Bildungsprozesse in Kindheit und Jugend. Besondere Herausforderungen an Erziehende im Kita-Alltag


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bildungsprozesse in der Kindheit
2.1 Neurobiologische Erkenntnisse der Hirnforschung
2.2 Bildungsprozesse durch selbsttätige Aneignung
2.3 Bildungsprozesse durch soziale Interaktion
2.4 Interaktionsmodelle

3. Kindertageseinrichtung- ein Bildungsort

4. Herausforderungen des Pädagogen in der Kita allgemein und am Beispiel ausgewählter Aspekte
4.1 Neurobiologische Erkenntnisse bezüglich der Spiegelneuronen
4.2 Die Hattie-Studie

5. Fazit

Literaturnachweise

Internetquellen

1. Einleitung

Angesichts gegenwärtiger Herausforderungen der neuen gesellschaftlichen Entwicklungen und der Tatsache, dass 90 Prozent aller Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren eine Kindertageseinrichtung (Kita) besuchen, wird die Qualität frühpädagogischer Erziehungs- und Bildungsangebote in diesen Institutionen immer bedeutungsvoller. Zugleich auch deshalb, weil Kindertagesstätten als erste Stufe unseres Bildungssystems einen kompensatorischen Auftrag innerhalb der aktuellen Bildungspolitik haben. Hierbei übernimmt die pädagogische Fachkraft, neben der entscheidenden Rolle in der Didaktik der Lernprozesse, vielfältige anspruchsvolle Aufgabenbereiche (vgl. Sommer-Himmel/Brandl 2011: 1f.), welche im letzten Kapitel dargelegt werden. Vorerst erörtern die anfänglichen Darlegungen die Besonderheiten der Bildungsprozesse von Kindern, die durch Erkenntnisse der Hirnforschung fundiert werden. Daraufhin erfolgt eine Analyse spezifischer Aspekte von Bildungsprozessen, da es für diese entscheidend ist, wie eigenes Tätig sein entsteht und überdies unterstützt werden kann. Anschließend wird die Kita als wichtiger Erfahrungs- und Erkenntnisraum im Rahmen von Bildungsgelegenheiten dargestellt.

2. Bildungsprozesse in der Kindheit

Entgegen traditioneller Frühpädagogik, welche vorzugsweise den Kindergarten betraf, wurden neue inhaltliche Perspektiven allumfassend auf das Erziehungsfeld von der Geburt an bis zum Eintritt in die Schule erweitert. Resultat dessen ist ein relativ unüberschaubares Feld verschiedenster Einflüsse der Familien, Institutionen und gesellschaftlicher Strukturen (vgl. Schäfer 2004: 2). Demgemäß und aufgrund ihrer Spezifik bedürfen gelingende Bildungsprozesse besonderer Berücksichtigung (vgl. Dieckerhoff 2010: 27) und sind zudem abhängig von den ersten Welt- und Selbsterfahrungen der Kinder (vgl. Schäfer 2004: 3)

2.1 Neurobiologische Erkenntnisse der Hirnforschung

Angesichts moderner Hirnforschungsverfahren erwuchs die Erkenntnis, dass unser Gehirn, aufgrund seiner Neuroplastizität und bezogen auf dessen Lernfähigkeit und Veränderung, eine lebenslange Baustelle ist (vgl. Pammer 2007: 4). Folglich entsteht durch die vielfältigsten Erfahrungen aus der Umwelt und mit anderen Menschen ein Gefüge aus Beziehungserfahrungen, welches besonders für die psychosoziale Entwicklung der Kinder entscheidende Bedeutung trägt. Zahlreiche soziale Erfahrungen sind der Grundstein für die Anbahnung unterschiedlicher Verhaltensmuster. Bei häufiger Aktivierung werden diese verstärkt, worauf eine Verankerung neuronaler Verschaltungsmuster erfolgt. Jeder neue Reiz löst im Gehirn die Suche nach abgespeicherten Erfahrungsmustern aus, so dass sich diese bei wiederholten Abrufen verstärken und manifestieren (vgl. ebd. 5f). Diese Deutung ist immer kontext-und subjektabhängig (vgl. Roth 2011: 170f.). Zusammenfassend ist festzustellen, dass Kinder sich ihr Wissen durch das Angebot ihrer Umwelt erschließen und aus dieser Erkenntnis den Erzieher_innen eine aktive Funktion für das Gelingen optimaler Lern- und Entwicklungsprozesse der Kinder zukommt (vgl. Dieckerhoff 2010: 27).

2.2 Bildungsprozesse durch selbsttätige Aneignung

Die konstruktivistische Meinung ist, dass sich ein Kind entwickelt und seine eigene Realität konstruiert, indem es sich selbsttätig mit seiner Umwelt und deren auf es einwirkenden Reizen auseinandersetzt. Dieser Lernprozess vollzieht sich auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen und Handlungen im eigenen Lebensumfeld. Auf Grund der Gestaltung eigener Denkmuster werden neue mit verfügbaren Erfahrungen ergänzt und nicht eigenständig voneinander erlernt (vgl. ebd. 25f.). Somit bedeutet Bildung nicht nur passive Wissensvermittlung, sondern besonders das aktive Mitwirken des Individuums im Lernprozess (vgl. ebd. 27). Diese Erkenntnisse bestätigt auch die moderne Hirnforschung, wie im vorhergehenden Kapitel dargelegt.

2.3 Bildungsprozesse durch soziale Interaktion

Die vorangegangen Erkenntnisse zu Selbstbildungsprozessen erfolgen nicht nur im Individuum. Gestützt durch Theorien der Entwicklungspsychologie sind sie überdies gebunden an die Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen. Dieser abwechselnde Austausch zwischen Umwelt und Subjekt ist ein entscheidender Bestandteil um gelingende Bildungsprozesse anzuregen und nimmt somit die Erzieher_innen in die Verantwortung Lern- und Entwicklungsprozesse aktiv zu begleiten (vgl. ebd. 26), im Sinne eines „Prozessbegleiters“ und nicht als „Belehrer“ und „Beibringer“ (vgl. ebd. 28). Jene Ko- Konstruktion, wobei die Vorsilbe „Ko“ die gleichrangige Begegnung und Herstellung gemeinsamer Bildung konstatiert, umfasst zudem die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Pädagogen sowie der Bildungsinstitution (vgl. Hebenstreit 2008: 69).

2.4 Interaktionsmodelle

Wenn auch in fachlichen Diskursen zumeist Einigkeit hinsichtlich der Ko-Konstruktion herrscht, so bestehen doch Unsicherheiten und Diskrepanzen über die Rolle des Pädagogen und dessen Maß an zugebender Unterstützung. Dementsprechend werden folgende Interaktionsmodelle unterschieden:

- Modelle, welche die reine Betreuung und Beaufsichtigung von Kindern durch den Pädagogen beinhalten
- Modelle, die auf die direkte Instruktion des Pädagogen nach dem klassischen Schullernprinzip setzen
- kindzentrierte Modelle, der Pädagoge die Initiativen der Kinder beachtet
- konstruktivistische Modelle, in welchen der Pädagoge Bildungsprozesse gestaltet, um den Kindern Schlüsselerfahrungen zu ermöglichen (vgl. Laewen/Andres 2007: 37)

Die fachliche Auswertung dieser Modelle zeigte, dass jegliche Interventionen durch den Pädagogen gegenüber der reinen Betreuung die kognitiven Kompetenzen der Kinder fördern. Überdies ergab die Analyse der direkten Instruktion ungünstige Auswirkungen auf die Sozialkompetenzen Heranwachsender. Das Resultat dieser Auswertungen umfasst somit eine zwingende Beschäftigung mit den Initiativen der Kinder (vgl. ebd. 39), welche neue konzeptionelle Ansätze der Kita- Betreuung aufgegriffen haben und die im vierten Kapitel noch dargestellt werden.

3. Kindertageseinrichtung- ein Bildungsort

Gesellschaftspolitisch betrachtet ist der Kindergarten bzw. die Kita ein Ort frühkindlicher Bildung, an welchem die persönliche und die soziale Entwicklung der Kinder ganzheitlich gefördert wird (vgl. Hemmerling 2007: 13), aber auch eine familienergänzende Funktion, gemäß eines Lebensraums neben dem ihrer eigentlichen Familie einnimmt (vgl. ebd. 15). Zudem ist der gesetzliche Auftrag der Kita als öffentliche sozialpädagogische Institution die Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder (vgl. Dieckerhoff 2010: 35). Formuliert ist der rechtlich festgelegte Bildungsauftrag im §22 SGB VIII. Gegenüber den fünfziger Jahren als die Kita nur familienergänzende Aufgaben erfüllte (vgl. ebd. 35), aber besonders nach dem sogenannten PISA-Schock wird den frühkindlichen Bildungsprozessen mehr Bedeutung beigemessen. Politische Bildungsforderungen im Sinne einer Verschulung des Vorschulbereiches erfordern laut Meinung aus Fachkreisen mehr Bildungsqualität durch qualifizierte Pädagogen und frühkindliche Bildungsforschung, besonders aber die gesellschaftliche Anerkennung der Kita als Bildungsinstitution (vgl. Hemmerling 2007: 14f.). Diese Diskurse dürfen aber nicht nur das Verständnis der Kita als Bildungseinrichtung berücksichtigen, sondern auch seine sozialpädagogische Funktion für familiale Aufgaben von Erziehung und Sozialisation besonders unter dem Gesichtspunkt des gesellschaftlichen Wandels (vgl. ebd. 15). Ein derzeitiger Diskurs zielt auf eine Verbindung von situationsorientiertem und funktionsorientiertem Ansatz. Gemäß diesen Ausführungen haben die Pädagogen in der Bildungsinstitution Kita bedeutende Aufgaben zu erfüllen, welche im Folgenden dargestellt werden.

4. Herausforderungen des Pädagogen in der Kita allgemein und am Beispiel ausgewählter Aspekte

Kinder lernen mit allen Sinnen und in den ersten Lebensjahren vordergründig durch Erfahrung. Dieser ganzheitliche und handlungsorientierte Selbstbildungsprozess muss durch eine anregende Lernumgebung in Form von vielfältigen Lernsituationen und dem Angebot entsprechender Materialien gesichert werden (vgl. Dieckerhoff 2010: 38). In diesem Zusammenhang ist es eine bedeutende Aufgabe der pädagogischen Fachkraft, die angeborene Neugier und das kindliche Interesse eines Kindes zu fördern und aufrecht zu erhalten, um seinen „ Forscherdrang zu bestärken “ (vgl. ebd.). Dabei das richtige Maß an Unterstützung und Anleitung zu finden, stellt eine enorme Herausforderung an den Pädagogen dar. Den Vorzug in Kitas hat dabei das konstruktivistische Interaktionsmodell, welches die Initiativen der Kinder berücksichtigt (vgl. ebd. 28f.).

Da Lernprozesse von Kindern sozial eingebunden sind und nicht isoliert ablaufen (vgl. ebd.), ist eine sichere und einfühlsame Beziehung zwischen Kind und Fachkraft eine entscheidende Voraussetzung für einen „ aktiven Aufbau des Subjekt-Welt-Bezugs“ sowie zur Motivation von Lernerfahrungen (vgl. Schelle 2011: 35).

Eine weitere Anforderung für die Frühpädagogik besteht in der Förderung der Spielfähigkeit. Denn nicht nur die kognitiven Fähigkeiten auch die sensomotorische Intelligenz und die Sozialkompetenz der Kinder werden im Spiel weiterentwickelt. Zudem lernen sie dabei von- und miteinander. Insofern müssen die Kinder ausreichend Raum, Material und Zeit durch die Fachkraft bereit gestellt bekommen. Dabei beobachtet, fördert und unterstützt sie interessiert, professionell und flexibel das Spiel sowie die Interessen des Kindes (vgl. Schelle 2011:32f.). Neben der Beobachtung des Spiels erfasst die Fachkraft durch ihre diagnostische Kompetenz und ihrem entwicklungsphysiologischen Hintergrundwissen somit jedes Kind mit seinen individuellen Lernbedürfnissen und seiner spezifischen Bildungsbiografie (vgl. ebd. 34). Demgemäß gestaltet sie die Lernangebote so, dass diese auf vorhandenem Wissen aufbauen. Dabei nimmt sie ihre Ideen und Impulse zurück, um die Selbstbildungspotentiale des Kindes durch bekannte und neue Themen herauszufordern. Bedeutend für das selbstgesteuerte Lernen ist, dass die Erzieher nicht belehrend agieren sondern in eine dialogische Interaktion mit den Kindern treten (vgl. Dieckerhoff 2010: 39ff). Zudem stellt Projektarbeit eine lebensnahe und kindgerechte Lernmethode dar, welche aufgrund einer gemeinsamen Reflexion Ideen für neue Initiativen entwickelt und die lernmethodischen Kompetenzen der Kinder erweitert. Bezüglich der Unterstützung von Bildungsprozessen müssen Lerninhalte anschlussfähig sein, d. h. auf die spezifischen Lebensumstände der Kinder ausgerichtet. Insofern bedarf es einer genauen Beobachtung und einer wissenschaftlich fundierten Bildungsdokumentation durch die Fachkraft (vgl. ebd. 40f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Bildungsprozesse in Kindheit und Jugend. Besondere Herausforderungen an Erziehende im Kita-Alltag
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V507168
ISBN (eBook)
9783346058225
ISBN (Buch)
9783346058232
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neurobiologische Erkenntnisse der Hirnforschung, Bildungsprozesse in der Kindheit -, selbsttätige Aneignung, Bildungsprozesse durch soziale Interaktion, Interaktionsmodelle, Spiegelneuronen, Hattie- Studie, Bildungsort, Bildungssystem, Erziehungs- und Bildungsangebote, Bildungspolitik, Erfahrungs- und Erkenntnisraum, Kindheit, Kita, Didaktik der Lernprozesse
Arbeit zitieren
Ines Schrötter (Autor), 2015, Bildungsprozesse in Kindheit und Jugend. Besondere Herausforderungen an Erziehende im Kita-Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507168

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bildungsprozesse in Kindheit und Jugend. Besondere Herausforderungen an Erziehende im Kita-Alltag



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden