Der Begriff Integration ist in Deutschland schon lange kein Fremdwort mehr. In der Bildungspolitik erfährt der integrative Unterricht eine immer größere Bedeutung und ist seit der im Jahr 2015 begonnenen Flüchtlingskrise an deutschen Schulen nicht mehr wegzudenken. Dabei wird besonders dem Sportunterricht die immer größere Aufgabe zu Teil, einen wertvollen Beitrag zur Integration ausländischer Schüler zu leisten. Der Sport bietet viele Möglichkeiten, Schüler mit Migrationshintergrund in spielerischer Form in die Gesellschaft einzugliedern. Bei kooperativen Spielen werden sprachliche Barrieren überwunden und alternative Verständigungsformen gefunden. Regelwerke haben oft kulturübergreifend dieselbe Bedeutung und kaum eine Aktivität schafft mehr Raum mit seinen Mitmenschen in Kontakt treten zu können, als der Sport. Doch wo der Schulsport Integrationsmöglichkeiten schafft, bauen sich unweigerlich auch Grenzen auf. Religiosität und kulturelle Wertvorstellung erlauben nicht allen Kindern die in den Schulen ausgeführte Form des Sporttreibens. Sprachbarrieren können zu Gestaltungsproblemen und Störungen im Unterrichtsablauf führen. In einer Zeit, in der das Vermitteln gesellschaftlicher Wertvorstellungen und das Integrieren in die Gesellschaft besonders den Aufgabenfeldern der Schulen zugeordnet wird, ist es umso wichtiger, das Potential des Schulsports als Integrationsinstanz zu nutzen.
Da Sport schon immer als das Ausgleichsfach zum Unterrichtsalltag fungierte, und es kaum einen mehr motivierenden und Spaß fördernden schulischen Bereich gibt, möchte ich mit dieser Ausarbeitung eine Situation anvisieren, die Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund den Einstieg in die Gesellschaft erleichtert. Ziel dieser Ausarbeitung ist es in Zukunft einen zielgruppengerechten Unterricht durchführen zu können, der die Integration ausländischer Schüler begünstigt und ein positiveres Klassenklima schafft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen zur Integration
2.1 Begriffserklärung Integration
2.2 Sozialintegration nach Hartmut Esser
2.3 Deutschland als Einwanderungsland – Daten zur Einwanderung der letzten Jahre
3 Grundschulsport als „Integrationsmotor“
3.1 Integrationsmöglichkeiten durch den Grundschulsport
3.2 Grenzen der Integrationsmöglichkeiten durch den Grundschulsport
3.3 Zwischenfazit
4 Integration durch eine Unterrichtsreihe am Beispiel kooperativer Spiele im Grundschulsport
4.1 Die Rolle des Lehrers im kooperativen Sportunterricht
4.2 Rahmenbedingungen der Unterrichtsreihe
4.2.1 Lern- und Lehrvoraussetzung der Schülerinnen und Schüler
4.3 Ziele der Unterrichtsreihe
4.4 Vorstellung und Beobachtungen der Unterrichtsstunden
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Grundschulsport als „Integrationsmotor“ für Kinder mit Migrationshintergrund fungieren kann, wobei insbesondere das Potenzial und die Grenzen kooperativer Sportspiele im Fokus stehen, um ein positives Klassenklima zu fördern.
- Integrationstheorien nach Hartmut Esser
- Möglichkeiten und Grenzen der Integration im Sportunterricht
- Pädagogischer Einsatz kooperativer Spiele in der Grundschule
- Förderung von Sozialverhalten und Kommunikation
- Umgang mit sprachlicher und kultureller Heterogenität
Auszug aus dem Buch
3.1 Integrationsmöglichkeiten durch den Grundschulsport
Neben dem Vereinssport stellt der Schulsport die „größte sportanbietende Instanz“ in Deutschland dar (vgl. Kuhlmann & Rump, 2014). Der Vorteil des Unterrichtsfaches ist dabei, dass es obligatorisch ist. Sofern der Schulsport Integrationsmöglichkeiten schafft, haben alle Kinder die Chance davon profitieren zu können. Der Schulsport muss von der ersten bis zur letzten Klasse verpflichtend besucht werden. Dabei bieten besonders die wöchentlichen Stunden in der Turnhalle
„[...] einen Schonraum, der für Lern- und Erfahrungsprozesse im zwischenmenschlichen Bereich und als Ort der kognitiven und sozial-emotionalen Auseinandersetzung mit Migrationserleben, Minderheitensituation und „anderen Kulturen“ [...] genutzt werden kann“ (Pühse & Roth, 1999, S. 14).
Der Sportunterricht schafft unweigerlich die Situation, sich mit Klassenkameraden anderer Kulturen zu umgeben, bzw. erleichtert Kindern mit Migrationshintergrund die Identifikation und Interaktion mit Kindern aus dem Aufnahmeland. Dieser Tatsache folgt die nach Esser als essenziell bewertete Auseinandersetzung von Ausländern mit der fremden Sprache (nach 2.2 Sozialintegration nach Hartmut Esser). Auch wenn Sport nicht auf die sprachliche Interaktion angewiesen ist, bieten gerade spielerische Bewegungsformen den Kindern die Möglichkeit, Sprachfrequenzen aufzugreifen und zu übernehmen. Ist der Schritt, die neue Sprache zu erlernen einmal gemacht, fällt das Knüpfen von gleichaltrigen Kontakten leichter. So ist das Fazit eines achtjährigen Projektes der Essener Sportjugend, dass durch den Sport als Integrationsmaßnahme „mehr Menschen aufeinander zugehen können und Berührungsängste abbauen konnten“ (Hanenberg, 1987, S. 52). Des Weiteren, und dieser Aspekt ist hauptsächlich für den guten Ruf des Sports als „Integrationsmotor“ verantwortlich, konfrontiert das Unterrichtsfach jede Schülerin und jeden Schüler mit sozialen Regeln. „Dabei kommt es darauf an, transparent werden zu lassen, daß viele Basisregeln von Kommunikation und Interaktion durchaus universell sind, in Ihrer Ausgestaltung jedoch unterschiedlich ausgeformt erscheinen“ (Pühse & Roth, 1999, S. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung des Sportunterrichts für die Integration und definiert die Problemstellung sowie das Ziel der Arbeit vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise.
2 Theoretische Grundlagen zur Integration: Dieses Kapitel erläutert zentrale Integrationsbegriffe und das Modell der Sozialintegration von Hartmut Esser, ergänzt durch aktuelle Migrationsdaten für Deutschland.
3 Grundschulsport als „Integrationsmotor“: Es wird die Rolle des Schulsports als Integrationsinstanz kritisch diskutiert und sowohl die Potenziale für soziale Interaktionen als auch bestehende Grenzen aufgezeigt.
4 Integration durch eine Unterrichtsreihe am Beispiel kooperativer Spiele im Grundschulsport: Der praktische Teil beschreibt die Planung, Durchführung und Auswertung einer Unterrichtsreihe mit kooperativen Spielen zur Förderung des Sozialverhaltens.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet, inwiefern der Grundschulsport unter Einbeziehung kooperativer Elemente einen wirksamen Beitrag zur Integration leisten kann.
Schlüsselwörter
Integration, Grundschulsport, Migrationshintergrund, Kooperative Spiele, Sozialintegration, Sozialverhalten, Hartmut Esser, Sportpädagogik, Interkulturelles Lernen, Sprachförderung, Klassenklima, Teamfähigkeit, Grundschule, Integrationsmotor, Heterogenität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelor-Thesis?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im Grundschulsport.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Integrationstheorien nach Hartmut Esser, die Rolle des Schulsports, die Vorteile kooperativer Spielformen und die praktische Umsetzung in einer Fördergruppe.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie ein zielgruppengerechter Sportunterricht die Integration ausländischer Schüler begünstigen und ein positiveres Klassenklima schaffen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer praktischen Fallstudie, bestehend aus der Konzeption und Beobachtung einer Unterrichtsreihe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Sozialintegration und einen praktischen Teil, der die Durchführung von kooperativen Spielen in einer Grundschul-Fördergruppe detailliert dokumentiert und reflektiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Integration, Kooperationsspiele, Sozialintegration, Grundschulsport und Integrationsmotor geprägt.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei kooperativen Sportspielen?
Die Lehrkraft fungiert als Helfer, Berater und Spielleiter, der aktiv Gruppendynamiken steuert, um Ausgrenzung zu verhindern und soziale Interaktion zu fördern.
Wie gehen die Kinder mit sprachlichen Barrieren im Sportunterricht um?
Durch den Einsatz visueller Hilfsmittel, Vormachen von Aufgaben und gegenseitige Übersetzungshilfe durch Klassenkameraden werden Sprachhürden im kooperativen Sporttreiben aktiv überwunden.
Welchen Einfluss hatte der "syrische Junge" auf die Beobachtungen der Arbeit?
Das Verhalten dieses Kindes diente als Beispiel für die desintegrierenden Folgen eines zu starken Leistungsgedankens („Einzelkämpfertum“), der die Arbeit im Team erschweren kann.
- Citar trabajo
- Sebastian Voss (Autor), 2018, Möglichkeiten und Grenzen der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im Grundschulsport anhand einer Unterrichtsreihe zum kooperativen Spielen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540720