In dieser Arbeit soll ein sonderpädagogisches Gutachten anhand des Schülers Jonas B . dargestellt werden. Dafür wird in Kapitel zwei zunächst eine kurze Anamnese sowie eine Kind-Umfeld-Analyse vorgestellt, welche die Lebensumstände sowie die schulischen Leistungen des Jungen beschreiben. In Kapitel drei wird die Beobachtung des Schülers während zwei Schulstunden beschrieben, um einen Einblick in seine Lernsituation zu gewinnen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Durchführung eines diagnostischen Verfahrens, welches in Kapitel vier dargestellt wird. Zunächst wird das Diagnoseinstrument vorgestellt sowie dessen Auswahl begründet, woraufhin die Beobachtung während der Testung beschrieben wird. Anschließend daran soll das Ergebnis dargelegt und ausgewertet werden, sodass eine abschließende Testreflexion erfolgen kann. Das fünfte Kapitel widmet sich dem Entwurf und der Beschreibung eines Förderplans für Jonas B., welcher auf seinen Förderbedarf abgestimmt ist. Abschließend soll ein Gesamtresümee über die Arbeit an dem sonderpädagogischen Gutachten gezogen werden.
Im Rahmen des Seminars „Gezielte Förderdiagnose im Förderschwerpunkt Lernen: Praxisnahe Auswahl und Handhabung von Diagnosematerialien und -verfahren im Rahmen der AO-SF“ hatten die Studierenden in Anlehnung an das AO-SF Verfahren die Möglichkeit, sich in einer Schülerbeobachtung mit anschließender Testung zu probieren.
Im Rahmen der Ausbildung zu sonderpädagogischen Fachkräften ist es von großer Wichtigkeit, Routine in der Beobachtung und Einschätzung von Schülerinnen und Schülern zu gewinnen, da diese elementare Bestandteile eines sonderpädagogischen Gutachtens sind. Dieses sonderpädagogische Gutachten ist die Grundlage für die Feststellung eines sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs sowie die weitere schulische Förderung eines Schülers oder einer Schülerin und ist in der „Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung“ (AO-SF) festgelegt. Wird in einer solchen Begutachtung festgestellt, dass die Schülerin oder der Schüler einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf hat, so hat er oder sie auch ein Anrecht auf diese Förderung. Ein Hauptbestandteil dieser Förderung ist der sogenannte Förderplan, in welchem der aktuelle Leistungsstand sowie mögliche Förderziele und Maßnahmen festgehalten werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anamnese und Kind-Umfeld-Analyse
3. Beobachtungssituation
4. Testergebnisse und Interpretation
4.1 Kurzbeschreibung des KT 3-4
4.2 Beobachtung während der Durchführung
4.3 Auswertung und Schlussfolgerung
4.4 Testreflexion
5. Förderplanung und Förderbedarfsanalyse
6. Gesamtresümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der sonderpädagogischen Diagnostik und der Erstellung eines individuellen Förderplans für einen Grundschüler mit einer Lernbeeinträchtigung. Ziel ist es, durch die Kombination von Schülerbeobachtung und standardisierter Testung einen fundierten Förderplan zu entwickeln, der den spezifischen Entwicklungsbedarfen gerecht wird.
- Sonderpädagogische Diagnostik im Rahmen von AO-SF-Verfahren
- Methodik der strukturierten Schülerbeobachtung
- Anwendung und Interpretation des Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests KT 3-4
- Gütekriterien und Erstellung von individuellen Förderplänen
- Entwicklungsförderung in den Bereichen Konzentration, Mathematik und Lesen
Auszug aus dem Buch
4.2 Beobachtung während der Durchführung
Als Jonas dazu aufgefordert wird, den Klassenraum zu verlassen, um ein Lernspiel auszuprobieren, wirkt er müde und lustlos, kommt der Aufforderung aber trotzdem ohne Widerspruch nach. Er geht sehr langsam in den separaten Raum und zieht dabei seinen Rucksack hinter sich her. Der separate Raum ist aufgeräumt, neben einem großen Gruppentisch samt Stühlen hängen dort wenige Lernplakate. Jonas setzt sich unaufgefordert an den Tisch und holt sein Etui aus seinem Rucksack, daraufhin vergewissert er sich durch einen kurzen Blick zur Testleiterin, ob dieses Vorgehen korrekt ist. Als ihm der Test erklärt wird, schaut er ruhig auf seine Materialien und scheint zuzuhören. Er scheint die Instruktionen verstanden zu haben, die erste Übungsaufgabe löst er korrekt. Insgesamt spricht er während der Instruktionsphase nicht mit der Testleiterin.
Während der Testzeit arbeitet Jonas sehr leise. Er vergleicht die Würfel miteinander, indem er zunächst seinen Stift auf den ersten Würfel legt und mit seinem Zeigefinger den zu vergleichenden Würfel markiert. Bereits bei den ersten Würfelbildern wird deutlich, dass Jonas zwar die Anordnung der Würfelaugen korrekt erkennt und vergleicht, jedoch den Kennzahlen ober und unterhalb der Würfel keine Beachtung schenkt. Er vergewissert sich vor jedem Umblättern durch Blockkontakt bei der Testleiterin, ob er umblättern soll, weitere Fragen hat er während des Tests keine. In den ersten 10 Minuten vergleicht er die Würfelbilder sehr gewissenhaft und gründlich, was viel Zeit beansprucht. Nach 10 Minuten beginnt er, schneller durchzustreichen und weniger intensiv zu vergleichen. Nachdem 15 Minuten des Tests vergangen sind, fragt Jonas, ob er auf die Toilette gehen dürfe, während dieser Pause wird die Bearbeitungszeit angehalten. Als er zurückkommt, setzt er sich sofort wieder und nimmt seine Arbeit auf, jedoch hat sich seine Mimik verändert. Zuvor wirkte er abwesend und unbeteiligt, nun scheint er unglücklich zu sein. Auf die Nachfrage, ob alles in Ordnung ist, gibt er keine Antwort. Nach 20 Minuten ist der Test beendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Anlass der Arbeit im Rahmen eines Seminars zur sonderpädagogischen Diagnostik und stellt den Schüler Jonas B. sowie den Aufbau der Arbeit vor.
2. Anamnese und Kind-Umfeld-Analyse: Hier werden die Lebensumstände sowie die schulische Vorgeschichte des Schülers dargestellt, inklusive der Lernbeeinträchtigung und seiner aktuellen Situation im Unterricht.
3. Beobachtungssituation: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung des Verhaltens von Jonas B. während des Unterrichts in zwei Schulstunden, um Einblicke in seine Lernsituation zu gewinnen.
4. Testergebnisse und Interpretation: Dieses Kapitel beinhaltet die Vorstellung und Begründung des gewählten Diagnoseinstruments KT 3-4, die Durchführung der Testung sowie die anschließende Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.
5. Förderplanung und Förderbedarfsanalyse: Hier werden die Gütekriterien eines guten Förderplans erläutert und auf Basis der zuvor gewonnenen Erkenntnisse ein konkreter Förderplan für Jonas B. entwickelt.
6. Gesamtresümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflexion über die Bedeutung fundierter Diagnostik für die sonderpädagogische Arbeit ab.
Schlüsselwörter
Sonderpädagogik, AO-SF, Förderplanung, Lernbeeinträchtigung, Konzentrationstest, KT 3-4, Förderdiagnose, Schülerbeobachtung, Inklusion, Diagnostik, Leistungsstand, Förderziele, Mathematische Förderung, Leseförderung, Schulleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der sonderpädagogischen Diagnostik und der Erstellung eines individuellen Förderplans für einen Grundschüler, bei dem eine Lernbeeinträchtigung festgestellt wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die strukturierte Verhaltensbeobachtung im Unterricht, die Durchführung psychometrischer Konzentrationstests sowie die Entwicklung praxisorientierter Fördermaßnahmen in den Bereichen Konzentration, Lesen und Mathematik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den individuellen Förderbedarf des Schülers Jonas B. zu ermitteln und diesen in einem übersichtlichen, evaluierbaren Förderplan abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert qualitative Methoden der pädagogischen Beobachtung mit quantitativen Ansätzen durch die Anwendung des standardisierten Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests KT 3-4.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Anamnese, eine ausführliche Beobachtungsphase im Unterricht, die Testdurchführung mittels KT 3-4 sowie die darauf aufbauende Entwicklung eines detaillierten Förderplans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Förderplanung, Sonderpädagogik, AO-SF-Verfahren, Konzentrationsdiagnostik und Inklusionspädagogik beschreiben.
Warum wurde für die Testung der KT 3-4 gewählt?
Der Test wurde gewählt, da er speziell auf die Altersgruppe der dritten und vierten Klasse zugeschnitten ist und keine komplexen schriftsprachlichen oder rechnerischen Kenntnisse voraussetzt, was eine unverfälschte Messung der Konzentration ermöglicht.
Welche besondere Herausforderung bei Jonas B. wird identifiziert?
Bei Jonas B. zeigt sich eine Diskrepanz zwischen seinem konzentriert wirkenden Arbeitsverhalten und dem tatsächlichen Arbeitsergebnis, da er Aufgaben bei Schwierigkeiten oft vorzeitig abbricht.
Welchen Stellenwert hat die Fehleranalyse bei der Interpretation?
Die Fehleranalyse ist essenziell, da sie aufzeigt, dass Jonas B. zwar kaum Auslassungsfehler macht, jedoch überdurchschnittlich viele falsche Items markiert, was auf eine mangelnde Genauigkeit beim Aufgabenvergleich hindeutet.
Welche Empfehlung gibt die Autorin für die Zukunft der Förderplanung?
Die Autorin betont, dass die Erstellung von Förderplänen nicht nur für sonderpädagogische Fachkräfte, sondern für alle Lehrkräfte grundlegend sein sollte, um den Anforderungen der inklusiven Bildung gerecht zu werden.
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- Anonym (Author), 2018, AO-SF Verfahren. Diagnostik und Kind-Umfeld-Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496153