Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, inwieweit die Theorie mit der Empirie und Praxis übereinstimmt und vereinbar ist, weswegen die Methodik einer vergleichenden Fragebogenanalyse angewendet wird. Durch diese Vorgehensweise können zwei Untersuchungsfelder, das der Lehrer und Schüler der dritten und vierten Klasse, gegenübergestellt und untersucht werden.
Aufgrund der vielfältigen Erfahrungen innerhalb der Praktika im Rahmen des Lehramtsstudiums an Grundschulen soll es außerdem darum gehen, was es bedeutet Rituale spät oder früh, vermindert oder vermehrt einzusetzen und welche Auswirkung das für die Beteiligten hat. Die Bewusstheit und Erfahrung über eigene Rituale im privaten Bereich stellt eine zu untersuchende Grundlage für das Erforschungsfeld der Grundschule dar.
Das Interesse für Rituale in der Gesellschaft ist wieder neu entflammt und findet einen immer größer werdenden Bedeutungszuspruch. Die erneute Beschäftigung mit Ritualen hängt unter anderem damit zusammen, dass sich heutzutage viele Menschen einem Orientierungsverlust ausgesetzt sehen, der aus einer wachsenden Traditionsarmut resultiert und einen Wandel in allen Lebensbereichen offenbart. Heutzutage ist zu beobachten, dass die familiären Gegeben-heiten nicht immer von Kontinuität, Ordnung und Struktur geprägt sind. Daher erscheint es umso wichtiger, Kindern in der Grundschule -als erste Bildungsinstanz und Grundlage folgender Lerninstitutionen- eine geeignete Orientierung zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung Ritual
2.1 Wortabstammung und Definition
2.2 Begriffsunterscheidung
2.3 Bestimmungsmerkmale
2.4 Allgemeine Funktionen
3. Historischer Exkurs: Ansätze aus der Ritualforschung
3.1 Das Modell der Übergangsriten nach Arnold van Gennep
3.2 Die Ritualtheorie nach Victor Turner
3.3 Dreiphasenmodell ritueller Prozesse in der Grundschule
4. Rituale im Kontext Grundschule
4.1 Erklärungsansatz schulischer Rituale
4.2 Kategorien schulischer Rituale
4.3 Auswahl schulischer Rituale und deren Funktionsgehalt
4.4 Die Rolle der Lehrkraft und der Kinder
4.5 Wirkung von Ritualen und ihre Bedeutung für das soziale Gefüge in der Klassengemeinschaft
5. Forschungsuntersuchung
5.1 Kurze Vorstellung und Leitgedanke des Projektes
5.2 Methodenauswahl und Vorgehensweise
5.3 Aufbau und Analyse
5.4 Formen rituellen Handelns in gegenwärtigen Grundschulen
6. Fazit und persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Ritualen in der Institution Grundschule, um herauszufinden, welchen Beitrag sie zur kindlichen Entwicklung und Bildung leisten. Ziel ist es, mittels einer vergleichenden Fragebogenanalyse die Theorie mit der Empirie und der schulpraktischen Perspektive von Lehrkräften sowie Schülern der dritten und vierten Klasse abzugleichen und die Auswirkungen rituellen Handelns im Schulalltag zu beleuchten.
- Grundlagen der Ritualforschung und historische Ansätze (van Gennep, Turner)
- Struktur und Funktionen ritueller Prozesse im Kontext der Grundschule
- Kategorisierung schulischer Rituale und deren pädagogischer Funktionsgehalt
- Rolle von Lehrkräften und Kindern bei der Gestaltung von Ritualen
- Empirische Analyse der Wahrnehmung und Wirkung von Ritualen durch Schüler und Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
2.1 Wortabstammung und Definition
Hinter der Begrifflichkeit Ritual verbirgt sich eine Fülle interessanter Definitionsansätze, die auf den ersten Blick nicht zu erwarten sind, denn das Verständnis, das dem Begriff des Rituals zugrunde liegt, ist breit gefächert.
Seit dem 18. Jahrhundert wird die Verwendung des Ritualbegriffes im Deutschen nachgewiesen und geht etymologisch auf das lateinische Wort „rituale“ zurück (vgl. Dücker 2007, S. 14), welches als substantiviertes Neutrum des Adjektivs „ritualis“ im Duden zu finden ist (vgl. Duden 1999, S. 3212). Insbesondere in katholischen Ländern ist der Terminus bereits früher bekannt sowie tief verankert, was auf das 1614 herausgegebene Regelbuch mit dem Titel „Rituale Romanum“ der katholischen Kirche zurückzuführen ist (vgl. Dücker 2007, S. 14). Das Buch beinhaltet die schriftlich niedergelegten liturgischen Handlungen sowie Texte und gilt seit 1918 als die „vom Papst verbindlich erklärte Form des Rituale“ (Duden 1991, S. 3212). Es wird somit im Kontext aller religiösen Kulte als ein Spektrum festgelegter Bräuche und Zeremonien verstanden, um die Beziehungen zu göttlichen Wesen darstellen und spüren zu können, sodass ein tieferer Sinn in der äußerlich sichtbaren Handlung entsteht (vgl. Schultheis 1998, S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema, Darstellung des Untersuchungsgegenstandes sowie Begründung des gewählten methodischen Vorgehens.
2. Begriffserklärung Ritual: Herleitung des Begriffs, Abgrenzung zu verwandten Termini wie Regeln und Routinen sowie Benennung zentraler Bestimmungsmerkmale und Funktionen.
3. Historischer Exkurs: Ansätze aus der Ritualforschung: Darstellung zentraler Theorien von Arnold van Gennep und Victor Turner sowie Übertragung auf den schulischen Raum.
4. Rituale im Kontext Grundschule: Konkretisierung der rituellen Praxis in der Schule, Klassifizierung verschiedener Ritualtypen und Analyse der Bedeutung für das soziale Klassengefüge.
5. Forschungsuntersuchung: Vorstellung des praktischen Forschungsprojekts, der Methodik, der Durchführung sowie detaillierte Auswertung der erhobenen Daten.
6. Fazit und persönliche Stellungnahme: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Ausblick auf die Bedeutung rituellen Handelns in modernen Bildungseinrichtungen.
Schlüsselwörter
Rituale, Grundschule, Schulpädagogik, Übergangsriten, Liminalität, Klassengemeinschaft, Erziehung, Bildung, Sozialisation, Ritualforschung, Schulkultur, Lehrerrolle, soziale Kompetenz, Fragebogenanalyse, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Bedeutsamkeit von Ritualen in der Institution Grundschule und wie diese das schulische Miteinander und die Entwicklung der Kinder beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben theoretischen Grundlagen der Ritualforschung bildet die Übertragung dieser Konzepte auf den schulischen Alltag sowie eine empirische Untersuchung der rituellen Praxis aus Sicht von Lehrkräften und Schülern das Zentrum der Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze mit der empirischen Praxis abzugleichen, um zu verstehen, wie Rituale in der Grundschule zur Strukturierung, Orientierung und Gemeinschaftsbildung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine vergleichende Fragebogenanalyse durchgeführt, bei der sowohl Lehrerinnen als auch Schüler der dritten und vierten Jahrgangsstufe zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Ritualforschung, eine detaillierte Analyse schulischer Kategorien von Ritualen sowie die Präsentation und Auswertung der selbst durchgeführten empirischen Forschung.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Schulpädagogik, Ritualforschung, Grundschulalltag, Klassengemeinschaft und empirische Bildungsforschung zusammenfassen.
Warum ist der Vergleich zwischen Lehrern und Schülern so wichtig?
Durch den Vergleich der beiden Perspektiven lässt sich feststellen, ob Rituale von der Lehrkraft so wahrgenommen werden wie von den Kindern und ob die intendierte Wirkung (z.B. Sicherheit, Struktur) tatsächlich bei den Schülern ankommt.
Welche Rolle spielt der Klassenrat im rituellen Kontext?
Der Klassenrat wird als ein bedeutendes Beteiligungsritual dargestellt, das den Kindern Mitbestimmung ermöglicht und hilft, Konflikte innerhalb der Gruppe konstruktiv zu lösen, ohne dass die Lehrkraft direkt eingreift.
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- Anonym (Autor), 2015, Bedeutsamkeit von Ritualen für Kinder in der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455339