Die nachfolgende Arbeit befasst sich mit der Analyse von Michelangelo Merisi da Caravaggios Werk "Madonna dei Palafrenieri" und dessen Analyse im Kontext der gesellschaftlichen Umstände des gegenreformatorischen Roms um 1600.
"Jeder neue persönliche Beitrag in der Kunst bringt eine neue Entdeckung dessen, was die führenden Maler der Vergangenheit aus ihrem Werk auszuschließen bedacht waren." Untrennbar mit dieser Aussage des Kunsthistorikers Roberto Longhi ist das Thema Skandalkunst verbunden. Skandalkunst ist geradezu charakteristisch für die jüngere europäische Kunstgeschichte und dennoch gibt es bereits seit Jahrhunderten zahlreiche Künstler und ihre Werke, die konventionelle darstellerische und gesellschaftliche Normen brechen und so (un)gewollt Skandale auslösen. Ein frühes Paradebeispiel eines solchen Skandalkunstwerkes ist das Gemälde der "Madonna dei Palafrenieri" (1605-06) von Michelangelo Merisi da Caravaggio. Trotz retrospektivem Wissen um den stilistischen Wandel, den Caravaggio mit seiner Kunst hervorrief und welcher ihm den Ruf als Vorreiter des italienischen Barocks einbrachte, wird der damit verbundene Eklat oftmals zugunsten von gegenwärtiger Bewunderung übergangen. Daher ist es umso wichtiger, bei der Analyse des Kunstwerkes in die gesellschaftlichen Umstände des gegenreformatorischen Roms um 1600 einzutauchen. Nur durch diesen Einblick in den zeitgenössischen Kontext können auch heutige Betrachter den sensationellen Skandal um die "Madonna dei Palafrenieri" nachvollziehen.
Mit diesem Ziel führt die vorliegende Arbeit zunächst über allgemeine Angaben sowie die Beschreibung und Bestimmung des Werkes hin zu dem Skandal, welchen es zu seiner Entstehungszeit auslöste. Basierend auf den vorangegangenen Untersuchungen werden der historische Kontext sowie zeitgenössische Reaktionen vorgestellt. Ein Einblick in die Vorgeschichte und die schon bestehende Stilkritik tragen weiterhin zum besseren Verständnis des Kontextes bei, bevor die zentrale Bildinterpretation mit Hilfe von Vergleichswerken detailliert analysiert, welche Aspekte des Gemäldes im Einzelnen Aufsehen erregten. Es folgt schließlich ein abrundendes Résumé der erarbeiteten Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: Caravaggios „Madonna dei Palafrenieri”
2. Angaben zu dem Gemälde
3. Beschreibung und Bestimmung des Bildinhalts
3.1 Komposition
3.2 Umsetzung
4. Skandal um die „Madonna dei Palafrenieri”
4.1 Historischer und kultureller Kontext
4.2 Zurückweisung und zeitgenössische Reaktion
4.3 Vorgeschichte und Stilkritik
4.4 Bildinterpretation mit Hilfe von Vergleichswerken
5. Abschließende Worte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gemälde „Madonna dei Palafrenieri“ von Caravaggio, um die Hintergründe seines Skandals im Rom um 1600 zu ergründen und die unkonventionelle sowie realistische Darstellungsweise des Künstlers in den historischen Kontext der Gegenreformation einzuordnen.
- Analyse der kompositorischen und maltechnischen Besonderheiten des Werkes.
- Untersuchung des historischen Kontexts der Gegenreformation und ihrer Auswirkungen auf die Kunst.
- Erörterung der zeitgenössischen Kritik und der Gründe für die Zurückweisung des Gemäldes.
- Vergleichende Analyse mit anderen Werken Caravaggios und kunsthistorischen Vorbildern.
Auszug aus dem Buch
3.1 Komposition
Der Bildausschnitt ist so gewählt, dass alle Figuren in Gänze zu sehen sind und den Großteil des Bildraumes einnehmen. Dieser ist am rechten und unteren Rand unmittelbar durch die Figur der Hl. Anna bzw. der Schlange begrenzt, während links und oben mehr ‚leerer‘ Raum gelassen wird. Dieser besteht aus einer beinahe monochromen, schwarzen Fläche, welche den gesamten Hintergrund ausfüllt. Lediglich im oberen Achtel befindet sich ein etwas hellerer Bereich, welcher durch eine nicht eindeutig bestimmbare Lichtquelle aus der oberen linken Ecke des Bildes beleuchtet wird. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine Zimmerdecke, woraus geschlossen werden kann, dass die dargestellte Szene sich in einem Innenraum oder zumindest einem überdachten Außenraum abspielt. Eindeutig kann dieser Standpunkt jedoch nicht bestimmt werden. Der Vorder- und Mittelgrund bilden einen heftigen Kontrast zu dem abstrakten dunklen Hintergrund. Caravaggio setzt mit Hilfe seines charakteristischen Chiaroscuro das in der Dunkelheit Verborgene dem hell Erleuchteten, gut Sichtbaren im Vordergrund gegenüber. Durch die dadurch vermittelte Polarität wird zudem räumliche Tiefe geschaffen, welche die Figuren optisch weiter nach vorn in Richtung des Betrachters rückt. Die Nähe zu den Figuren, welche allesamt in der vordersten Bildebene ‚aufgestellt‘ sind, und deren dominante Positionierung im Bildraum, lenken den Blick des Betrachters auf das Geschehen im Vordergrund. Die Dynamik der Szene wird durch eine eingearbeitete diagonale Kompositionslinie von der unteren linken Bildhälfte in die obere rechte Ecke verstärkt; sie ist außerdem ein beliebtes Gestaltungsmittel barocker Malerei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Caravaggios „Madonna dei Palafrenieri”: Das Kapitel führt in das Thema der Skandalkunst ein und erläutert die Bedeutung Caravaggios als Vorreiter des Barocks im Kontext des Roms um 1600.
2. Angaben zu dem Gemälde: Hier werden Entstehungsdaten, Provenienz sowie technische Details des Gemäldes präsentiert.
3. Beschreibung und Bestimmung des Bildinhalts: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Bildikonographie, der räumlichen Komposition sowie der künstlerischen Umsetzung des Themas.
4. Skandal um die „Madonna dei Palafrenieri”: Dieses Kapitel untersucht die religiösen und kulturellen Hintergründe, die zur öffentlichen Empörung und der schließlichen Entfernung des Bildes aus dem Petersdom führten.
5. Abschließende Worte: Das Fazit fasst zusammen, wie Caravaggios bewusster Bruch mit Konventionen das Gemälde zu einem der umstrittensten Werke seiner Zeit machte.
Schlüsselwörter
Caravaggio, Madonna dei Palafrenieri, Barock, Skandalkunst, Gegenreformation, Malerei, Bildanalyse, Chiaroscuro, Ikonographie, Realismus, Hl. Anna, Religion, Kunstgeschichte, Italien, Rom.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Caravaggios Gemälde „Madonna dei Palafrenieri“ und untersucht, warum dieses Werk zur Entstehungszeit als Skandal wahrgenommen wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Bildanalyse, die Untersuchung des historischen Kontexts der Gegenreformation und die Rezeptionsgeschichte des Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte kunsthistorische Betrachtung zu verstehen, inwieweit Caravaggios Bruch mit den damaligen ästhetischen und moralischen Konventionen zum Eklat führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische Analyse mit Fokus auf Bildbeschreibung, Ikonographie und Kontextualisierung unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und Forschungsliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die kompositorische Gestaltung, die Rolle des Lichts, die spezifische ikonographische Interpretation sowie die vielfältigen Gründe für die Kritik der Zeitgenossen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Caravaggio, Barock, Skandalkunst, Gegenreformation, Realismus und Bildanalyse.
Warum wurde das Gemälde aus dem Petersdom entfernt?
Die Entfernung resultierte aus dem Missfallen des Klerus, der das Gemälde als unanständig, vulgär und theologisch grenzwertig empfand, da es den Anforderungen an das „decoro“ widersprach.
Welche Rolle spielt die Hl. Anna in der Darstellung?
Die Hl. Anna wird als gealterte, realistische Figur dargestellt, was Caravaggios Abkehr von der Idealisierung unterstreicht und durch ihren Kontrast zur jugendlichen Maria und zum Jesuskind für visuelle Spannung sorgt.
- Quote paper
- Christina Haupt (Author), 2019, Skandalkunst. Caravaggios "Madonna dei Palafrenieri" im zeitgenössischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496747