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Das Fragemotiv in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" und Peter Handkes "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land"

Vom richtigen Fragen und Nicht-Fragen

Title: Das Fragemotiv in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" und Peter Handkes "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land"

Academic Paper , 2018 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Johanna Willruth (Author)

Literature - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die Frage nach dem richtigen Fragen, dem echten Fragen und dem Nicht-Fragen durch Barrieren, die auf Gesellschaftsnormen wie Höflichkeit und Taktgefühl bauen, beschäftigt bereits mehrere Epochen das Miteinander der Menschen. Wann überschreitet das Stellen einer Frage eine Grenze, gilt als unhöflich, dringt zu sehr in den Gefragten ein und wann ist aber das unterlassene Stellen einer Frage, das Nicht-Fragen, ein Frageversäumnis, welches lasterhafte Konsequenzen mit sich zieht, vielleicht sogar sündhaft ist. Dass eine Differenzierung von echten und unechten Fragen problematisch ist, zeigen Verfehlungen von Kommunikation, bei denen eine Antwort verwehrt bleibt.

Bereits im Mittelalter stellt sich die Fage nach dem richtigen Fragen, Wolfram von Eschenbachs Parzival scheitert durch eine unzureichende Einschätzungskompetenz und fehlenden Sinn für situatives Entscheiden kläglich an der wohl bedeutendsten Frage des Werkes, nämlich nach dem Befinden des Gralskönigs Anfortas, durch ein einfaches Nicht-Stellen dieser Frage. Erst viel später schafft Parzival diese entscheidende Frage zu stellen und erlöst damit die Gralsgesellschaft, um schließlich selbst zum Gralskönig zu werden. Die richtige Frage bringt Erlösung und eine Fragekompetenz erweist sich als notwendig, um als ausgezeichneter Ritter alle aventiure zu bestehen.

Auch der österreichische Dramaturg Peter Handke geht auf die Suche nach dem richtigen, nach dem echten Fragen, indem er in seinem Theaterstück „Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land“ eine Fragegesellschaft auf die Reise in ein mythisches Land schickt, mit dem Ziel dort durch das richtige Fragen zu sich selbst zu finden. Auch hier tritt ein Parzival auf, der mit dem mittelalterlichen Ritter kaum etwas gemein hat, bis auf die fehlende Fragekompetenz. Stumm und gewalttätig, fast wie ein wildes Kind, beginnt dieser Parzival ebenfalls eine Reise und erfährt ganz zum Schluss auch seine Erlösung, durch Selbsterkenntnis und das Erreichen des mythischen Ortes wird er schlussendlich zum rationalen Sprecher.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Fragemotiv in Wolframs „Parzival“

2.1 Höfische Kommunikationsnormen und der tumbe Parzival

2.2 Parzival in der Gralsburg Munsalvaesche

2.3 Das Verbot nach dem Namen zu fragen

2.4 Das Fragen bei Gawan

3. Das Fragemotiv bei Peter Handkes „Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land“

3.1 Die verschiedenen Fragen der Fragegesellschaft

3.1.1 Mauerschauer und Spielverderber

3.1.2 Das alte Paar

3.1.3 Die jungen Schauspieler

3.2 Peter Handkes Parzival

4. Peter Handkes Rezeption von „Parzival“

4.1 Motive von „Parzival“ in „Das Spiel vom Fragen“

4.2 Handkes Motivation

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

Zielsetzung und Forschungsgegenstand

Die vorliegende Arbeit untersucht das Fragemotiv als zentrales Element in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und Peter Handkes Theaterstück „Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Kommunikationsnormen, dem Frageversäumnis und der Fragekompetenz als Voraussetzung für Erlösung und Selbstfindung in beiden Werken.

  • Vergleichende Analyse des Fragemotivs in mittelalterlicher und postmoderner Literatur.
  • Untersuchung der höfischen Kommunikationsnormen und ihrer Überschreitung.
  • Analyse des Frageversäumnisses als sündhaftes oder entwicklungshemmendes Element.
  • Darstellung der Rezeption des Parzival-Stoffes durch Peter Handke.
  • Herausarbeitung der Bedeutung von Fragekompetenz für Identitätsbildung und Erlösung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Höfische Kommunikationsnormen und der tumbe Parzival

Von hoher Bedeutung für das Bestehen eines Ritters am Hof gilt eine höfische Kultiviertheit, die mit einer ausreichenden Erziehung und Aufklärung erreicht werden kann. Zu den erwarteten ritterlichen Tugenden zählen Genügsamkeit, Güte, Mitleid, Redegewandtheit, Taktgefühl (Parz. 170,16-28) und nicht zuletzt, die Kompetenz nicht zu viele Fragen zu stellen. So ist es feste Vorschrift der weltlichen Didaxe „die Zunge zu zügeln“ und ein oftmals angebrachtes Schweigen wird in eben dieser zuht begründet.5 Unnütze Fragen und zu viel Neugierde gelten als unangemessenes Eindringen in den Befragten und somit als unhöflich.

Da Parzival diese Vorschriften in Herzeloydes Erziehung in Soltane nicht erfährt, ist ihm ein Zugang zu solchen allgemeingültigen höfischen Regeln verwehrt, eine eigene rationale Entscheidungs- und Unterscheidungskompetenz kann sich nicht entwickeln und jegliche höfische Dialogkenntnis bleibt ihm fremd. Er wird sogar von seiner Mutter, die auf eine baldige Rückkehr durch Scheitern und Zurückweisung ihres Sohnes hofft, lächerlich angezogen und ohne hilfreiche Ratschläge, die ihn in der höfischen Welt bestehen lassen würden, in diese hinausgelassen (Parz. 116-128).

Diese tumpheit bleibt Parzival während seiner Reise erhalten und sorgt dafür, dass er im entscheidenden Moment nicht in der Lage ist, einen später verinnerlichten Lehrsatz situativ angemessen anzuwenden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des richtigen Fragens und Nicht-Fragens ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich des Fragemotivs in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ und Peter Handkes Theaterstück.

2. Das Fragemotiv in Wolframs „Parzival“: Dieses Kapitel analysiert das Fragen als zentrales Element im höfischen Roman, wobei insbesondere Parzivals Scheitern an der Mitleidsfrage auf der Gralsburg im Fokus steht.

2.1 Höfische Kommunikationsnormen und der tumbe Parzival: Es wird erörtert, wie höfische Verhaltensnormen und die fehlende Erziehung Parzivals dessen Unfähigkeit beeinflussen, situativ angemessen zu fragen.

2.2 Parzival in der Gralsburg Munsalvaesche: Dieses Kapitel untersucht das entscheidende Frageversäumnis auf der Gralsburg und dessen Konsequenzen für die Gralsgesellschaft sowie Parzival selbst.

2.3 Das Verbot nach dem Namen zu fragen: Hier wird das wörtliche Frageverbot auf dem Gral und dessen symbolische Bedeutung für die Rittergemeinschaft diskutiert.

2.4 Das Fragen bei Gawan: Die Analyse konzentriert sich auf Gawans Umgang mit Fragen als Mittel zum Bestehen von aventiure und zur Erfüllung ritterlicher Ziele.

3. Das Fragemotiv bei Peter Handkes „Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land“: Der Abschnitt widmet sich der ästhetischen und sprachphilosophischen Verwendung des Fragemotivs in Handkes Theaterstück.

3.1 Die verschiedenen Fragen der Fragegesellschaft: Das Kapitel beleuchtet die Figurenkonstellation und die unterschiedlichen Arten der Fragen innerhalb der Fragegesellschaft.

3.1.1 Mauerschauer und Spielverderber: Die Analyse fokussiert sich auf die konträren Haltungen dieser Figuren und deren verzweifelte Suche nach dem eigenen Selbst.

3.1.2 Das alte Paar: Es wird aufgezeigt, wie dieses Paar die Bedeutung des Fragens für das Leben und die Intimität unabhängig vom Alter thematisiert.

3.1.3 Die jungen Schauspieler: Dieser Teil untersucht die Problematik der situativen Angemessenheit beim Stellen von Fragen und die Reaktionen der Befragten.

3.2 Peter Handkes Parzival: Hier wird die Figur des stummen Parzival als Suchender untersucht, der durch die Fragegesellschaft zur Sprache und Identität geführt wird.

4. Peter Handkes Rezeption von „Parzival“: Das Kapitel beleuchtet die bewusste Intertextualität und das Aufgreifen mittelalterlicher Motive durch Peter Handke.

4.1 Motive von „Parzival“ in „Das Spiel vom Fragen“: Es werden die inhaltlichen Parallelen zwischen den beiden Werken und deren Rekontextualisierung analysiert.

4.2 Handkes Motivation: Dieser Abschnitt erörtert die tieferen Gründe für Handkes Beschäftigung mit dem mittelalterlichen Stoff und dessen Bedeutung für seine Poetik.

5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die bleibende Relevanz des Fragemotivs für die moderne Literatur und das menschliche Miteinander.

6. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Fragemotiv, Parzival, Peter Handke, Höfische Kommunikationsnormen, Frageversäumnis, Fragekompetenz, Literaturrezeption, Mittelalter, Postmoderne, Mitleidsfrage, Aventiure, Identitätsbildung, Sprachphilosophie, Tumpheit, Fragegesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Fragemotiv als zentrales Verbindungselement zwischen Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Epos „Parzival“ und Peter Handkes modernem Theaterstück „Das Spiel vom Fragen“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Bedeutung von Kommunikation, die Einhaltung bzw. Verletzung höfischer Normen, das Phänomen des Frageversäumnisses und die Notwendigkeit von Fragekompetenz für die Entwicklung der Protagonisten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das richtige oder unterlassene Fragen in beiden Werken als Motor für Erlösung, Selbstfindung und den Eintritt in aventiure fungiert und wie Handke den mittelalterlichen Stoff in der Postmoderne neu interpretiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparatistische literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Textstellen aus beiden Werken detailliert verglichen und in den Kontext der jeweiligen Epochen und Forschungsliteratur eingeordnet werden.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil analysiert kleinschrittig die unterschiedlichen Formen des Fragens, angefangen bei den ritterlichen Normen im „Parzival“ über die Rolle Gawans bis hin zur modernen Fragegesellschaft bei Handke und der Figur von Handkes Parzival.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das Fragemotiv, die Fragekompetenz, die höfische Zucht (zuht), das Frageversäumnis auf der Gralsburg sowie die Begriffe Erlösung, aventiure und Identitätskonstitution.

Wie unterscheidet sich Parzivals Schweigen auf der Gralsburg bei Wolfram von Handkes Parzival?

Bei Wolfram ist das Schweigen ein Verstoß gegen ritterliche Mitleidsnormen, der Erlösung verhindert. Bei Handke ist die Stummheit des Protagonisten ein Zeichen von Unterentwicklung, dessen Überwindung durch gezieltes Fragen zur Selbstfindung führt.

Welche Bedeutung misst die Arbeit der Figur des Gawans bei?

Die Autorin stellt Gawan als Gegenmodell zu Parzival dar, da er durch aktives und insistierendes Fragen erfolgreich seine Abenteuer (aventiure) besteht und seine Fähigkeit zur situativen Beurteilung unter Beweis stellt.

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Details

Title
Das Fragemotiv in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" und Peter Handkes "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land"
Subtitle
Vom richtigen Fragen und Nicht-Fragen
College
University of Hamburg
Grade
1,7
Author
Johanna Willruth (Author)
Publication Year
2018
Pages
24
Catalog Number
V469977
ISBN (eBook)
9783668946026
ISBN (Book)
9783668946033
Language
German
Tags
fragemotiv wolfram eschenbachs parzival peter handkes spiel fragen reise land nicht-fragen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Willruth (Author), 2018, Das Fragemotiv in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" und Peter Handkes "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469977
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