Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem so genannten Disease Mongering. Im heutigen Zeitalter entstehen Krankheiten wie zum Beispiel die "Weibliche sexuelle Dysfunktion", die "Sozialphobie" oder die "Überaktive Blase", welche dem vermeidbaren Patienten als behandlungsbedürftig verkauft werden. Zwar hat sich das Verständnis von Gesundheit und Krankheit in den letzten Jahren gewandelt, so die Tatsache, dass es früher Krankheiten gab, von denen heute nicht mehr die Rede ist. Jedoch werden heutzutage körperliche Zustände wie zum Beispiel eine Glatze behandelt, welche noch vor wenigen Jahren als physiologische Alterserscheinung anerkannt wurden.
Doch sind diese Medikamente wirklich indiziert oder manifestiert sich dieser Konsum langsam zum Lifestyle? Da Medikamente gegen vermeintlich neue Krankheiten schließlich nach außen kommuniziert werden müssen, um sie zu verkaufen, wird das Disease Mongering in Hinblick der Kommunikationspolitik als Marketinginstrument der Pharmaindustrie in dieser Arbeit genauer analysiert. Für das weitere Verständnis ist es essenziell, anzuführen, dass es sich bei dieser Arbeit nicht um eine ablehnende Äußerung gegen die Pharmaindustrie handelt, sondern lediglich um eine deskriptive Veranschaulichung des Phänomens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wissenschaftliche Grundlagen und Begriffsbestimmungen
2.1 Disease Mongering – Krankheitserfindung
2.2 Die Kommunikationspolitik – Ein Gebiet des Marketing-Mix
2.2.1 Kommunikationsbotschaft
2.2.2 Wirkung von Kommunikation auf den Konsumenten
3. Marketing in der Pharmaindustrie
3.1 Kommunikationsmethoden der Pharmabranche
4. Disease Mongering als Marketinginstrument der Pharmaindustrie
4.1 Disease-Awareness-Kampagnen
4.2 Kommunikationskanäle beim Disease Mongering
5. Diskussion
6. Fazit / Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen „Disease Mongering“ als gezieltes Marketinginstrument der Pharmaindustrie, um zu analysieren, wie durch die Pathologisierung natürlicher Zustände neue Märkte erschlossen und Absatzwege durch geschickte Kommunikationsstrategien optimiert werden.
- Grundlagen des Disease Mongering und der Krankheitserfindung
- Kommunikationspolitische Instrumente im pharmaspezifischen Marketing
- Analyse der „Disease-Awareness-Kampagnen“ als Marketinginstrument
- Ethische Reflexion über die Beeinflussung von Patienten und Ärzten
- Kritische Diskussion der Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
Auszug aus dem Buch
4.1 Disease-Awareness-Kampagnen
Die Disease-Awareness-Kampagnen, welche übersetzt „Krankheits Bewusstmachungs-Kampagnen“ heißen, sind eine indirekte Form der Arzneimittelwerbung, welche mit der Pull-Strategie auf die Krankheit und nicht auf das Medikament direkt beim Konsumenten aufmerksam machen. Sie werden bei den Pharmafirmen immer beliebter, denn die geplante Folge: Patienten, welche sich von den Symptomen angesprochen fühlen, kontaktieren ihren Arzt und wollen das Medikament gegen eben genau diese Beschwerden erhalten. Da oftmals die gleiche Werbeanzeige für beide Rezipienten erstellt wird, nur mit dem Unterschied, dass die Anzeige des Arztes eine namentliche Produktnennung beinhaltet, hat der behandelnde Arzt mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Werbeanzeige bereits gesehen und verordnet daraufhin das Medikament (vgl. Blech, 2003, S. 31f, 44; Gutepillen – Schlechtepillen, o.J., Heft 2017/05). Die Abbildung 2, eine Werbeanzeige der Firma Pfizer für das Medikament Viagra, ist ein sehr gutes Beispiel für eine Disease-Awareness-Kampagne. Zwar ist das Produkt nicht namentlich genannt, jedoch lockt die Internetadresse rechts auf der Anzeige direkt zu Service-Telefonen und Hinweisbannern, welche von Pfizer gesponsert werden (vgl. Gutepillen – Schlechtepillen, o.J., Heft 2006/02).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Disease Mongering ein und stellt den ethisch-wirtschaftlichen Interessenkonflikt in der Pharmaindustrie dar.
2. Wissenschaftliche Grundlagen und Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Disease Mongering und erläutert die theoretischen Grundlagen der Kommunikationspolitik im Marketing-Mix.
3. Marketing in der Pharmaindustrie: Hier werden die Besonderheiten des Pharmamarktes und die dort angewandten Kommunikationsmethoden sowie regulatorische Rahmenbedingungen wie das Heilmittelwerbegesetz analysiert.
4. Disease Mongering als Marketinginstrument der Pharmaindustrie: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie Pharmaunternehmen durch Disease-Awareness-Kampagnen und spezifische Kommunikationskanäle Krankheiten definieren, um Absatzmärkte zu erweitern.
5. Diskussion: Dieser Teil reflektiert kritisch über Vor- und Nachteile der Kampagnen unter ethischen Gesichtspunkten und diskutiert die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem.
6. Fazit / Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Disease Mongering ein bewusstes Strategieelement zur Gewinnmaximierung darstellt, und schlägt vor, weiterführende Forschung zur Lückenhaftigkeit der gesetzlichen Regularien zu betreiben.
Schlüsselwörter
Disease Mongering, Pharmaindustrie, Marketing, Kommunikationspolitik, Krankheitserfindung, Disease-Awareness-Kampagnen, Gesundheitswesen, Lifestyle-Krankheiten, Ethik, Pull-Strategie, Push-Strategie, Heilmittelwerbegesetz, Patientenbeeinflussung, Absatzmärkte, Arzneimittelwerbung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der Kommunikationspolitik der Pharmaindustrie, insbesondere mit dem Phänomen des "Disease Mongering", bei dem versucht wird, gesunde Menschen als behandlungsbedürftige Patienten zu definieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen Marketingstrategien in der Pharmazie, die Definition von Krankheiten, die Wirkungsweise von Disease-Awareness-Kampagnen sowie die ethische Vertretbarkeit dieser Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse von Disease Mongering als Marketinginstrument, um aufzuzeigen, wie durch die Gestaltung von Kommunikationsbotschaften und den Einsatz bestimmter Medien Absatzmärkte für Medikamente geschaffen werden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die theoretische Marketinggrundlagen mit Fachliteratur und Fallbeispielen aus der Pharmapraxis verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Marketings, die Besonderheiten des Pharmamarktes und die konkrete Umsetzung von Disease Mongering mittels Kampagnen und Kommunikationskanälen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Disease Mongering, Pharmamarketing, Krankheitserfindung, Disease-Awareness-Kampagnen und die ethische Bewertung von Marketingaktivitäten im Gesundheitswesen.
Wie unterscheidet sich die Strategie bei verschreibungspflichtigen Medikamenten?
In Deutschland darf für verschreibungspflichtige Medikamente nicht direkt gegenüber dem Konsumenten geworben werden, weshalb die Pharmaindustrie auf Umwege wie Disease-Awareness-Kampagnen und "Schleichwerbung" in Medien zurückgreift.
Welche Rolle spielt der Ethikkodex der Pharmabranche?
Der Kodex soll korruptionsähnliche Praktiken gegenüber Ärzten begrenzen, greift jedoch bei dem strategischen Problem des Disease Mongering oft zu kurz, da die Kampagnen offiziell als Informationsangebote deklariert werden.
- Citation du texte
- Jenifer Hoffmann (Auteur), 2018, Disease Mongering. Eine kritische Betrachtung der Kommunikationspolitik in der Pharmaindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/517345