Kooperative Arbeitsformen in der Unterrichtseinheit "Akrobatik". Förderung der Teamfähigkeit im Sportunterricht


Examensarbeit, 2018

71 Seiten, Note: 1,8

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begründung des Themas und Zielstellung der Arbeit

2. Bedingungsanalyse
2.1 Schulspezifische Bedingungen
2.2 Bedingungen der Lerngruppe
2.3 Besonderheiten einzelner Schülerinnen

3. Sachanalyse
3.1 Teamfähigkeit (Respekt, Kommunikation, Kompromissbereitschaft und Vertrauen)
3.2 Kooperative Arbeitsformen
3.3 Akrobatik

4. Didaktische Analyse
4.1 Strukturierung der Unterrichtseinheit
4.2 Legitimation
4.3 Bedeutung des Unterrichtsgegenstandes
4.4 Didaktische Reduktion

5. Lernziele

6. Methodische Analysen
1. Unterrichtsstunde
2. Unterrichtsstunde
3. Unterrichtsstunde
4. Unterrichtsstunde
5. Unterrichtsstunde
6. Unterrichtsstunde
7. Unterrichtsstunde
8. Unterrichtsstunde

7. Quellenangaben

9. Anhang

1. Begründung des Themas und Zielstellung der Arbeit

In der Schule kommt das Fach Sport als einziges dem natürlichen Bewegungsdrang der Schülerinnen nach. Dabei sind Bewegung und Entwicklung eng miteinander verflochten. Der Sportunterricht muss demnach die intrinsische Motivation zum Sporttreiben fördern. Neben dem motorischen Erlernen von Sportarten sollten auch soziale Kompetenzen zentraler Bestandteil des Unterrichtsgeschehens sein. Hierbei geht es zum Beispiel um Fairness, Toleranz, das Einschätzen der eigenen Leistung und Teamfähigkeit.

Auf Grund der aktuellen Situation des XX ist die Förderung der Teamfähigkeit von Relevanz. Im Sportunterricht fällt es derzeit vielen Schülerinnen schwer, mit anderen produktiv zusammenzuarbeiten. Dies fordern jedoch die komplexen Anforderungen der heutigen Gesellschaft und der Arbeitswelt, denn „ganz vorn liegt Teamfähigkeit – ohne diese Angabe kommt fast keine Stellenanzeige aus“ (Leffer, 2018). In der Unterrichtseinheit „Akrobatik“ steht die Förderung der Teamfähigkeit mit kooperativen Lernmethoden im Vordergrund, damit die Schülerinnen sich kreativ, koordinativ, konditionell und vor allem sozial entwickeln können. Dabei können die Bewegungsaufgaben nur in Kooperation mit anderen gelöst werden.

Die Schülerinnen können im Sportunterricht nicht nur ihren eigenen Körper und dessen Grenzen kennenlernen, sondern auch über Bewegung mit anderen kommunizieren und kooperieren. Deshalb werden in der Unterrichtseinheit offene Bewegungsaufgaben gestellt, in denen die Schülerinnen in Teamarbeit eigenständig Ideen einbringen und Lösungen finden können. Zudem bietet Akrobatik durch die unterschiedlich komplexen Figuren und Elemente eine Reihe von Differenzierungsmöglichkeiten, die bei der heterogenen Lerngruppe nötig sind.

Akrobatik kann als Leistungs- und Freizeitsport betrieben werden. In Turnvereinen, Universitäten oder auch im Schulsport findet Akrobatik Anklang. Da die Bewegungen außergewöhnlich sind, haben sie für Menschen einen besonderen Reiz. „Auf den Betrachter soll eine Wirkung sowohl durch das Schöne, Ästhetische als auch durch das Sonderbare, Wunderbare oder Sensationelle der menschlichen Bewegung hervorgerufen werden.“ (Blume, 2017.)

Das Ziel der Unterrichtseinheit „Akrobatik“ besteht darin, neben der individuellen motorischen Leistung die Teamfähigkeit der Schülerinnen zu stärken und somit den Doppelauftrag des Sports zu erfüllen. Gemeinsames Handeln erfordert genaue Absprachen und impliziert intensive Körpererfahrungen. Die Schülerinnen können erfahren, auf Hilfe angewiesen zu sein und auch in Anspruch zu nehmen. Außerdem kann jede Schülerin individuell die Erfahrung machen, gebraucht zu werden.

2. Bedingungsanalyse

2.1 Schulspezifische Bedingungen

Die XX-Schule befindet sich in Ort. Insgesamt werden XX Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet. Die Schüler können entweder die Berufsreife oder die Mittlere Reife erlangen. Der Großteil der Klassenstufen ist XXzügig, ausgenommen die XX und XX Klassen, die dreizügig unterrichtet werden. In der siebten Klassenstufe gibt es XX Regelklassen. Der Sportunterricht in der siebten Jahrgangsstufe umfasst wöchentlich zweimal 45 Minuten.

Die Unterrichtsstunde findet in der Sporthalle statt. Die Sporthalle bietet ausreichend Bänke und Turnmatten. Weiterhin sind im angrenzenden Geräteraum Hocker, verschiedene Kastenteile und eine Musikanlage vorhanden. Die ersten beiden Stunden fanden aufgrund von Baumaßnahen im Theater der Schule statt. Dies führte zu einem leicht veränderten Aufbau der Stationen.

2.2 Bedingungen der Lerngruppe

Seit September Jahr wird die Lerngruppe von mir im Fach Sport unterrichtet. Sie setzt sich aus XX Mädchen XX Klassen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren zusammen. Das Lehrer-Schüler Verhältnis ist überwiegend vertraut und respektvoll. Aufgrund der unterschiedlichen Klassenzugehörigkeit ist das Verhalten der Schülerinnen teilweise angespannt und wechselhaft, insbesondere in Bezug auf die Sympathien untereinander.

Der Sportunterricht findet an der XX Schule monoedukativ statt. Die Jungen werden zeitgleich von einem Kollegen in derselben Sporthalle unterrichtet, sodass beiden Kursen je eine Hallenhälfte zur Verfügung steht. Für die Lehrprobe steht die gesamte Halle zur Verfügung.

Wie bereits erwähnt, fällt einigen Schülerinnen das gemeinsame produktive Arbeiten schwer.

Die Lerngruppe ist meist interessiert und teilweise sehr lebhaft. Dies zeigt sich besonders in Gesprächsphasen durch Unruhe. Insgesamt ist die Motivation im Unterricht als mittelmäßig zu bewerten, bei teilweise unkonzentriertem Arbeitsklima. Auf sportmotorischer Ebene ist der Kurs heterogen und auf einem mittleren Niveau einzustufen. Aufgrund der Heterogenität ist Akrobatik ein reizvolles Thema, da die Leistungsschwächeren durch Nachahmung lernen und die Leistungsstärkeren durch das Lehren lernen.

Die Schülerinnen befinden sich in ihrer ontogenetischen Entwicklung in einer Umbruchphase. Schülerinnen im frühen Jugendalter sind zum Teil kindlich und können, ihrer körperlichen Entwicklung nach, fast noch dem späten Kindesalter zugeordnet werden. Andere Mädchen sind bereits in der Entwicklungsphase zwischen frühem und spätem Jugendalter, in dem eine Umstrukturierung der motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten durch die zweite Phase des Längenwachstums erfolgt (Hebestreit, 2002). In der Sekundarstufe I ist es wichtig, die biologischen und psycho-sozialen Veränderungen der Schülerinnen zu beachten. Daraus resultieren unterschiedliche Lernausgangslagen, denen die Lehrperson durch geeignete Maßnahmen der Binnendifferenzierung begegnen sind muss.

Die Schülerinnen erhielten bereits im vergangenen Schuljahr (Klasse 6) eine Einführung in das Turnen und die Akrobatik. Keine der Schülerinnen bringt außerschulische Erfahrungen in Akrobatik mit. Aufgrund des bereits durchgeführten Sportunterrichts in Klasse sieben ist den Schülerinnen das für die Unterrichtseinheit relevante Arbeiten mit Partnern, in Gruppen sowie an Stationen bekannt. Außerdem kennen sie die Zielscheibenfeedback-Methode. Im Sportunterricht ist eine Lerntheke neu für die Schülerinnen. Im Vorfeld der Unterrichtseinheit „Akrobatik“ wurde bisher in den Bewegungsfeldern Leichtathletik, Floorball und kleineren Spielen gearbeitet. Da die Sporthalle eine Zeit lang gesperrt war, fand eine Theoriestunde zum Thema „Akrobatik“ statt, in der Lehrvideos zum Thema angeschaut wurden, um die Schülerinnen für die bevorstehende Unterrichteinheit zu motivieren. Außerdem fand eine Erhebungsstunde zur motorischen Leistungsfähigkeit im Bereich der turnerischen Basiselemente statt. Dabei wurden verschiedene Stände sowie Sprung-, Überschlag- und Rollbewegungen wiederholt und geübt. Es zeigte sich, dass alle Schülerinnen in der Lage sind, eine Vorwärtsrolle zu absolvieren, einigen Schülerinnen gelang zudem die Rückwärtsrolle sowie die Sprungrolle. Auch den Handstützüberschlag seitlich (Rad) beherrschen einige der Schülerinnen. Den Kopfstand ohne Hilfestellung können wenige Schülerinnen ausführen. Mit Hilfestellung können dagegen mehrere Schülerinnen den Kopfstand und auch den Handstand absolvieren. Den Strecksprung können alle Schülerinnen ausführen. Die Kombination mit einer halben und ganzen Drehung gelang einigen Schülerinnen. Ebenso beherrschen sie den Pferdchen-, Scher- und Schrittsprung in den Grundzügen.

2.3 Besonderheiten einzelner Schülerinnen

Aufgrund der heterogenen Lerngruppe wird im Folgenden eine Einteilung in die Niveaus Leistungsspitze, mittleres Leistungsfeld und unteres Leistungsfeld vorgenommen.

Der Leistungsspitze können Namen zugeordnet werden. Namen hat zudem einen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Dies zeigt sich manchmal im respektlosen Umgang mit Mitschülerinnen und indem sie schnell demotiviert ist. Sie zeigt stets gute bis sehr gute motorische Leistungen und kann neue Bewegungen schnell umsetzen. Name zeigte sich bisher stets freundlich und hilfsbereit. Ihre Leistungen im Sportunterricht sind bisher gut. Namen haben eine gute sportliche Auffassungsgabe und setzen Bewegungsformen schnell um. Sie verfügen über ein relativ breites Repertoire an turnerischen Basiselementen.

Zum mittleren Leistungsfeld zählen Namen. Eine gute sportliche Auffassungsgabe haben Namen. Sie setzen Bewegungsformen schnell um. Wenn ihnen etwas nicht gelingt, sind sie schnell demotiviert. Name hat einen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Dies wird in Konfliktsituationen durch den respektlosen Umgang gegenüber Mitschülerinnen deutlich, wodurch oft Unruhe in der gesamten Lerngruppe entsteht. Namen haben ein durchschnittliches sportliches Grundverständnis und beherrschen einige turnerische Basiselemente. Nach einer gewissen Übungszeit können sie neue Bewegungsabläufe gut umsetzen. Name zeigte sich insbesondere in den letzten Stunden sehr hilfsbereit. Namen benötigen mehr Zeit, um neue Bewegungsaufgaben umzusetzen.

Dem unteren Leistungsfeld können Namen zugeordnet werden. Name ist sehr zurückhaltend und ihr ist es unangenehm durch Bewegungsaufgaben aufzufallen. Namen haben aufgrund ihres Migrationshintergrunds Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Sportmotorisch sind sie auf einem niedrigen Niveau. Namen benötigen viel Zeit, um neue Bewegungen zu erlernen und sind eher zurückhaltend. Keiner Leistungsgruppe ist Name zuzuordnen. Sie hat aufgrund einer Krankheit eine dauerhafte Sportbefreiung. Während der Unterrichtseinheit kann sie nicht aktiv am Unterricht teilnehmen, übernimmt jedoch während dieser Zeit (soweit möglich) eine helfende Funktion.

3. Sachanalyse

3.1 Teamfähigkeit (Respekt, Kommunikation, Kompromissbereitschaft und Vertrauen)

Als Team wird ein „um ein Tätigkeitsziel herum gebildeter Sozialkörper“ bezeichnet (Kriz & Nöbauer, 2002). Wenn mehrere Menschen in einem Team zusammenarbeiten, kommt die Schlüsselqualifikation Teamfähigkeit zu Tragen. „Teamfähigkeit ist die Fähigkeit, sich in eine Gruppe konstruktiv und sozial zu integrieren und somit die eigenen Kompetenzen in Zusammenarbeit mit den Gruppenmitgliedern zugunsten des Gruppenziels und des Gruppenzusammenhaltes einzusetzen“ (Eckert & Eckert, 2013). Teamfähigkeit wird zum einen als Teil der überfachlichen Sozialkompetenz und zum anderen als fachspezifische Kompetenz besondere Bedeutung beigemessen. Teamkompetentes Verhalten bedarf individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten einerseits, ist aber andererseits keine Eigenschaft eines einzelnen Teammitglieds, sondern ein gemeinschaftlich entwickeltes Produkt eines ganzheitlichen Teamprozesses. Laut Erdmann (2018) zeigt sich teamfähiges Verhalten, indem die Teammitglieder miteinander fair und respektvoll umgehen, sie ihre eigenen Entscheidungen kritisch hinterfragen und Ideen anderer gegenüber aufgeschlossen sind. Außerdem macht sich Teamfähigkeit durch eine vertrauensvolle Atmosphäre, Kompromissbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und einem offenen ehrlichen Umgang miteinander bemerkbar. Anhand dieser Definitionen können vier elementare Kriterien zur Einschätzung der Teamfähigkeit genutzt werden. In der Reflexion der Unterrichtseinheit sind „Respekt“, „Kommunikation“, „Kompromissbereitschaft“ und „Vertrauen“ Bestandteil der Zielscheibenreflexion.

Sich gegenseitig zu respektieren bedeutet, freundschaftlich und verständnisvoll Sport zu treiben und wird begrifflich zumeist als „Fairplay“ im Kontext des sportlichen Handelns gefasst (Krüger, et al., 2013). Vor allem im Sportunterricht zählt zu den elementaren Bestandteilen des „Fairplay“ die Einhaltung von Verhaltensregeln in Bezug auf Gegner als auch auf Teammitglieder. Beleidigungen und Abwertungen sollten keinen Platz im Unterricht finden. Stattdessen gilt es, einen höflichen Umgang miteinander zu erreichen und die Leistungen anderer anzuerkennen.

Kommunikation ist eine grundlegende Form sozialen Handelns in Gruppen und zwischen Personen. Kommunikation kann Machtinteressen, sozialen Interessen oder dem Interesse an gezielten Aufgaben dienen (Alfermann, et al., 2012).

Letztes betrifft die Kommunikation im Sportunterricht, wo ein Informationsaustausch stattfindet, um offene Fragen, eventuelle Missverständnisse, individuelle Aufgaben und Stärken im Team zu klären oder auch um das gesamte Team in die Entscheidungsfindung mit einzubinden. Dadurch steigt bei den Schülern die Akzeptanz und Motivation zum Unterrichtsgegenstand.

Die Notwendigkeit der Kompromissbereitschaft zeigt sich besonders in kooperativen Lernformen, bei denen innerhalb eines Teams ein gemeinsames Ziel verfolgt wird. Meinungen anderer zu akzeptieren und anzunehmen ist unabdingbar, um bei unterschiedlichen Lösungsansätzen oder gar Meinungsverschiedenheiten einen Kompromiss zu finden und sich im Team zu einigen.

Vertrauen ist nicht nur im Sport von zentraler Bedeutung. Fehlendes Vertrauen, Angst oder Verunsicherung führen dazu, dass der Mensch sich nicht auf neue Herausforderungen einlässt und somit keinen Lernzuwachs erzielt. „Offenheit für Neues ist für die Entwicklung des kindlichen Gehirns von entscheidender Bedeutung“ (Hüther, et al., 2014). Vor allem in turnerischen Bewegungsfeldern wie der Akrobatik ist es wichtig, dass sich die Schüler während der Ausführungen gegenseitig vertrauen. Das Vertrauen in die motorischen Fähigkeiten des Partners führt zum Ablegen von Verunsicherungen und Ängsten und zum Erreichen des gemeinsamen Ziels. Wurde das Vertrauen in das Team gebrochen, so führt die entstandene Verunsicherung dazu, dass Vertrauen nur mit großem Aufwand zurückzugewinnen ist.

3.2 Kooperative Arbeitsformen

Laut Bähr gibt es vier charakterisierende Merkmale für kooperatives Lernen: Ein gemeinsames Gruppenziel, Spielraum für Entscheidungen, individuelle Verantwortung für das Gruppenziel und positive Wechselbeziehungen im Lernprozess (Bähr, 2005).

Das gemeinsame Gruppenziel ist Ausgangspunkt und notwendige Bedingung des kooperativen Lernens in der Unterrichtseinheit. Dieses sollte ein von allen Teammitgliedern akzeptiertes gemeinsames Arbeitsziel sein, beispielsweise das Lösen eines Bewegungsproblems, das Üben oder Anwenden einer Technik. Übergeordnetes Ziel ist das Erarbeiten einer Teamkür.

In der Unterrichtseinheit gibt es Spielraum für Entscheidungen innerhalb eines thematisch festgesetzten Rahmens (Akrobatik). Dieser gibt die Möglichkeit und Notwendigkeit, wesentliche „Knackpunkte“ eines (Bewegungs-) Problems selbstständig (z. B. in Viererteams) aufzuspüren, sich davon ausgehend für einen bestimmten Lern- oder Übungsweg zu entscheiden und diesen umzusetzen bzw. wieder zu modifizieren. Die Schülerinnen können z. B. Figuren weiterentwickeln oder neu kreieren.

Ein weiteres Merkmal ist die individuelle Verantwortlichkeit für das Gruppenziel. Situationen des kooperativen Lernens sind im Idealfall derart angelegt, dass die Schülerinnen das Gruppenziel erreichen können, indem sich jeder Einzelne konstruktiv in den Gruppenprozess einbringt und seinen Anteil an der Bewältigung der Aufgabe leistet. Dies wird bei der Abschlusspräsentation überprüfbar sein, da alle Teams auftreten müssen.

Bei den positiven Wechselbeziehungen in Bezug auf den Lernprozess kommt es darauf an, dass jeder Einzelne erst dann Erfolg hat, wenn auch alle anderen Mitglieder des Teams einen Lernfortschritt erzielen. Bei der Akrobatik tritt dies insbesondre beim Helfen und Sichern auf.

Partner- und Gruppenarbeit

Bei der Partnerarbeit sind zwei Schülerinnen über einen längeren Zeitraum füreinander verantwortlich (vgl. Achtergarde, 2015). Das gemeinsame Arbeiten stellt somit den ersten Schritt vom individualistischen Denken hin zur gemeinsamen Arbeit dar. Dabei können beide Partnerinnen voneinander lernen und sich individuell verbessern. Die Lehrperson hat dabei die Aufgabe, den Schülerinnen Freiheit zu gewährleisten und sie nur durch eine individuelle Lernberatung zu unterstützen.

Gruppenarbeit ist eine Sozialform des Unterrichts, bei der durch die zeitlich begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere Abteilungen arbeitsfähige Kleingruppen entstehen, die gemeinsam an der von der Lehrperson gestellten oder selbst erarbeiteten Themenstellung arbeiten. Die Kooperation in Gruppen ist komplexer und stellt daher eine größere Anforderung als die Partnerarbeit dar. Bei beiden Methoden ist darauf zu achten, dass der Arbeitsauftrag explizit zur zweckmäßigen Kooperation leitet (vgl. Huber, 2004).

Stationenlernen

Das Stationenlernen ist eine Form des offenen Unterrichts und fördert das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen (vgl. Achtergarde, 2015). Die Schülerinnen arbeiten in einem geschlossenen Lernzirkel. Das bedeutet, dass sie die vorgegebene Reihenfolge der Stationen einhalten müssen. Die Lehrperson stellt die Lerninhalte und das Materialangebot. Die Stationen sind mit einer Ziffer und Titeln gekennzeichnet. Die Schülerinnen haben einen Laufzettel, auf dem sie die Stationen überschauen und den persönlichen Schwierigkeitsgrad der Übung einschätzen können. Das Lernen an Stationen bieten den Schülerinnen die Möglichkeit, mit kleinen Schritten zum Erfolg zu kommen und ihre Teamfähigkeit zu verbessern. Für die Differenzierung gibt es üblicherweise Pflichtstationen und Wahlstationen. In der Unterrichtseinheit werden an den Stationen Aufgaben mit differenzierten Niveaus angeboten. Die Lehrperson steht während der Stationsarbeit als Lernbegleiter zur Verfügung.

3.3 Akrobatik

Der Begriff „Akrobatik“ kommt aus dem griechischen und leitet sich von dem Wort „akrobates“ ab, das „der auf den Fußspitzen gehende“ bedeutet (vgl. ebd.). Akrobatik untergliedert sich in zwei Bereiche: Luftakrobatik und Bodenakrobatik. Die Bodenakrobatik bildet die Grundlage der Unterrichtseinheit. Der Bereich der Bodenakrobatik umfasst laut Blume (2017) Figuren von zwei bis zwölf Personen. Es wird folglich ein menschliches Bauwerk ohne Hilfsmittel geschaffen, das durch die Kooperation gemeinsamer Bewegungen geprägt ist. In der Akrobatik wird auch von Pyramiden gesprochen. Da in der Unterrichtseinheit nicht festgelegt wird, dass die Figuren einen pyramidenartigen Aufbau haben müssen, wird in der Unterrichtseinheit der Begriff „Figur“ verwendet. Figuren werden von unten nach oben aufgebaut – je kleiner die Grundfläche der Figur ist, desto höher ist der Schwierigkeitsgrad. Außerdem werden für viele Figuren turnerische Basiselemente benötigt.

In der Akrobatik wird versucht, Bewegungen zu vollziehen, die im Alltag nicht notwendig sind. Daher haben sie einen besonderen Reiz auf die Menschen. Für die Ausführung sind Geschicklichkeit und Körperbeherrschung wichtig sowie die Beherrschung von turnerischen, gymnastischen und/oder tänzerischen Übungen. Dabei kommt es nicht auf die individuelle Höchstleistung an, sondern auf Kreativität, abgestimmte Bewegungen und kooperatives Verhalten (vgl. Gaal, 1994). Laut Blume (2017) sind sieben Eigenschaften Voraussetzung für einen guten Akrobaten: Gleichgewichtsfähigkeit, Kraft, Beweglichkeit, Körpergefühl, Haltung, Körperspannung und Vertrauen. Vertrauen gehört dabei zu den Verhaltensweisen, die nur durch Erfahrung aufgebaut werden können. Daher bedingt es, dass die Schülerinnen immer wieder die Möglichkeit bekommen, in ihren Teams zu arbeiten, um das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Um bei der Akrobatik sich im Team aufeinander verlassen zu können, muss bei allen Beteiligten das Wissen um das Helfen und Sichern vorhanden sein – Hilfestellung beugt Gefahren und Unfällen vor. Helfende übernehmen in ihrer Position Verantwortung für andere. Daher sind Konzentration, Reaktionsschnelligkeit und Wachsamkeit unabdingbar. Neben der Hilfestellung von anderen müssen immer ausreichend Matten vorhanden sein, um einen sicheren Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Es wird zwischen direkter und indirekter Bewegungshilfe unterschieden. Indirekte Bewegungshilfen sind Geräte und Orientierungshilfen sowie akustische und psychologische Hilfen (vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, 1997).

Zu den direkten Hilfen zählen Griffe in verschiedenen Variationen. Der gebräuchlichste Akrobatikgriff ist dabei der Handgelenksgriff. Beim Auf- und Abbau von Figuren wird oft der Hand-in-Hand-Griff angewandt. Als Stützgriff wird überwiegend der Ellenbogengriff gewählt.

Die Griffe können z. B. als Schub-, Zug-, Dreh- oder Gleichgewichtshilfe angewandt werden (vgl. Blume, 2017).

Weiterhin sind die korrekte Körperhaltung und der richtige Umgang miteinander entscheidend. Es ist darauf zu achten, dass Auf- und Abstieg über die Schultern und das Becken erfolgt. Außerdem darf niemals auf der Wirbelsäule geturnt und von Partnern abgesprungen werden. In der Akrobatik gibt es die Bankstellung als bedeutende Basistechnik. In der Bankstellung werden Hände und Knie auf dem Boden aufgestützt. Die Unterschenkel liegen ebenfalls auf dem Boden auf. Oberschenkel und Arme sind senkrecht aufgestellt. Der Rücken ist gerade und angespannt und bildet eine waagerechte Fläche. Um Verletzungen vorzubeugen, muss die Technik wie beschrieben ausgeführt werden.

4. Didaktische Analyse

4.1 Strukturierung der Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2 Legitimation

Im schulinternen Lehrplan und im Rahmenplan der siebten bis zehnten Klassenstufe für Regionalschulen kann das Thema „Gestaltung akrobatischer Übungen“ im Bereich des Geräteturnens wiedergefunden werden. Akrobatik ist in das Feld „Formen des freien Turnens“ im Bereich der „Bewegungsgestaltung“ einzuordnen. (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern. 2002, S.28f.) Im schulinternen Lehrplan ist die Unterstützung der Teamfähigkeit und die Entwicklung für ein Körperbewusstsein festgelegt. Laut Rahmenplan in Mecklenburg-Vorpommern sollen Gelegenheiten geboten werden, Neues zu lernen, einmal Gekonntes wieder zu festigen und Beherrschtes vielfältig anzuwenden (vgl. ebd.29). Dies lässt sich mit dem Thema der Akrobatik realisieren, da die Schülerinnen bereits aus der vorherigen Jahrgangsstufe mit dem Thema vertraut sind. Des Weiteren sollen akrobatische Elemente geturnt, Partner balanciert und Figuren gebaut werden (ebd., S. 29). Nach dem Rahmenplan soll die Unterrichtsform so gewählt werden, dass diese „die Schüler motiviert und ihnen eine aktivere Rolle nicht nur ermöglicht, sondern abverlangt“ (ebd., 2002, S.16). Dabei sind offene Methoden zu wählen, in denen die Schüler in Teamarbeit gemeinsam arbeiten. Solche Phasen des Unterrichts fördern die Entwicklung der Teamfähigkeit (vgl. ebd.). Somit kann das kooperative und selbstständige Lernen gerechtfertigt werden.

Bis zur siebten Klasse hat sich der Körper der Lernenden verändert (z. B. Größe & Gewicht). Auch Kreativität oder Risikobereitschaft können sich verändert haben, sodass die Akrobatik zu jeder Zeit ein attraktives Thema für die Schülerinnen ist. Sie haben bereits ein umfangreicheres Bewegungsrepertoire, können somit selbst akrobatische Elemente gestalten und sich gegenseitig unterstützen. Die Teamfähigkeit ist besonders bedeutend für die produktive Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Teamfähig zu sein, ist für jede einzelne Schülerin von großer Bedeutung, da nicht nur in der Schule das Sozialverhalten mit einer Kopfnote bewertet wird (vgl. Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2013). Auch in der Gesellschaft und der Arbeitswelt ist Teamfähigkeit wichtig.

Die Sachkompetenz wird gefördert, indem die Schülerinnen z. B. ihren Körper in turnerischen Bewegungen erfahren und mit diesen Bewegungen gestalten. Außerdem erweitern sie ihre Kenntnisse über Helfen und Sichern. Die Lernenden agieren selbstständig sowie selbstverantwortlich und schulen dadurch ihre Selbstkompetenz (vgl. ebd., S. 14). Die Schülerinnen werden ihre konditionellen und koordinativen Fähigkeiten individuell und in Abhängigkeit voneinander verbessern sowie Ängste und Hemmungen minimieren und somit an Selbstbewusstsein gewinnen. Durch die Anwendung von verschiedenen Methoden, beispielweise das Stationenlernen, eine Lerntheke und das Zielscheibenfeedback, wird die Methodenkompetenz gefördert. Insbesondere findet die Sozialkompetenz Beachtung in der Akrobatik und wird z. B. mit dem Durchführen von kooperativen Arbeitsformen gefördert. Hinzu kommt, dass die Aufgaben nur durch gemeinsames Handeln erfolgreich gelöst werden können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit der Unterrichtseinheit „Akrobatik“ die Förderung der Teamfähigkeit und die Herausbildung einer Handlungskompetenz bei den Schülerinnen verwirklicht werden kann.

4.3 Bedeutung des Unterrichtsgegenstandes

Gegenwartsbedeutung

Durch die Unterrichtseinheit „Akrobatik“ erweitern die Schülerinnen ihr Bewegungsrepertoire, erfahren ihren Körper in verschiedenen Situationen und verbessern ihre Teamfähigkeit. Durch die vermittelten Kenntnisse werden die Schülerinnen befähigt, Akrobatik selbstständig auszuführen. Dies können sie z. B. im Freizeitsport oder anderen Sportarten wie Parkour und Geräteturnen anwenden. Hinzu kommt, dass die Schülerinnen durch Akrobatik lernen, wie sie sich und andere richtig ausbalancieren, wie sie herunterspringen und auch fallen können. Somit ist eine Art Unfallprävention gegeben. Neben sportlichen Aspekten hat die Schulung von Teamfähigkeit eine soziale Wirkung auf das Kursklima. Dies wird z. B. durch das gegenseitige Helfen und Sichern sowie in einer verbesserten Kooperationsbereitschaft deutlich. Außerdem können sie die geförderte Teamfähigkeit auch in anderen Fächern in der Schule anwenden und somit durch gute Teamarbeit gemeinsam effektiver arbeiten.

Exemplarische Bedeutung

In der Unterrichtseinheit zum Thema Akrobatik sammeln die Schülerinnen Bewegungs- und Körpererfahrungen. Sie lernen Kontrolle und Selbstbeherrschung in unterschiedlichen Situationen durch die Schulung der koordinativen und konditionellen Fähigkeiten. Diese sind auch in anderen Sportarten von wichtiger Bedeutung. In der Präsentation können sie Gelerntes zeigen und in der gesamten Einheit ihre Leistungsfähigkeit verbessern. Außerdem lernen die Schülerinnen soziales Verhalten, indem sie sich gegenseitig vertrauen und sich helfen. Zudem lernen sie, den hilfegebenden Schülerinnen zu vertrauen und bei eigenen Hilfestellungen selbst vertrauenswürdig zu sein. Dies ist nicht nur für den Sportunterricht, sondern auch für den Alltag der Schülerinnen von großer Bedeutung. Des Weiteren kann die Teamfähigkeit auch in anderen Sportarten wie z. B. Mannschaftssportarten wiedergefunden werden.

Zukunftsbedeutung

Da Schüler oft nur selten Sport treiben, sind die koordinativen und konditionellen Fähigkeiten nur bedingt ausgeprägt. Die Zukunftsbedeutung besteht also darin, dass die Akrobatik einen wertvollen Gesundheitsbeitrag leisten kann. Mithilfe der Unterrichtsreihe werden vielfältig die Muskeln trainiert und so bei den Schülerinnen das Körpergefühl geschult. Die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers führt dazu, Haltungsschwächen und -schäden vorzubeugen. Durch die abwechslungsreiche Bewegungs- und Körpererfahrung wird die Bewegungssicherheit im Erwachsenenalter höher und damit Verletzungen vorgebeugt. Die Schülerinnen gewinnen durch die Bewegungserfahrung und Überwindung von Ängsten ein größeres Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten, was sie auch in zukünftigen Lebenssituationen stärken kann. Wie bereits erwähnt, spielt die Teamfähigkeit in der Berufswelt eine bedeutende Rolle. Die Schülerinnen haben daher nicht nur die Möglichkeit, ihre Kopfnoten in der Schule zu verbessern, sondern auch sich auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

4.4 Didaktische Reduktion

Im Bereich des freien Turnens und der Akrobatik gibt es unzählige Möglichkeiten, Bewegungen auszuführen. In der Unterrichtseinheit wird sich allerdings nur auf Basiselemente konzentriert. Es werden keine komplexeren Bodenturnelemente vermittelt, da die Schülerinnen für deren sichere Ausführung körperlich nicht in der Lage sind. Es wird z. B. auf den Handstützüberschlag vorwärts oder auf Saltos verzichtet. Außerdem wird den Schülerinnen freigestellt, welchen Schwierigkeitsgrad sie in der Teamkür präsentieren wollen. Alle Schülerinnen können entsprechend ihren Leistungen etwas dazulernen. Es werden lediglich Helfergriffe für den Hand- und Kopfstand thematisiert. Für die Rollbewegungen sind in der Lerngruppe keine Helfergriffe nötig. Der Helfergriff für den Handstützüberschlag seitwärts ist für die Schülerinnen schwer umsetzbar. Deshalb wurde eine methodische Übungsreihe ohne Partnerhilfe gewählt. Hinzu kommt eine Vielzahl an Griffen für das Auf- und Abbauen von Figuren. In der Unterrichtseinheit werden nur die drei wichtigsten Griffe (Handgelenksgriff, Hand-in-Hand-Griff, Ellenbogengriff) vermittelt, um mögliche Verwechslungen auszuschließen.

Die Gruppengröße ist zudem auf vier Personen begrenzt. Mit dieser Gruppengröße lässt sich eine Vielfalt an Figuren bauen, dennoch ist sie nicht so groß, dass sinnvolle Absprachen in Diskussionen übergehen. Dadurch wird vermieden, dass die Bewegungszeit leidet.

5. Lernziele

Grobziel der Unterrichtseinheit:

In der Unterrichtseinheit entwickeln die Schülerinnen ihre Teamfähigkeit, indem sie anhand von kooperativen Arbeitsformen eine gemeinsame Akrobatikkür erarbeiten.

Feinziele der Unterrichtseinheit:

Sachkompetenz:

- Die Schülerinnen wissen um die Bedeutung der Kriterien Kompromissbereitschaft, Vertrauen, Respekt und Kommunikation hinsichtlich der Teamfähigkeit durch die ritualisierte Veranschaulichung („Zielscheibe“).
- Die Schülerinnen wiederholen die turnerischen Basiselemente und wenden die richtigen Hilfestellungen an.
- Die Schülerinnen erlernen akrobatische Figuren in Partner- und Gruppenarbeit mithilfe von Bildmaterial.

Methodenkompetenz :

- Die Schülerinnen erlangen Sicherheit im Umgang mit den kooperativen Arbeitsformen Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Stationenlernen.
- Die Schülerinnen lernen die Methode „Lerntheke“ kennen, indem sie diese zur Erarbeitung der gemeinsamen Akrobatikkür nutzen.
- Die Schülerinnen festigen die Reflexionsmethode „Zielscheibe“ dadurch, dass sie diese wiederholt zur Einschätzung der Teamfähigkeit verwenden.

Sozialkompetenz :

- Die Schülerinnen üben bei der gemeinsamen Präsentation den kooperativen Umgang im Team.
- Die Schülerinnen verbessern im jeweiligen Team ihre Kompromissbereitschaft sowie das Treffen gemeinsamer Absprachen durch die Erfüllung der Aufgabenstellung zur gemeinsamen Erarbeitung der Akrobatikkür.
- Die Schülerinnen üben, sich innerhalb des jeweiligen Teams gegenseitig aufeinander zu verlassen sowie respektvoll miteinander umzugehen, indem sie die Kriterien der „Zielscheibe“ berücksichtigen.

Selbstkompetenz:

- Die Schülerinnen entwickeln ihre eigene Persönlichkeit weiter, indem sie die Teilergebnisse sowie die finale Teamkür präsentieren und ihre Teamfähigkeit anhand der Methode „Zielscheibe“ wiederholt reflektieren.
- Die Schülerinnen reflektieren ihr motorisches Leistungsvermögen, da sie selbstständig Material auswählen, das ihrem Leistungsniveau entspricht.
- Die Schülerinnen lernen den Umgang mit Kritik durch wiederholte Rückmeldung anderer Schülerinnen.

6. Methodische Analysen

1. Unterrichtsstunde

Die erste Unterrichtsstunde der Unterrichtseinheit dient der Einführung in die Akrobatik und dem Üben elementarer Techniken der Akrobatik. Dabei geht es um Körperkontakt, Körperspannung sowie Vertrauen und Kooperation mit den Mitschülerinnen. Dieser Einstieg in die Unterrichtseinheit wurde gewählt, um die Schülerinnen langsam an das Thema heranzuführen, da einigen Schülerinnen der Körperkontakt schwerfällt. Zum Einstieg und zur Motivation in die Stunde wird ein Video einer Teamkür gezeigt. Die Erfahrung zeigte, dass die Schülerinnen Lehrvideos im bisherigen Unterricht als eine ansprechende Bereicherung empfanden. Die Schülerinnen haben den Arbeitsauftrag, die notwendigen Eigenschaften für Akrobatik zu beobachten und im anschließenden Unterrichtsgespräch mitzuteilen. Ein Video wurde gewählt, damit die Schülerinnen eine reale und schülernahe Vorstellung von Akrobatik bekommen. Es folgen die Vorstellung der Unterrichtseinheit und die Zielstellung. Die Schülerinnen werden eine Akrobatikkür in Teams erarbeiten und am Ende der Unterrichtseinheit präsentieren. Um eine faire und transparente Bewertung jeder Schülerin zu ermöglichen, wird die Leistungsbewertung anhand eines Videos der Präsentation vorgenommen. Während des Einstiegs sitzen die Schülerinnen auf Bänken, die in einer Hallenecke als rechter Winkel aufgebaut sind. Diese Sozialform soll sicherstellen, dass alle Schülerinnen die Lehrperson gut sehen sowie hören können und nicht von den Geschehnissen des Sportunterrichts der Jungs abgelenkt werden, da sich einige Schülerinnen schnell ablenken lassen. Um das Herz-Kreislaufsystem zu erwärmen, spielen die Schülerinnen als allgemeine Erwärmung das „Krankenhausspiel“. Das Spiel dient auch dazu den Mitschülerinnen zu vertrauen und Berührungsängste abzubauen sowie kooperativ zu arbeiten. Außerdem wird dabei Körperspannung benötigt, welche für das Bauen von Figuren unabdingbar ist. Da sich die Schülerinnen gegenseitig tragen, kann das Körpergewicht eingeschätzt werden. Dies ist eine bedeutende Erfahrung für das Gestalten von Figuren. Wichtig ist bei der Ausführung, darauf zu achten, dass die Schülerinnen mit dem Rücken in Richtung Boden getragen werden, um Rückenschäden zu vermeiden. Inaktive unterstützen die Kontrolle der Einhaltung der Spielregeln. Als nächstes werden die Regeln der Akrobatik erklärt, um ein angenehmes Miteinander für alle zu gewährleisten. Dabei sitzen die Lernenden wieder in der bekannten Sitzecke. Für die Lerngruppe sind klare Regeln von großer Bedeutung, damit alle wissen wie sie sich zu verhalten haben. Danach werden die Matten in Zweierteams aufgebaut (Inaktive unterstützen den Aufbau) und wie in der Sachanalyse beschrieben drei grundlegenden Haltegriffe (Hand in Hand, Handgelenksgriff, Ellbogengriff) geübt, um sicher mit der Partnerin turnen zu können. Die Griffe werden von der Lehrperson und einer Schülerin demonstriert. Die anderen Schülerinnen üben diese in Zweierteams auf den Matten, die im Halbkreis angeordnet sind. Dies Form wurde gewählt, um einen guten Blick auf alle Schülerinnen zu haben. Es folgen Körperspannungs- und Vertrauensübungen. Außerdem üben sie in Zweierteams das Basiselement „Bank“. Um den Lernzuwachs bei jeder Schülerin in der heterogenen Lerngruppe zu fördern, bietet das Unterrichtsmaterial differenzierte Schwierigkeitsgrade. Inaktive kontrollieren die korrekte Ausführung der Übungen der zugewiesenen Teams. In der ersten Stunde wurde sich in der Erarbeitungsphase für Zweierteams entscheiden, da zusätzliche Schülerinnen in einem Team am Anfang in der Lerngruppe zu einer unkonzentrierten Lernatmosphäre führen würden. Es wurde sich gegen Einzelarbeit entschieden, da so das kooperative Arbeiten nicht gefördert werden könnte. Als Ergebnissicherung präsentieren die Schülerinnen in Zweierteams eine selbst ausgewählte Übung. Abschließend werden die Schülerinnen verabschiedet und die Anwesenheit dokumentiert. Der Abbau der Matten erfolgt durch den nachfolgenden Kurs.

2. Unterrichtsstunde

Die zweite Unterrichtsstunde der Unterrichtseinheit ist eine Wiederholung der turnerischen Basiselemente und des Helfens sowie Sicherns. Diese Wiederholung erfolgt, weil die Elemente zur Erstellung der Teamkür notwendig sind. Den Schülerinnen sind die Elemente bereits aus dem vorherigen Schuljahr und der Erhebungsstunde bekannt. In dem Einstieg wird anhand zweier Plakate die konkrete Aufgabe der Unterrichtseinheit und die Inhalte der Kür erläutert. Damit wird sichergestellt, dass die Schülerinnen wissen, was sie in der Leistungskontrolle präsentieren müssen. In der Hinführung wird in einem Unterrichtsgespräch besprochen, welche Eigenschaften ein gutes Team ausmacht. Auch die Teamfähigkeit wird in der Präsentation bewertet und muss daher allen transparent sein. Als Erwärmung des ganzen Körpers wird in Einzel- und Partnerarbeit ein „Magnetspiel mit Tierbewegungen“ ohne die Geräte gespielt. Die Geräte wurden bereits vom vorherigen Kurs aufgebaut. Dieses Spiel bedingt das kooperative Arbeiten, indem die Partner sich schnell finden, genannte Körperteile aneinanderhalten und gemeinsam in eine Ecke laufen. Durch die Tierbewegungen wird die Rumpfstabilität erhöht. Das kooperative Arbeiten während der Erwärmung stimmt die Schülerinnen gleichzeitig auf die nachfolgenden Stundeninhalte ein. Den Schülerinnen sind Reaktionsspiele bereits bekannt. Inaktive achten auf die Einhaltung der Spielregeln. Im Hauptteil der Erarbeitungsphase werden an Stationen die turnerischen Basiselemente wiederholt. Aufgrund von Baumaßnahmen fand die Stunde im Theater der Schule statt. Daher wurden die Stationen reduziert. Es wurde auf die Sprungrolle verzichtet, um Verletzungen zu vermeiden. Die Sprungrolle wird von den drei Teams bei Bedarf in der folgenden Stunde nachgeholt. In der Erhebungsstunde stellte sich bereits heraus, dass viele der Schülerinnen diese schon beherrschen. Die Stationen sind mit Ziffern gekennzeichnet und erleichtern somit die Orientierung. Ziel ist es, den eigenen Leistungsstand herauszufinden und einen entsprechenden Schwierigkeitsgrad für die Präsentation auszuwählen. Die enthaltenen Bewegungen sind die Grundlage für die nächsten Unterrichtsstunden und Bestandteil der abschließenden Leistungskontrolle. An jeder der sechs Stationen arbeiten vier Schülerinnen kooperativ miteinander. Die Teamzusammensetzung wird von den Schülerinnen bestimmt, damit eine grundlegende Sympathie vorhanden ist. Dadurch sind die Leistungsniveaus in den Teams verschieden. Jedes Team erhält ihre Stationskarten, Anforderungen für die Leistungsbewertung sowie Laufzettel. Der Laufzettel dient dazu, dass die Schülerinnen die Stationen überschauen und den persönlichen Schwierigkeitsgrad der Übung notieren können. Es werden die Regeln des Stationenlernens und das Differenzierungssystem der Stationskarten besprochen. Die Arbeitsaufträge bieten verschiedene Schwierigkeitsgrade in Form von farbigen Ampeln, damit jede Schülerin optimal gefördert werden kann. Grün steht für leichte, Gelb für mittlere und Rot für schwere Aufgaben. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit üben die Schülerinnen nur an drei Stationen. In der folgenden Stunde werden die drei weiteren Stationen bearbeitet. Die Lehrperson hält sich hauptsächlich zwischen den Stationen für den Kopf- und Handstand auf, da an diesen wahrscheinlich mehr Hilfe benötigt wird. Schülerinnen, die am Sportunterricht nicht aktiv teilnehmen, werden in der Stunde an die Stationen für Hand- und Kopfstand verteilt. Sie unterstützen das Helfen und Sichern, damit sie den Bewegungsablauf durch Beobachten festigen und die Helfergriffe trotzdem üben können. Am Ende der Stunde findet die Einschätzung der aktuellen Teamfähigkeit mittels einer Zielscheibe statt. Diese Einschätzung wird während und am Ende der Unterrichtseinheit erneut durchgeführt, um die Entwicklung der Teamfähigkeit sichtbar zu machen. Die Feedback-Zielscheibe ermöglicht es, die Teamwahrnehmung in mehreren Bereichen wie in der Sachanalyse beschrieben (Vertrauen, Respekt, Kompromissbereitschaft und Kommunikation) zu veranschaulichen, die verschiedenen Bereiche miteinander zu vergleichen und Entscheidungen zum weiteren Vorgehen zu treffen. Abschließend folgt das Abbauen der Geräte. Außerdem beobachtet die Lehrperson die Teamfähigkeit der einzelnen Schülerinnen und dokumentiert dies während die Schülerinne sich umziehen, um eine mögliche Entwicklung der Teamfähigkeit sichtbar zu machen. Außerdem wird die Anwesenheit dokumentiert.

3. Unterrichtsstunde

Die dritte Unterrichtsstunde der Unterrichtseinheit ergänzt die zweite Unterrichtsstunde. Es geht um die Vervollständigung der Stationsarbeit zum Thema der turnerischen Basiselemente. Zunächst werden die Schülerinnen in der Sitzecke begrüßt und dann wird der Stundenablauf vorgestellt. Am Ende der Stunde soll jede Schülerin ein selbst gewähltes Element im Team vorturnen, um Gelerntes zu sichern und das kooperative Arbeiten zu fördern. Es erfolgt der Aufbau der bereits bekannten Stationen in den Teams mithilfe von Aufbauplänen. Den Schülerinnen sind Aufbaupläne bereits bekannt. Inaktive unterstützen den Aufbau. Danach wird im „rechten Winkel“ das Erwärmungsspiel erklärt. Dieses aktiviert nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, sondern fördert auch das kooperative Arbeiten in Zweierteams, bei dem sie aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Dies ist für die anstehende Unterrichtsphase von Bedeutung. Im Hauptteil der Unterrichtsstunde üben die Teams weiter an den drei Stationen, die auf ihren Laufzetteln noch offen sind. Ziel ist es, den eigenen Leistungsstand herauszufinden und einen entsprechenden Schwierigkeitsgrad für die Präsentation auszuwählen. Dabei lernen die Schülerinnen ihr Leistungsniveau selbstständig einzuschätzen. Die Stationsarbeit läuft wie in der zweiten Stunde ab. Inaktive helfen und sichern an den bekannten Stationen. Am Ende der Stunde zeigt jede Schülerin ein turnerisches Basiselement im eigenen Team und bekommt von den anderen Teammitgliedern eine Rückmeldung mithilfe des Reflexionsbogens. Diese Reflexionshilfe ist in Kriterien untergliedert und wird in ähnlicher Weise auch für die Leistungskontrolle verwendet. Die Schülerinnen teilen die Kriterien untereinander auf. Der Abbau der Geräte erfolgt durch den nachfolgenden Kurs. Die Teamfähigkeit der einzelnen Schülerinnen wird dokumentiert während sich die Schülerinnen umziehen. Abschließend werden die Schülerinnen verabschiedet, die Anwesenheit dokumentiert und die Lehrperson schätzt die Teamfähigkeit der einzelnen Schülerinnen ein während sie sich umziehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Kooperative Arbeitsformen in der Unterrichtseinheit "Akrobatik". Förderung der Teamfähigkeit im Sportunterricht
Note
1,8
Jahr
2018
Seiten
71
Katalognummer
V505892
ISBN (eBook)
9783346064943
ISBN (Buch)
9783346064950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teamfähigkeit, kooperative Arbeitsformen, Akrobatik, Unterrichtseinheit, Regionalen Schule, 7. Klasse, Mädchen, Bewegung, Sportunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Kooperative Arbeitsformen in der Unterrichtseinheit "Akrobatik". Förderung der Teamfähigkeit im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505892

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kooperative Arbeitsformen in der Unterrichtseinheit "Akrobatik". Förderung der Teamfähigkeit im Sportunterricht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden