Das Thema der Arbeit umfasst den umfangreicheren Themenkomplex der Fremdheitserfahrungen. Hierbei liegt der Fokus auf einer Fragestellung, die sich aus der Analyse eines Interviews vom 21. Februar 2019 ergibt, welches im Hinblick auf Fremdheitserfahrungen im schulischen Kontext durchgeführt wurde. Der analytische Teil der Arbeit erläutert, unter Berücksichtigung des theoretischen Kontextes, die Beurteilung von Fremdheit. Daraus ergibt sich die Fragestellung: Wie wird Fremdheit dargestellt und konnotiert?
Die Relevanz der Auseinandersetzung mit Rassismuskritik ergibt sich grundlegend aus der zunehmenden Institutionalisierung des kritischen Diskurses über Rassismus in modernen Gesellschaften. Dabei stehen internationale Ausschüsse wie die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz und der UN-Ausschuss gegen Rassismus stellvertretend für die Bedeutsamkeit der Thematik in der heutigen Zeit. Diese institutionelle Verankerung von Rassismuskritik bedeutet im gleichen Maße auch, dass sich aus der bildungswissenschaftlichen Sicht eine hohe Relevanz der Thematik ergibt. Abgeleitet daraus, dass bildungswissenschaftliche Institutionen den sozialen Kontext der Gesellschaft stellvertretend abbilden, entspringt auch ihre Verantwortung für rassismuskritische Ansätze zur Kompensation von Rassismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematische Auseinandersetzung
3. Methodischer Zugang
3.1 ERHEBUNGSMETHODE
3.2 TRANSKRIPTION
3.3 AUSWERTUNGSMETHODE
4. Auswertung des Interviews
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen von Fremdheitserfahrungen im schulischen Kontext durch die Analyse eines episodischen Interviews mit einer Auszubildenden. Ziel ist es, durch die Verknüpfung von Interviewaussagen mit rassismuskritischen Theorien zu klären, wie Fremdheit dargestellt und konnotiert wird.
- Theoretische Grundlagen zu Rassismuskritik und Fremdheitskonstruktionen
- Methodik des episodischen Interviews und qualitative Inhaltsanalyse
- Einfluss gesellschaftlicher Machtverhältnisse auf die Wahrnehmung von Fremdheit
- Analyse von Alltagsrassismus und Differenzierungspraktiken
Auszug aus dem Buch
3.1 Erhebungsmethode
Um das Datenmaterial zu erheben wird die Methode des episodischen Interviews angewendet. Dies bedeutet, dass die interviewte Person ihr Wissen im narrativen Stil widergibt. Das Wissen der interviewten Person wird in zwei Kategorien unterteilt, zum einen in begrifflich-semantisches Wissen und zum anderen in narrativ-episodisches Wissen. Diese Wissenskategorien werden durch unterschiedliche Zugänge aktiviert, die Uwe Flick in der methodeninternen Triangulation verzahnt sieht. Das heißt, „[…] dass innerhalb einer qualitativen Methode verschiedene methodische Zugänge kombiniert werden.“ Im Falle des hier angewendeten episodischen Interviews zu der Thematik von Fremdheitserfahrungen im schulischen Kontext werden Fragen mit Erzählungen kombiniert, die entweder das semantische oder das episodische Gedächtnis aktivieren. Dabei werden verschiedene Wissenstypen abgerufen, die entweder in starker Abhängigkeit zum persönlichen Kontext stehen oder überwiegend von ihm unabhängig sind, und somit einen hohen Abstraktionsgrad aufweisen. Zwischen beiden Wissenstypen herrscht ein wechselseitiger Bezug, der darauf zurück zu führen ist, dass bestimmtes Regelwissen erst angeeignet werden kann, wenn zuvor gemachte Erfahrungen, die eigentlich kontextabhängig sind, generalisiert werden. Dies bedeutet im gleichen Maße auch, dass im kontextabhängigen episodischen Wissen „[…] das Normale, Regelhafte, Routinisierte und damit das über eine Vielzahl von Situationen und Erfahrungen hinweg Verallgemeinerte repräsentiert [ist], das dann im narrativen Wissen seine episodische Konkretisierung und Ausfüllung findet […]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Rassismuskritik in modernen Bildungsinstitutionen und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Darstellung und Konnotation von Fremdheit.
2. Thematische Auseinandersetzung: Hier werden theoretische Grundlagen zu Begriffen wie „Fremdheit“, „Normalität“, „Othering“ und „Macht-Wissens-Komplex“ von Autoren wie Mecheril, Foucault und Terkessidis dargelegt.
3. Methodischer Zugang: Dieses Kapitel beschreibt die Anwendung des episodischen Interviews, die Transkription des Materials sowie die verwendeten Analysetechniken der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
4. Auswertung des Interviews: In diesem Teil werden die Ergebnisse des Interviews im theoretischen Kontext analysiert, wobei besonders die Kriterien der Differenzierung und die Rolle des gesellschaftlichen Kontextes beleuchtet werden.
5. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Fremdheit ein konstruiertes Phänomen ist, das stark von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und dem Erlebniskontext abhängt.
Schlüsselwörter
Fremdheitserfahrungen, Rassismuskritik, episodisches Interview, Alltagsrassismus, Andere, Normalität, Identitätsentwürfe, Macht-Wissens-Komplex, Diskriminierung, Bildungswissenschaft, Othering, qualitative Inhaltsanalyse, soziale Interaktion, Differenzierung, Zugehörigkeitsordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert subjektive Erfahrungen von Fremdheit einer Person im schulischen Kontext und setzt diese in Bezug zu theoretischen Konzepten der Migrationspädagogik und Rassismuskritik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Konstruktion von Fremdheit, die Wirkung von Alltagsrassismus, hierarchische Strukturen an Schulen und die Rolle von gesellschaftlichen Normen bei der Wahrnehmung des „Anderen“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der zentralen Fragestellung nach: „Wie wird Fremdheit dargestellt und konnotiert?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des episodischen Interviews nach Uwe Flick angewendet, deren Ergebnisse mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Explikation, Strukturierung und Zusammenfassung) nach Mayring ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung durch einschlägige Literatur als auch die konkrete Analyse der Interviewaussagen im Hinblick auf Differenzierungskriterien und Machtverhältnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdheitserfahrungen, Rassismuskritik, Alltagsrassismus, Macht-Wissens-Komplex und Identitätsentwürfe.
Welche Rolle spielt die Schule im Kontext der Interviewanalyse?
Die Schule wird als ein Raum begriffen, in dem Machtverhältnisse – insbesondere zwischen Lehrkräften und Schülern – dazu führen können, dass Differenzierungen und Benachteiligungen rassistisch konnotiert werden.
Wie bewertet die befragte Person Fremdheit im Verlauf des Interviews?
Die Person nähert sich dem Thema zunächst neutral oder durch eigene Erlebnisse geprägt, wobei eine negative Konnotation von Fremdheit oft erst in konkreten sozialen Interaktionssituationen oder Machtkonstellationen entsteht.
Warum ist laut Autor die gesellschaftliche Perspektive so relevant?
Die Gesellschaft wird als einflussreichster Faktor gesehen, da sie den Raum bildet, in dem durch soziale Interaktion rassistische Denkmuster und Kategorisierungen entstehen und aufrechterhalten werden.
Welche Schwierigkeit bei der Datenerhebung wird im Fazit erwähnt?
Eine Herausforderung bestand darin, dass die befragte Person zum Zeitpunkt des Interviews nicht mehr im schulischen Umfeld agierte, was die Fokussierung auf den spezifischen Erlebniskontext Schule erschwerte.
- Citar trabajo
- Ekaterini Poulidou (Autor), 2019, Fremdheitserfahrungen im schulischen Kontext. Wie wird Fremdheit dargestellt und konnotiert?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593744