Diese Arbeit befasst sich zu Beginn mit der literaturdidaktischen Entwicklung der Interpretation, mit dem Aufkommen und dem ständigen Wechsel praxisbezogener Modelle und der theoretischen Didaktik. Anschließend folgt die Darstellung zwei verschiedener Ansätze zum Umgang mit Literatur im Deutschunterricht. Der Vergleich der beiden kontrastierenden methodischen Ansätze in Hinblick auf die Frage nach dem Zweck des gegenwärtigen Literaturunterrichts ist Motivation und Fragestellung dieser Arbeit.
Überlegungen zur Beantwortung der gestellten Fragen schließen diese Arbeit ab. Die Darstellung der literaturdidaktischen Entwicklung der Interpretation ist zum Zweck der Arbeit verkürzt worden. Darüber hinaus kann auf weitere Konzepte der literaturdidaktischen Bildung im Rahmen dieser Hausarbeit nicht eingegangen werden, da dies den Rahmen des Themas sprengen würde.
Die Frage: “Was will uns der Autor damit sagen”, wird im gegenwärtigen schulischen Lektüreverfahren immer noch gestellt. Der gegenwärtige Deutschunterricht geht also davon aus, dass die Befassung mit der Autorintention ein essentieller Faktor ist. Die Frage nach der Intention des Autors soll Lehrreiches zum Vorschein bringen, es soll sich lohnen die bedeutungsschweren Aussagen zu interpretieren. Einer, der meint, dass die im Deutschunterricht behandelte Literatur entbehrlich sei für das, worauf es im wirklichen Leben ankommt, wird sich im gegenwärtigen Literaturunterricht schwer tun.
Kaspar H. Spinner bezeichnet in seinem Essay Interpretieren im Deutschunterricht von 1987 die klassische Frage nach der Autorintention als irreführend: Sie setzt voraus, dass wir Kriterien haben, um eine Autorintention nachzuweisen. Spinner schlägt vor, die Frage nach der Autorintention umzuformulieren um bei der Interpretation im Deutschunterricht die Diskrepanz zwischen nachweisbarer Autorintention und ablesbaren Textaussagen deutlich zu halten. Kritik und Zweifel an der Interpretation im Deutschunterricht ist in literaturtheoretischen Entwicklungen keinesfalls neu.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. LITERATURDIDAKTISCHE ENTWICKLUNG DER INTERPRETATION
2.1 LESERORIENTIERTER UMGANG MIT TEXTEN
3. ZWEI ARTEN VON LESEN
3.1 DAS INTERPRETIERENDE LESEN
3.2 DAS INDIVIDUELLE LESEN
4. ZIELE DES LITERATURUNTERRICHTS
4.1 TEXTKOMPETENZ
4.2 DIE LESEFREUDE
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle der Interpretation im modernen Deutschunterricht und analysiert den Spannungsfeld zwischen klassischer, bedeutungsfixierter Interpretation und leserorientierten Ansätzen. Das Ziel ist es, den Zweck des Literaturunterrichts im Kontext aktueller didaktischer Debatten kritisch zu beleuchten und die Frage zu klären, inwiefern eine Neuausrichtung hin zur individuellen Rezeption die Lesefreude und Textkompetenz von Schülern fördern kann.
- Historische Entwicklung der Literaturdidaktik
- Kontrastierung von interpretierendem und individuellem Lesen
- Bedeutung der Lesefreude im Literaturunterricht
- Herausforderungen der Standardisierung und Bewertbarkeit
- Rolle des Lehrers im Prozess der literarischen Bildung
Auszug aus dem Buch
3.1 Das interpretierende Lesen
Der interpretierende Leser versucht gedanklich zu übersetzen, was der Autor zu meinen scheint. Er ist auf der Suche nach Bedeutung. Der Leser als Interpret behandelt den literarischen „Text und seine Struktur als etwas Objektives” und nimmt eine distanzierte Haltung dem Text gegenüber ein, welcher somit ausschließlich als „Gegenstand eines Diskurses zwischen verschiedenen Lesern” betrachtet wird. Beim interpretierenden Umgang mit dem literarischen Text, wird die Autorität des Textes vorangestellt, was bedeutet, dass der Text selbst durch Struktur, Formulierungen, Erzählperspektive und Darstellung den Rahmen für Deutungen absteckt. Dadurch entsteht eine Art Verantwortlichkeit des Lesers gegenüber dem Text. Der Text gibt bestimmte Regeln vor, welche zum “richtigen” Verständnis der Textbedeutung streng befolgt werden müssen. Darüber hinaus schreibt Frommer, sind alle textinterpretierenden Aussagen mit einem Geltungsanspruch verknüpft: „Der lesende Lehrer ist zur Zustimmung aufgefordert oder muss seine Ablehnung begründen können”. Das interpretierende Lesen scheint somit auch immer ein stückweit von der Legitimation des Lehrers abhängig zu sein. Die interpretierende Art des Lesens fordert stets eine Begründung der Textdeutung, welche für Andere am Text direkt nachvollziehbar sein sollte. Beim interpretierenden Lesen scheint es im Bezug auf den Deutungs- und Verstehensprozess nur ausschließlich drei mögliche Varianten zu geben: Entweder man hat den Text verstanden, man hat ihn missverstanden oder man hat ihn nicht verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise des Literaturunterrichts und hinterfragt die Dominanz der Suche nach der "Autorintention" im schulischen Kontext.
2. LITERATURDIDAKTISCHE ENTWICKLUNG DER INTERPRETATION: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel von interpretatorischen Ansätzen nach, von frühen preußischen Reformen bis hin zur modernen theoretischen Didaktik.
3. ZWEI ARTEN VON LESEN: Es wird eine Gegenüberstellung des klassischen interpretierenden Lesens und der individuellen, subjektzentrierten Leseerfahrung vorgenommen.
4. ZIELE DES LITERATURUNTERRICHTS: Das Kapitel diskutiert die Relevanz von Textkompetenz und Lesefreude als zentrale Bildungsziele und thematisiert deren Prüfbarkeit.
5. FAZIT: Das Fazit zieht den Schluss, dass der Unterricht trotz theoretischer Neuerungen in der Praxis weiterhin stark durch klassische Interpretationsmuster geprägt bleibt.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Interpretation, Textkompetenz, Leserorientierung, individuelle Rezeption, Schulpraxis, Didaktik, Lesefreude, Martin Walser, Kaspar H. Spinner, Textverständnis, Bildungsziel, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, literarische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch den Stellenwert der Textinterpretation im Deutschunterricht und untersucht, wie sich theoretische Ansätze der Literaturdidaktik in der unterrichtlichen Praxis widerspiegeln.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Interpretationsdidaktik, den Vergleich zwischen textfokussiertem und leserorientiertem Lesen sowie die Diskussion um die Ziele und den Sinn des Literaturunterrichts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle die Interpretation im gegenwärtigen Literaturunterricht einnimmt, wie leserorientierte Ansätze diesen verändern und ob eine Neuausrichtung möglich ist, um die Lesefreude zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturdidaktische Analyse, die auf der Auswertung fachwissenschaftlicher Literatur, didaktischer Konzepte und dem Vergleich kontrastierender methodischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Interpretationsmodelle, eine detaillierte Gegenüberstellung von interpretierendem und individuellem Lesen sowie eine Untersuchung der Bildungsziele Textkompetenz und Lesefreude.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Literaturunterricht, Interpretation, Textkompetenz, Leserorientierung, individuelle Rezeption und literarische Bildung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Lehrers bei leserorientierten Ansätzen?
Die Autorin hebt hervor, dass die Umsetzung leserorientierter Ansätze schwierig ist, da der Lehrer trotz des Fokus auf den Schüler meist weiterhin die Autorität innehat, die über die "Angemessenheit" von Deutungen entscheidet.
Warum kommt die Arbeit zum Schluss, dass die "Lesefreude" im Unterricht oft vernachlässigt wird?
Die Autorin argumentiert, dass Lesefreude schwer messbar und nicht prüfbar ist, weshalb der Deutschunterricht aus pragmatischen Gründen meist auf prüfbare Kompetenzen wie das "Textverstehen" der klassischen Interpretation fokussiert.
- Citar trabajo
- Sarah Eisenfeld (Autor), 2018, Interpretieren wir noch oder lesen wir schon? Darstellung und Analyse der Interpretation im Deutschunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459662