Wird Rousseau's Werk: "Vom Gesellschaftsvertag", trotz der ihm zugrundeliegenden Konzeption eines allgemeinen Volkswillens, welcher sowohl totalitäre, als auch anti-totalitäre Elemente impliziert, überhaupt seinem demokratischen Anspruch gerecht?
Diese Hausarbeit geht dieser Frage nach und mündet schließlich in einer differenzierten Konklusion, welche dem demokratischen Wert des Gesellschaftsvertrages gerecht wird. Gleichzeitig werden relevante, durchaus berechtigte Kritikpunkte an der rousseauschen Konzeption des Gemeinwillens berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
1.1. Vorstellung der Ausgangsfrage (S.3)
1.2. Relevanz der Fragestellung (S.3)
II.) Hauptteil
2.Das Konzept des Gemeinwillens
2.1. Definition: „Gemeinwille“ (S.3-4)
2.2.Definition: „Gemeinwohl“ (S.4-5)
2.3.Signifikanz des Gemeinwillens (S.4-5)
2.4.Zwei Deutungsmöglichkeiten der volonté générale und deren historische Konsequenzen:
2.4.1 die subversiv-demokratische Deutung (S.5-10)
2.4.2 die totalitäre Deutung (S.10-14)
3. Demokratie
3.1. Definition: „Demokratie (S.14)
3.2. Zwei Demokratietheorien:
3.2.1 „Identitätstheorie“ (S.15)
3.2.2 „Konkurrenztheorie“ (S.15-16)
III.) Schluss
Fazit/ Beantwortung der Ausgangsfrage (S.16-17)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Rousseaus Werk „Vom Gesellschaftsvertrag“ und dessen Konzeption des Gemeinwillens trotz enthaltener totalitärer Elemente seinem eigenen demokratischen Anspruch gerecht wird, wobei insbesondere die Gefahr einer selektiven Rezeption im historischen Kontext beleuchtet wird.
- Analyse des rousseauschen Gemeinwillens und seiner Ambiguität.
- Historische Konsequenzen der Interpretation während der Französischen Revolution.
- Vergleich von Rousseaus Identitätstheorie mit der modernen Konkurrenztheorie der Demokratie.
- Kritische Überprüfung des Demokratieanspruchs unter Berücksichtigung totalitärer Risiken.
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Die totalitäre Deutungsmöglichkeit und ihre negativen Konsequenzen
Auf der anderen Seite lieferte die Konzeption des Gemeinwillens wichtige Impulse für die zweite, die ‘radikaldemokratische‘ Revolutionsphase. Die Französische Revolution war in dieser Phase durch gegenrevolutionäre Bewegungen und Aufstände bedroht. Dies resultierte in der Einführung von Terrormaßnahmen, welche zur Unterdrückung aller „‚konterrevolutionären‘ Aktivitäten“ dienten. Auf eben diesen Terrormaßnahmen, bauten die ‚Jakobiner‘ – ein damaliger politischer Klub- ihre sogenannte ‚Terrorherrschaft‘ auf. Letztere wurde primär von Maximilien de Robespierre, einem führenden Politiker der Jakobiner initiiert. Die jakobinische Terrorherrschaft bestand aus einer radikalen Unterdrückung konterrevolutionärer Bewegungen sowie der Massenexekution aller verdächtigten Revolutionsgegner. Maximilien de Robespierre, der in Rousseau seinen ‚geistigen Mentor‘ sah, berief sich, wie ich im Folgenden demonstrieren werde, in mehreren Reden, auf seine (eigene) Interpretation des rousseauschen Gemeinwillens.
Zuvor werden die Meinungen von zwei Experten zu den totalilitären Elementen des allgemeinen Willens vorgestellt:
Der Historiker Thomas Maissen sieht besonders in der Prämisse, dass hinter dem universell richtigen Gemeinwillen ein eklatantes Gemeinwohl stehe, welches nur gesunden Menschenverstand voraussetze um es wahrzunehmen (vgl. Rousseau:115) - eine „gefährliche Logik“. Jene habe Robespierre zu seinen (mörderischen) Taten inspiriert. Als Argument für seine These führt Maissen den „Umkehrschluss“ der rousseauschen Prämisse auf. Dieser lautet ihm zufolge: „Es gibt ein unzweideutig bestimmbares Gemeinwohl, und wer es nicht wahrnimmt, ist unvernünftig. Ihn muss man also belehren, dem einheitlichen allgemeinen Willen unterordnen -oder guillotinieren“.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Hier wird die zentrale Forschungsfrage nach dem demokratischen Anspruch des „Gesellschaftsvertrags“ unter Berücksichtigung der inhärenten totalitären Tendenzen eingeführt.
2.Das Konzept des Gemeinwillens: Die zentralen Begriffe werden definiert und es wird analysiert, wie die Ambiguität des Gemeinwillens zu unterschiedlichen historischen Interpretationen – von subversiv-demokratisch bis totalitär – führen konnte.
3. Demokratie: Dieses Kapitel stellt die rousseausche Identitätstheorie der modernen Konkurrenztheorie gegenüber, um die Defizite in Bezug auf heutige demokratische Standards aufzuzeigen.
III.) Schluss: Das Fazit beurteilt Rousseaus Werk als revolutionär für seine Zeit, betont jedoch, dass es modernen Maßstäben aufgrund fehlender Elemente wie Pluralismus und Gewaltenteilung nicht mehr genügt.
Schlüsselwörter
Rousseau, Gemeinwille, volonté générale, Gesellschaftsvertrag, Volkssouveränität, Demokratie, Identitätstheorie, Konkurrenztheorie, Französische Revolution, Robespierre, Terrorherrschaft, Gemeinwohl, Totalitarismus, Politische Philosophie, Rechtsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch Rousseaus politisches Hauptwerk „Vom Gesellschaftsvertrag“ und dessen Begriff des Gemeinwillens im Hinblick auf sein demokratisches Potenzial und seine totalitären Gefahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernpunkten gehören die Definition des Gemeinwillens, die Rezeption durch historische Akteure während der Französischen Revolution sowie der theoretische Vergleich zwischen Identitäts- und Konkurrenzdemokratie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob Rousseaus Werk seinem demokratischen Anspruch überhaupt gerecht wird, obwohl die Konzeption des Gemeinwillens totalitäre Elemente enthält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine begriffliche und theoretische Analyse der Primärquelle sowie einen Vergleich verschiedener politischer Deutungsmuster und ihrer historischen Anwendung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst das Konzept des Gemeinwillens, illustriert dessen unterschiedliche Interpretationen anhand der Französischen Revolution (Jakobiner) und vergleicht anschließend zwei Demokratietheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Gemeinwille (volonté générale), Volkssouveränität, Identitätstheorie, Konkurrenztheorie, Robespierre und Terrorherrschaft.
Warum wird die Französische Revolution als Beispiel herangezogen?
Sie dient als exemplarisches historisches Feld, um sowohl die subversive als auch die totalitäre Deutung des Gemeinwillens und deren reale Konsequenzen zu demonstrieren.
Welche Rolle spielt Robespierre in der Untersuchung?
Robespierre wird als ein Beispiel angeführt, das den rousseauschen Gemeinwillen als „Freibrief“ für seine Terrorherrschaft und die Unterdrückung von Oppositionellen interpretierte.
Warum genügt Rousseaus Werk laut der Autorin nicht heutigen Standards?
Es fehlen zentrale Elemente moderner Demokratien, insbesondere der legitime Pluralismus, der Minderheitenschutz, die Gewaltenteilung und die Akzeptanz politischer Opposition.
Wie lautet die abschließende Einschätzung der Autorin?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass man Rousseau nicht historisch „verpflanzen“ sollte; sein Werk war für das 18. Jahrhundert revolutionär, muss aber nach heutigen demokratischen Maßstäben differenziert beurteilt werden.
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- Claudia Mollin (Autor), 2018, Die Ambiguität des rousseauschen Gemeinwillens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437733