Das Motiv "Fremdheit" im Kinder- und Jugendroman "Das schaurige Haus" von Martina Wildner und ihr didaktisches Potential für den Literaturunterricht


Hausarbeit, 2019

11 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

I NHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Analyse des Fremdheitsmotivs
2.1 Das Fremdheitsmotiv in der Kinder- und Jugendliteratur
2.2 Das Fremdheitsmotiv im Roman „Das schaurige Haus“

3. Didaktisches Potential des Romans „Das schaurige Haus“ für den Literaturunterricht
3.1 Zielsetzungen des Literaturunterrichts nach Kaspar H. Spinner
3.2 Didaktisches Potential des Romans

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zentrum der vorliegenden Arbeit mit dem Titel: „Das Motiv „Fremdheit“ im Kinder- und Jugendroman „Das schaurige Haus“ von Martina Wildner und ihr didaktisches Potential für den Literaturunterricht“ steht die Fragestellung: „Wie wurde das Motiv „Fremdheit“ im Roman von Martina Wildner umgesetzt und welche Potentiale bietet der Roman für den Literaturunterricht?“. Das Thema „Fremdheit“ öffnet in der Forschung ein großes Fass. Eng damit verbunden findet man die Themen „Ausgrenzung“ und „Mobbing“. Die Begegnung und der Umgang mit dem „Fremden“ sind bedeutsame Lerninhalte des Literaturunterrichts sowie Themen der gegenwärtigen, problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur (KJL). Sie sind nach dem Fachdidaktiker Kaspar H. Spinner Teil der moralischen Entwicklungsaufgabe durch Literatur. Die Konfrontation mit dem Thema „Fremdheit“ erzielt die Förderung von Empathie und Fremdverstehen.1 Der Forschungsstand zu diesem Thema lässt sich durchaus als progressiv einstufen.

Die vorliegende Arbeit stützt sich auf Untersuchungen bekannter Autoren wie K. H. Spinner, Bettina Hurrelmann und Günter Lange jedoch bleibt es nicht damit begrenzt. Im ersten Kapitel wird eine Analyse des Fremdheitsmotivs vorgenommen. Vorerst ihre Abhandlung in der Kinder- und Jugendliteratur (2.1) und anschließend im Roman (2.2). Im zweiten Kapitel wird das didaktische Potential des Romans für den Literaturunterricht herausgearbeitet. Dafür werden im ersten Schritt die Zielsetzungen des Literaturunterrichts nach Kaspar H. Spinner herausgearbeitet (3.1), um anschließend an das didaktische Potential des Romans anzuknüpfen. Abschließend werden im Fazit die Argumente aus den Kapiteln zusammengefasst.

2. Die Analyse des Fremdheitsmotivs

2.1 Das Fremdheitsmotiv in der Kinder- und Jugendliteratur

Der Fremde, Die Fremde, Das Fremde und Die Fremdheit sind tragende Motive für die gegenwärtige KJL.

„Fremd ist nach Waldenfels erstens, was außerhalb des eigenen Bereichs vorkommt, zweitens, was Anderen gehört und drittens, was von anderer Art ist.“2

Das Zitat verdeutlicht, dass „das Fremde“ durch die drei Aspekte Ort, Besitz und Art ausgezeichnet sind und sich darin vom „Eigenen“ unterscheiden bzw. das Eigene als Vergleichspunkt dafür steht. Zudem unterstreicht Staiger, dass Fremdheit als Definition einer Beziehung dient. In Anlehnung an Waldenfels, übernimmt Staiger die Meinung, dass das Fremde die Grenze der Verständlichkeit markiert.3 Das Fremde in der KJL wird in unterschiedliche Kategorien klassifiziert. In der Untersuchung von Büker und Kammler sind diese Kategorien unterteilt in „Der Fremde als Gast“, „Der kulturell Fremde“, „Der Außenseitertyp“, „Der bzw. das historisch-genealogisch Fremde“ und „Der bzw. das phantastisch Fremde“. „Der Fremde als Gast“ spiegelt die Begegnung des „Anderen“ mit dem „Vertrauten“ wieder. Hier ist die Besonderheit, dass sie mit dem Fremden auf engstem Raum zusammen leben. „Der kulturell Fremde“ unterscheidet sich in Sprache, Kultur, Ethnie und Nation vom Vertrauten. Der Fremde als Außenseiter wird von der gesellschaftlichen Norm ausgegrenzt oder schließt sich selber aus. Häufig vertretene Außenseitergruppen sind z.B. Migranten, Menschen mit Behinderung, Kinder mit körperlichen Auffälligkeiten, usw. Jedoch bleibt die am häufigsten vorhandene Form von Fremdheit, die Integration von Randgruppen in die Insidergroups „Ingroup“. Der bzw. das historisch genealogisch Fremde, bezeichnet Identifikationsfiguren mit dem Leser aus unterschiedlichen Zeiten. „Der bzw. das phantastisch Fremde“ dagegen sind Phantasiefiguren, die realitätsfern agieren. In manchen Fällen symbolisieren sie das fremd gelassene literarische „Ich“ bzw. spiegeln ihre innere Fremdheit wieder.4 Nach einem Einblick in verschiedene Untersuchungen zum Motiv „Fremdheit“, wird im folgenden Abschnitt am Beispiel von Martina Wildners Roman „Das schaurige Haus“ beleuchtet, wie das Motiv „Fremdheit“ dort umgesetzt wurde.

2.2. Das Fremdheitsmotiv im Roman „Das schaurige Haus“

Der Kinder- und Jugendroman von Martina Wildner behandelt die Geschichte von Familie Reitsch, eine Familie, die aus beruflichen Gründen des Vaters von Sachsen nach Allgäu umzieht. Der Start in ein neues Leben, an einem fremden Ort wird der Familie durch sprachliche Barrieren umso mehr erschwert. In erster Linie lässt sich der Aspekt „Fremdheit“ am Ort wiederspiegeln. Der Umzug in eine fremde Gegend, die sich herauskristallisierenden Verständigungsprobleme aufgrund des bayrischen Dialekts, führen dazu, dass sich die Familie und insbesondere die Kinder nicht angekommen fühlen. Die Textstelle aus dem Roman markiert die Fremdheit aufgrund der sprachlichen Barriere.

„»Des kährt eis.« Ich hob die Schultern, denn ich hatte kein Wort verstanden. Das heißt, natürlich hatte ich die Grundaussage kapiert: Wir waren unerwünscht.“5

An dieser Stelle lässt sich zusammengefasst eine intrakulturelle Fremdheit erkennen, da es um die Konfrontation mit Menschen aus derselben Nation geht, jedoch bewirkt die kulturelle Kluft, dass man sich auch in seiner eigenen Heimat fremd fühlen kann. Im weiteren Verlauf des Romans kommt ein weiterer Aspekt der Fremdheit hinzu. Familie Reitsch wird vom ganzen Dorf ausgestoßen, da die Dorfbewohner sehr introvertiert gegenüber „Fremde“ reagieren.

„Mama streckte Frau Seelos die Hand entgegen. Die reagierte nicht. [...].»Wir sind die neuen Nachbarn.«. »Ja«, sagte die Frau, sonst nichts.“6

Selbst die Dorfkinder oder zumindest der größere Teil, weigern sich den älteren Sohn der Familie Reitsch mit in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Daneben wird er noch zum Außenseiter und Mobbingopfer.

„ [...] Chris stand breitbeinig da. Er musterte mich von oben bis unten, dann ging er auf mich zu und griff an meine Schultasche. Er zog meine Brotbüchse aus der Seitentasche, öffnete sie und holte eine Banane heraus. [...] »Toll.« Bei Oswald zu Hause kennt man Bananen.«“7

Jedoch lässt Hendrik sich nicht unterkriegen und versucht die Spielchen von Chris zu erwidern.

„[...]Als er dabei den Arm hob und seine Jacke nach oben rutschte, bemerkte ich, dass sein Hosenschlitz offen stand. Ich dachte an Fritz' Wunderwaffe. Man musste nehmen, was man bekam, und zurückschießen. »Toll«, sagte ich. »Aber bei dir zu Hause kennt man offenbar keinen Reißverschluss.«“8

Den entschiedensten Beitrag leistet das Haus, in welchem die Familie vorübergehend wohnt. Die geringe Miete sowie auch die Bedingungen, dass das Haus nicht renoviert werden darf, macht den Umzug der Familie einfacher.

„Möbelstück für Möbelstück wanderte vom Laster über die moosige Einfahrt und durch die Eingangstür aus dunkel gestrichenem Holz. Vieles an dem Haus war gestrichen: die Dachbalken, die Fensterrahmen, die Holzverkleidung und der Jägerzaun, der das ganze Grundstück zu zwei Dritteln umgab. Im Haus war es kühl, und obwohl es kein wirklich altes Haus war, roch es ein wenig modrig.“ 9 Hierin liegt ebenfalls eine Voraussetzung dafür, dass das Gefühl von Fremdheit hochkommt, da das Haus düster ist und sehr alt erscheint, obwohl es nicht so alt ist. Durch das Schlafwandeln des kleinen Sohnes schafft es die Familie nicht zur Ruhe zu kommen. Wohingegen ein Haus im Regelfall das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Heimat symbolisiert, lebt jedoch Familie Reitsch in dem Haus so, als wenn sie dort zu Gast wären.

[...]


1 Vgl. Riemhofer, Andrea: Interkulturelle Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Lesen auf eigene Gefahr, 2017, S. 19.

2 Staiger, Michael: Lost and Found. Bild-Wort Inszenierungen des Fremden im Werk Shaun Tans, in: Josting P./ Roeder C. (Hg.): „Das ist bestimmt was Kulturelles“. Eigenes und Fremdes am Beispiel von Kinder- und Jugendmedien, München 2013, S. 81.

3 Vgl. ebd., S. 82.

4 Büker P./ Kammler C.: Das Fremde und das Andere in der Kinder- und Jugendliteratur , in: Büker P./ Kammler C. (Hg.): „Das Fremde und das Andere“. Interpretationen und didaktische Analysen zeitgenössischer Kinder- und Jugenbücher, München 2003, S. 12-17.

5 Wildner, Martina: Das schaurige Haus, Weinheim 2013, S. 19.

6 Ebd., S. 25.

7 Ebd., S. 47.

8 Ebd.

9 Ebd., S. 5.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Motiv "Fremdheit" im Kinder- und Jugendroman "Das schaurige Haus" von Martina Wildner und ihr didaktisches Potential für den Literaturunterricht
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V542694
ISBN (eBook)
9783346154705
ISBN (Buch)
9783346154712
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fremdheit, haus, jugendroman, kinder-, literaturunterricht, martina, motiv, potential, wildner
Arbeit zitieren
Hüveyda Eken-Polat (Autor), 2019, Das Motiv "Fremdheit" im Kinder- und Jugendroman "Das schaurige Haus" von Martina Wildner und ihr didaktisches Potential für den Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542694

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