Mehrsprachigkeit in der Klasse. Anforderungen an das Lehrpersonal


Essay, 2017

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung.

Hauptteil

Schlussteil

Literaturverzeichnis.

Einleitung

Die vorliegende schriftliche Arbeit entspricht einem wissenschaftlichen Essay und setzt sich mit dem Thema Mehrsprachigkeit in deutschen Schulen auseinander. Der Titel: „Der rich- tige Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Klasse. Welche Anforderungen muss der/die Leh- rer/-in erfüllen?“ beinhaltet die Leitfrage, die ich im Verlauf meiner Arbeit mithilfe von aus- sagekräftige Argumenten diskutiere und letztendlich beantworte. Dabei lege ich besonde- ren Wert auf die Darlegung meiner eigenen Position, welche ich im Argumentationsgang erkenntlich mache. Der richtige Umgang mit Mehrsprachigkeit in deutschen Unterrichtsset- tings ist Bestandteil aktueller Diskussionen und ebenso Gegenstand verschiedener empiri- scher Studien. Aus diesem und aus dem Grund, dass mein Interesse in Bezug auf die Her- ausforderungen, die ein/eine Lehrer/-in erfüllen muss um einen erfolgreichen Umgang mit Mehrsprachigkeit zu garantieren geweckt wurde, mache ich dieses Thema zum Gegenstand meiner schriftlichen Leistung. Meine Persönliche Motivation ist es, die Schwierigkeiten beim Umgang mit Mehrsprachigkeit in Schulen zu artikulieren und die förderlichen Metho- den zu Behebung dieser Schwierigkeiten aufzuführen. Um den Verlauf meiner Argumenta- tion besser folgen zu können, gliedere ich meinen Essay in drei Abschnitte mit den Über- schriften: Einleitung, Hauptteil und Schlussteil. Nachdem ich in der Einleitung das Thema vorgestellt habe, werde ich mich im Hauptteil auf die Bearbeitung meiner Fragestellung, mittels fachgebundener Literatur, fokussieren. Dabei definiere ich zunächst den Begriff Mehrsprachigkeit, benenne nachfolgend die Herausforderungen die ein/eine Lehrer/-in unter diesen besonderen Umständen erfüllen muss und widme mich letztendlich den Vorgehens- weisen, die einen richtigen Umgang zu folge haben. Darüber hinaus werde ich meine eigene Position anhand von Beispielen erklären. Der Schlussteil beinhaltet das Zusammenführen der Argumentationslinien und die begründete Antwort auf die Fragestellung, welche sich auf den genannten Thesen und Analysen stützt und meine eigene Position widerspiegelt. Nicht Ziel dieser Arbeit, ist die banale Reproduktion von theoretischen Aussagen, sondern Ziel ist es einen aufschlussreichen Überblick darüber zu geben, welche Anforderungen aus einer mehrsprachigen Klassenkomposition resultieren und wie die Lehrenden mit diesen richtig umgehen.

Hauptteil

Das Phänomen der Mehrsprachigkeit ist in deutschen Schulen Bekannterweise keine Selten- heit mehr. Ein Grund dafür ist vor allem die Migration, die dazu führt, dass die Zuwanderer ihre Landessprache mitbringen und sprechen. Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff Mehrsprachigkeit? Um meine Leitfrage vollständig zu beantworten definiere ich die- sen Terminus vorab.

An dieser Stelle möchte ich mich auf ein Zitat von Rosemarie Tracy stützen, denn sie defi- niert Mehrsprachigkeit wie folgt: „[…] wer regelmäßig mehr als eine Sprache verwendet und in der Lage ist, in allen seinen Sprachen Alltagsgespräche zu führen“ (vgl. Universität Konstanz, 2016). Es lässt sich also festhalten, dass man unter Mehrsprachigkeit das Sprechen und Verstehen von mindestens zwei Sprachen begreift. Wenn man also mehr als zwei Spra- chen beherrscht ist man schlussfolgernd ebenfalls mehrsprachig. Ich komme noch mal auf meine Aussage zu Beginn dieser Seite zurück. Mehrsprachigkeit kommt nicht nur wie vorhin gesagt durch die Zuwanderung zustande, sondern das sprechen Lernen einer fremden Spra- che wie z.B. Englisch ist in deutschen Schulen Teil des Curriculums und hat demnach zu- folge, dass die Schüler/-innen mit Mehrsprachigkeit in Berührung kommen, wenn sie es nicht schon vorher sind. Wie man erkennen kann ist Mehrsprachigkeit sogar erwünscht, doch wieso stellt es dann gleichzeitig ein Problem in deutschen Schulen dar? Das Problem liegt darin begründet, dass die Schüler deren Muttersprache nicht Deutsch ist, im Unterricht ihr volles Potenzial aufgrund der vorhandenen Sprachbarriere nicht voll ausschöpfen können. Um diesen Problem entgegenzuwirken bedarf es an Lehrkräften und Unterrichtsmethoden, die es ermöglichen die anders sprachigen Schüler miteinzubeziehen und Benachteiligungen zu dezimieren. Bei der Erfüllung dieser Kriterien ist also vor allem der Lehrer beteiligt. Ihm liegen im Umgang mit Mehrsprachigkeit eine menge Anforderungen zugrunde, die es gilt zu bewältigen um einen erfolgreichen Unterricht für alle zu generieren. Wobei ich überlei- tend wieder bei meiner Leitfrage angelangt wäre. Vor diesem Hintergrund bringe ich den Begriff interkulturelles Lernen mit ein. Interkulturelles Lernen als Prinzip des Unterrichts verbirgt nicht nur Hindernisse, sondern stellt auch eine Chance für die Lehrenden dar, denn die Lerninhalte und -ziele können bunter, offener und vor allem interkulturelle bereichernder gestaltet werden (vgl. Stoik, 1990, S. 12). Um ein erfolgreiches Lernen mit allen Schülern zu ermöglichen müssen die Lehrenden ein interkulturelles Verständnis aufbringen, die Rede ist von der interkulturellen Kompetenz. Sie beinhaltet die erfolgreiche unvoreingenommene Interaktion zwischen Schülern mit Migrationshintergrund und Lehrern. Unvoreingenommen im Sinne von frei von Vorurteilen. Der/die Lehrer/-in muss die Unterschiede in den Aus- drucksformen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache anerkennen und diese gleich- zeitig durch Zugänge zu den schulerfolgsrelevanten Ausdrucksformen erweitern. Ebenso ist es wichtig, dass die Schüler in ihrem selbstbewussten Umgang mit ihrer kulturellen Identität bestärkt werden und sie beim Erwerb sprachlich- kultureller Kompetenzen motivierend zu unterstützen (vgl. Fürstenau, 2012, S. 7). Denn es ist nicht die Absicht des Bildungssystems die Assimilation zu fördern, sondern ziel ist es eine erfolgreiche Integration in deutschen Schulen herzustellen. Schlussfolgernd lässt sich demnach sagen, dass der/die Lehrende die Kulturellen Hintergründe der Lernenden tolerieren und akzeptieren, interkulturelle Sensibi- lität aufbringen und ihnen mit Verständnis motivierend zur Seite stehen muss. Alle diese Aspekte setzen die Fähigkeit zur Empathie voraus, denn der/die Lehrende muss sich über die Empfindungen und Einstellungen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache bewusst sein. Die Entwicklung einer sprachlich inklusiven Bildungspraxis stellt somit eine Zukunfts- aufgabe für alle Lehrenden dar (vgl. ebd., S. 8). Der Erwerb von bildungssprachlichen Kom- petenzen schafft die Grundvorraussetzung für ein erfolgreiches Leben, deswegen ist es eine Notwendigkeit die Schüler mit nicht deutscher Muttersprache in dieser Hinsicht zu fördern. Im Rahmen des Unterrichts muss der Lehrer darauf achten, dass die Unterrichtssprache al- tersgemäß formuliert ist um ein Verständnis auf Seiten der Schüler zu garantieren. Er muss sich außerdem immer wieder bewusstmachen, dass die Schüler eventuell nicht jedes Wort verstehen werden. Eine Möglichkeit dieses Hindernis in der Textarbeit zu umgehen, wäre die Bereitstellung von Hilfsmitteln im Unterricht darunter zählen z.B Wörterbücher und Wortlisten. Den Schülern mit Migrationshintergrund fehlt es außerdem oft an Zugehörig- keitsgefühl damit dieses wiederhergestellt werden kann, könnte der Lehrer sich Zugang zu den anderen Sprachen verschaffen und diese im Unterricht integrieren. Dies könnte zum Beispiel in Form einer Projektwoche geschehen. Ebenfalls könnte man mehrsprachige Me- dien nutzen oder mehrsprachiges lesen und schreiben ermöglichen. Alle diese Methoden lassen sich mit geringem Aufwand in Unterrichtssettings einbauen und erlauben außerdem den deutschsprachigen Schülern einen differenzierten Einblick in die verschiedenen Kultu- ren. Es profitieren letztendlich alle Schüler egal welcher Herkunft. Meiner Meinung nach geschieht dies aber trotzdem zu selten. An dieser Stelle möchte ich mich auf ein Konzept beziehen, welches meines Erachtens eine hervorragende Unterrichtsmethode darstellt, die die Mehrsprachigkeit der Schüler berücksichtig und fördert. Das Konzept „koordinierte Al- phabetisierung im Anfangsunterricht“ abgekürzt „Koala“ ermöglicht die Alphabetisierung von zweisprachigen Kindern in zwei Sprachen, nämlich Türkisch und Deutsch, durch eine systematische Alphabetisierungsmethode (vgl. Schwede, 2004) Der Anteil türkischsprachi- ger Kinder ist an vielen deutschen Schulen sehr hoch. Dies hat zur Folge, dass herkunftshe- terogene Klassen entstehen, die eine besondere Form des Unterrichts verlangen, denn viele türkische Schüler weisen eine nicht ausreichende Sprachkompetenz auf. Weder in ihren El- ternhäusern noch in der Grundschule bzw. Im Kindergarten werden sie in ihrer Sprachent- wicklung gefördert. Durch diese fehlende Hilfe Leistung, resultiert oft eine doppelte Halb- sprachigkeit mit verminderten Erfolgschancen. Das Koala Prinzip wirkt dem entgegen und fördert die bilinguale Sprachkompetenz, beschleunigt den Schriftspracherwerb, vermeidet Interferenzen, steigert die Motivation sowie das Selbstwertgefühl durch die Schaffung einer ganzheitlichen Wahrnehmung und fördert schließlich das selbständige Lernen und den Um- gang mit Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität (vgl. Nakipoğlu-Schimang, 2002). Des Weiteren wird meines Erachtens auch Toleranz vermittelt, denn jede Sprache kommt in die- ser Unterrichtsform zur Geltung, was zur Folge hat, dass keine Sprache indirekt als weniger Bedeutsam bewertet wird. Toleranz indem Sinne, dass jede Sprache gleich viel Anerkennung erfährt und zur einer Ich-Stärkung mit beiträgt. Die Herkunftssprache der Schüler sollte auf keinen Fall ignoriert werden, weil sie einen Teil ihrer Identität widerspiegelt.

Doch welche Anforderungen verlangt das Konzept von den Lehrkräften ab? Der Lehrer muss die Rolle des aktiven Wissensvermittlers revidieren und von nun an als Lernberater und -helfer fungieren. Er ist Wegbegleiter und teamfähiger Partner mit der Bereitschaft zu Kooperation. Dabei ist zur beachten, dass die deutsche Lehrkraft Kenntnis über die Struktu- ren der türkischen Sprache besitzt und die türkische Lehrkraft die deutsche Sprache gut be- herrscht. Die Schüler werden dadurch für Mehrsprachigkeit Sensibilisiert und stehen ande- ren Kulturen offen gegenüber. Die Alphabetisierung findet in der Regelklasse auf deutsch statt und zeitversetzt bedient sich der/die Muttersprachenlehrer/-in an den eingeführten Buchstaben und baut diese in den Muttersprachenunterricht mit ein (vgl. Sieglinde Schwede, 2004). Dies stellt nur eine von vielen didaktischen Methoden dar die das Konzept Koala zu bieten hat. Vorzugsweise finden Koala Unterrichtssettings in offenen Unterrichtsformen statt, da der offene Unterricht individuell auf die Kinder abgestimmt ist und genügend Zeit und Raum bietet um der Vielfalt der Sprachen zu begegnen (vgl. Berrin Nakipoğlu-Schi- mang, 2002). Abschließend an dieses Konzept behaupte ich, dass das Koala Konzept ein perfektes Beispiel dafür ist Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität zu verbinden und allen Schülern dieselbe Chance auf Bildung zu verschaffen. Es findet kein abwerten der Her- kunftssprache statt, sondern die Herkunftssprache wird anerkannt und gefördert. Ich halte dies für besonders wichtig, weil eine Unterdrückung der eigenen Kultur und die Annahme der Umgebenen Kultur dazu beiträgt das ein Teil der Identität verloren geht, wobei nun nicht mehr von einer gewünschten Integration die Rede ist, sondern von einer Assimilation.

Schlussteil

Auf den folgenden Seiten habe ich mich mit dem Begriff der Mehrsprachigkeit auseinander- gesetzt, die Situation in deutschen Schulen beschrieben und die Anforderungen die ein Leh- rer in Bezug auf Mehrsprachigkeit in der Klasse zu erfüllen hat aufgeführt. Des Weiteren habe ich Lösungsvorschläge formuliert, inwiefern ein guter Umgang mit Mehrsprachigkeit in heterogenen Klassen aussehen könnte. Dabei bezog ich mich auf das Koala-Konzept, als Beispiel für einen gelungenen Unterricht, indem sowohl Schüler mit nichtdeutscher Mutter- sprache, als auch Schüler mit deutscher Muttersprache voneinander profitieren. Überleitend nehme ich jetzt Bezug auf die Beantwortung der Leitfrage meiner Arbeit. Um einen richtigen Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Schule zu gewährleisten muss der/die Lehrer/-in be- stimmte Anforderungen erfüllen. Mehrsprachige Kinder können sich aufgrund der meist vor- handenen Sprachdefizite und Sprachbarrieren nicht vollständig im Unterricht einbringen. Um den entgegenzuwirken muss der/ Lehrer/-in interkulturell kompetent sein, d.h. Dass er/sie die Fähigkeit besitzt frei von Vorurteilen mit den Schülern zu interagieren. Er/sie muss außerdem die Ausdrucksformen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache anerkennen und sie durch die bildungsprachlichen Ausdrucksformen ergänzen. Eine weitere notwendige Anforderung ist die, dass der/die Lehrende die mehrsprachigen Schüler in ihrer kulturellen Identität bestärkt und ihnen Motivation in Hinblick auf den Erwerb sprachlich- kultureller Kompetenzen entgegenbringt. Des Weiteren muss der/die Lehrer/-in die kulturelle Identität der mehrsprachigen Kinder anerkennen und tolerieren, wobei ein sensibler und veständnis- voller Umgang gegeben sein muss. Die Fähigkeit zur Empathie ist deshalb Voraussetzung, weil der/die Lehrende Kenntnis über die Emotionen und Einstellungen der Schüler mit mig- rationshintergrund haben muss. Alle diese Anforderungen müssen berücksichtigt werden um eine Assimilation zu verhindern und eine Integration zu fördern. Meiner Meinung nach ist das Koala-Konzept eine Unterrichtsmethode, in dem mit Mehrsprachigkeit richtig umgegan- gen wird. Diese Methode verlangt von dem/der Lehrenden eine Revision der bestehenden Rolle als Wissensvermittler/-in. Aufgrund der offenen Unterrichtsformen nimmt der/die Lehrer/-in nun die Rolle als Lernberater/-in und Lernhelfer/-in ein. Des Weiteren fungiert er/sie auch als Wegbegleiter/-in und teamfähiger Partner/-in der/die seinen Schülern jeder Zeit zur Verfügung steht. Wie man hieran erkennen kann verlangt der heterogene Schulun- terricht von den Lehrenden einiges ab. Doch ist der/die Lehrer/-in bereit den mehrsprachigen Kindern mit Verständnis und Toleranz gegenüberzutreten, seine/ihre konventionellen Un- terrichtsmethoden zu hinterfragen und sie beispielsweise durch offene Unterrichtsformen ergänzt, ermöglicht er/sie den mehrsprachigen Kindern ihr Potenzial voll auszuschöpfen, ohne das sie ihre kulturelle Identität ablegen müssen, sondern sie als einen Teil ihrer Identität präsentieren können. Wenn jeder Lehrende in dieser Hinsicht Engagement zeigt, steht einem gelungenem Unterricht mit Mehrsprachigkeit nichts im Wege.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Mehrsprachigkeit in der Klasse. Anforderungen an das Lehrpersonal
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V501778
ISBN (eBook)
9783346034601
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrsprachigkeit, Unterricht, Lehrerrolle, Interkulturalität, Kultur, Didaktik, Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Erziehung, Unterrichtsmethoden, Bildung, Anforderungen, Schule
Arbeit zitieren
Jenny Schäfer (Autor), 2017, Mehrsprachigkeit in der Klasse. Anforderungen an das Lehrpersonal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501778

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