Seelsorge ist heute in aller Munde. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um einen der Begriffe, den jeder kennt, den aber niemand wirklich definieren kann. Selbst Theologen tun sich schwer damit, weil es nicht die eine Definition der Seelsorge gibt. Dennoch wird ihr eine entscheidende Rolle im kirchlichen Handeln zugesprochen.
Diese ‚Undefinierbarkeit’ des Begriffs ‚Seelsorge’ ist kein Wunder, denn er hat im Christentum über die Jahrhunderte einen großen Wandel erlebt; der Bedeutungsraum ist immens: vom Kampf gegen die Sünde bis hin zur „Hilfe zur Lebensgewißheit“ oder „Freisetzung“ von Verhalten „zur Lebensbewältigung“. Wie dem auch sei, die Aufgabe dieser Arbeit ist es nicht, den Begriff der Seelsorge zu definieren oder ihn zu sezieren. Vielmehr geht es um den spezifischen Ansatz Joachim Scharfenbergs. Aus diesem heraus ergibt sich dann aber schließlich doch im letzten Teil dieser Arbeit eine Definition des Begriffs Seelsorge.
In einem ersten Schritt wird ein maßvoller Aufriss der historischen Entwicklung vorgenommen. Diesem Abschnitt folgen einige interessante biographische Daten zu Scharfenberg. Der von ihm entwickelte Ansatz wird in drei Teilen dargestellt: In der Frage nach der Sprache und dem Gespräch, der theologischen sowie der poimenischen Grundlage. Es gilt zu beachten, dass ich Scharfenbergs Konzeption/Entwurf nicht ausschließlich in Punkt 4 behandle; vielmehr erfolgen die vorhergehenden Ausführungen durchaus dialektisch, um schon in diesen an passenden Stellen Unterschiede gegenüber geläufiger Seelsorgekonzeptionen zu der Scharfenbergs aufzuweisen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Seelsorgeverständnis vor Scharfenberg
- Alte Kirche und Mittelalter
- Martin Luther und die Schweizer Reformation
- Pietismus
- Aufklärung
- 19. Jahrhundert
- 20. Jahrhundert und gegenwärtige Diskussion
- Kerygmatische Seelsorge - Seelsorge als Verkündigung im Gespräch
- Seelsorge als Beratung - Seelsorgebewegung
- Evangelikale Seelsorge – Seelsorge als biblische Therapie
- Person und Wirkungsgeschichte Joachim Scharfenbergs
- Scharfenbergs Ansatz
- Sprache und Gespräch
- Theologischer Ansatz
- Abgrenzung zur kerygmatischen Seelsorge
- Wider die Beichte als Seelsorge-Element
- Seelsorge als Tat des lebendigen Gottes
- Zentrale Rolle der Seelsorge im kirchlichen Handeln
- Poimenischer Ansatz
- Der Einfluss Freuds
- Gespräch als passendes Medium
- Sechs Thesen für eine Seelsorge als Gespräch
- These 1: Das Gespräch darf nicht autoritär sein
- These 2: Die Gesprächspartner müssen gleichberechtigt sein
- These 3: Keine Vorurteile
- These 4: Keine Beeinflussungen
- These 5: Wahrung des Gesprächsklimas
- These 6: Das Ende im Blick haben
- Zusammenfassung der Thesen
- Resümee und Bewertung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit dem Beitrag Joachim Scharfenbergs zum Verständnis von Seelsorge. Sie analysiert seinen Ansatz im Kontext historischer Entwicklungen und untersucht seine zentralen Thesen und Überzeugungen.
- Die historische Entwicklung des Seelsorgeverständnisses
- Scharfenbergs Ansatz zur Seelsorge als Gespräch
- Der Einfluss von Freud und der Bedeutung der Gesprächsführung
- Die Rolle von Theologie und Poimenik in Scharfenbergs Konzept
- Eine Abgrenzung zu anderen Seelsorgekonzeptionen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die Bedeutung und Relevanz von Seelsorge in der heutigen Zeit sowie die Herausforderungen bei der Definition des Begriffs beleuchtet. Anschließend wird ein Überblick über die historische Entwicklung des Seelsorgeverständnisses von der Alten Kirche bis zum 20. Jahrhundert gegeben. Im Fokus steht dabei die Entwicklung der Beichte und die Rolle von Figuren wie Martin Luther, Martin Bucer und Schleiermacher.
Im dritten Kapitel werden wichtige biografische Daten zu Joachim Scharfenberg vorgestellt. Anschließend wird Scharfenbergs Ansatz in drei Teilen betrachtet: Sprache und Gespräch, theologischer Ansatz und poimenischer Ansatz. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Scharfenbergs Thesen zur Gesprächsführung und seiner Abgrenzung zur kerygmatischen Seelsorge. Im letzten Teil der Arbeit werden Scharfenbergs Kernaussagen zusammengefasst und bewertet.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Seelsorge, Joachim Scharfenberg, Gesprächsführung, Theologie, Poimenik, Kerygmatische Seelsorge, Beichte, Freud, Lebenshilfe, Kirchendienst, Gemeinde, Gesprächsklima, Freiheit, Freiheit des Einzelnen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern von Joachim Scharfenbergs Seelsorge-Ansatz?
Scharfenberg versteht Seelsorge primär als Gespräch. Sein Ansatz basiert auf einer theologischen und poimenischen Grundlage, die stark von Sigmund Freud beeinflusst ist.
Welche Rolle spielt das Gespräch in Scharfenbergs Konzept?
Das Gespräch ist das zentrale Medium. Scharfenberg formulierte sechs Thesen für eine gelungene Seelsorge, darunter die Forderung nach Gleichberechtigung, Vorurteilslosigkeit und der Vermeidung von Autorität.
Wie grenzt sich Scharfenberg von der kerygmatischen Seelsorge ab?
Im Gegensatz zur kerygmatischen Seelsorge, die Seelsorge als Verkündigung im Gespräch sieht, fokussiert sich Scharfenberg auf den dialektischen Austausch und die Freiheit des Einzelnen.
Warum ist die Definition von Seelsorge so schwierig?
Der Begriff hat über Jahrhunderte einen starken Wandel erlebt – vom Kampf gegen die Sünde bis zur Hilfe zur Lebensbewältigung. Scharfenberg versucht, durch seinen spezifischen Ansatz eine moderne Definition zu finden.
Welchen Einfluss hatte Sigmund Freud auf Scharfenberg?
Freuds Psychoanalyse beeinflusste Scharfenbergs poimenischen Ansatz maßgeblich, insbesondere im Hinblick auf das Verständnis menschlichen Verhaltens und die Dynamik im Seelsorgegespräch.
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- Mag.rer.soc.oec., MTh Dietmar Böhmer (Author), 2017, Joachim Scharfenbergs Beitrag zum Verständnis der Seelsorge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455050