Yi Munyols Roman Saram-ui adul („Der Menschensohn“) wurde seit der Veröffentlichung seiner ersten Ausgabe im Jahr 1979 in mindestens acht verschiedene Sprachen übersetzt. Die vorliegende Untersuchung stellt einen mehrsprachigen Übersetzungsvergleich von fünf Versionen dieser Arbeit, an, nämlich der koreanischen, französischen, italienischen, englischen und deutschen Version. Der Fokus liegt einzig auf einer der beiden Ebenen des Romans - auf jener, die in der Antike von vor 2000 Jahren angesiedelt ist, mit dem Protagonisten Ahasver. Denn auf dieser Ebene finden sich zahlreiche Referenzen und Anspielungen auf die Geschichte der den Autoren der Bibel bekannten Welt, vor allem auf die Religionsgeschichte. In kulturübersetzerischer Hinsicht stellen diese Übersetzungen des koreanischen Originals in die westlichen Sprachen einen kulturellen Rücktransfer dar, da die referenzierte Religions- und Geistesgeschichte den kulturellen Hintergrund des Westens darstellt.
Es werden ausgewählte Textbeispiele und Schlüsselbegriffe untersucht, um herauszufinden, wie dieser Transfer vollzogen wurde. Dabei zeigt sich, dass die englische und in geringerem Maße die deutsche Übersetzung nicht nur am treuesten, sondern auch die Versionen mit den am genauesten recherchierten und reproduzierten Zitaten sind. Im Gegensatz dazu neigt die französische Version am häufigsten zur Paraphrase sowie zum Auslassen von Textteilen und auch Schlüsselbegriffen. Die italienische Übersetzung steht in dieser Hinsicht zwischen der englischen und deutschen einerseits und der französischen andererseits.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Roman 사람의 아들
3. Die Ahasver-Legende
4. Referenzen an die Bibel
5. Paraphrase und Korrektur
6. Anmerkungsapparat
7. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert den Kulturtransfer bei der Übersetzung des südkoreanischen Romans „Saram-ǔi adǔl“ (Der Menschensohn) von Yi Munyǒl, indem sie die koreanische Originalversion mit der französischen, italienischen, englischen und deutschen Übersetzung vergleicht. Ziel ist es, herauszufinden, wie mit religionsgeschichtlichen Referenzen und kulturellen Besonderheiten in den verschiedenen Zielsprachen umgegangen wurde.
- Multilingualer Übersetzungsvergleich von fünf Sprachversionen
- Untersuchung von Kulturtransfer und Kulturübersetzung
- Analyse des Umgangs mit biblischen Referenzen und Zitaten
- Vergleich der Übersetzungskulturen und des Einsatzes von Anmerkungsapparaten
Auszug aus dem Buch
3. Die Ahasver-Legende
Protagonist auf der anitken Romanebene ist ein junger Mann namens Ahasver (아하스페르츠). Die Figur des Ahasver ist eine der bekanntesten Sagenfiguren der westlichen Welt und hat ihren Ursprung in dem 1602 in Leiden gedruckten deutschsprachigen Volksbuch vom Ewigen Juden, das verschiedene, seit dem 13. Jahrhundert aufgekommene christliche Volkssagen bündelt. Im Englischen kennt man ihn als „Wandering Jew“, im Französischen als „le Juif errant“, im Italienischen als „l’ebreo errante“ und im Koreanischen als „방황하는 유대인“ (was semantisch der englischen Bezeichnung am nächsten kommt). Die Ahasver-Legende wurde im westlichen Kulturraum viele Male literarisch, künstlerisch und propagandistisch thematisiert und verarbeitet. Besonders bei den Deutschen verankerte sich die Legende vom Ewigen Juden (vor allem in ihren antisemitischen Ausprägungen) ähnlich tief im Volksbewusstein wie die Faust-Sage. Daher ist es besonders für die deutschsprachigen Leser hochinteressant, wie Yi Munyǒl sie in 사람의 아들 verarbeitet hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Yi Munyǒl ein und definiert das Ziel, den Kulturtransfer anhand eines multilingualen Vergleichs von vier europäischen Übersetzungen zu untersuchen.
2. Der Roman 사람의 아들: Dieses Kapitel beschreibt die Struktur des Romans, der zwei zeitliche Ebenen miteinander verknüpft, und analysiert die Herausforderungen bei der Übersetzung der historischen Romanebene.
3. Die Ahasver-Legende: Es wird untersucht, wie die Figur des Ahasver im Original und in den Übersetzungen behandelt wird, wobei insbesondere auf Anspielungen an die bekannte christliche Volkssage eingegangen wird.
4. Referenzen an die Bibel: Dieses Kapitel analysiert Unstimmigkeiten bei der Verwendung von biblischen Zitaten, Namen und Begriffen und beleuchtet die unterschiedliche Genauigkeit der Übersetzer.
5. Paraphrase und Korrektur: Hier wird anhand von Textstellen aufgezeigt, wie verschiedene Übersetzungen dazu neigen, den Ausgangstext zu paraphrasieren, zu kürzen oder inhaltlich zu korrigieren.
6. Anmerkungsapparat: Der Vergleich der Anmerkungsapparate verdeutlicht die unterschiedlichen Strategien der Übersetzer und Verlage, den Leser bei der Interpretation kultureller Details zu unterstützen.
7. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die englische und deutsche Übersetzung am genauesten sind, während die französische Fassung stärker paraphrasiert.
Schlüsselwörter
Yi Munyǒl, Menschensohn, Saram-ǔi adǔl, Kulturtransfer, Kulturübersetzung, Übersetzungsvergleich, Ahasver-Legende, Bibelzitate, literarische Übersetzung, Sprachvergleich, Septuaginta, Koreaforschung, Literaturwissenschaft, Übersetzungskultur, Adaption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Kulturtransfer am Beispiel des koreanischen Romans „Saram-ǔi adǔl“ (Der Menschensohn) und vergleicht, wie fünf verschiedene Sprachversionen (Original, Französisch, Italienisch, Englisch, Deutsch) mit kulturellen Referenzen umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Prozess der Kulturübersetzung, die philologische Analyse von Bibelzitaten, der Umgang mit legendären Figuren wie Ahasver sowie die Auswirkungen unterschiedlicher Verlagskulturen auf literarische Texte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Informationsgehalt und der Charakter einer Übersetzung verändern, wenn ein Werk zwischen grundverschiedenen Kulturräumen übertragen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Methode angewandt, bei der spezifische Textstellen des koreanischen Originals systematisch mit den entsprechenden Passagen in vier europäischen Zielsprachen konfrontiert und analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Ahasver-Legende, der Verwendung von Bibelzitaten und Referenzen, der Problematik von Paraphrasierungen sowie einem Vergleich der Anmerkungsapparate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kulturtransfer, Übersetzungswissenschaft, Yi Munyǒl, Ahasver, literarischer Vergleich und interkulturelle Literaturanalyse.
Warum ist die Behandlung der Ahasver-Figur so bedeutsam für den Vergleich?
Weil Ahasver eine tief im westlichen Kulturgedächtnis verankerte Figur ist. Die Art und Weise, wie die Übersetzer die Anspielungen auf diese Legende handhaben, gibt Aufschluss über ihr Bewusstsein für kulturelle Konnotationen im Zielpublikum.
Welche Besonderheit weist der Anmerkungsapparat in den Übersetzungen auf?
Die Übersetzungen unterscheiden sich drastisch: Während die englische Version Anmerkungen fast vollständig streicht, behält die deutsche Version einen schlankeren, an das Vorwissen der Zielgruppe angepassten Anmerkungsapparat bei.
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- Frieder Stappenbeck (Author), 2019, Kulturtransfer am Beispiel von Yi Munyols Roman "Saram-ui adul" ("Der Menschensohn"). Ein multilingualer Übersetzungsvergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459915