reißverschlussverfahren aufgebaut ist, so dass die Schülerinnen und Schüler in einem Innen- und Außenstuhlkreis einander zugewandt sind. Der Innenkreis rückt im Uhrzeigersinn zwei Schüler weiter. Die Kinder im Innenkreis sind die Akteure und berichten zuerst von ihren Erfahrungen. Die Kinder im Außenkreis können die gerade gehörten Erfahrungen mit denen des Regenbogenfisches vergleichen. Wovon unterscheiden sich beide Geschichten, was haben sie gemeinsam? Nun rücken die Kinder des Außenkreises zwei Schüler weiter, sodass sich neue Gesprächspaare bilden. Jetzt werden sie die Akteure. „Durch diese Methode sind alle Kinder in einer Klasse gleichzeitig aktiv (durch Sprechen und Hören)“ (Bochmann/Kirchmann 2006: 64)

4.4 Sprachliche Gestaltung aufmerksam wahrnehmen

Da in dem Kinderbuch kein Reimschema ist und kaum stilistische Mittel sind, können die Kinder dies nicht explizit an der Lektüre lernen. Jedoch könnte man ein Gedicht über Fischen vorstellen, bei dem man gemeinsam die sprachliche Gestaltung herausarbeiten könnte. Wobei dies noch zu komplex für die Schülerinnen und Schüler sein kann. Man könnte im Unterricht aber einfache literarische Formen wie Parallelismus, Reihung, Wiederholung, Opposition behandeln, von denen einige auch in dem Kinderbuch Der Regenbogenfisch zu finden sind (vgl. Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 9). Die Lehrkraft könnte sie fragen, ob sie zwei besondere Sätze darin finden, die auf eine gewisse Art und Weise miteinander verbunden sind bzw. sich ähneln. Der Kontrast „Jetzt ist er der einsamste Fisch im Meer“ und „Nun ist er der glücklichste Fisch im Meer“ sind besondere Sätze, da sie das genaue Gegenteil und somit eine Opposition darstellen. Darüber hinaus sind diese beiden Sätze ein Parallelismus, da sie die gleiche Satzstruktur aufweisen. Um dies didaktisch zu intensivieren, kann man ein Arbeitsblatt erstellen, in denen die Kinder weggelassene Wörter in Texten einsetzen müssen, wobei der Text bestenfalls auch Fische thematisiert. (vgl. Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 9) Beispiele hierfür wären:

- Ein Goldfisch ist klein. Ein Wal ist ____. (groß)
- Ein Hai ist schnell. Ein Seepferdchen ist ____. (langsam)

Für Kinder, die schnell ein Gespür für Parallelismen und Gegensätzlichkeiten entwickelt haben, könnte man nur den ersten Satz geben und das Kind könnte sich kreativ entfalten und den zweiten Satz bestimmen. Wobei darauf zu achten ist, dass der Satz die gleiche Satzstruktur aufweist und eine Opposition zu dem ersten Satz darstellt.

4.5 Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen

Nach mehrmaligem Vorlesen können Fragen behandelt werden wie

- „Wieso war der Regenbogenfisch am Anfang traurig?“
- „Warum war er so alleine? Wieso wollten die anderen Fische nicht mit ihm spielen?“
- „Warum ging es ihm später besser?“

Um die Empathie und das Vorstellungsvermögen noch weiter auszudehnen, gibt es noch die Möglichkeit die Geschichte szenisch nachzuspielen oder den Kindern die Aufgabe geben, aus der Perspektive literarischer Figuren zu schreiben. „Durch szenisches Spiel und kreatives Schreiben kann ein intensives Hineindenken und Hineinfühlen in Figuren und Situationen ermöglicht und so Vorstellungskraft und Empathiefähigkeit gefördert werden“ (Spinner 2001: 167). Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler, indem sie das Stück nachahmen, viel mehr die Gefühlslage literarischer Figuren. Bei dem sogenannten Nachahmungslernen spielen zwei Komponente eine Rolle: Zum einen das Vormachen und zum anderen das Nachmachen (vgl. Klauer/Leutner 2012: 103). Das Vormachen wäre in diesem Fall, das Kinderbuch vorlesen und die vorhandenen Bilder zeigen. „In der sozial-kognitiven Lerntheorie von Bandura (1979) spielt das Lernen am Modell eine zentrale Rolle, insbesondere auch im Hinblick auf die Entwicklung von Charaktereigenschaften“ (Klauer/Leutner 2012: 103). Ein Beispiel für das szenische Spiel wäre, dass ein Kind den Regenbogenfisch spielt, der ein buntes glitzerndes Kostüm anhat. Die anderen Kinder könnten in dunkelfarbenen Kostümen die anderen Fische nachspielen. Die Kinder lernen dadurch Emotionen zu übernehmen und zu zeigen. Somit werden Perspektiven aller Figuren erarbeitet und nicht nur die des Regenbogenfisches. Für die Fähigkeit die Perspektiven der Figuren nachvollziehen zu können, ist aufgrund der bisherigen Forschung ein Entwicklungsverlauf festgestellt worden. „Auf einer elemenataren Ebene verstehen Kinder literarische Texte überwiegend aus der Perspektive einer einzigen Figur, mit der sie aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrung identifizieren können. Eine zweite Stufe ist erreicht, wenn der Unterschied zwischen Figuren (bezogen auf ihren Charakter, ihre Gefühlsregungen, ihre Ansichten) genau erkannt wird.“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 10). Somit könnte ein Übergang in die zweite Stufe durch das szenische Nachspielen ermöglicht und gefördert werden.

Das Schreiben aus der Perspektive literarischer Figuren hat viele verschiedene Möglichkeiten umgesetzt zu werden. Spinner schlägt im Zusammenhang mit dem Einsatz von Kinderliteratur produktionsorientierte Verfahren vor: In Ich-Form eine Figur vorstellen, einen Tagebuch-Eintrag einer literarischen Figur schreiben, einen inneren Monolog einer Figur verfassen, einen Brief von und an Figuren entwerfen,

Träume von Figuren erfinden, eine Fortsetzung oder einen Schluss zu einer Geschichte schreiben etc. (vgl. Spinner 1997: 27)

4.6 Narrative bzw. dramaturgische Handlungslogik verstehen

„Schon in der Grundschule muss der Blick auf den Textzusammenhang, darauf, dass vieles sich nur erschließt, wenn man verschiedene Textstellen zueinander in Beziehung setzt, unterstützt werden.“ (Steinbrenner /Wiprächtiger-Geppert 2006: 10) Dies wird am besten deutlich, wenn die Schülerinnen und Schüler ihr Textverständnis ausdrücken, indem sie den Inhalt der Geschichte schriftlich zusammenfassen und dabei auf die Beziehungen und Intentionen der Figuren eingehen. Sie können erklären, warum keiner mit dem Regenbogenfisch spielen möchte, warum der Regenbogenfisch schließlich doch glücklich ist und Freunde gefunden hat etc. Auch das Erzählen ihrer eigenen Erfahrungen, die sie mit dem Kinderbuch in Beziehung setzen, lassen deutlich werden, ob die Kinder die Handlungen bzw. die Problematik verstanden haben.

4.7 Mit Fiktionalität bewusst umgehen

Anfangs tun sich Kinder noch sehr schwer mit Fiktionalität umzugehen wie den Unterschied zwischen fiktionalen Texten und Aussagen der Wirklichkeit zu erkennen. Tierfiguren findet man sehr häufig in literarischen Texten, da sie für die Grundschulkinder zugänglicher sind. „Sie erscheinen oft so vermenschlicht, dass der fiktionale Charakter deutlich erkennbar ist“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 11).

Auch im Der Regenbogenfisch können die Fische sprechen, entwickeln verschiedene Gefühle wie Trauer, Stolz und Freude, sie können andere Fische ausgrenzen und Freundschaften knüpfen. Und in diesem Buch ganz wichtig: Sie können ihr eigenes Hab und Gut abgeben und mit Anderen teilen. Eine didaktische Umsetzung dafür wäre zum Beispiel das Schreiben nach literarischen Mustern. „Im Zusammenhang mit literarischen Lernen ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass die Schüler durch ihre Schreibpraxis grundlegende Einblicke in literarische Formen (wie z.B. Wiederholung, Klanggestaltung, Aufbau) und ihre Wirkung erfahren, zumal wenn die Überarbeitung der Schülerproduktionen als selbstverständlicher Schritt in den Unterricht integriert wird. Durch diese produktionsorientierten Verfahren entwickeln Schüler schon früh einen analytischen Blick für formale Aspekte von Literatur“ (Waldt 2010: 121). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Geschichte ab einem bestimmten Abschnitt weiterschreiben bzw. anders schreiben als vorgesehen. Darauf zu achten ist, dass die Kinder die Fiktionalität fortführen: die Fische sprechen, fühlen, finden Freunde und sind allgemein vermenschlicht.

4.8 Metaphorische und symbolische Ausdrucksweise verstehen

Das Wort „Regenbogenfisch“ an sich ist eine Metapher. Im Grundschulalter behandelt man noch nicht intensiv „forcierte analytisches Entschlüsseln des Symbolgehaltes“, „(…) denn für das kindliche Denken sind übertragene Bedeutungen noch kaum von Konkreten, Gegenständlichen, Wörtlichen ablösbar“ (Spinner 2001: 177). Jedoch kann man einen Anstoß für den Gebrauch und die Bedeutung von Metaphern geben, indem die Kinder beschreiben, wie sie sich einen Regenbogenfisch vorstellen, was das Wort „Regenbogen“ bedeutet und wie es auf einen Fisch übertragbar ist.

Um allgemein die Definition einer Metapher zu verstehen, sollen sie das Wort Regenbogenfisch auseinandernehmen und zwei verschiedene Bilder dazu malen: Einen Regenbogen und einen Fisch. Schließlich sollen sie ein drittes Bild malen: den Regenbogenfisch. Somit wird ihnen deutlich, dass eine Metapher zwei verschiedene Begriffe bzw. Bedeutungen vermischt und somit ein neues sprachliches Bild entsteht. Sie verstehen, dass die Eigenschaft des Regenbogens (bunt) auf den Fisch übertragen wird. Nun dürfen sie selbst Metaphern „basteln“ und mit Sprache spielen. „Als fruchtbar für den Unterricht erweisen sich spielerische Formen von Lyrik nicht zuletzt deshalb, weil sie in besonderem Maße die Eigentätigkeit der Schüler anregen, so dass der Umgang mit Lyrik nicht rein rezeptiv bleiben muss“ (Spinner 1984: 11)

4.9 Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen

Dass es nicht eine feste Lösung gibt, ist für die Kinder neu. Sie müssen lernen und verstehen, dass es verschiedene Deutungen und Interpretationen bei literarischen Texten entstehen. Um dies deutlich zu machen, können die Schülerinnen und Schüler analytische und offene Gespräche führen. Hierbei treten Lehrer wie Schüler als gleichberechtige Redepartner auf, um unterschiedliche Vorstellungen zum Text auszutauschen. „Es sind Gesprächsrunden, die zum Ziel haben, die Vorstellungsbilder der Einzelnen wahrzunehmen sowie gemeinsam Vorstellungsbilder zu entfalten. Die Schüler lernen, dass literarische Texte unterschiedliche Bilder und Gedanken auslösen und dass der Ausrausch hierüber ein konstitutiver Bestandteil des literarischen Verstehensprozesses ist: Deuten heißt, sich über die Bedeutung zu verständigen“ (Waldt 2010: 120). Beispielsweise kann diskutiert werden, warum er anfangs seine Schuppen nicht abgeben wollte. Dies kann mehrere Gründe haben, die nicht explizit im Buch genannt werden.

Möglichkeiten:

- aus Stolz
- weil er den anderen Fisch nicht mochte
- weil der andere Fisch ihm auch nichts abgeben wollte bzw. auch nicht geteilt hat
- weil er die Schuppen schön findet
- weil er die Schuppen selbst geschenkt bekommen hat

Eine andere Situation, in der die Kinder einen Brief schreiben könnten, wäre am Ende des Buches, warum der Regenbogenfisch schließlich glücklich wurde, nachdem er seine Schuppen verteilt hatte.

Möglichkeiten:

- weil er Freunde gefunden hatte
- weil er die Schuppen selbst nicht mehr haben wollte
- weil Teilen glücklich macht
- weil er damit die anderen Fische glücklich gemacht hat
- weil alle Fische nun schön sind und glitzern

Die Kinder können sich hierbei kreativ entfalten. Durch das offene Gespräch wird den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass es verschiedene Gründe und Interpretationen geben kann. Von der Lehrkraft zu betonen ist, dass alle Schülerinnen und Schüler die Aufgabe richtig erfüllt haben und es keine richtige oder falsche Lösung gibt.

4.10 Mit dem literarischen Gespräch vertraut werden

Die Fähigkeit, eigene Sinndeutungen in das literarische Gespräch miteinzubringen, Vorschläge von ihren Mitschülern nachzuvollziehen und „(…) dass sie mit dazu beitragen, eine Balance zwischen Selbstkundgabe, Ernstnehmen des anderen und Textbezug herzustellen.“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 12), muss längerfristig mit den Kindern eingeübt werden.

Der Lehrer nimmt hierbei die Rolle als Gesprächsleiter und als authentischer Teilnehmer ein, der seine Einstellungen, Wahrnehmung und Fragen artikuliert. „Auf diese Weise wird er personal präsent und erfüllt seine Funktion als kompetenter Anderer, als Modell und Vorbild“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 14). Um dies didaktisch umzusetzen, könnte die Lehrkraft ein Sitzkreis erstellen, indem eine Atmosphäre der Ruhe und Konzentration herrscht. Der Regenbogenfisch wird von der Lehrkraft vorgelesen und schließlich verteilt, sodass jeder Schüler die Chance hat, den Text für sich still nochmal zu lesen. „Ziel dieser Phase ist es, den Text möglichst präsent zu machen“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 15). Die Lehrkraft sollte nun einen anregenden Impuls geben, damit alle Schülerinnen und Schüler einen eigenen Beitrag verfassen können. Ein Beispiel für den Impuls wäre die Frage, wie sie anstelle des Regenbogenfisches handeln würden und wieso? Damit wäre die literarische Gesprächsrunde eröffnet und bieten Platz für alle Deutungen und Ideen der Schülerinnen und Schüler. „Ziel ist ein möglichst freier Dialog mit Bezugnahmen auf den Text und auf eigene Erfahrungen“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 15). Um einen gestalteten Abschluss des Gesprächs herzustellen, könnte die Lehrkraft alle Sinndeutungen und Ideen der Kinder an der Tafel zusammenfassen.

4.11 Prototypische Vorstellungen von Gattungen/Genres gewinnen

Als Einstieg in die verschiedenen Gattungen und Genres, können die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Vorlieben beim Lesen und im Umgang mit Medien zeigen und beschreiben. Man behandelt Fragen wie „Was ist das Tolle an deiner Gattung?“, „Was kennzeichnet sie aus?“ und „Wie unterscheidet sie sich von den anderen?“. Schülerinnen und Schüler könnten sich aufteilen und zu jeder Gattung ein Plakat bzw. eine Mind-Map erstellen, damit alle Kinder eine ausgeprägte Vorstellung davon haben. Schülerinnen und Schüler werden in Gruppen eingeteilt und bekommen verschiedene Literaturgattungen, beispielsweise ein Gedicht, ein Zeitungsartikel oder ein Phantasiebuch. Jede Gruppe erhält eines davon und ist nachher „Experte“ dieser Gattung. Sie beantworten Fragen zu ihrem Text wie z.B. Um was geht es in deinem Text? Gibt es die Gestalten wirklich? Wie ist der Text geschrieben? Die Antworten schreiben die Kinder auf ihr Plakat bzw. Mindmap und gestalten sie bunt mit vielen Bildern. „Besonders effektiv einsetzbar ist das Mindmap in Unterrichtsphasen, in denen es um die Dokumentation und Visualisierung von Lern- oder Arbeitsergebnisse einer Gruppe geht“ (Bochmann/Kirchmann 2006: 54). Die Mind-Maps werden an die Wände im Klassenzimmer gehangen.

Schließlich müssen die Schülerinnen und Schüler das Kinderbuch Der Regenbogenfisch einordnen. „Was kennzeichnet das Buch und zu welcher Gattung gehört es?“. Die Kinder werden aufgrund der großen und ausgeprägten Bilder und dem wenigen Text, der nur kurze Sätze beinhaltet, erkennen, dass es sich um ein phantasievolles Kinderbuch handelt und nicht um einen Zeitungsbericht, ein Gedicht oder ein Kriminalroman. Schnell werden die Kinder die Unterschiede der einzelnen Genres erkennen und können umso einfacher das Kinderbuch Der Regenbogenfisch einordnen: „Mindmaps zeigen auf einen Blick, was wichtig ist und was nicht. Man sieht klar, wie die Kernideen zusammenhängen.“ (Burzan 2013: 157)

4.12 Literaturhistorisches Bewusstsein entwickeln

Dieser Aspekt wird meist in den höheren Schuljahren behandelt, da dort alte literarische Texte aus verschiedenen Epochen gelesen werden. „Dies lässt sich schon in der Grundschule anbahnen, weil viele Kinderbücher auf frühere Texte, zum Beispiel auf Märchen, anspielen.“ (Steinbrenner/Wiprächtiger-Geppert 2006: 13) Mit dem Kinderbuch Der Regenbogenfisch kann man diesen Aspekt nicht umsetzen, da es sich hierbei um kein Märchen handelt und auch keiner Epoche zugeordnet werden kann.

5. Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man das Kinderbuch Der Regenbogenfisch im Grundschulunterricht anwenden kann, um den Umgang mit Literatur zu lernen. Durch die bildliche Gestaltung aber auch durch den kindgerechten Text und kindgerechte Geschichte, die im Buch vorzufinden sind, ist das Buch für Kinder ansprechend. Durch Der Regenbogenfisch können viele Fähigkeiten und Kompetenzen erworben und somit die Entwicklung des Kindes gefördert werden. Abschließend möchte ich nochmal betonen, dass Schülerinnen und Schüler motiviert und nicht gezwungen werden müssen, denn nur dann lernen die Kinder langwierig. Zu dem Kinderbuch wurden in dieser Hausarbeit viele Aufgaben bezüglich literarischen Lernens genannt, die den Kindern bei dem Bearbeiten Spaß machen würden. Auffallend war, dass die Aufgaben bzw. die Aspekte Spinners sich teilweise ergänzen. Für die didaktische Umsetzung der Elf Aspekte fanden sich Aufgaben, die mehrere Aspekte bzw. Kompetenzen auf einmal fördern. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten Kindern den Umgang mit Literatur beizubringen, ob das mit anderen Aufgaben oder mit anderen Kinderbüchern ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die didaktische Umsetzung der literarischen Aspekte nach Kaspar H. Spinner anhand des Regenbogenfisches (Grundschule)
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V429364
ISBN (eBook)
9783668729186
ISBN (Buch)
9783668729193
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literarische Aspekte, Spinner, Literatur, Regenbogenfisch, Kinderbuch
Arbeit zitieren
Denise Borgmann (Autor), 2017, Die didaktische Umsetzung der literarischen Aspekte nach Kaspar H. Spinner anhand des Regenbogenfisches (Grundschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429364

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