Die Krim wird Teil des Russischen Staatsgebietes. In der Ostukraine beginnen sich Separatisten zu formieren und ein Bürgerkrieg bricht aus. Ich schildere den Ausbruch des Konfliktes und analysiere, wie erfolgreich bestimmte theoretische Konzepte zur Herstellung von Frieden in der Ukraine waren. Zuvor begebe ich mich in diese Arbeit in die 1990er Jahre und zeichne zum einen die Konfliktlinie zwischen Ukrainischen Pluralisten und Monisten nach und zum anderen das ständige Tauziehen um die Ukraine zwischen Ost und West.
Der mittelalterliche Vorgänger der Ukraine war die Kiewer RUS. Die Kiewer RUS erstreckte sich bis in den hohen Nordosten Europas. Ab dem 11. Jahrhundert begann die RUS in Fürstentümer zu zerfallen. Die aus den Fürstentümern folgenden verschiedenen Teilgebiete, der heutigen Ukraine, gehörten bis zur Nationalstaatsgründung im 20 Jahrhundert zu verschiedenen Staaten (Polnisches Königreich, Litauisches Großfürstentum, Russisches Reich u.a.). Nach dem ersten Weltkrieg bildeten sich zwei fragile Ukrainische Nationalstaaten. 1922 entstand mit der Ukrainischen Sozialistischen Republik, die erste stabile Ukrainische Nation. Aufgrund der Zugehörigkeit zur autoritären Sowjetunion kann diese allerdings nicht als souverän bezeichnet werden kann. Erst 1991 erlangte die Ukraine, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, ihre Unabhängigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Ukraine
2. Hintergrund des Konfliktes
a) Ost oder Westbindung?
b) Monismus oder Pluralismus
3. Der Ausbruch des Konfliktes
a) Maidan
b) Krim
c) Novorussia Rebellion
4. Seminarbezug: Friedensprozess
a) Power Sharing Executive
b) Proportional represantation/ c) veto rights
c) Segmental Autonomy
d) arbitration
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen Wurzeln des Ukraine-Konflikts unter Berücksichtigung der Spannungen zwischen monistischen und pluralistischen Identitätsvorstellungen und analysiert den Friedensprozess auf Basis des Konkordanzdemokratie-Konzepts nach Ulrich Schneckener.
- Historische Entwicklung der ukrainischen Identität und Staatsbildung.
- Analyse der geopolitischen Konfliktlinien (Ost-West-Bindung).
- Untersuchung des Eskalationsverlaufs: Maidan, Krim und Novorussia-Rebellion.
- Evaluierung der Anwendbarkeit von Machtteilungsmechanismen zur Konfliktlösung.
- Reflexion über die Rolle des Realismus und Konstruktivismus in der Krisenanalyse.
Auszug aus dem Buch
b) Monismus oder Pluralismus
Der Konflikt zwischen Monisten und Pluralisten reicht weit zurück in der Ukrainischen Geschichte. Die Monisten halten das Ukrainische Volk für ein autochthones Volk, welches durch eine gemeinsame Kultur verbunden ist. Die Pluralisten sehen sich in der Tradition der KIEWER RUS, als lose Föderation ost-slawischer Stämme. Erwähnenswert sind darüber hinaus die Malorussen, für die Teile der Ukraine untrennbar mit Russland verbunden sind. (Ebd. S. 7-8)
Im Osten und Süden der Ukraine leben die meisten Russen. Viele von Ihnen haben mit ihren Wahlstimmen den Vertreter des Pluralistischen Lagers Wiktor Yanukovich unterstützt. Auch wenn die Malorussen Pluralistische Politiker unterstützen, kann man sie nicht mit den Pluralisten gleichsetzen, weil die Pluralisten sich trotzdem als Ukrainer betrachten. (Petro 2016: S. 20-21) (Sakwa 2015: S. 23)
Der erste Präsident der unabhängigen Ukraine wurde Leonid Kravchuk, der ehemalige Vorsitzende der Ukrainischen Kommunistischen Partei. Während seine Unterstützer bei der Wahl 1994 tendenziell im Westen der Ukraine und im monistischen Lager zu finden waren, galt sein Gegenkandidat Leonid Kuchma als pro-russischer Kandidat, der seine Unterstützer im Süden und Osten der Ukraine hatte. (Sakwa 2015: S. 51)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Ukraine: Ein Überblick über die historische Entwicklung der Ukraine von der Kiewer Rus bis zur Unabhängigkeit 1991, wobei die Identitätskrise zwischen westlicher Bindung und Russland-Orientierung beleuchtet wird.
2. Hintergrund des Konfliktes: Analyse der zwei zentralen Konfliktlinien: die geostrategische Wahl zwischen West- und Ostbindung sowie der innenpolitische Streit zwischen monistischen und pluralistischen Staatsvorstellungen.
3. Der Ausbruch des Konfliktes: Detaillierte Darstellung der Eskalationsstufen, beginnend bei den Maidan-Protesten über die Krim-Krise bis hin zur bewaffneten Novorussia-Rebellion.
4. Seminarbezug: Friedensprozess: Überprüfung der Anwendbarkeit des Konkordanzmodells nach Schneckener, insbesondere durch die Analyse von Machtteilungs- und Dezentralisierungsversuchen in den Minsker Protokollen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die argumentiert, dass eine Föderalisierung als Kompromiss zur Überwindung der identitären Spaltung hätte dienen können, während machtpolitische Realismen allein nicht ausreichen.
Schlüsselwörter
Ukraine, Konflikt, Monismus, Pluralismus, Maidan, Krim, Novorussia, Friedensprozess, Konkordanzdemokratie, Machtteilung, Dezentralisierung, Identitätsfindung, Ost-West-Bindung, Russland, Geopolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf des Ukraine-Konflikts unter Berücksichtigung historischer Identitätskonflikte und der Wirksamkeit politischer Lösungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Identitätsbildung, die geostrategische Zerrissenheit der Ukraine, die Eskalationsdynamik seit 2013 sowie Ansätze zur Machtteilung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Konfliktgeschichte nachzuzeichnen und zu bewerten, inwieweit Elemente der Konkordanzdemokratie zur Beilegung der Krise beitragen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und politikwissenschaftlichen Analyse unter Anwendung des Konzepts der „consociational democracy“ (Konkordanzdemokratie) von Ulrich Schneckener.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der historischen Konfliktlinien, die chronologische Aufarbeitung des Konfliktausbruchs und die theoretisch fundierte Analyse von Friedensprozess-Elementen wie Power Sharing und Autonomie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Ukraine-Konflikt, Identitätspolitik, Konkordanzdemokratie, Föderalisierung und geopolitische Einflüsse definieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Verfassungsentwurfs von 2014?
Der Autor stellt fest, dass der Reformversuch, der auf das System Kravchuks zurückgriff, als schlichtende Instanz scheiterte, da er nie praktisch umgesetzt wurde.
Warum wird im Fazit eine Föderalisierung als Lösung vorgeschlagen?
Der Autor argumentiert, dass eine Föderalisierung als notwendiger Kompromiss dienen könnte, um der kulturellen Heterogenität gerecht zu werden und den Unmut der russischsprachigen Bevölkerung über Kiewer Diktate abzufangen.
- Citar trabajo
- Nils Rieckmann (Autor), 2018, Der Ukraine Konflikt und seine Entstehung. Fokus auf Entwicklungen der 1990er Jahre bis hin zu 2014/2015, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538559