Die Rolle der Sozialen Arbeit entwickelt sich immer entlang der jeweiligen strukturellen Veränderungen einer Gesellschaft und den sich daraus ergebenen sozialen und kulturellen Folgen für ihre Mitglieder. Der These, dass die subjektiven Einstellungen, Wahrnehmungen, Werthaltungen und Verhaltensweisen der Menschen wiederum durch die veränderten Bedingungen beeinflusst werden, soll im Folgenden nachgegangen werden. Dabei sollen die sich hieraus ergebenden neuen Herausforderungen für die Soziale Arbeit ermittelt werden. Bilden sich aufgrund veränderter Wertvorstellungen bei Staat, Bevölkerung und wirtschaftlichen Unternehmen unter Umständen neue vulnerable Gruppen jenseits der traditionellen heraus? Welchen Einfluss hat dies auf die Prozesse in der Sozialen Arbeit?
Mit der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit hat der Begriff der "Sozialen Dienstleistungen" längst Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Mit dem sozialen Wandel kommt auch der Ruf nach Innovationen in diesem Bereich. Wie kann der Sozialstaat den bevorstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen, um den sozialen Frieden zu sichern? Wie können Markt und Wohlfahrtsstaat in Einklang gebracht werden und trotzdem ihrem Auftrag, soziale Gerechtigkeit anzustreben und allgemeine Lebensrisiken der Bürger*innen abzusichern gerecht werden?
Von einer allgemeinen Betrachtung der Erfordernisse in der Sozialen Arbeit, wird mit Hinblick auf die prognostizierten Wertehaltungen in der Gesellschaft der Zukunft abschließend der Versuch unternommen, ein innovatives sozialarbeiterisches Konzept darzustellen, welches möglicherweise geeignet sein könnte, die neuen sozialpolitischen Forderungen an die Soziale Arbeit mit den Bedarfen der Adressat*innen in Einklang zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Werte
3. Wertewandel
3.1. Wertewandelsforschung
3.2. Die gesellschaftliche Bedeutung von Werten
4. Ableitungen für die Soziale Arbeit der Zukunft
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel gesellschaftlicher Werte und analysiert deren Auswirkungen auf die Anforderungen an die Soziale Arbeit. Im Fokus steht die Frage, wie die Soziale Arbeit auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und neue Vulnerabilitäten reagieren kann, um soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer sich ökonomisierenden Welt zu sichern.
- Grundlagen des Wertbegriffs und der Wertewandelsforschung
- Analyse der gesellschaftlichen Bedeutung von Werten
- Prognosen zur gesellschaftlichen Entwicklung
- Innovative Konzepte für die Soziale Arbeit der Zukunft
Auszug aus dem Buch
3.2. Die gesellschaftliche Bedeutung von Werten
Der Erforschung individueller Wertprioritäten innerhalb einer Gesellschaft dient der Wirtschaft und der Politik bei der Ausrichtung zukünftiger Strategien in Hinblick auf die Bevölkerung als Konsumenten, bzw. als Wähler, Steuerzahler und auch Kostenfaktor, da die Erhebungen Aufschlüsse darüber liefern können, auf welche Bedarfe es zu reagieren gilt.
Geht man von Hans Joas‘ (1999) sozialphilosophischem Werteverständnis aus, wonach „die Bedeutung der Werte in einem dreiseitigen, wechselseitig kausalen Wirkungsgefüge mit sozialen Praktiken und Institutionen“ verortet ist, beeinflussen politische und marktwirtschaftliche Entscheidungen und Maßnahmen wiederum die Gewichtung von Werten in der Gesellschaft. Inglehart und Welzel (2005, zitiert nach Köthemann 2014) bestätigen diese Theorie, indem sie konstatieren, dass die Veränderung von Wertprioritäten als ein evolutionärer Prozess zu sehen sei:
„Die am besten geeigneten Werte, um das Leben unter gegebenen existenziellen Bedingungen zu bewältigen, hätten in diesem Prozess einen selektiven Vorteil gegenüber Werten, die weniger geeignet sind, mit den gegebenen Bedingungen umzugehen“.
Daraus leiten sie folgende Implikationen ab:
1. Vorherrschende Prioritäten von Werten spiegeln vorherrschende existentielle Bedingungen wider.
2. Eine Veränderung der existentiellen Bedingungen, führt mit großer Wahrscheinlichkeit (mit zeitlicher Verzögerung) zu einer entsprechenden Umstellung der Werteprioritäten (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des gesellschaftlichen Wertewandels ein und leitet daraus die Forschungsfrage hinsichtlich der neuen Herausforderungen für die Soziale Arbeit ab.
2. Werte: In diesem Kapitel wird der Begriff des Wertes historisch sowie soziologisch hergeleitet und die Bedeutung individueller Wertesysteme für das menschliche Handeln beleuchtet.
3. Wertewandel: Dieses Kapitel behandelt die fundamentalen Veränderungen der Orientierungsstandards in Deutschland im 20. Jahrhundert.
3.1. Wertewandelsforschung: Dieses Kapitel stellt verschiedene wissenschaftliche Ansätze und Studien zur Erforschung des Wertewandels, wie die Arbeiten von Inglehart und Klages, gegenüber.
3.2. Die gesellschaftliche Bedeutung von Werten: Dieses Kapitel erläutert, wie sich ökonomische und politische Rahmenbedingungen und Werte gegenseitig beeinflussen und welche langfristigen gesellschaftlichen Tendenzen hieraus resultieren.
4. Ableitungen für die Soziale Arbeit der Zukunft: Dieses Kapitel diskutiert neue Handlungsmodelle wie die „Sorgenden Gemeinschaften“ als Antwort auf die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine Neuinterpretation sozialer Arbeit, die den Wunsch der Menschen nach Halt und Gemeinschaft aktiv mitgestaltet.
Schlüsselwörter
Werte, Wertewandel, Soziale Arbeit, Gesellschaft, Wertewandelsforschung, Individualisierung, soziale Gerechtigkeit, Sozialstaat, Sorgende Gemeinschaften, Gemeinwesenarbeit, Ökonomisierung, Lebensweltanalyse, soziale Integration, Partizipation, gesellschaftlicher Zusammenhalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit dem Wandel von gesellschaftlichen Werten auseinander und fragt, wie diese Veränderungen die professionelle Soziale Arbeit beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Werten, die wissenschaftliche Wertewandelsforschung, die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Werten sowie die Entwicklung neuer Konzepte für die Soziale Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der identifizierten Wertewandel-Tendenzen ein innovatives Konzept darzustellen, das die neuen sozialpolitischen Anforderungen mit den Bedürfnissen der Adressaten in Einklang bringt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung soziologischer Studien und Gesellschaftsprognosen, etwa vom Sinus-Institut oder durch Zukunftsforscher wie Horst Opaschowski.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Wertbegriffs, die Analyse historischer Wertewandlungsprozesse und die Ableitung praktischer Konsequenzen für die Soziale Arbeit, insbesondere im Kontext von Gemeinwesenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wertewandel, Soziale Arbeit, Gemeinwesenarbeit, Sorgende Gemeinschaften, gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Inklusion.
Was sind „Sorgende Gemeinschaften“ im Kontext der Sozialen Arbeit?
Dies ist ein Konzept zur Vernetzung von bürgerschaftlichem Engagement, professionellen Anbietern sozialer Dienste sowie kommunaler Politik, um soziale Aufgaben sektorenübergreifend zu bewältigen.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf „Adressaten“ im Wandel?
Die Arbeit regt an, Adressaten nicht nur als Empfänger von Hilfe, sondern als aktive Beitragende innerhalb einer „Sorgenden Gemeinschaft“ zu verstehen, um deren Autonomie und Teilhabe zu stärken.
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- Yvonne Mehigan-Byrne (Author), 2018, Werte, ihr Wandel und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540645