Das Lerncoaching bei Legasthenie und LRS


Einsendeaufgabe, 2018

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

zu Aufgabe 1

Stufen der Lese- und Schreibentwicklung

Die Schreibentwicklung lässt sich in zwei Phasen einteilen, den komplexen technischen Schreiblernprozess und die Übungsphase, die mit einer Automatisierung der erlernten Fähigkeiten endet, wenn dem Lernenden die richtige Zuordnung eines Lautes zu einem Buchstaben oder einer -kombination gelingt sowie die Zuordnung dieser zu gedankenkonformen Wörtern.

Der technisch-motorische Schreiblernprozess beginnt bereits im frühen Vorschulalter, wenn Kinder zusammenhängende Linien, beliebige Zeichen und/oder Symbole auf Papier kritzeln und dabei bereits den Schreibprozess auch hinsichtlich der Auge-Hand-Koordination imitieren. Oftmals ist zu beobachten, dass sie diese Kritzeleien kontext- und sinnbezogen einsetzen, indem sie bspw. Bezüge zwischen ihnen und z.B. Erlebnissen herstellen, die sie ihrem Umfeld demonstrieren und erläutern. Mit der Einsicht darin, dass es sich bei den nachgeahmten Zeichen nicht nur um Striche handelt, sondern dass sich diese Symbole hinsichtlich ihrer Formen und in unterschiedlichen Kombinationen differenzieren lassen, beginnen Kinder in einem nächsten Schritt damit, ihre Zeichenimitation zu konkretisieren. In dieser Phase, einer noch ungelenken Vorform des Schreibens, stellen die Buchstaben des eigenen Namens eine besondere Bedeutung dar. In einem nächsten Entwicklungsschritt lernen Kinder, allmählich den Zusammenhang zwischen Lauten und Buchstaben zu verstehen, indem sie den Lauten Buchstaben zuordnen, die der Vorstellung des Gehörten entsprechen. Bei diesen Schreibversuchen handelt es sich oftmals um Wortfragmente bzw. die sog. Skelettschreibung, bei der die im Buchstabennamen bereits enthaltenen Vokale fehlen. Diese vage Vorstellung der Laut-Buchstaben bzw. Buchstabenkombination-Zuordnung wird im weiteren Lernprozess weiterentwickelt und gefestigt, bis die grundlegende Schreibfähigkeit erreicht wurde. Diese wird dann im Verlauf der schulischen Ausbildung weiter trainiert und modifiziert, indem immer komplexere Einheiten gebildet werden: Aus Buchstaben werden Wörter, die dann zu Sätzen und Texten erweitert werden. Im Laufe dieser wiederholenden und vertiefenden Entwicklung wird ein Speicher von automatisierten Wörtern aufgebaut, das Schreibtempo allmählich erhöht, es entwickelt sich eine eigenständige Schrift und Regeln zur Rechtschreibung werden implementiert.

Auch die Lesefähigkeit lernen Kinder intuitiv bereits vor Schulbeginn, wenn sie Zeichen und Symbole ihrer Umgebung wahrnehmen und deuten, wie etwa Gesichtsausdrücke etc., und erkennen, dass das Lesen eines Hilfsmittels bedarf. Ausgangspunkt des Leselernprozesses ist das Erraten des Inhalts auf Grundlage des gesamten äußeren Wortbildes, bevor Kinder im nächsten Schritt zwischen einzelnen Buchstaben innerhalb eines Wortes differenzieren, die es in verschiedenen Kombinationen wiederzuerkennen gilt. Dabei wird oftmals von einzelnen Buchstaben auf ein ganzes Wort geschlossen, denn erst in der schulischen Ausbildung lernen sie, beim Lesen Buchstaben nach der Analyse in der Synthese zusammenzuziehen, um eine interpretierbare Klangfolge zu erzeugen. Mit zunehmendem Wissen um die Laut-Buchstaben-Zuordnung ersetzen Kinder den Buchstabennamen durch den entsprechenden Lautwert, können allmählich auch Buchstabengruppen erkennen und durch das Zusammenziehen lesen, wie bspw. Silben, Prä- und Suffixe. Da die Konzentration nun auf der Suche nach bekannten Buchstabenkombinationen liegt, erhöht sich auch das Lesetempo. Die letzte Stufe dieses Prozesses ist erreicht, wenn nach ausreichender Übung sich der Fokus auf den Inhalt z.B. eines Textes verlagert. In diesem Stadium verlaufen das Zusammenziehen von Buchstaben sowie das Erkennen von Wortbildern in einem hohen Tempo automatisiert, bis die Konzentration sich letztlich nicht mehr auf das Zusammenziehen, sondern auf das Erkennen von grammatischen Besonderheiten bezieht.

zu Aufgabe 2

Ansätze für den Leseunterricht

In der Lesedidaktik unterscheidet man drei Formen des Leseunterrichts.

Das synthetische Verfahren basiert auf einem dreistufigen Lernprozess mit der Konzentration auf einzelne, von sinnhaften Kontexten losgelöste Laute und Buchstabe in Orientierung an der Buchstabiermethode. Nach der Lautgewinnung und –verschmel-zung wird die beim Lesen von Silben und Wörtern relevante Lautvariation betrachtet. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, werden Wörter in das Lesenlernen einbezogen, inhaltliche Aspekte sind bei diesem Verfahren nachrangig.

Beim dreistufigen ganzheitlichen Verfahren mit dem Schwerpunkt auf dem Wort geht es im Rahmen eines naiven-ganzheitlichen Lesens in den ersten sechs Wochen darum, Wörter und Sätze zu betrachten und abrufbar abzuspeichern, ohne dabei auf die Laut-Buchstaben-Zuordnung oder den Sinn einzelner Buchstaben einzugehen. Im Anschluss daran entwickeln die Kinder anhand eines Vergleichs von Gemeinsamkeiten und Unterschiede der betrachteten Wörter eine eigene Theorie zum Aufbau seliger und zur Gebrauchsweise, indem sie sie durch die Zerlegung in Laute, Buchstaben und –kombinationen differenzieren und Möglichkeiten der Verknüpfung selbiger finden. Im dritten Schritt steht die Anwendung im Vordergrund, indem ein Transfer der Kenntnisse zu Buchstaben und deren Kombinationsmöglichkeiten auf unbekannte Wörter stattfindet, die selbstständig gelesen werden sollen. Ausgehend von z.B. einer Wort-Bild-Karte sollen die Kinder also intuitiv mithilfe des eigenen Wortschatzes Laute identifizieren, eine Laut-Buchstaben-Zuordnung vornehmen und sich sukzessiv Buchstaben aneignen.

Neben diese beiden Verfahren, die häufig als Mischform zum Einsatz kommen, wird in der heutigen schulischen Ausbildung das Lesen verstärkt nach der analytisch-synthetischen Methode unterrichtet, deren Grundannahme darauf basiert, dass der Erwerb von Kenntnissen auf der Laut-Buchstaben- bzw. Wortebene parallel abläuft und es daher keine Lernstufen gibt. Aus diesem Grund sieht das Verfahren eine synchrone exemplarische akustische und optische Lautanalyse an ausgewählten Ganzwörtern vor, erworbene Kenntnisse werden dann je nach Lehrwerk mit unterschiedlicher Reihenfolge, Zeitfolge etc. auf weitere Wörter übertragen und stets mit einer auf der Laut-Buchstaben-Zuordnung basierenden inhaltlichen Interpretation des Gelesenen verbunden.

zu Aufgabe 3

Multifaktorielle Bedingtheit der Ursachen bei LRS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zu Aufgabe 4

Vor- und Nachteile einer Förderdiagnose

Im Vergleich zu standardisierten Testverfahren zur Diagnose einer LRS hat ein informeller Test, die sog. Förderdiagnose, Vor-und Nachteile.

Bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Verfahren ist das Vorhandensein zugrundeliegender wissenschaftlicher Gütekriterien, denn während ein standardisierter Test Reliabilität, Validität und Objektivität erfordert, um anerkannt zu werden, spielen diese bei einer Förderdiagnose eine untergeordnete Rolle, da der Schwerpunkt darauf liegt, unabhängig von wissenschaftlichen Gütekriterien möglichst viele und persönliche Informationen über die zu testende Person zu erhalten. Um dies zu erreichen, liegt einer Förderdiagnose auch nur bedingt eine wissenschaftlich-spezifische Testbeschreibung, Durchführung und Auswertung zugrunde, da zwar auf standardisierte Tests zurückgegriffen werden kann, um Fehlerschwerpunkte zu identifizieren, doch kann zugunsten der Informationsgewinnung das eigentliche Testverfahren auch durch Zwischenfragen etc. unterbrochen werden, wenn z.B. die Herangehensweise eines Klienten an ein Problem beobachtet wird.

Das informelle Setting der Förderdiagnose hat auch Auswirkungen auf die Testergebnisse, denn während der Ausgangspunkt einer Diagnose nach einem standardisierten Tests der Prozentrang ist, d.h. inwiefern die zu testende Kompetenz bei der jeweiligen Person im Vergleich zu einer entsprechenden Vergleichsgruppe ausgeprägt ist, fehlt dieser bei einer Förderdiagnose, so dass die Auswertung viel Erfahrung des Testers voraussetzt, damit die Ergebnisauswertung zielorientiert und kompetent ist.

Aufgrund der genannten Faktoren ist eine Förderdiagnose offiziell zudem nicht aussagekräftig, da sie nicht wissenschaftlichen Standards unterliegt, so dass für die Beantragung von staatlichen Fördermaßnahmen zusätzlich ein standardisierter Test durch eine entsprechend geschulte, offiziell für dieses Testverfahren zugelassene Person oder Institution notwendig ist.

Abgesehen von den genannten Nachteilen bietet eine Förderdiagnose aber einen unschätzbaren Mehrwert, da sie die ganzheitliche Betrachtung eines Klienten mit all den in der vorherigen Aufgabe genannten Ursachen und Faktoren einer LRS ermöglicht, denn in einem solchen Testverfahren steht stets einzig der Klient selbst unabhängig von einer Vergleichsgruppe im Vordergrund. Dies ist bedeutsam, da es keine klassische LRS mit spezifischen Ausprägungen gibt und nicht vorhersagbar ist, welche Formen einer LRS wie auftreten. Eine individuell auf den Klienten zugeschnittene Förderdiagnose ermöglicht die Betrachtung der individuellen Lerngeschichte, der Vielseitigkeit der Misserfolgserlebnisse auf die Persönlichkeit und der Familie, der familiären Situation allgemein, des familiären und schulischen Umgangs mit der LRS etc. und kann durch die Einbeziehung von Eltern und Lehrern aussagekräftiger sein als ein standardisierter Test, der sich nur auf einen bzw. einzelne Kompetenzbereich/e beschränkt. Im Vordergrund der Förderdiagnose steht anders als im objektiven Standardtest die Schaffung eines Vertrauensverhältnisses, auf deren Basis die Förderung individualisiert und motivierend aufbauen kann. Gerade bei solchen Klienten, die in der Schule in Testsituationen Leidensdruck und/oder Widerwillen empfinden und sich diesen ggf. sogar durch Schwänzen entziehen, eignet sich die harmonische Atmosphäre einer Förderdiagnose, in der der Klient bei der Beschäftigung mit einer auf sein persönliches Lieblingsthema zugeschnittene Schreibaufgabe eher, um an Fehlerschwerpunkten zu arbeiten.

Zuletzt eignet sich eine Förderdiagnose auch zur Prävention einer LRS und ist diesbezüglich aussagekräftiger als der in standardisierten Tests angestrebte Vergleich mit einer Bezugsgruppe, da bei nicht eindeutiger Diagnostik trotzdem mit der Förderung begonnen werden kann, um einem Misserfolgskreislauf und einer Leidensgeschichte schon im Vorhinein vorzubeugen.

zu Aufgabe 5

Grundsätzliches Vorgehen bei eine Fehleranalyse in der Förderdiagnose:

Gespräch mit allen Betroffenen (ggf. auch Lehrkräften) zu bisherigen Erfahrungen, Erlebnissen und der Wahrnehmung von Auffälligkeiten, Emotionen und Interessen des Kindes in Bezug auf die zu testenden Kompetenzbereiche, Vorliegen von motorischen, visuellen oder auditiven Beeinträchtigungen und allgemeine Entwicklung des Kindes, familiäres Umfeld und Situation, bisherige Fördermaßnahmen, Ergebnisse von Lehrergesprächen

Kompetenzbereich Schreiben

Beobachtungsschwerpunkte:

grundsätzliche Schreibfähigkeit, Einhaltung der Wortgrenzen, Skelettschreibung, Fragmentierungen, Stifthaltung und Motorik, Lesbarkeit, Schreibtempo, emotionales Befinden beim Schreiben, grundsätzliche technische Beherrschung des Alphabets, Wortschatz und Konzentration

Methoden:

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Lerncoaching bei Legasthenie und LRS
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V436418
ISBN (eBook)
9783668783621
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LRS, Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche, Lerntherapie, Lernstörung, Didaktik, Lerncoaching, Lernberatung
Arbeit zitieren
Anna Kuhlmann (Autor), 2018, Das Lerncoaching bei Legasthenie und LRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436418

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