Die neue Rechte, das sind in Deutschland z.B. die rechtspopulistische Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) sowie auch die rechtsaktionistische Organisation der »Identitären Bewegung«, die in den letzten Jahren erfolgreich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Die neurechte Ideologie zeichnet sich u.a. vor allem durch einen Ethnopluralismus aus, nach dem „Rasse nicht mehr im althergebrachten biologischen Sinne verstanden wird und es auch nicht mehr um die Wertigkeit von Rassen geht […], sondern um die Verschiedenartigkeit von Völkern und Kulturen und um das vermeintliche Recht jedes Volkes auf Bewahrung seiner Identität.“9 In Kombination mit einem über die Jahre erfolgreich durchgeführten Imagewechsel, welcher die Gewaltfreiheit und sogar Opferrolle rechter Gruppierungen propagiert, verschwimmt nach und nach menschenverachtendes, rassistisches Gedankengut in seiner Bedeutung zu einer Grauzone und unterwandert immer mehr gesellschaftliche wie politische Bewegungen und Debatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschlecht und Gender im Diskurs
3. Geschlechterrollen und -ideale der neuen Rechten am Beispiel der »Identitären Bewegung«
3.1 Die »Identitäre Bewegung«: Heimat, Freiheit, Tradition
3.2 Das Männlichkeitsideal vom Beschützer der Heimat und Familie
3.3 Weiblichkeiten zwischen rechtem (Anti-)Feminismus und Konservatismus
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Konstruktion innerhalb der sogenannten neuen Rechten am Beispiel der Identitären Bewegung (IB). Dabei wird analysiert, wie moderne Inszenierungsstrategien und ein geschicktes Medienspiel dazu dienen, traditionelle, völkisch-nationalistische Geschlechterrollen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und feministische Ansätze gezielt zu diskreditieren.
- Analyse der Konstruktion von Geschlechterbildern in der neuen Rechten
- Untersuchung des Männlichkeitsideals als Beschützer von Heimat und Familie
- Evaluation der Rolle von Frauen innerhalb der Identitären Bewegung
- Dekonstruktion der Inszenierungsstrategien mittels Social-Media-Analyse
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Männlichkeitsideal vom Beschützer der Heimat und Familie
„Die rechtsextreme Volksgemeinschaft richtet sich ausdrücklich an echte Kerle. Scheinbar ungebrochen wird dem Mann eine einzige Rolle zugeschrieben: Die des heterosexuellen Familienernährers und kämpferischen Beschützers.“
Völkisch-nationalistische Geschlechterordnung unterscheidet nicht zwischen sex und gender, sondern nur zwischen Mann (oder kein Mann) und Frau. Das konservative und romantisch-verklärte Bild vom Mann als Familienoberhaupt und Soldaten, dem Beschützer des Landes, bestimmt nach wie vor das Männlichkeitsideal rechter Realitäten. Mit allem, was dazu gehört: Auf das Konzept der hemonialen Männlichkeit rückführend, zeichnet dieses Männlichkeitsbild vor allem durch Männerbünde, Komplizenschaft und Unterordnung, Gewalt, Misogynie und Homophobie aus. Nach diesem generativen Prinzip gehört entweder dazu und ist ein richtiger Mann oder wird ausgeschlossen und ist demzufolge kein (richtiger) Mann. Die männliche Kameradschaft, die eng mit Hierarchien, Konkurrenz und Kompetitivität einhergeht, bestimmt in ihrer als natürlich gegeben anmutenden Männlichkeitsform keine Ecke des konservativ-heteronormativem Patriarchats so sehr wie die rechte. „Soldatische Stärke“ ist im rechtsextremen Spektrum für Männer von großer Bedeutung. Insbesondere rechte Kameradschaften scheinen für zahlreiche junge Männer eine Anziehung darzustellen, unter anderem aufgrund der versprochenen Überlegenheit gegenüber Frauen und anderen Männern. Diese Überlegenheit über Andere wird ihnen „aufgrund ihres Geschlechtes (und ihrer deutschen Herkunft)“ zugesichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie über Ressourcen im materiellen, sozialen und/oder ökonomischen Bereich verfügen. Sie bekommen die „vermeintliche Sicherheit einer starren Geschlechtsidentität“. Die Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft zeigt Jungen und jungen Männern aber auch, dass das propagierte und geförderte Mann-Sein auch ein Mann-Sein-Müssen bedeutet, welches im Rechtsextremismus einen noch größeren Stellenwert als ohnehin für stereotype Männlichkeitsformen einnimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Konstruktionen im Rechtsextremismus ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung der Identitären Bewegung.
2. Geschlecht und Gender im Diskurs: Hier werden die theoretischen Grundlagen erläutert, wobei Geschlecht als soziale Konstruktion definiert und die Unterscheidung zwischen sex und gender verdeutlicht wird.
3. Geschlechterrollen und -ideale der neuen Rechten am Beispiel der »Identitären Bewegung«: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Männlichkeits- und Weiblichkeitsideale, die von der Identitären Bewegung propagiert werden, und analysiert deren mediale Vermittlung.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie die Identitäre Bewegung durch modernisierte Inszenierungen versucht, völkische Ideologien anschlussfähig zu halten, und warnt vor der Unterschätzung dieser Strategien.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Identitäre Bewegung, Geschlechterrolle, Männlichkeit, Weiblichkeit, Gender, neue Rechte, Volksgemeinschaft, völkischer Nationalismus, soziale Konstruktion, Inszenierung, Rechtspopulismus, Identität, Patriarchat, Anti-Feminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die geschlechtsspezifische Ordnung innerhalb der neuen Rechten, mit besonderem Fokus auf die Identitäre Bewegung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit, der Umgang mit Gender-Debatten sowie die mediale Selbstinszenierung rechtsextremer Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie traditionelle, völkische Geschlechterideale durch moderne, jugendaffine Strategien in den öffentlichen Diskurs zurückgeführt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die mediale Inhalte wie YouTube-Videos, Blogs und Social-Media-Präsenzen analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Gender-Begriffs und eine empirische Betrachtung der Identitären Bewegung hinsichtlich ihrer Männlichkeits- und Frauenbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Rechtsextremismus, Identitäre Bewegung, Männlichkeitsideal, Geschlechterordnung und Anti-Feminismus.
Wie unterscheidet die Identitäre Bewegung zwischen Geschlechtern?
Die Bewegung lehrt ein stark essentialistisches Weltbild, in dem Männer als Beschützer und Soldaten und Frauen als Mütter und Bewahrerinnen der Volksgemeinschaft fungieren.
Welche Rolle spielen moderne Medien für die Identitäre Bewegung?
Soziale Netzwerke und YouTube dienen als wichtiges Instrument für das "Branding" der Identitären, um rechtsextreme Ideologien hinter einem modernen Lifestyle-Image zu verbergen.
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- Nea Adela (Autor), 2018, Geschlechterordnung der "neuen Rechten", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441302