Das Weltbild der "Neuen Rechten" ist Hauptbestandteil dieser Arbeit. Dabei soll herausgefunden werden, inwieweit sich das Weltbild der Neuen Rechten mit den Vorstellungen Carl Schmitts über die Ausgestaltung eines Staates deckt. Dazu muss zunächst die Ideologie, welche Carl Schmitt vertrat, erläutert werden. Carl Schmitt war ein führender Staatsdenker des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland. Seine Werke spiegeln sein Politikverständnis wider und werden deswegen auch dahingehend zur Betrachtung herangezogen. Darauffolgend soll die Ideologie der Neuen Rechten näher betrachtet werden. Dabei werden die Schlüsselworte Staat, Nation und Demokratie im neurechten Sinn definiert, sowie eine Betrachtung der vorherrschenden Idee des Ethnopluralismus vorgenommen. Dies wird abgerundet mit dem Politikverständnis der rechtspopulistischen Partei "Alternative für Deutschland". Auch Aussagen und Wertvorstellungen ihrer Mitglieder und einzelne Wahl- und Parteiprogramme werden in die Arbeit einfließen, um sie zuallererst der Neuen Rechten zuordnen zu können und dann auch ihre Ideologie mit der Schmitts zu vergleichen. Anschließend folgt der Vergleich der Ideologien, um sagen zu können, ob die Neuen Rechten und die Alternative für Deutschland der Ideologie Schmitts nahestehen.
In Deutschland herrscht zurzeit große Aufregung um das Aufbegehren der Neuen Rechten. So kam es in der vergangenen Zeit zu mehr als einem rechtsextremistischen Überfall auf Andersdenkende. So wurde ein Feindbild der Neuen Rechten, Walter Lübcke, am 2. Juni 2019 in seinem Haus in der Nähe von Kassel erschossen. Am 22. Juli 2019 schoss ein Rechtsextremer auf einen Mann aus Eritrea, um ihn aus rassistischen Gründen zu ermorden. Jüngst wurde vom Bundesverfassungsschutz bekannt gegeben, dass die Identitäre Bewegung, eine der führenden neurechten Organisationen, von nun an verfassungsrechtlich beobachtet wird. Dazu gesellen sich die fremdenfeindlichen Ereignisse in Chemnitz rund um den Tod eines deutschen Staatsbürgers, der mutmaßlich von einem Asylbewerber ermordet wurde und die Messerattacke auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Diese Attacken gehen mit dem Erstarken der "Neuen Rechten" einher und ihrem Weltbild, welches sie vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Carl Schmitt
2.1 Der Souverän & Der Ausnahmezustand
2.2 Die Freund-Feind-Unterscheidung
2.3 Demokratiebegriff von Carl Schmitt & seine Liberalismuskritik
3. Die Neue Rechte
3.1 Wer ist die „Neue Rechte“?
3.2 Ethnopluralismus
3.3 Weitere neurechte Begriffsdefinitionen
3.3.1 Die Nation
3.3.2 Die Demokratie
3.3.3 Der Staat
4. Die Alternative für Deutschland als verlängerter, parlamentarische Arm der Neuen Rechten
5. Analyse & Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das Weltbild der Neuen Rechten und der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) mit den staatstheoretischen Vorstellungen von Carl Schmitt korrespondiert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die ideologischen Gemeinsamkeiten in Bezug auf ein antiliberales Staatsverständnis.
- Ideologie und Staatsverständnis von Carl Schmitt
- Kernbegriffe und Weltbild der „Neuen Rechten“
- Ethnopluralismus als ideologisches Fundament
- Die Rolle der AfD als parlamentarischer Akteur
- Vergleichende Analyse der ideologischen Schnittmengen
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Freund-Feind-Unterscheidung
Carl Schmitt wollte mit seiner Freund-Feind-Unterscheidung seiner Auskunft nach das Begriffsfeld des Politischen abstecken. So echauffierte sich Schmitt in seinem nachträglich hinzugefügten Vorwort zu seinem Buch „Der Begriff des Politischen“ darüber, dass Massenmedien und Tagespublizistik seine Absteckung zu einem Begriffsfeld zu einem primitiven Schlagwort degradierten (Schmitt 1979: 16).
Folgte man Schmitts Argumentation, so würde man erkennen, dass es ihm nur darum ging, den spezifischen Bereich des Politischen von anderen Bereichen abzugrenzen. In diesem Unternehmen gelang er zu den zwei Schlüsselwörtern Freund und Feind, die den Begriff der Politik erläutern sollen. Die Politik wäre demnach ein Ort, in welchem zwischen Freund und Feind unterschieden wird, woraus folgt, dass sich ein Volk immer als politische Einheit im Gegensatz zu anderen Völkern und damit anderen politischen Einheiten konstituiert (Campagna 2004: 80).
Die politische Einheit gilt als die höchste Seinsform und diese wird beständig vom Feind in Frage gestellt (ebd.). So benennt Schmitt die Feindschaft als die „seinsmäßige Negierung eines anderen Seins“ (Schmitt 1979: 33). Somit stehen sich zwei als politische Einheiten organisierte Völker gegenüber, die sich negieren wollen, was im extremsten Falle zu einer kriegerischen Auseinandersetzung führen kann (Campagna 2004: 81).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das aktuelle Aufbegehren der Neuen Rechten im Kontext rechtsextremer Vorfälle und definiert das Ziel, deren Weltbild mit den Theorien Carl Schmitts zu vergleichen.
2. Carl Schmitt: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Konzepte Schmitts, insbesondere den Souveränitätsbegriff im Ausnahmezustand, die Freund-Feind-Unterscheidung sowie seine fundamentale Liberalismus- und Demokratiekritik.
3. Die Neue Rechte: Das Kapitel definiert die Neue Rechte als intellektuelle Bewegung, analysiert den Ethnopluralismus als Kernideologie und untersucht spezifische Begriffe wie Nation, Demokratie und Staat im neurechten Kontext.
4. Die Alternative für Deutschland als verlängerter, parlamentarische Arm der Neuen Rechten: Hier wird die Rolle der AfD untersucht, wobei deren ideologische Nähe zur Neuen Rechten anhand von Programmen, Aussagen und der Adaption völkischer Begriffe dargelegt wird.
5. Analyse & Vergleich: In diesem Kapitel werden die theoretischen Positionen von Carl Schmitt mit den praktischen Ausprägungen der Neuen Rechten und der AfD in Bezug auf Staat, Demokratie und Nation gegenübergestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine deutliche ideologische Übereinstimmung zwischen Carl Schmitt und der Neuen Rechten (inklusive Teilen der AfD) besteht, insbesondere durch die Forderung nach einem homogenen Volk.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Neue Rechte, AfD, Ethnopluralismus, Souveränität, Ausnahmezustand, Freund-Feind-Unterscheidung, Parlamentarismuskritik, Homogenität, Identitäre Bewegung, Nationalismus, Antiliberalismus, Volksgemeinschaft, Rechtspopulismus, Staatsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ideologischen Verbindungen zwischen der politischen Theorie von Carl Schmitt und den Ansichten der Neuen Rechten sowie der Partei Alternative für Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Souveränität, die Freund-Feind-Unterscheidung, die Kritik am Liberalismus und Parlamentarismus sowie der Begriff des Ethnopluralismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ermitteln, inwieweit das Weltbild der Neuen Rechten und der AfD mit den staatstheoretischen Vorstellungen Carl Schmitts deckungsgleich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Ideengeschichtsanalyse, bei der theoretische Texte Schmitts mit aktuellen parteipolitischen Programmen und ideologischen Schriften der Neuen Rechten verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Schmitts Werk, die Definition neurechter Begriffe wie Ethnopluralismus und Nation sowie eine Untersuchung der AfD als parlamentarischem Akteur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Homogenität, Souveränität, Antiliberalismus und der politische Gegensatz von Freund und Feind.
Inwieweit spielt der Begriff der Homogenität für die untersuchten Gruppen eine Rolle?
Die Homogenität des Volkes wird sowohl von Schmitt als auch von der Neuen Rechten und der AfD als essentielle Voraussetzung für das Funktionieren eines Staates und einer Demokratie angesehen.
Welche Rolle spielt der Ausnahmezustand bei Carl Schmitt im Vergleich zu aktuellen Tendenzen?
Schmitt sieht den Souverän als denjenigen, der über den Ausnahmezustand entscheidet; die Arbeit zeigt auf, dass die Neuen Rechten durch ihre Ablehnung pluralistischer Strukturen ähnliche autoritäre Tendenzen forcieren.
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- Alexander Engel (Autor), 2019, Die Ideologien von Carl Schmitt, der Neuen Rechten und der AfD im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507669