Die historische Beurteilung der Revolution von 1848/49 unter Berücksichtigung des Prinzips der Kontroversität

Leistungskurs Geschichte, Klassenstufe 12


Unterrichtsentwurf, 2019
19 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsfelder

2. Sachanalyse

3. Schematischer Überblick über die Unterrichtsreihe

4. Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
4.1 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen hinsichtlich des Themas
4.2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen hinsichtlich des Materials

5. Kompetenzkatalog

6. Methodische Überlegungen und Entscheidungen

7. Geplanter Unterrichtsverlauf

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

9. Anhang

1. Bedingungsfelder

Seit Beginn des Schuljahres unterrichte ich bei Frau M. angeleitet im Geschichtsunterricht ihres Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12. Dieser Kurs ist mir bereits aus dem angeleiteten Unterricht des vorherigen Schuljahres bekannt. Außerdem fanden in dieser Lerngruppe bereits zwei Unterrichtsmitschauen bzw. -besuche statt. Für den Prüfunterricht wurde aufgrund der erhöhten Anzahl an Beteiligten ein Raumtausch vorgenommen. Der neue Raum 27 ist dafür besser geeignet, da er über ausreichend Platz sowie eine optimale mediale Ausstattung mit Beamer und Smartboard verfügt. Für den Prüfunterricht wird die Tischordnung in U-Form abgeändert. Dies ist meiner Meinung nach für das kontroverse Unterrichtsthema und den Austausch dazu besser geeignet als die frontale Anordnung in Reihen.

Der Kurs umfasst 16 SuS (sechs Schüler und zehn Schülerinnen), die aus meiner Sicht im durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Leistungsbereich einzuordnen sind. Die Leistungsspitze von sechs SuS, die sich auch in diesem Schuljahr im sehr guten bis hohen guten Noten-Bereich befinden und die im höheren Anforderungsbereich arbeiten können, macht über ein Drittel des Kurses aus. Ein weiteres Drittel des Kurses findet sich jedoch im schwächeren und ausreichenden Notenbereich wieder und ist im Unterricht deutlich zurückhaltender. Aktuell hat man das Gefühl, dass zwei bis drei SuS auch mit der Thematik etwas überfordert sein könnten. Die Mitarbeit im Kurs ist im Großen und Ganzen zufriedenstellend, auch wenn sich in den letzten Wochen einige SuS deutlich zurückgenommen haben in ihrer Unterrichtsbeteiligung. Dies wurde mehrfach moniert und wird aktuell verstärkt eingefordert. Drei SuS wiederum fallen als Experten besonders auf: A. und S. zum einen, weil sie sich sehr oft melden und überwiegend qualitativ gute Beiträge geben und zum anderen M., der sich seltener meldet, aber dann stets sehr gute und sehr reflektierte Antworten gibt. Hinsichtlich der Streuung und Differenzierung ist aber anzumerken, dass gerade in den Vertiefungsphasen auffällt, dass nicht mehr alle SuS den Beiträgen der Leistungsspitzen folgen können. Ebenfalls ist aufgefallen, dass der Kurs bei Unterrichtsbesuchen generell schüchterner agiert als im Regelunterricht. Hier gilt es als Lehrkraft immer wieder Mitarbeit einzufordern, auch rufe ich derzeit auch ab und an SuS im Unterricht auf.

In Text- und Quellenarbeit sind die SuS geübt, sie erledigen dies mittlerweile auch weitestgehend zufriedenstellend. An den im letzten Schuljahr vorliegenden Schwächen der SuS bei der Formulierung von passenden Problemfragen im Einstieg wurde seitdem durch mich und Frau Metzner intensiv und zielführend gearbeitet. Terminologische Unsicherheiten sind ab und an noch vorhanden, auch weiterhin wird auf den korrekten Einsatz von Begrifflichkeiten und Fachsprache verstärkt geachtet. Die Lehrer-Schüler-Bindung ist gut und es herrscht ein positives Lernklima. Das Unterrichten in dieser Lerngruppe macht Spaß, die SuS sind motiviert und diszipliniert. Dadurch, sowie durch das ausgeprägte Leistungsniveau, kann in allen Anforderungsbereichen auf einem anspruchsvollen Niveau gearbeitet werden.

2. Sachanalyse

Die Beurteilung der Revolution von 1848/49 ist ein sehr komplexes und kontroverses Thema innerhalb der Geschichtswissenschaft und geht einher mit der Frage nach dem Scheitern der Revolution. Einig sind sich die Historiker*innen, dass man dies nicht monokausal erklären kann, sondern es vielmehr zu einem Zusammenwirken mehrerer unterschiedlicher Ursachen gekommen ist.1 Der deutsche Historiker Nipperdey beispielswiese beschreibt eine unglückliche Gesamtsituation aufgrund der Teilung eines möglichen deutschen Staatsgebietes in zahlreiche Kleinstaaten anstelle eines einheitlichen Staatsgebietes, des preußisch-österreichischen Dualismus als mächtigen Gegner der Revolution sowie des Fehlens eines einheitlichen und gemeinsamen gesamteuropäischen Vorgehens gegen die fürstliche Obrigkeit.2 Seine Auffassung, dass die Revolution am liberal-nationalen Doppelauftrag hinsichtlich der Forderungen nach gleichzeitiger deutscher Einheit und Freiheit gescheitert sei, teilen viele Historiker*innen wie beispielsweise Langewiesche3, Müller4 oder Winkler5. Im Mehrheitsbeschluss einigten sich zwar zuvor die Parlamentarier 1849 nach längerer Findungsphase innerhalb der Frankfurter Nationalversammlung auf einen kleindeutschen Nationalstaat (ohne Österreich) sowie auf eine konstitutionelle Monarchie (mit Erbkaisertum) als Staatsform.6 Obsolet wurde dies jedoch im April 1849, nachdem der dafür designierte preußische Monarch Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone abgelehnt hatte.7 Am 23. Juli 1849 galt die Revolution offiziell als beendet, nachdem sich die Gegenrevolution unter preußischer Führung mit der Zerschlagung der badischen Aufstände endgültig durchgesetzt hatte.8 Bereits im Anschluss diskutierten die Zeitgenossen intensiv und kontrovers die Frage nach den Gründen für das Scheitern der Revolution; diese Frage beschäftigte im weiteren Verlauf Historiker*innen bis heute. Gemessen an den nationalen, liberalen und demokratischen Zielsetzungen der Revolutionsträger um einen einheitlichen Territorialstaat, umfassende Freiheitsrechte und Volkssouveränität gilt die Revolution bezogen auf das Jahr 1849 im Konsens zunächst formal als gescheitert. Hier zeigt sich jedoch im besonderen Maße die Komplexität des Themas: Ein derartiges Urteil greift zu kurz, da die Revolution viele heute noch vorgefundene Errungenschaften im weiteren Verlauf hervorgebracht hat9: Mit der endgültigen Beseitigung der feudalen Strukturen beispielweise gilt die Bauernrevolution als Teil der Revolution von 1848 als erfolgreich.10 Auf politischer Ebene blieb in nahezu allen Staaten außer Österreich und somit auch in Preußen der Verfassungsstaat als Erbe bestehen, gleichzeitig wurde dadurch auch das restaurative System Metternichs beendet.11 Für die bürgerliche Gesellschaft blieb – auch wenn viele Demokraten in der Zeit auswanderten – eine Öffentlichkeit, die von national-demokratischen Ideen sowie einer grundsätzlichen Politisierung geprägt war.12

Uneins sind sich die Historiker*innen dagegen in der Gewichtung13 der einzelnen Faktoren und der Frage, welche grundsätzlichen Folgen die Revolution für die nachfolgenden Epochen hatte.14 Kontrovers diskutiert wird die These vom deutschen Sonderweg, die z.B. von Hans-Ulrich Wehler vertreten wird. Diese geht davon aus, dass das Scheitern der Revolution von 1849 die von der preußischen Obrigkeit vorgenommene Reichsgründung15 1871 bedingt hat und seitdem als Argumentationslinie für alle weiteren Epochen bis hin zum NS-Staat genutzt werden kann. Befürworter argumentieren, dass im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern die deutsche Geschichte einen Sonderweg darstellt und die gescheiterte Revolution den Demokratisierungs- und Parlamentarisierungsprozess beeinträchtigt und verhindert hat. Andere Historiker*innen wie Nolte dagegen lehnen das ab und warnen davor, die deutsche Geschichte als „Einbahnstraße“16 in den Nationalsozialismus zu bezeichnen und plädieren darauf, jede Epoche eigenständig zu betrachten und zu bewerten.

3. Schematischer Überblick über die Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Tabellarischer Überblick zur Unterrichtsreihe mit dem Titel „Der Weg zum deutschen Nationalstaat über die Revolution von 1848/49 unter besonderer Berücksichtigung der Verfassungsentwicklung und Demokratiebewegung in Deutschland – „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“?“

4. Didaktische Überlegungen und Entscheidungen

4.1 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen hinsichtlich des Themas

Das Unterrichtsvorhaben mit dem Titel „Der Weg zum deutschen Nationalstaat über die Revolution von 1848/49 unter besonderer Berücksichtigung der Verfassungsentwicklung und Demokratiebewegung in Deutschland – „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“?“ ist in der rheinland-pfälzischen Lehrplananpassung für die Sekundarstufe II für das Leistungsfach Geschichte dem Halbjahr 12/1 mit dem übergeordneten Themenfeld „Deutschlands Weg zur Demokratie“17 einzuordnen. Für das Unterrichtsvorhaben wurden dazu Stundeneinheiten aus dem Pflichtbereich des ersten Teilthemas „Das Ringen um eine Demokratie in Deutschland“18 mit dem Wahlthema „Verfassungsentwicklung und Demokratiebewegung in Deutschland im 19. Jhd.“19 zu einer eigenen inhaltlich zusammenhängenden Unterrichtsreihe kombiniert. Dieses Vorgehen bietet den SuS nicht nur die Gelegenheit, innerhalb des Faches Geschichte im besonderen Maße zu einem zentralen Thema der Oberstufe vertieft zu arbeiten, sondern darüber hinaus ermöglicht es auch ein fächerübergreifendes und fächerverbindendes Lernen mit dem Fach Sozialkunde gemäß den Zielsetzungen der Lehrplananpassung.20 Der Schwerpunkt in den jeweiligen Stunden liegt stets auf der kritischen Hinterfragung, inwiefern das jeweilige Stundenthema einen Beitrag zur Demokratieentwicklung in Deutschland (oder Europa) geleistet hat. Das Unterrichtsvorhaben endet mit einem zusammenfassenden Vergleich der Verfassungen des 19. Jahrhunderts mit dem deutschen Grundgesetz. Somit wird auch dem übergeordneten und aktuell erneut hervorgerufenen Ziel der politischen Bildung Rechnung getragen.21 Eine Exkursion zur Frankfurter Paulskirche als außerschulischen Lernort soll das Unterrichtsvorhaben in besonderem Maße abschließen.

Die dem Prüfunterricht zugrundeliegende Unterrichtseinheit beschäftigt sich mit der Beurteilung der Revolution von 1848/49. Ausgehend von dieser sollen die SuS Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Geschichte und unser heutiges politisches System in der Gegenwart erkennen und beurteilen sowie in späteren Unterrichtsvorhaben, wie z. B. der Weimarer Republik oder der Zeit nach 1945 auf das Thema zurückgreifen können. Die Unterrichtseinheit selbst besitzt aufgrund der Zentralität in der deutschen Geschichte und der Bedeutung in unserer Demokratieentwicklung eine hohe fachliche Relevanz. Ziel ist es, dass bei den SuS die für das Leistungsfach Geschichte im besonderen Maße benötigte und für ihre Mündigkeit fundamentale Urteilskompetenz gefördert wird. Von einem direkten Lebensweltbezug und einem flächendeckenden politischen Interesse ist in der Gesamtheit innerhalb der Lerngruppe nicht auszugehen. Dennoch soll das Unterrichtsvorhaben gezielt dazu beitragen, das politische Interesse der SuS durch die Auseinandersetzung mit Sozialkunde im Leistungsfach Geschichte und wesentlichen Inhalten daraus anzuregen, zumindest das Verständnis dafür zu erhöhen und für ausreichende Kenntnisse zu sorgen.

Der thematische Fokus der Stunde liegt auf dem geschichtsdidaktischen Prinzip der Kontroversität. Diese beinhaltet „Multiperspektivität auf der Ebene der Betrachter“22. Konkret umgesetzt wird die Kontroversität in der Unterrichtsstunde bi-perspektivisch durch den Einbezug von zwei verschiedenen Historiker-Texten in der Erarbeitungs- und Vertiefungsphase. Aufgabe der SuS wird es dann sein, die Textquellen hinsichtlich der „Standortgebundenheit ihrer Urteile“23 zu untersuchen und dadurch abwägend zu einem eigenen Urteil hinsichtlich der Revolution von 1848/49 zu gelangen. Alternativ – und nach Sauer auch ein Musterbeispiel für Kontroversität – hätte sich an dieser Stelle auch ein Vergleich der Rezeption der 1848er Revolution in den nachfolgenden Epochen (Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, etc.) angeboten.24 Ich sehe hier jedoch den Nachteil, dass die SuS zum jetzigen Stand noch nicht über ausreichend vertiefte Kenntnisse zu den nachfolgenden Epochen verfügen und sich die Stofffülle mit der damit verbundenen erhöhten SuS-Aktivität sowie dem Zeitbedarf in der Stunde nur bedingt für das Format des Prüfunterrichts anbieten würde. Eine Unterrichtseinheit dazu an späterer Stelle erscheint mir ertragreicher.

Aufgrund der Komplexität des Themas gilt es im Sinne der didaktischen Reduktion auf einige Aspekte zu verzichten. Die Stunde selbst soll sich nur auf die Revolution in den deutschen Staaten beziehen und die Ereignisse sowie eine Beurteilung der Revolution in den anderen europäischen Staaten ausklammern. Im Zentrum der Stunde steht die Gegenüberstellung zweier Historikermeinungen zum Scheitern der Revolution sowie dessen Bedeutung für den weiteren Verlauf der Geschichte. Die vorherige Stunde soll dazu Grundlagen schaffen, indem Ereignisse – die dann letztendlich zum Scheitern geführt haben – thematisiert werden. Somit geht es in der Unterrichtseinheit weniger um die Gründe für das Scheitern, sondern hauptsächlich um die Folgen. Es geht darüber hinaus auch um Besonderheiten der deutschen Geschichte, die unter Historiker*innen die These zum Deutschen Sonderweg aufgeworfen haben. Dies soll Thema der darauffolgenden Stunde sein und in dieser Unterrichtseinheit nur in der Vertiefung angerissen werden, damit die SuS die zugehörige Argumentationsstruktur aus dem Scheitern heraus kennenlernen. Im Anschluss an das Unterrichtsvorhaben ist ein weiteres zur Epoche des Deutschen Kaiserreichs angedacht. Dessen Entstehung ist in dieser Reihe ebenfalls ausgeklammert.

4.2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen hinsichtlich des Materials

Im Einstieg habe ich mich für das Cover-Bild einer Spiegelausgabe von 1998 mit dem Titel „Die halbe Revolution – Beginn des deutschen Desasters?“25 entschieden. Dieses soll zunächst unvollständig und ohne den Untertitel gezeigt, später in der Vertiefung jedoch vollständig genutzt werden. Beim Titel „Halbe Revolution“ handelt es sich bereits um ein Urteil über die Revolution, welches zur Stundenfrage leiten und im Anschluss von den SuS dekonstruiert werden soll. Alternativ hätten sich aus einer Vielzahl von Karikaturen auch andere angeboten: z.B. „Das Frankfurter Kartenhaus“26 oder die Lithografie von Ferdinand Schröder aus dem Jahr 1849, auf welcher das Scheitern der Revolution auf einer Europa-Karte dargestellt ist. Auch ein Auszug aus einer Historikermeinung wäre möglich gewesen. Der große Vorteil der ausgewählten Abbildung in dieser Form besteht meiner Meinung nach darin, dass sie zielführend in das Thema sowie in die spätere Arbeit mit Historikermeinungen einleitet und die SuS sich direkt mit einem Urteil beschäftigen.

Im Zentrum der Unterrichtseinheit stehen zwei Auszüge von Historikertexten zur Beurteilung des Scheiterns der Revolution. Ich habe mich hierbei für den deutschen Historiker Heinrich August Winkler und den israelischen Historiker Walter Grab entschieden. Beide Texte zeichnen sich aus einer Vielzahl von Publikationen durch ihre sprachliche Zugänglichkeit, die Betonung von Errungenschaften und den Fokus auf den Folgen des Scheiterns aus. Kürzungen in der Länge sollen die Erarbeitungsphase zeitlich entlasten und inhaltlich auf einige zentrale Aspekte verweisen. Der Fokus auf einen ganzheitlichen Blick und Folgen für den weiteren Verlauf der Geschichte erscheinen mir (auch im Kontext der Reihenplanung) ertragreicher als die Gegenüberstellung von politisch stark geprägten Texten oder Publikationen aus unterschiedlichen Epochen oder Staatsformen (z. B. Golo Mann aus der BRD vs. Karl Obermann aus der DDR). Eine klare Polarisierung bezüglich der Fragestellung nach dem Scheitern der Revolution liefern die ausgewählten Quellen nicht. Meines Erachtens gehört es aber bei den Anforderungen im Leistungsfach Geschichte – weniger im Grundfach – dazu, dass historische Sachverhalte auf der Ebene der Multiperspektivität und Kontroversität selbstständig und ohne kleinschrittige Annäherung kritisch hinterfragt werden können. Aus den vorherigen Stunden bringen die SuS ausreichend Hintergrundwissen mit. Auch in dieser Hinsicht erachte ich die ausgewählten Quellen als besser geeignet, da die SuS für viele alternative Historikertexte wie beispielsweise bei Wolfgang Hardtwig mehr Hintergrundwissen benötigen würden. Durch die Gegenüberstellung zweier Historikertexte sollen die SuS zu einem eigenständigen Sachurteil bezüglich der Fragestellung „Ist die Revolution gescheitert?“ gelangen. Somit soll die „Multiperspektivität auf der Ebene der Betrachter“27 erreicht werden. Auch soll an dieser Stelle nochmals auf die alternative Möglichkeit einer Rezeptionsgeschichte der Revolution von 1848 in anderen Epochen als alternativer Stundenansatz hingewiesen werden.28

In der Vertiefung habe ich mich für das vollständige Cover-Bild der Spiegelausgabe von 1998 mit dem Titel „Die halbe Revolution – Beginn des deutschen Desasters?“ entschieden, das die SuS bereits unvollständig im Einstieg kennengelernt haben. Titel und Abbildung spielen mit der These vom deutschen Sonderweg auf eine weitere Kontroverse innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft an. Die Sonderwegsthese soll Thema der darauffolgenden Stunde sein und hier thematisch eingeführt werden sowie in Ansätzen bereits diskutiert werden. Als Zusatz, aber auch Puffer dienen die zwei Zitate von Theodor Heuss und Lothar Gall mit weiteren Urteilen zum Scheitern der Revolution. Dadurch erhalten die SuS eine weitere kontroverse und dieses Mal gegensätzlichere Gegenüberstellung zu den Folgen von 1848/49. Eine mögliche Alternative wären Zitate von Politiker*innen aus unserer heutigen Zeit z. B. im Kontext des 170jährigen Jubiläums und somit eine stärkere Vertiefung des Gegenwartsbezugs oder eine weitere Gegenüberstellung mit dem 1958 publizierten Text von Golo Mann29.

[...]


1 Buchners Kolleg Geschichte: Deutsche Geschichte zwischen 1800 und 1933. Geschichte der Supermächte. Bamberg 2004, S. 62.

2 Nipperdey, T.: Kritik oder Objektivität? Zur Beurteilung der Revolution von 1848. In: D. Langewiesche (Hrsg.) Die deutsche Revolution von 1848/49. Wege der Forschung, Bd. 164. Darmstadt 1983, S. 186.

3 Langewiesche, D.: Europa zwischen Restauration und Revolution. München 1985, S. 111.

4 Müller, F. L.: Die Revolution von 1848/49. Darmstadt 2012, S.98.

5 Winkler, H. A.: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806-1933. München 2000, S. 109.

6 Buchners Kolleg, Geschichte, S. 61f.

7 Nipperdey, T.: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 1983, S. 661.

8 Buchners Kolleg, Geschichte, S. 62.

9 Langewiesche, Europa, S. 111.

10 Nipperdey, Kritik, S. 186.

11 Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 669.

12 Nipperdey, Deutsche Geschichte, S. 669.

13 Die Frage nach der Schuld am Scheitern soll hier explizit ausgeklammert werden, da sie meiner Meinung nach nicht zielführend ist.

14 Langewiesche, Europa, S. 111.

15 Die sich aber auch durch eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung – auch unter den Liberalen – auszeichnete.

16 Nolte, P.: Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart. Bonn 2012. S. 98.

17 Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Lehrplananpassung Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld in den Jahrgangsstufen 11 bis 13 der gymnasialen Oberstufe (Mainzer Studienstufe). Mainz 2011, S. 50.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd., S. 5.

21 Ebd., S. 7.

22 Sauer, M.: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. Seelze 2007, S. 83.

23 Sauer, Didaktik, S. 83.

24 Ebd.

25 Vgl. Anhang.

26 Vgl. Anhang.

27 Sauer, Didaktik, S. 83.

28 Ebd.

29 Vgl. Anhang.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die historische Beurteilung der Revolution von 1848/49 unter Berücksichtigung des Prinzips der Kontroversität
Untertitel
Leistungskurs Geschichte, Klassenstufe 12
Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien Bad Kreuznach
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V509814
ISBN (eBook)
9783346075048
ISBN (Buch)
9783346075055
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beurteilung, revolution, berücksichtigung, prinzips, kontroversität, leistungskurs, geschichte, klasse
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die historische Beurteilung der Revolution von 1848/49 unter Berücksichtigung des Prinzips der Kontroversität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509814

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