Der Spracherwerb im Deutschen bei Kindern


Ausarbeitung, 2018
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Glossar

2 Portfolioaufgabe 1

3 Portfolioaufgabe 2

4 Portfolioaufgabe 3

5 Portfolioaufgabe 4

6 Portfolioaufgabe 5

7 Portfolioaufgabe 6

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang

10 Reflexion

1 Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Portfolioaufgabe 1

1) Suchen Sie sich eine im Seminar besprochene Methode zur Spracherwerbsforschung aus, zu der Sie eine empirische Studie heranziehen, um die darin verwendeten Methoden zu diskutieren (Vor- und Nachteile für die konkret in der Studie beschriebenen Situation). Nennen Sie eine alternative methodische Herangehensweise, um das in der von Ihnen ausgewählten Studie analysierte sprachliche Phänomen zu untersuchen.

ELAN-R ist ein Elternfragebogen zur Erfassung der Wortschatzentwicklung von Kindern im Alter von 18 bis 26 Monaten. Dieser Fragebogen umfasst acht Seiten mit 319 Wörtern und besteht aus drei Teilen: „einem anamnestischen Fragevorspann, einer alterstypischen Wortliste sowie Fragen zur Äußerungslänge eines Kindes“ (Esser et al. 2015:48). Es gibt lediglich zwei Antwortmöglichkeiten: Ja (mein Kind besitzt dieses Wort im expressiven Wortschatz) – Nein (dieses Wort befindet sich nicht im expressiven Wortschatz meines Kindes). Die richtige Aussprache des Wortes ist in diesem Fall noch nicht erforderlich.

Die Normierung des ELAN-R beruht auf dem berichteten expressiven Wortschatz zu 512 Kindern aus 14 deutschen Bundesländern (254 Jungen und 258 Mädchen aus dörflichen, klein-, mittel- und großstädtischen Wohngebieten) (Esser et al. 2015:51).

Mit ELAN-R besteht die Möglichkeit, einen zu geringen Wortschatz zu erfassen. Zudem kann er erste Anzeichen einer verzögerten Sprachentwicklung feststellen, die wiederum als Indikator einer Sprachentwicklungsstörung gedeutet werden können. „Fragebögen sind grundsätzlich anfällig gegenüber Simulations- bzw. Dissimulationstendenzen, wodurch die Ergebnisse verfälscht werden“ (Esser et al. 2015:52). Besonders gilt dies für Elternfragebögen beim Ermitteln des Wortschatzes und grobmotorischen Fähigkeiten, da Mütter meist dazu tendieren, die Leistung ihrer Kinder zu überschätzen oder zu verzerren „aufgrund sozialer Erwünschtheit“ (ebd.). Auffällig ist hierbei jedoch, dass Mütter von normal oder überdurchschnittlich entwickelten Kindern in der Elterneinschätzung zuverlässiger sind als Mütter eines entwicklungsauffälligen Kindes.

Die Genauigkeit von ELAN-R betreffend liegt „[d]er interne Konsistenzkoeffizient (Cronbachs α)1 […] für die Wortlisten in der Erprobungsstichprobe [bei] .99“ (Esser et al. 2015:49). Dieser Wert wurde ebenfalls bei dem Versuch, die Kinder in ihre Altersgruppen zu unterteilen, ermittelt. Nach der Teilung des Tests, dem anschließenden Vergleich der beiden Hälften und dem Zusammenfügen der Ergebnisse resultierte ein Wert von .97 (vgl. ebd.). Der ermittelte Reliabilitätskoeffizient ist sowohl für Mädchen, als auch für Jungen gültig. Somit ist zu sagen, dass ELAN-R ein relativ genaues und zuverlässiges Untersuchungsinstrument ist.

Das zu erfassende Konstrukt (Wortschatz) des ELAN-R gilt selbst für die Eltern, die als Laien gelten, als augenscheinlich erkenntlich. Neben der Konstruktvalidität wurde auch die konkurrente Validität mithilfe empirischer Forschungen belegt (vgl. ebd.). Zusätzlich wurde ein Extremgruppenunterschied zwischen „monolingual deutschsprachigen und bilingual aufwachsenden Kindern im Hinblick aus dem Wortschatzumfang“ (Esser et al. 2015:50) festgestellt. Zur prognostischen Validität, Sensitivität und Spezifität kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.

Voraussetzung für die Durchführungsobjektivität ist, dass die Personen, die den Fragebogen ausfüllen, bereits vorhandene, schriftliche Instruktion ausführlich beachten. Dadurch, „dass lediglich die „Ja“-Antworten in der Wortschatz-Checkliste mit einem Punkt addiert werden müssen“ (ebd.), ist eine Auswertungsobjektivität gewährleistet. Dies gilt ebenso für die Äußerungslänge, die Permanenz der Wortschatzentwicklung und die Interpretationsobjektivität (Esser et al. 2015: 50-51).

Allgemein ist der ELAN-R Elternfragebogen ein ökonomisches, valides und reliables Messinstrument zum Erfassen des Wortschatzes. Bei Elternfragebögen besteht das Risiko der falschen Einschätzung (meist Überschätzung). Zwar haben Studien gezeigt, dass ein Großteil der Mütter ihre Kinder relativ genau einschätzen können, jedoch gilt dies nicht für die Gesamtheit. Mütter mit verhaltensauffälligen Kindern können diese wesentlich schwerer einschätzen. Um den Spracherwerb von solchen Kindern zu erfassen, wird eine andere Methode benötigt, da die Befragungsmethode zu verfälschten Ergebnissen führen kann. Daher würde ich eine Kombination aus ELAN-R und einem Erzieherfragebogen in Betracht ziehen. Diese Fragebögen würden jeweils vom Elternteil und Erzieher ausgefüllt, ausgewertet und miteinander verglichen werden, sodass ein Mittelwert entsteht.

Um ein noch genaueres Ergebnis zu erzielen, könnten die Eltern und Erzieher den Fragebogen mit nach Hause bzw. in die Einrichtung nehmen, um diesen dann sukzessiv auszufüllen.

Ein weiteres Argument für diese alternative Herangehensweise ist, dass die ausgewählten Wörter in „Kinderspielkreisen, Kindertagesstätten und kinderärztlichen Praxen erhoben“ (Esser et al. 2015:51) wurden. Daher würde ich die Hypothese aufstellen, dass Erzieher den Wortschatz speziell in dieser Umgebung besser einschätzen können und die Eltern die Wörter des semantischen Feldes „Haushalt und Lebensumfeld“ (Esser et al. 2015:49).

Ein großer Unterschied wurde ebenfalls in der Ausprägung des Wortschatzes von monolingual deutschsprachigen und bilingual aufwachsenden Kinder festgestellt. Hierfür könnten verschiedene Sprachen in unterschiedlichen Alltagssituationen verantwortlich sein. Wenn ein Kind beispielsweise Zuhause Deutsch spricht aber in der Kindertagesstätte nur Englisch, kann das dazu führen, dass dieses Kind Vokabeln, die z.B. der Kategorie Küche zugehörig sind, nur auf Deutsch kennt. Vokabeln, die der Kindertagesstätte zuzuordnen sind, kann das Kind dann wiederum nur auf Englisch benennen. Daher würde ich auch hier wieder differenzieren und behaupten, dass ELAN-R nicht für bilingual aufwachsende Kinder geeignet ist.

3 Portfolioaufgabe 2

1) Tabelle 1 (aus Fox-Boyer 2009) zeigt eine Zusammenfassung phonologischer Prozesse. Analysieren Sie (unter Zuhilfenahme der Tabelle) die folgenden kindlichen Äußerungen. Nennen Sie dabei die vorliegenden phonologischen Prozesse und das Alter, zu dem der jeweilige Prozess überwunden sein sollte!

a) kok (=Kopf, 3;5)
b) vibe (=Zwiebel; 5;0)
c) tuchen (=Kuchen; 4;6)
d) fant (=Elefant; 2;10)
e) sain (=Schwein; 7;2)
f) lade (=Schokolade; 2;7)
g) tasse (=Katze; 7;0)

Tabelle 1: Phonologische Prozesse (aus Fox-Boyer 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Klassifikation phonologischer Prozesse (Kauschke 2012:36)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 Erwerb des Lautinventars nach Fox-Boyer (2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Äußerung /kok/ für das Wort Kopf handelt es sich um einen Substitutions- und Harmonisierungsprozess. Zum einen erfolgt eine Velarisierung, in diesem Fall eine Rückverlagerung des /pf/-Lautes zu einem /k/-Laut (siehe Tabelle 1 und 2). Dieser Substitutionsprozess sollte im Alter von 3;6 überwunden sein (siehe Tabelle 1). Der vorliegende Harmoniesierungsprozess ist die Assimilation von Konsonanten regressiv/persevatorisch, hierbei gleicht sich der zweite Laut (/pf/) dem ersten Laut (/k/) des Wortes an, /pf/ wird zu /k/. Die Assimilation kann bis zum 4;0 Lebensjahr auftreten (siehe Tabelle 1).

Zur Äußerung b) (/vibe/ statt Zwiebel) ist anzumerken, dass es sich auch hier um zwei phonologische Prozesse handelt. Durch Weglassen des /l/-Lautes ist die Rede von einer Auslassung finaler Konsonanten, diese kann bis zum Alter von 2;6 auftreten. Der zweite phonologische Prozess ist die Reduktion von Konsonantenverbindungen und sollte mit 4;0 Jahren überwunden sein (siehe Tabelle 1).

Bei dem 4;6 Jahre alten Kind, welches /tuchen/ statt Kuchen geäußert hat, handelt es sich einerseits um eine Entstimmung des /k/-Lautes und andererseits um eine Alveolarisierung, bei der der /k/-Laut zu einem /t/-Laut wird, der an der Alvolar gebildet wird. Die Entstimmung sollte mit 4;6 Jahren und die Alveolarisierung mit 3;6 Jahren überwunden sein.

Bezüglich d) liegt ein Wort- und Silbenstrukturprozess vor, bei dem unbetonte Silben getilgt und somit mehrsilbige Wörter vereinfacht werden. Für Kinder im Alter von 2;7 ist dies völlig natürlich, da dieser Prozess erst mit einem Alter von 3;0 überwunden wird (siehe Tabelle 1).

E) entspricht einer Vorverlagerung des /sch/-Lautes zu einem /s/-Laut und die Überwindung sollte bis zum 4;11 Lebensjahr dauern. Ebenso sollte die Reduktion von Konsonantenverbindungen nach 4;0 Jahren nicht auftreten (siehe Tabelle 1).

In Bezug auf f) ist anzumerken, dass es sich hierbei um einen Wort- und Silbenstrukturprozess handelt (siehe Tabelle 2). Mehrsilbige Wörter werden vereinfacht und unbetonte Silben werden getilgt (bis 3;0 Jahre).

Bei der letzten Äußerung /tasse/ für Katze liegt erneut eine Alveolarisierung und eine Deaffrizierung vor. Der phonologische Prozess der Alveolarisierung sollte bis zum 3;6 Lebensjahr überwunden sein und der der Deaffrizierung schon bis zum 3;0 Lebensjahr

[...]


1 „Cronbachs Alpha (α) ist ein Koeffizient, welcher zur Bestimmung der internen Konsistenz eines Erhebungsverfahren berechnet wird. Er gibt an, wie genau die Items eines Tests ein Konstrukt messen.“ (Technische Universität Dresden 2016)

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Der Spracherwerb im Deutschen bei Kindern
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
33
Katalognummer
V461332
ISBN (eBook)
9783668911536
ISBN (Buch)
9783668911543
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwerwerb, kindlicher Spracherwerb, DaZ, Deutsch als Zweitsprache, DaM, Deutsch als Muttersprache
Arbeit zitieren
Hanna Fennekohl (Autor), 2018, Der Spracherwerb im Deutschen bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/461332

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