Die Annexion der Krim 2014 sorgte für viel Diskussion und Gesprächsstoff. Russland ließ die Krim gewaltsam erobern und begründete dies als legitime Art und Weise, da die Krim praktisch sowieso zu Russland gehöre. Dies schuf nach 1783 die zweite Krimkrise, welche die Meinungen von Experten spalten sollte. Die Legitimität wird von verschiedenen Seiten in Frage gestellt, auch wird Russland völkerrechtswidriges Verhalten unterstellt.
Dieses Essay wird sich mit dem Verlauf der Krim-Krise und mit der Frage beschäftigen, wie sich die Theorie des Neorealismus auf diese anwenden lässt.
Hauptsächlich wird auf Mearsheimers Theorie des offensiven Neorealismus Bezug genommen. Mithilfe dieser Theorie wird die Annexion der Krim erläutert und begründet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Krim-Krise unter neorealistischer Betrachtung
2.1 Die Entstehung des Neorealismus
2.2 Akteure und Strukturen des Neorealismus
2.3 Anarchie als Sicherheitsdilemma
2.4 Status Quo und Machtungleichgewicht – Wirkung der Anarchie
3 Empirische Anwendung der Neorealismus-Theorie auf die Annexion der Krim
3.1 Annexion der Krim durch Russland – Verlauf
3.2 Die zentralen Akteure
3.3 Westpolitisches Voranschreiten und Russlands Gegenmaßnahmen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Annexion der Krim im Jahr 2014 durch die analytische Brille des Neorealismus. Das zentrale Ziel ist es, das russische Handeln als rationale Reaktion auf ein als bedrohlich wahrgenommenes, anarchisches internationales System zu erklären und zu begründen, warum neorealistische Konzepte wie Machtgleichgewicht und Sicherheitsdilemma hier greifen.
- Grundlagen des Neorealismus (Waltz und Mearsheimer)
- Die Rolle der Anarchie als strukturgebendes Merkmal internationaler Politik
- Das Sicherheitsdilemma und das Streben nach Machtmaximierung
- Empirische Analyse des Verlaufs der Krim-Krise unter neorealistischer Perspektive
- Westliche Osterweiterung der NATO und die russische Reaktion
Auszug aus dem Buch
2.2 Akteure und Strukturen des Neorealismus
Die Theorie des Neorealismus ist eine systemische Theorie der internationalen Beziehungen. Der Neorealismus geht davon aus, dass ein anarchisches Weltbild herrscht. Dies bedeutet, dass es keine übergeordnete Weltordnung gibt, sondern dass jeder Staat für sich selber zuständig ist. Der Zustand der Anarchie ist hier also die hier die unabhängige Variable. Anarchie ist ein gegenwärtiger Zustand. Die oberste Priorität der Staaten ist das Überleben, also die Erschaffung und Erhaltung von Sicherheit für das eigene Land (Mearsheimer 2014a: 30-31). Der Neorealismus lässt innerpolitische Faktoren außen vor und behandelt die Staaten als Ganzes und ausschließlich deren Sicherheitspolitik aufgrund der Struktur der Anarchie (Mearsheimer 2014a: 30).
Die anarchische Struktur zwingt die Staaten zur Homogenität, das heißt sie müssen ein Selbsthilfesystem erschaffen und können sich nicht spezialisieren (Waltz 2009: 37). Der Staat ist autonom und nicht von anderen Staaten abhängig. Außerdem geht der Neorealismus davon aus, dass Staaten immer rational und einheitlich handeln. Das oberste Ziel, die Sicherheit bzw. das „Überleben“ der Staaten, muss erhalten bleiben und darf nicht durch normgeleitete Entscheidungen oder durch die Abhängigkeit von nationalen Gesellschaften aus den Augen verloren werden. Eine zusammenhängende Außenpolitik wird laut dem Neorealismus durch die Vereinheitlichung außenpolitischer Entscheidungsträger herbeigeführt. Das anarchische Weltsystem führt laut den Neorealisten dazu, dass Staaten jederzeit auf Kriege vorbereitet sein müssen. Staaten müssen im Ernstfall ihr Überleben sichern können (Mearsheimer 2014a: 32-34). Der offensive Neorealismus nach Mearsheimer geht davon aus, dass Staaten stets nach Macht bzw. Hegemonie streben. Rationales Handeln, Dominierung sowie das Streben nach eigener vorteilhafter Position ist das Ziel (Mearsheimer 2014a: 138).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Krim-Krise von 2014 dar und formuliert die Forschungsfrage, inwiefern diese Ereignisse durch die Theorie des Neorealismus erklärbar sind.
2 Die Krim-Krise unter neorealistischer Betrachtung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Neorealismus, insbesondere die Konzepte von Anarchie, Sicherheitsdilemma und Machtstreben nach Mearsheimer und Waltz, erläutert.
3 Empirische Anwendung der Neorealismus-Theorie auf die Annexion der Krim: Dieser Hauptteil verknüpft die theoretischen Konzepte mit den realen Ereignissen der Krim-Krise, wobei die Rolle der NATO und das russische Handeln als rationales Streben nach Sicherheit analysiert werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die neorealistische Perspektive eine valide und logische Erklärung für das russische Vorgehen bietet, indem sie die sicherheitspolitischen Zwänge des internationalen Systems hervorhebt.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Krim-Krise, Anarchie, Sicherheit, Sicherheitsdilemma, Machtgleichgewicht, Russland, NATO, Annexion, Außenpolitik, John J. Mearsheimer, Kenneth Waltz, Internationale Beziehungen, Machtmaximierung, Balancing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 unter der theoretischen Perspektive des Neorealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die neorealistische Systemtheorie, das Sicherheitsdilemma zwischen Staaten, die Rolle von Machtgleichgewichten und die sicherheitspolitische Dynamik zwischen Russland und der NATO.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Annexion der Krim mithilfe der Theorie des Neorealismus erklären lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, bei der neorealistische Konzepte auf einen konkreten historischen Fall angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung des Neorealismus und die anschließende empirische Anwendung dieser Theorie auf das Handeln der Akteure in der Krim-Krise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neorealismus, Anarchie, Sicherheitsdilemma, Machtgleichgewicht und die außenpolitische Rationalität der Staaten.
Warum betrachtet der Autor den Neorealismus als geeignet für diesen Fall?
Der Autor argumentiert, dass der Neorealismus zwar innenpolitische Faktoren ignoriert, aber das Verhalten Russlands in der Krise als logische Reaktion auf das anarchische internationale System und die NATO-Osterweiterung sehr präzise erklären kann.
Welche Rolle spielen Nuklearwaffen laut der Analyse?
Die Analyse führt den Verzicht der Ukraine auf Nuklearwaffen im Zuge des Budapester Memorandums als einen Faktor an, der die mangelnde Abschreckung gegenüber Russland zur Zeit der Annexion erklärt.
- Quote paper
- Julian Apel (Author), 2017, Russland und die Krim-Krise aus der Sicht des Neorealismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429898