Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung von Interessenkonflikte in der Finanzberatung im deutschen Finanzdienstleistungsbereich und die Gegenüberstellung des klassisch verbreiteten Provisionsmodells mit der alternativen Honorarberatung.
Dazu werden in dieser Arbeit zunächst die Ursachen für Interessenskonflikte erarbeitet. Es werden Gründe für die Entstehung von Interessenkonflikten beschrieben. Neben einer allgemeinen Beschreibung und kritischen Betrachtung des Provisionsmodells werden irreführende Anreize für Finanzberater im Rahmen des Modells aufgeführt und erläutert.
Als weiterer Aspekt wird auf die Prinzipal-Agent-Problematik eingegangen. Es wird die Informationsasymmetrie zwischen dem Kunden als Prinzipal und dem Finanzberater als Agent, der seinen Informations- bzw. Wissensvorspruch zum eigenen Vorteil nutzt, thematisiert und anhand mehrerer Praxisbeispiele greifbar gemacht.
Des Weiteren wird zunächst eine allgemeine Definition der Honorarberatung angestrengt. Dabei wird auf den Status Quo in Deutschland eingegangen und es werden vier mögliche Preismodelle zur Ermittlung des Beraterhonorars beschrieben:
- Pauschalpreis-Modell
- Volumenabhängiges Preis-Modell
- Stundenbasiertes Preis-Modell
- Erfolgsabhängiges Preis-Modell
In einer kritischen Würdigung der Honorarberatung wird beschrieben, inwieweit die Honorarberatung als alternativer Lösungsweg des bestehenden Prinzipal-Agenten-Problems dienen kann und letztendlich in einem Fazit zusammengefasst. Die Arbeit schließt mit einem kurzen Ausblick für die Entwicklung der gesamten Branche und einer Stellungnahme des Verfassers.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursachen für Interessenkonflikte in der Finanzberatung
2.1 Entstehung von Interessenkonflikten anhand der Prinzipal-Agenten Problematik
2.2 Beschreibung und kritische Betrachtung des Provisionsmodells
2.3 Zwischenfazit
3. Honorarberatung als Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung
3.1 Allgemeine Definition der Honorarberatung
3.2 Honorarberatung in Deutschland
3.3 Verschiedene Vergütungsmodelle der Honorarberatung
3.3.1 Pauschalpreis-Modell
3.3.2 Volumenabhängiges Preis-Modell
3.3.3 Stundenbasiertes Preis-Modell
3.3.4 Erfolgsabhängiges Preis-Modell
3.4 Kritische Würdigung der Honorarberatung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Interessenkonflikte innerhalb der Finanzberatungsbranche und stellt das klassische, provisionsbasierte Vergütungsmodell der Honorarberatung als alternative Beratungsform gegenüber, um Möglichkeiten zur Auflösung fehlanreizbedingter Fehlberatungen aufzuzeigen.
- Analyse der Prinzipal-Agenten-Problematik in der Finanzberatung
- Kritische Beleuchtung des Provisionsmodells und dessen Fehlanreize
- Gegenüberstellung und Definition von Honorarberatungsmodellen
- Diskussion über Marktransparenz und Anlegerschutz
- Bewertung der ökonomischen Durchsetzbarkeit unabhängiger Beratung
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehung von Interessenkonflikten anhand der Prinzipal-Agenten Problematik
Der klassische Privatkunde erwartet eine ganzheitliche, professionelle, individuelle und kostengünstige Finanzberatung. Das Kreditinstitut als Wirtschaftsunternehmen hingegen hat das legitime Ziel mit der Finanzberatung Gewinne zu erwirtschaften. Die Konstellation kann mittels der Prinzipal-Agenten-Theorie beschrieben werden. Die Prinzipal-Agenten-Theorie befasst sich mit der Beziehung zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und einem Auftragnehmer (Agent). Der Agent verfügt dabei über Spezialwissen, dass auf Grund von Interessenkonflikten nur partiell an den Prinzipal weitergegeben wird. Somit entsteht ein Informationsdefizit beim Prinzipal. Das Treffen einer richtigen Entscheidung im Vergleich zum ganzheitlichen Informationsstand wird erschwert.
In einer arbeitsteiligen Wirtschaft ist das Informationsdefizit hausgemacht bzw. erwünscht. Bei eigennützigem Verhalten des Agenten kann der Informationsvorsprung jedoch zu Lasten des weniger informierten Prinzipals ausgenutzt werden. Ein derartiges Ungleichgewicht von Wissen ist idealtypisch für eine Finanzberatung. Der ‚unwissende’ Kunde trifft auf den ‚ausgebildeten’ Finanzberater. Auf Basis seiner Ausbildung kann der Finanzberater sein Fachwissen nutzen, um seinen persönlichen Profit auszubauen. Der langfristige Nutzen des Kunden kann in den Hintergrund rücken. Anhand dieser Darstellung offenbart die Finanzberatung Schwächen, die mit jährlichen Schäden zu Lasten der Kunden von rund 20-30 Mrd. Euro beziffert werden. 50-80% der langfristigen Verträge werden vorzeitig mit Verlusten gekündigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Interessenkonflikte in der Finanzberatung ein, die durch die Finanzkrise und das vorherrschende Provisionsmodell verschärft wurden.
2. Ursachen für Interessenkonflikte in der Finanzberatung: Das Kapitel erläutert die Prinzipal-Agenten-Theorie als theoretisches Fundament und analysiert, wie das Provisionsmodell Fehlanreize für Berater schafft.
3. Honorarberatung als Alternative zur provisionsbasierten Finanzberatung: Hier wird die Honorarberatung definiert, ihre Vergütungsmodelle differenziert und kritisch hinsichtlich ihrer Lösungsansätze bewertet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Markttransparenz das entscheidende Kriterium für Qualität ist und eine Honorarberatung eine mögliche, aber keine garantierte Lösung für die bestehenden strukturellen Probleme darstellt.
Schlüsselwörter
Finanzberatung, Interessenkonflikte, Provisionsmodell, Honorarberatung, Prinzipal-Agenten-Theorie, Informationsasymmetrie, Anlegerschutz, Finanzkrise, Fehlberatung, Anlageberatung, Vergütungsmodell, Markttransparenz, Kundenvertrauen, Provisionsverbot, Finanzdienstleister.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strukturellen Interessenkonflikte in der deutschen Finanzberatungsbranche, die aus dem dominierenden Provisionsmodell resultieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Prinzipal-Agenten-Problematik, die Kritik am Provisionsmodell, die Vorstellung von Honorarberatungsmodellen sowie die Herausforderungen der Marktransparenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Gegenüberstellung des Provisionsmodells mit der Honorarberatung, um zu prüfen, ob letztere eine geeignete Alternative zur Vermeidung von Fehlberatungen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie der Auswertung von Studien und regulatorischen Rahmenbedingungen zur Finanzberatung.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung von Interessenkonflikten, die kritische Betrachtung von Provisionen sowie vier spezifische Preismodelle der Honorarberatung inklusive ihrer Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interessenkonflikte, Provisionsmodell, Honorarberatung, Informationsasymmetrie und Anlegerschutz geprägt.
Wie unterscheiden sich die Preismodelle der Honorarberatung?
Die Modelle unterscheiden sich durch die Bemessungsgrundlage, wie etwa Pauschalen, verwaltetes Volumen, Zeitaufwand oder definierte Erfolgskriterien.
Warum gibt es bisher keinen Durchbruch der Honorarberatung in Deutschland?
Laut der Arbeit liegt dies primär an der fehlenden Zahlungsbereitschaft der Anleger für unabhängige Beratung und dem Fehlen verbindlicher Gebührenordnungen.
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- Marius Janßen (Author), 2016, Interessenkonflikte in der Finanzberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437385