Wie definiert sich (Kinder-)Armut, wenn Kinder per se kein eigenes, selbständiges Einkommen aufweisen können? Wie lässt sich Kinderarmut dann überhaupt definieren, denn an sich können Kinder nicht arm sein, sondern nur deren Eltern bzw. Erziehungsberechtigte? In dieser Seminararbeit wird zunächst dargestellt, wie sich Armut definieren lässt, des Weiteren werden die verschiedenen Arten von Armut kurz aufgeführt. Danach wird speziell auf die aktuelle Lage zur Kinderarmut in Deutschland eingegangen. Im Anschluss daran wird sich insbesondere mit den Folgender Kinderarmut für die betroffenen Familien aus unteren sozialen Schichten auseinandergesetzt, vor allem in Bezug auf (Schul-)Bildung. Schlussendlich wird die Frage beantwortet, ob Bildungschancen eine Frage der sozialen Herkunft sind.
Ab wann ist man arm? Wer definiert das? Welche Indikatoren werden angewandt? Klamotten? Styling? Mitnichten einer der wichtigsten Parameter für Armut heutzutage ist der Indikator Bildung. Armut an sich ist ein sehr abstrakter Begriff, der mehrere verschiedene, im weiteren Verlauf der Arbeit aufgegriffene, Definitionen vorzuweisen hat. Nichtsdestotrotz ist der Begriff „Armut“ für viele Menschen negativ konnotiert, denn er wirkt ausgrenzend und diskriminierend. Das Thema Kinderarmut ist in den letzten Jahren immer bedeutender geworden, denn knapp jedes fünfte Kind in Deutschland lebt dauerhaft oder wiederkehrend in Armut. Mittlerweile ist Kinderarmut zum Dauerstreitpunkt in der Politik geworden, aber auch Wohlfahrtsverbände und Kinderhilfsorganisationen schalten sich immer wieder ein und verlangen eine Besserung der Situation.
Es ist wichtig, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen und die Schere zwischen den Armen und den Reichen nicht noch größer werden zu lassen (vom kommenden Jahr an wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Wohlstands besitzen). Gerade deswegen wird das Vertrauen der Menschen aus unteren sozialen Schichten in die Politik immer geringer: Diese Menschen fühlen sich nicht intensiv genug beachtet, was sich in Unzufriedenheit niederschlägt. Hier beginnt der sogenannte „Teufelskreis der Armut“.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. KINDHEIT, BILDUNG UND ARMUT
1.1 WAS IST ARMUT? – DEFINITIONEN, DIMENSIONEN UND ARTEN VON ARMUT
1.2 KINDERARMUT IN DEUTSCHLAND
1.3 URSACHEN UND FOLGEN VON KINDERARMUT
1.4 BILDUNGSCHANCEN – EINE FRAGE DER SOZIALEN HERKUNFT
2. FAZIT
2.1 LÖSUNGSANSÄTZE ZUR BEKÄMPFUNG DER KINDERARMUT UND SOZIALEN UNGLEICHHEIT IN DEUTSCHLAND
2.2 POLITISCHE POSITIONEN ZUM THEMA „KINDERARMUT“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kinderarmut in Deutschland und dessen Auswirkungen auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird analysiert, inwiefern die soziale Herkunft maßgeblich über den Bildungserfolg entscheidet und ob das deutsche Schulsystem diesen Zusammenhang durch soziale Selektion verstärkt oder abschwächt.
- Definitionen und Dimensionen von Armut im kindlichen Kontext
- Ursachen und Auswirkungen von Kinderarmut auf die kindliche Entwicklung
- Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischen Bildungschancen
- Analyse parteipolitischer Konzepte zur Bekämpfung von Kinderarmut und Ungleichheit
Auszug aus dem Buch
1.4 Bildungschancen – eine Frage der sozialen Herkunft
Ein ganz entscheidendes Schuljahr ist der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule, hier zeigt sich oft, dass sozial benachteiligte Kinder geringere Bildungschancen haben als Kinder aus oberen sozialen Schichten:
[...] [Es] zeigt sich, dass der Wechsel in die höheren Schulstufen deutlich von der finanziellen Situation im Elternhais mitbestimmt ist; so wechseln Kinder aus armen Familien wesentlich seltener zum Gymnasium, als dies Kinder aus wohlhabenden Familien tun (ibid.).
Die Bildung ist ein ganz elementarer Teil unseres Lebens: Von ihr hängen sowohl das verfügbare Einkommen, als auch die Armutsgefährdung und der soziale Status einer Person ab (vgl. Bock/Jürgensen 2016: S.137): „Im Regelfall bilden die in der Schulzeit erworbenen Qualifikationen die Grundlage für die gesamte weitere Ausbildung“ (ibid.).
Doch wie kann es eigentlich sein, dass in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland keine Chancengleichheit herrscht?
Chancengleichheit soll vor allem dort verbessert werden, wo Ungleichheiten nicht durch persönliche Leistung oder Fähigkeiten entstehen, sondern durch zugeschriebene Merkmale aufgrund der sozialen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, des Wohnorts etc. (ibid.).
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik ein, definiert Armut als abstraktes Konstrukt und thematisiert Kinderarmut als zunehmendes gesellschaftliches und politisches Problem in Deutschland.
1. KINDHEIT, BILDUNG UND ARMUT: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Definitionen und Arten von Armut und untersucht deren spezifische Ursachen sowie die gravierenden Folgen für betroffene Kinder und deren Bildungschancen.
2. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bestätigt den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg und diskutiert abschließend Ansätze zur Bekämpfung der Kinderarmut sowie die Positionen verschiedener Parteien.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, soziale Herkunft, Schulsystem, Bildungsbenachteiligung, Armutsgefährdung, Chancengleichheit, Familienpolitik, Hartz IV, Teufelskreis der Armut, Bildungsbiografie, Sozialhilfe, politische Konzepte, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Kinderarmut in Deutschland und beleuchtet die Zusammenhänge zwischen ökonomischen Lebensverhältnissen und den Bildungschancen von Kindern im Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Armutsdefinitionen, die Lebenssituation armutsgefährdeter Familien, die Folgen von Kinderarmut für die kindliche Entwicklung und die parteipolitischen Ansätze zur Verbesserung der Situation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu klären, inwiefern die soziale Herkunft die Bewertung und den Bildungserfolg von Schülern im deutschen Schulsystem beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender Statistiken und Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Armutsbegriffs, eine Analyse der aktuellen Lage in Deutschland sowie die Diskussion über bildungspolitische Implikationen und politische Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kinderarmut, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, soziale Herkunft und Bildungsbenachteiligung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Armut bei Kindern und Eltern?
Eltern nehmen die Armut häufig als zeitlich begrenztes Übergangsstadium wahr, während Kinder zwar die finanzielle Not und den elterlichen Stress registrieren, die Situation jedoch unmittelbar in ihrer kindlichen Lebenswelt erfahren.
Warum wird das Bildungssystem im Hinblick auf Chancengleichheit kritisiert?
Das Schulsystem wird kritisiert, da es durch frühe Weichenstellungen soziale Herkunft oft als Indikator für den Bildungserfolg nutzt, anstatt durch individuelle Förderung soziale Nachteile auszugleichen.
- Citar trabajo
- Marvin Röllgen (Autor), 2018, Kinderarmut und soziale Ungleichheit in schulischer und außerschulischer Bildung in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476842