Jupitergigantensäulen in den germanischen Provinzen


Seminararbeit, 2006
12 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kulturtransfer am Beispiel der JUPITERGIGANTENSÄULEN in den germanischen Provinzen, vom 1. –3. Jahrhundert n. Chr.

1. Einleitung

2. Historischen Abriss

3.Aufbau einer Jupitergigantensäule
3.1. Das Beispiel der Großen Mainzer Jupitersäule
3.2. Die Verlaufsgeschichte weiterer Säulen

4. Der Einfluss der germanisch-keltischen Bevölkerung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zahlreiche Funde von Säulenresten, Viergöttersteinen und ähnlichen den Jupitergigantensäulen zuzuordnenden Ornamenten im obergermanischen Gebiet, sowie des römischen Einflussgebietes Galliens, lassen dieses mythische Denkmal in der Forschungsgeschichte der Religion in den germanischen Provinzen zu einem der meistdiskutierten werden. Inwieweit sich die Jupitergigantensäule zu einem eigenständigen Kult herausgebildet hat, soll anhand der Großen Mainzer Jupitersäule, das als Vorbild gilt, geklärt werden. Dabei muss zuerst ein historischer Überblick gegeben werden, der zeigen soll, wo und wann sich diese Art von religiösem Kult in Form eines Denkmals ausgebreitet hat und wie es zu dem Begriff der Jupitergigantensäule gekommen ist. Die Bevölkerung im historischen Kontext in den germanischen Provinzen ist für die Entwicklung der Jupitergigantensäulen von tragender Bedeutung. Des weiteren wird in dieser Arbeit der Aufbau einer „klassischen“ Jupitergigantensäule beschrieben und versucht ein Überblick über die Entwicklungsstadien der Säule, hin zu einem Denkmalstyp einheimischer Prägung, zu geben.

2. Historischen Abriss

Um sich dem Verbreitungsgebiet der Säulen nähern zu können, muss der Zeitabschnitt des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. betrachtet und näher erläutert werden. Die Aufzählung der unterschiedlichen germanischen und keltischen Stämme würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wird sich daher auf einen groben Überblick eines Aufeinandertreffens römischer und einheimischer Bevölkerung beschränken. Es ist zu berücksichtigen, dass es auch zahlreiche Fundorte außerhalb der damaligen Provinzen Germaniens gibt. Inwieweit diese sich von den Säulen der germanischen Provinzen unterscheiden, wird nur kurz angerissen, da der Fokus dieser Arbeit auf den Funden in den obergermanischen Gebieten gerichtet werden soll.

Anhand der religionsspezifischen vier Entwicklungsphasen[1] Spickermanns lassen sich sehr gut die Bevölkerungsentwicklung und die daraus entstehenden, eigenständigen Religionsformen veranschaulichen.

Unserem zu behandelnden Zeitraum vorausgehend, schreibt Spickemann, dass die Untersuchung der Provinzialreligion mit der „Einrichtung der beiden germanischen Heeresbezirke und dem Abschluss der Umsiedlungsaktionen germanischer Stämme von der rechten auf die linke Rheinseite“ beginnt.[2] Diese im Jahre 8 v. Chr. unter Tiberius durchgeführten Maßnahmen legten den Grundstein für die kultur –und religionsgeschichtliche Entwicklung des vormals „(...) bevölkerungsarmen Raum zwischen Mosel, Rhein und Mass (...)“[3]. Die Verlegung römischer Truppen in die germanischen Provinzen brachten darüber hinaus weitere einschneidende soziale und kulturelle Veränderungen mit sich.

Die erste historische Entwicklungsphase endet anhand dieser Betrachtungsweise mit dem Ende des Bataveraufstandes um 70 n. Chr. und ist gekennzeichnet durch ein „(...) Nebeneinander einheimischer religiöser Traditionen und der Religion der römischen Eroberer (...)“[4]

Unter Domitian 84/85 n. Chr. folgte nun die abschließende Einrichtung von Germania superior und inferior mit den beiden Hauptstädten Colonia Claudia Ara Agrippinensium /Köln und Mogontiacum /Mainz. Die immer weiter fortschreitende Romanisation in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung durch das Heer, steigende ökonomische Entwicklung ( das Militär als erhebliche Wirtschaftskraft) und die Einführung der lateinischen Schriftsprache sind weitere Faktoren, die aus dem parallelen Leben der beiden Kulturen langsam ein Miteinander zu werden scheinen. Hierzu nennt Spickermann zur Herausbildung der germanischen Provinzbevölkerung im 1. Jahrhundert n. Chr. drei verschiedene Identitätensformen:

Zum einen „(...) diejenigen Bevölkerungsteile, die ihre stammesgeschichtliche Identität lokal und ethnisch weitgehend wahren konnten (...)“[5]

Zum anderen der Teil der Bevölkerung, „(...) die im Verband vom rechten Rheinufer auf das linke übergesiedelt worden sind, so ihre ethnische, nicht aber ihre lokale Identität wahren konnte und kulturell germanisch, aber vor allem auch keltisch beeinflusst waren.“[6]

Und letztendlich „(...) diejenigen Bevölkerungsteile, die aus dem Germani cisrhenani hervorgegangen sind und eine Fülle von Ethnien umfassten (...)“ „(...) und zum keltischen Kulturkreis gehörten.“[7]

Die soeben beschriebene zweite Phase, die Konsolidierungsphase, bewegt sich in einem Zeitraum bis ca. 150 n. Chr. und nennt als hauptsachlichen Träger der Religionspraxis das Militär und hier speziell die Ausübung des Kaiserkults.

Laut Spickermann gab es „(...) gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine eigentümliche gallo-römische Gesellschaft, die nicht in vor-römischen (Stammes-) Identitäten verwurzelt war, sondern sich über die Zugehörigkeit zu von den Römern neu geschaffenen Gebietkörperschaften, den civitates, bzw. zu urbanen Zentren definierte.“[8]

Die dritte Phase ist eine „Phase der ´intensiven Romanisation´(...)“[9] und dauerte bis ca. 230/260 n. Chr. und zeugt von einer offenen Zuschaustellung des wirtschaftlichen Wohlstandes in Form von Weihdenkmälern. Aufgrund der Durchmischung des Militärs durch einheimische Rekruten, kommt es zu einer eigenständigen Provinzialreligion mit all ihren neuen Typen und Eigenarten.

Abschließend ist noch die Auflösungsphase zu nennen die ab 230/260 n. Chr. einsetzte. Wichtig zu erwähnen wäre in unserem Falle der Einfall der Alamannen ab 233 n. Chr., was den Fall des obergermanisch –raetischen Limes zur Folge hatte. Der Einbruch in das rechtsrheinische Gebiet, das damalige Decumates agri (Dekumatland), hatte eine starke Zerstörungswelle religiöser Denkmäler mit römischem Einfluss zur Folge[10]. Hierbei sind nicht wenige Jupitergigantensäulen dem Einfall der Alamannen zum Opfer gefallen. Obwohl noch längere Zeit einheimische Kulte weiter existierten, hält gegen Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. langsam das Christentum Eintritt in die neu strukturierten Gebiete der Provinzen Germaniens.[11]

Das Hauptverbreitungsgebiet der Jupitergigantensäulen ist das nördliche Obergermanien, also das Gebiet südlich der Taunus und Hunsrück bis etwa Rottenburg und südlich von Straßburg sowie die östliche Provinz Gallia Belgica (siehe Karte 1 im Anhang). Im damaligen Raetien hingegen gibt es kaum Fundgebiete, lediglich Reste dreier Jupitergigantensäulen sind bewiesen. Auch weiter südlich, aus Pannonien sind nur wenige Funde bekannt und die weiteste Ausstrahlung nach Norden ist mit Resten zweier Göttersäulen in England nachweisbar. Aufgrund der Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Gigantensäulen in Gallien gefunden worden sind, tendiert auf die Frage der Bevölkerungsart germanisch oder keltisch, eindeutig auf keltisch hin.[12] Andere Merkmale die diese These noch weiter untermauern, werden später weiter behandelt.

[...]


[1] Spickermann, Wolfgang: Die germanischen Provinzen als Feld religionshistorischer Untersuchungen, in; Wolfgang Spickermann (Hg.): Religion in den germanischen Provinzen, Tübingen 2001, S. 35-41.

[2] ebd. S. 4

[3] ebd. S. 4

[4] ebd. S. 36

[5] ebd. S. 16

[6] ebd. S. 17

[7] ebd. S. 17

[8] ebd. S. 18

[9] ebd. S. 38

[10] Müller, Werner: Die Jupitergigantensäulen und ihre Verwandten. Beiträge zur klassischen Philologie 66, Meisenheim am Glan 1975, S. 105-112.

[11] Spickermann, S. 40

[12] Bauchhenß, Gerhard/Noelke P., S. 14

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Jupitergigantensäulen in den germanischen Provinzen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Kulturtransfer an den Grenzen Roms
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V490729
ISBN (eBook)
9783668979321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jupitergigantensäulen, provinzen
Arbeit zitieren
Christoph Kloesel (Autor), 2006, Jupitergigantensäulen in den germanischen Provinzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490729

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