Der Verfasser bietet einen detaillierten historischen Abriss der Geschichte des Heerdter Schützenvereins in den letzten 100 Jahren. Auf der Grundlage umfangreicher Quellen untersucht der Autor, wie dieser 1864 (neu) gegründete Verein durch Kaiserzeit, Weimarer Republik und III. Reich gekommen ist, stellt seine Höhen und Tiefen heraus und geht dann über zur Darstellung der Geschichte des Vereins von seinen höchst schwierigen Neuanfängen nach dem II. Weltkrieg bis auf den heutigen Tag. Dabei belässt er es nicht mit einer Zusammenstellung objektiver Fakten, sondern bemüht sich immer wieder, das sich wandelnde Selbstverständnis des Vereins herauszuarbeiten und - vor allem im Zusammenhang mit der NS-Zeit - trotz einer an dieser Stelle schmalen Quellenbasis der Frage nachzugehen, in welcher Weise und mit welcher Intensität die nationalsozialistischen Machthaber den Verein zu indoktrinieren und gleichzuschalten versuchten. Mit philologischer Akribie gelingt es ihm dabei, selbst scheinbar unwesentliche Details zu interpretieren, in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und zu einer Gesamtbewertung zu gelangen.
Diese Vereinsgeschichte ist die erste und bisher einzige Gesamtdarstellung des Heerdter Schützenwesens. Obwohl der Autor weder aktives noch passives Mitglied des Heerdter Schützenvereins ist, hat er aufgrund seiner Herkunft und seiner persönlichen Beziehungen ein so vertieftes Verständnis für die Materie, dass diese Abhandlung über ihren engen räumlichen Bezugsrahmen hinaus quasi exemplarischen Charakter für das rheinische Schützenwesen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf-Heerdt
2. Erster Teil: Die Geschichte des Vereins von 1910 bis 2016
2.1 I. Der Heerdter Schützenverein im Kaiserreich
2.2 II. Der Heerdter Schützenverein in der Weimarer Republik
2.3 III. Der Schützenverein im Dritten Reich
2.4 IV. Der Heerdter Schützenverein vom Ende des II. Weltkriegs bis heute
2.4.1 1.: Erste Amtszeit Michael Bahners
2.4.2 2.: Amtszeit Willy Scharfschwerdt
2.4.3 3.: Zweite Amtszeit Michael Bahners
2.4.4 4.: Amtszeit Helmut Wolf
2.4.5 5.: Amtszeit Simon Mellmer
2.4.6 6.: Amtszeit Heinz-Dieter Werner
3. Zweiter Teil: Neue Studien zur Heerdter Vereinsgeschichte
3.1 Vom Artillerie- zum Bürgerverein
3.2 Nachtrag zur Geschichte des Schützenvereins
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die über einhundertjährige Geschichte des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf-Heerdt anhand der Vereinsprotokolle und Berichte aufzuarbeiten, um Kontinuitäten und Brüche im Vereinsleben sowie die soziokulturelle Entwicklung des Vereins im Wandel der Zeiten zu dokumentieren.
- Analyse der Vereinsstrukturen und -aktivitäten von 1910 bis 2016.
- Untersuchung des Verhältnisses des Vereins zur Politik, insbesondere in der Weimarer Republik und im Dritten Reich.
- Dokumentation der Nachkriegsentwicklung und der Neuausrichtung des Schützenwesens.
- Reflektion über das Selbstverständnis des Vereins als soziokulturelle Gemeinschaft und deren Herausforderungen in der modernen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
III. Der Schützenverein im Dritten Reich
Im ersten Halbjahr des Jahres 1933 deuten mehrere Protokollnotizen darauf hin, dass der Verein Wert auf Disziplin und öffentliche Anerkennung legt: So werden z.B. Sanktionen für Schützen, die im Zug nicht mitziehen, angedacht. Außerdem ergehen Appelle an eine verstärkte Teilnahme bei Beerdigungen von Schützenkameraden und auch an die Heerdter Bevölkerung, das Schützenwesen zu unterstützen (13.5.1933). Ein halbes Jahr nach Hitlers Machtübernahme beendet der erste Vorsitzende die GV mit einem „dreifachen Hoch auf den Schützenverein, das Deutsche Reich und seine Führung“. Man beachte, dass noch sehr vage von dem Abstraktum „Führung“ gesprochen wird und noch nicht von der konkreten Person des „Führers“. Im übrigen fehlen bis dahin in den Protokollen „Hoch“-Rufe dieser oder ähnlicher Art.
Ein deutlicheres Signal ist in dieser Zeit wohl die Umbenennung der vorher von Fräulein Daniels – inzwischen von ihrem Schwiegersohn Johann Wilhelm Vambrie – geführten und von den Schützen geschätzten Wirtschaft in der Krefelderstraße 3 in „Zur Hitler-Eiche“ (30.10.1933). Die GV vom 26.11.1933 spiegelt die sich allmählich durchsetzende Ideologie der neuen Machthaber an verschiedenen Stellen wider: Es wurde inzwischen vom Verein eine Hakenkreuzfahne angeschafft, aber der Kassenprüfer Lensing kritisierte die dafür aufgewendeten 18 Mark als zu hoch. „Kamerad Schäfer“ wird nicht zum ersten Vorsitzenden, sondern zum „Führer“ gewählt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Der Heerdter Schützenverein im Kaiserreich: Dieses Kapitel behandelt die frühen Jahre des Vereins ab 1910, geprägt von Formalitäten, ersten Schützenfesten und der Auseinandersetzung um Schießstand-Problematiken.
II. Der Heerdter Schützenverein in der Weimarer Republik: Beschrieben werden die Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg, die Inflation sowie der Kampf um neue Satzungen und die finanzielle Konsolidierung.
III. Der Schützenverein im Dritten Reich: Der Autor analysiert die schrittweise Instrumentalisierung des Vereins durch die Nationalsozialisten, die Einführung des Führerprinzips und den Versuch der Entchristlichung.
IV. Der Heerdter Schützenverein vom Ende des II. Weltkriegs bis heute: Detaillierte Betrachtung der Wiederbelebung des Vereins nach 1945 sowie der gesellschaftlichen und strukturellen Herausforderungen bis in die Gegenwart, gegliedert nach den Amtszeiten der Vorsitzenden.
Vom Artillerie- zum Bürgerverein: Eine spezielle Untersuchung zur kurzlebigen Koexistenz und Transformation von Artillerie- und Bürgervereinen in Heerdt in den 1920er Jahren.
Nachtrag zur Geschichte des Schützenvereins: Zusammenfassung spezifischer Quellen aus den Jahren 1935/36, die den Druck der Parteipolitik auf das Vereinsleben verdeutlichen.
Schlüsselwörter
St. Sebastianus Schützenverein, Düsseldorf-Heerdt, Schützengeschichte, Vereinswesen, Nationalsozialismus, Traditionsverein, Schützenfest, Protokolle, Vereinsstruktur, Heimatbrauchtum, Zeitgeschichte, Kontinuität, Soziokulturelle Mission, Schießsport, Vereinsmitglieder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der umfassenden Geschichte des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf-Heerdt vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 2016.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Vereins, der Wandel von Strukturen, der Einfluss politischer Systeme auf das Vereinsleben sowie die Bedeutung des Schützenwesens für die Stadtteilkultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Kontinuitäten und Brüche im Vereinsalltag auf Basis der archivierten Protokolle aufzuarbeiten und die Rolle des Vereins in verschiedenen Epochen darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich nahezu ausschließlich auf die vom Vereinsvorstand archivierten Protokolle und Berichte der letzten 100 Jahre, ergänzt durch historische Kontexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der Vereinsgeschichte, unterteilt in die Zeit des Kaiserreichs, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches sowie die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tradition, Vereinsgeschichte, Schützenwesen, Nationalsozialismus, Kontinuität und gesellschaftlicher Wandel charakterisieren.
Warum war die Zeit des Nationalsozialismus so entscheidend für den Verein?
Die Zeit war entscheidend, da sie den Verein vor massive Herausforderungen stellte, wie die sogenannte Gleichschaltung, die Einführung des Führerprinzips und den politischen Druck auf christliche Traditionen.
Wie ging der Verein nach 1945 mit der Vergangenheit um?
Nach dem Krieg fokussierte sich der Verein auf den Wiederaufbau, wobei eine gewisse Kontinuität gesucht wurde, während man sich gleichzeitig den neuen demokratischen Gegebenheiten anzupassen versuchte.
Welche Rolle spielte der Bürgerverein in der Heerdter Vereinsgeschichte?
Der Bürgerverein und seine Verbindung zum Artillerie-Verein waren in den 1920er Jahren ein bedeutender, wenn auch kurzlebiger Teil der lokalen Vereinslandschaft, der in der Arbeit detailliert untersucht wird.
Warum wurde die Tradition des Vereins heute neu interpretiert?
Die Neuinterpretation ist eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel und dient dazu, den Verein als attraktive, identitätsstiftende Gemeinschaft für zukünftige Generationen zu erhalten.
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- Klaus Bahners (Autor), 2018, Die Geschichte des Schützenvereins Düsseldorf-Heerdt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445701