Der Ökonom Milton Friedman wies darauf hin, dass alles was nicht der Maximierung des eigenen Profits dient, außerhalb der Verantwortung der Unternehmen liegt. Dieses fehlende moralische Bewusstsein wird dem Kapitalismus häufig vorgeworfen. Neben der Motivation es anders zu machen, sorgen anhaltende soziale Probleme für die steigende Bedeutung des Social Entrepreneurship (SE). Es wird versucht, diverse soziale Probleme, wie die Flüchtlingsintegration oder Verschwendung natürlicher Ressourcen, durch unternehmerische Aktivitäten zu lösen. Das führt zu einer ansteigenden Anzahl an hybriden Organisationen, die gewinnorientierte und gemeinnützige Organisationsformen miteinander kombinieren.
Hybride Organisationen entstehen entweder durch Organisationsaktivitäten und -strukturen, die mehrere Organisationsformen verbinden, oder durch einzigartige Verknüpfung von unterschiedlichen institutionellen Logiken. Battilana und Lee bezeichnen soziale Startups als Idealtypen hybrider Organisationen, da sie sich gleichermaßen auf die soziale Zielerreichung und marktwirtschaftliche Performanz fokussieren (social business hybrids: SBH). Dennoch sind SBHs mit der immanenten Gefahr des mission drift konfrontiert, was als Zielveränderung in der unternehmerischen Mission bezeichnet wird, sodass sich das Startup nicht mehr gleichmäßig auf die soziale und kommerzielle Mission fokussiert.
Als Konsequenz könnten die Interessen einer Stakeholdergruppe systematisch gegenüber den Interessen anderer Gruppen bevorzugt werden und die Mission undeutlich werden oder sich verschieben, was wiederum zur Abnahme der Mitarbeiteridentifikation führen kann. Zum Beispiel kann der exklusive Fokus auf kurzfristige Gewinnziele mission drift bedeuten. Da ein Ungleichgewicht in der Mission zu langfristigen Nachteilen führen kann, versuchen Wissenschaftler zu untersuchen, wie mission drift verhindert werden kann. Diese Forschungsarbeit trägt zu diesen Bemühungen bei, indem es die Rolle der Organisationskultur als Moderator des mission drift untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz der Arbeit
1.2 Struktur der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Social business hybrids (SBH) im Gründungskontext
2.1.1 Charakter hybrider Organisationen
2.1.2 Social Entrepreneurship als Form des Entrepreneurship
2.1.3 Social business hybrids (SBH) als Form sozialer Startups
2.2 Moderation des mission drift durch Dimensionen hybrider Organisationen
2.2.1 Mission drift
2.2.2 Modell des Integrationslevels
2.2.3 Organisationale Kernaktivitäten
2.2.4 Zusammensetzung der Mitarbeiter
2.2.5 Organisationales Design
2.2.6 Interorganisationale Beziehungen
2.2.7 Konzept der Organisationskultur
3 Neo-Institutionalismus als theoretische Perspektive
3.1 Vorstellung des Neo-Institutionalismus
3.2 Beziehung des Neo-Institutionalismus zur Organisationskultur
4 Methodik der empirischen Studie
4.1 Erhebungsmethoden der Fallstudien
4.2 Analysevorgehen
4.3 Gütekriterien der Untersuchung
5 Ergebnisse der empirischen Studie
5.1 Mission der Fälle und ihr Umgang mit mission drift
5.2 Vergleichende Analyse der Fälle
5.2.1 Organisationale Kernaktivitäten
5.2.2 Zusammensetzung der Mitarbeiter
5.2.3 Organisationales Design
5.2.4 Interorganisationale Beziehungen
5.2.5 Organisationskultur
6 Diskussion und Ausblick
6.1 Forschungsimplikationen
6.2 Managementimplikationen
6.3 Limitationen und weitere Forschungsansätze
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des "mission drift" in sozialen Startups, insbesondere die Frage, wie diese Organisationen ihre Unternehmenskultur gestalten, um einer schleichenden Entfremdung von ihrer ursprünglichen sozialen Mission entgegenzuwirken.
- Analyse hybrider Organisationen (Social Business Hybrids)
- Rolle der Organisationskultur als Moderator für Zielkonflikte
- Anwendung des Neo-Institutionalismus zur Erklärung von Logiken
- Empirische Untersuchung mittels Mehrfallstudien
- Ableitung von Managementimplikationen für soziale Gründer
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Mission drift
Eine gemeinsame Vision drückt eine Vorstellung über die zukünftig realisierbare Nutzenstiftung für die Gesellschaft aus. Sie leitet das unternehmerische Handeln und die Entwicklung des SBH. Die Mission beschreibt zumeist in einem Statement den Auftrag des SBH zur Realisierung der Vision (McDonald 2007, S. 261). Innerhalb des SE ist die soziale Mission die Grundlage einer Organisation. Durch die Mission werden die Organisation und die adressierten Kunden definiert sowie ihre Daseinsberechtigung angezeigt. Die Organisationsmission beinhaltet die wesentlichsten Signale ihrer Ziele und ist Ausdruck ihrer Kultur (McDonald 2007, S. 257; Miller und Wesley II 2010, S. 708). Moss et al. (2011, S. 806) beschreiben Mission Statements als psychologischen Vertrag zwischen Organisationen und Mitgliedern. Die Mission wird nicht nur auf Organisationsebene dafür genutzt, den strategischen Plan der Gesamtorganisation auszudrücken, sondern kann Menschen auf individueller Ebene auch zusammenbringen und die gemeinsame Unterstützung gegenüber dem SBH erhöhen (McDonald 2007, S. 257, 2007, S. 263).
SBHs manifestieren kommerzielle und soziale Aspekte in ihrem Mission Statement. Die soziale Mission im SE dient der Gesellschaft und schafft eine positive Wirkung für andere (Miller und Wesley II 2010, S. 708–709; Young 2001, S. 153). Im Vergleich zu kommerziellen Unternehmen wird die soziale Seite mehr betont, da SBHs hauptsächlich durch das Erreichen der sozialen Mission legitimiert werden und diese Mission Statements für SBHs auch als (Marketing-)Instrument zum Erlangen einer höheren Reputation genutzt werden können (Luke et al. 2013, S. 251; Moss et al. 2011, S. 817–818, 2011, S. 821). Miller und Wesley II (2010, S. 722) zeigen in diesem Zusammenhang, dass SBHs mit peripheren sozialen Missionen als weniger effektiv angesehen werden. Die Mission dient somit auch als strategische Ressource, die soziale Entrepreneure in die Lage versetzt, die existierende Legitimität der sozialen Mission zu nutzen, um Zugang zu spezifisch benötigten Ressourcen zu bekommen (Dacin et al. 2010, S. 50; Lounsbury und Glynn 2001, S. 546; Luke et al. 2013, S. 251).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Social Entrepreneurship und das Problem des "mission drift" bei hybriden Organisationen ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert das Konzept der Social Business Hybrids (SBH) und stellt das Modell der fünf Dimensionen vor, die den Umgang mit multiplen institutionellen Logiken bestimmen.
3 Neo-Institutionalismus als theoretische Perspektive: Hier wird der Neo-Institutionalismus als theoretischer Rahmen dargelegt, um das Verhalten von Organisationen in Bezug auf Legitimität und institutionelle Logiken zu verstehen.
4 Methodik der empirischen Studie: Dieses Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign der Mehrfallstudie inklusive der Datenerhebung durch Interviews und Sekundärdaten.
5 Ergebnisse der empirischen Studie: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung präsentiert, wobei der Fokus auf dem Umgang der untersuchten Fälle mit den Dimensionen der Hybridität und der Unternehmenskultur liegt.
6 Diskussion und Ausblick: Das abschließende Kapitel diskutiert die Forschungsergebnisse, leitet Implikationen für die Managementpraxis ab und reflektiert die Limitationen sowie weitere Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Social Entrepreneurship, Social Business Hybrids, Mission Drift, Organisationskultur, Neo-Institutionalismus, Hybride Organisationen, Institutionelle Logiken, Fallstudie, Soziale Startups, Zielkonflikte, Legitimität, Sozialisierung, Organisationsdesign, unternehmerische Mission, duale Zielsetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung von "Social Business Hybrids" (SBHs), ihre duale Mission – also soziale Ziele kombiniert mit kommerziellen Anforderungen – ohne eine schleichende Zielverschiebung, den sogenannten "mission drift", zu bewahren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Arbeit behandelt die fünf Dimensionen hybrider Organisationen: Kernaktivitäten, Zusammensetzung der Mitarbeiter, Organisationsdesign, interorganisationale Beziehungen und die Organisationskultur, wobei letztere besonders hervorgehoben wird.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist zu beantworten, wie SBHs ihre Organisationskultur aktiv und bewusst gestalten, um den mission drift zu moderieren und somit die Balance zwischen ihren sozialen und ökonomischen Logiken langfristig zu halten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine qualitative Mehrfallstudie, die mittels teilstrukturierter Interviews und der Analyse von Sekundärdaten durchgeführt wurde, um kausale Mechanismen in den sieben ausgewählten Startups zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung analysiert?
Der Hauptteil analysiert, wie diese Startups die Anforderungen verschiedener Logiken innerhalb ihrer Strukturen ausbalancieren, welche Rolle die Rekrutierung und Sozialisierung von Mitarbeitern spielt und wie Partnerschaften in das Modell integriert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Begriffen wie "mission drift" und "Social Business Hybrids" stehen Begriffe wie "Neo-Institutionalismus", "institutionelle Logiken" und "Organisationskultur" im Mittelpunkt der theoretischen Diskussion.
Welche Rolle spielt die Organisationskultur konkret beim Verhindern von mission drift?
Die Arbeit zeigt, dass eine explizit gestaltete, integrierte Organisationskultur als verbindendes Element dient, das den Mitarbeitern als Orientierung in unklaren Situationen dient und das Commitment zur sozialen Mission stärkt.
Ist ein "mission drift" bei allen Startups gleichermaßen wahrscheinlich?
Die Arbeit deutet darauf hin, dass die Anfälligkeit für mission drift mit dem Ausmaß der Differenzierung zwischen kommerziellen und sozialen Aktivitäten variiert; Startups mit stärker integrierten Strukturen und Kulturen scheinen resilienter gegenüber einer einseitigen Zielverschiebung zu sein.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2018, Das Phänomen des "mission drift" in sozialen Start-ups, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/451643