Über den Lehrer und seine beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wird seit jeher diskutiert. Obwohl keine empirischen Kriterien eines „guten Lehrers“ existieren, hat so jeder mehr oder minder differenzierte Vorstellungen was einen guten Lehrer auszeichnet. In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt jedoch nicht auf der Lehrperson selbst, sondern auf dessen Aufgabe, die Schülerleistungen objektiv zu bewerten, liegen. Das stellt eine herausfordernde Aufgabe für ihn dar, die in dieser Arbeit untersucht werden soll.
Zeugnisse im heutigen Verständnis gehören seit dem 18. Jahrhundert zum Schulalltag. Sie bestimmen durch Selektion und Allokation die Berechtigung zu einem Hochschulstudium oder einer Ausbildung. Noten sind Entscheidungsträger für das spätere Leben. Deshalb wird ihnen eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Jedoch gibt es auch Kritiker der Zensuren, die dessen Abschaffung fordern Lehrer haben die Verantwortung Noten gerecht zu verteilen. Das gelingt ihnen jedoch nicht immer.
Welche Probleme treten im Zusammenhang mit der Beurteilung von Schülerleistungen auf? Auf diese Frage soll ich der vorliegenden Arbeit näher eingegangen und eine Antwort formuliert werden. Es handelt sich um eine reine Literaturarbeit, die auf keiner eigenständigen Datenerhebung beruht.
Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im Ersteren sollen Informationen über den theoretischen Hintergrund von Leistungsbeurteilung, dessen Funktionen und allgemeine Gütekriterien für das Messen von Leistungen aufgezeigt werden. Der Begriff Leistung findet in vielen unterschiedlichen Kontexten Verwendung. Deshalb soll das erste Ziel dieser Arbeit darin liegen, Kriterien zu entwickeln, die eine Differenzierung zwischen dem pädagogischen Leistungsbegriff und anderen Leistungsbegriffen ermöglichen. Daran schließt ein Einblick in die schulische Praxis der Leistungsbeurteilung und Notenvergabe (Kapitel 3) an. In diesem Kapitel soll überprüft werden, ob die zuvor aufgezeigten Funktionen und Gütekriterien in der Schule erfüllt werden. Im weiteren Verlauf sollen alternative Formen der Leistungsmessung und Bewertung vorgestellt werden. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein persönliches Fazit gezogen (Kapitel 4).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. der pädagogische Leistungsbegriff
2.2 Funktion schulischer Leistungsbeurteilung
2.3 Allgemeine Gütekriterien
3. die schulische Praxis- Das Notensystem
3.1. Erfüllung der Funktionen
3.2. Erfüllung der Gütekriterien
4. Alternative Formen der Leistungsmessung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Herausforderungen, denen sich Lehrkräfte bei der objektiven Beurteilung von Schülerleistungen gegenübersehen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den theoretischen Anforderungen an eine faire Leistungsbewertung und der schulischen Praxis der Notengebung zu analysieren, um ein tieferes Verständnis für die Problematik der Zensurengebung zu entwickeln.
- Definition des pädagogischen Leistungsbegriffs
- Analyse der Funktionen schulischer Leistungsbeurteilung
- Überprüfung der Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität
- Kritische Reflexion des Notensystems in der schulischen Praxis
- Diskussion alternativer Ansätze zur Leistungsmessung
Auszug aus dem Buch
3.2. Erfüllung der Gütekriterien
Beurteilung und Benotung von Schülerleitungen sind nach Leppert (2010, 45f.) im hohen Maße subjektiv. Studien zur Zensurengebung zeigen, dass die selbe schriftliche und mündliche Leistung eines Schülers von unterschiedlichen Lehrern verschieden bewertet wird. Das gesamte Notenspektrum von eins bis sechs wird dazu ausgereizt. Begründen lässt sich diese unterschiedliche Wahrnehmung von Leistung nur durch subjektive Beeinflussbarkeit des Lehrers. Somit wird das Gütekriterium der Objektivität in vielen Fällen missachtet.
Darüber hinaus werden die Gütekriterien Reliabilität und Validität bei Beurteilungen nicht erfüllt. Die Lehrkräfte lassen sich von äußeren Faktoren wie sozialer Herkunft beeinflussen (Ingenkamp & Lissmann 2005, 154f; Böhmer 2017, 6f). Der Grund dafür liegt nach Weiss (1989, Kap. 8) in der Unfähigkeit des Menschen, Leistungen und Personen getrennt voneinander zu beurteilen. Er argumentiert, dass „der Schlüssel zur Lösung der eigentlichen (…) Probleme der Leistungsbeurteilung (…) in der Wahrnehmung und Beurteilung der Persönlichkeit des Schülers durch den Lehrer“ liegt (Weiss 1989, 127).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Leistungsbewertung ein und unterstreicht die Verantwortung der Lehrkräfte bei der Zensurenvergabe.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert den pädagogischen Leistungsbegriff, beleuchtet die gesellschaftlichen sowie pädagogischen Funktionen der Leistungsbeurteilung und erläutert die wesentlichen Gütekriterien.
3. die schulische Praxis- Das Notensystem: Hier wird das bestehende Notensystem analysiert, wobei kritisch hinterfragt wird, inwiefern Funktionen und Gütekriterien in der Realität erfüllt werden.
4. Alternative Formen der Leistungsmessung: In diesem Kapitel werden Ansätze wie Berichtszeugnisse oder unterrichtsbegleitende Bewertungen als Alternativen zum herkömmlichen Notensystem vorgestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik der Subjektivität bei der Leistungsbewertung zusammen und appelliert an die Lehrkräfte, ihre Bewertungspraxis durch Reflexion und Transparenz kontinuierlich zu verbessern.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Schulnoten, pädagogischer Leistungsbegriff, Gütekriterien, Objektivität, Reliabilität, Validität, Zensurengebung, Schülerleistungen, Selektionsfunktion, Leistungsbewertung, Lernprozess, Notensystem, Bildungsbiografie, Lehrkraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Schwierigkeiten und Probleme, mit denen Lehrkräfte konfrontiert sind, wenn sie Schülerleistungen objektiv und gerecht bewerten müssen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der pädagogische Leistungsbegriff, die Funktionen von Zeugnissen, die wissenschaftlichen Gütekriterien der Diagnostik sowie eine kritische Betrachtung des Notensystems.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine objektive Leistungsbewertung in der Schule schwierig ist und welche Kriterien dabei häufig missachtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis bestehender Fachliteratur die Problematik der Leistungsbeurteilung analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Leistungsbewertung und die praktische Analyse des Notensystems sowie alternativer Messformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Gütekriterien, Notengebung, Objektivität und Schulpraxis.
Warum spielt das Gütekriterium der Validität eine so große Rolle?
Validität ist entscheidend, weil sie sicherstellt, dass tatsächlich die Kompetenzen gemessen werden, die gemessen werden sollen, und nicht etwa irrelevante Faktoren.
Was sind die Hauptargumente gegen das aktuelle Notensystem?
Die Arbeit führt unter anderem an, dass Noten oft subjektiv beeinflusst sind, das soziale Umfeld der Schüler die Bewertung verzerren kann und das Notenspektrum häufig keine differenzierte Rückmeldung zulässt.
- Citation du texte
- Annika Stein (Auteur), 2018, Probleme von Lehrerinnen und Lehrern bei der Beurteilung von Schülerleistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445394