[...] Aufgrund der Komplexität des Standards IAS 19 und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Bilanz, ist dieser häufiger Kritik ausgesetzt. Diese zielt insbesondere auf die erschwerte Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen, bedingt durch diverse Wahlrechte, ab. So beinhaltet der Standard IAS 19 nicht nur Handlungsspielräume bei der Wahl statistischer Parameter, sondern auch Wahlrechte bei der Abbildung von versicherungsmathematischen Gewinnen und Verlusten. Diese Kritik aufgreifend, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, ob diese Wahlrechte auch bei internen Steuerungskonzepten Auswirkungen zeigen. Dabei soll aufgezeigt werden, welchen Einfluss die Vorschriften des IAS 19 auf das Konzept des Economic Value Added (EVA®)haben. Insbesondere soll dabei herausgearbeitet werden, wie sich die Vorgaben des IAS 19 bezüglich der Abbildungen von Pensionen im Jahresabschluss auch auf intern definierte Kennzahlen niederschlägt, und ob sich diese Vorgehensweise bei der Ermittlung des EVA als sinnvoll erweist. Zunächst wird dafür allgemein der Zusammenhang von interner Performancemessung mittels EVA und externe Rechnungslegung erläutert. Im dritten Kapitel wird anschließend die Bilanzierung von Pensionen nach IAS 19 beschrieben. Dabei wird ausführlich auf die Vorgaben des Standards eingegangen und diese mit Beispielen verdeutlicht. Im vierten Kapital wird die Verknüpfung der Bilanzierungsvorschriften zum EVA hergestellt. Dabei wird auf die verschiedenen Wahlrechte des Standards sowie deren Niederschlag in den Rechengrößen des EVA eingegangen. In diesem Zusammenhang wird zunächst allgemein die Einordnung von Pensionen in das Konzept des EVA erläutert, bevor spezielle die Auswirkungen der Bilan-zierungsvorschriften des IAS 19 beleuchtet werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Behandlung von Planvermögen und der Bilanzierung von versicherungsmathematischen Gewinnen und Verlusten. Bei der Behandlung von Planvermögen erfolgt eine getrennte Betrachtung der Auslagerung von operativen Vermögenswerten einerseits, und der Auslagerung von nichtoperativen Vermögenswerten andererseits. Insbesondere werden die Auswirkungen auf die zur Berechnung des Economic Value Added benötigten Größen NOPAT, capital und Kapitalkostensatz untersucht. Abschließend erfolgt im fünften Kapitel eine Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechnungslegung als Basis wertorientierter Kennzahlen
3. Die Bilanzierung von Pensionen nach IAS 19
3.1 Ausgestaltung von Pensionszusagen
3.2 Bilanzielle Abbildung von leistungsorientierten Zusagen
3.2.1 Wertansatz in der Bilanz
3.2.1.1 Barwert der leistungsorientierten Verpflichtung
3.2.1.2 Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste
3.2.1.3 Planvermögen nach IAS 19
3.2.2 Pensionsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung
4. Auswirkungen von IAS 19 auf den Economic Value Added
4.1 Allgemeine Einordnung von Pensionsverpflichtungen
4.2 Planvermögen im Konzept des EVA
4.2.1 Betriebsnotwendiges Vermögen als plan assets
4.2.1.1 Auswirkungen auf NOPAT und capital
4.2.1.2 Auswirkungen auf die Kapitalkosten
4.2.2 Nichtbetriebsnotwendiges Vermögen als plan assets
4.3 Auswirkung der Bilanzierung versicherungsmathematischer Gewinne und Verluste
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Bilanzierungsvorschriften nach IAS 19 auf das Konzept des Economic Value Added (EVA). Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, wie sich die verschiedenen Wahlrechte des Standards – insbesondere bei der Behandlung von Pensionsverpflichtungen und Planvermögen – auf interne Steuerungskennzahlen auswirken und ob diese Vorgehensweise bei der Ermittlung des EVA sinnvoll ist.
- Bilanzierung von leistungsorientierten Pensionszusagen nach IAS 19
- Verknüpfung der IFRS-Bilanzierungsvorschriften mit dem EVA-Konzept
- Analyse von Funding-Conversions zur bereinigten Ermittlung von NOPAT und capital
- Behandlung versicherungsmathematischer Gewinne und Verluste bei der Performancemessung
- Diskussion der Eigen- und Fremdkapitaleinordnung von Pensionsrückstellungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Barwert der leistungsorientierten Verpflichtung
Der Barwert der leistungsorientierten Verpflichtung (present value of defined benefit obligation, DBO) bildet den Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Saldos eines defined benefit plans. Dabei gilt es, den Barwert der zum Bilanzstichtag erdienten, den abgelaufenen Rechnungsperioden zuzuordnenden Pensionsansprüche zu ermitteln. Da es sich bei den Pensionszusagen um zukünftige Leistungen des Unternehmens handelt, gilt es eine Vielzahl einfließender Parameter zu schätzen. Welche Parameter in die Bewertung einfließen, hängt von der Ausgestaltung der Zusage ab. Ist die leistungsorientierte Pensionszusage an das letzte Gehalt des Arbeitnehmers gekoppelt, schreibt IAS 19.83-87 zwingend die Berücksichtigung zukünftiger Gehaltssteigerungen vor.
Daneben gilt es vor allem Inflation, Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen und Beförderungen mit einzubeziehen. Da jedoch nicht nur ökonomische Faktoren bei der Bewertung eine Rolle spielen, sind auch biometrische Bewertungsparameter zu berücksichtigen. Dies sind z.B. die Sterbewahrscheinlichkeit der abgesicherten Arbeitnehmer und die zukünftige Lebenserwartung sowie Rententrends (die Ermittlung erfolgt z.B. anhand der Richttafeln von Dr. Klaus Heubeck). Um diese angemessen zu berücksichtigen, schreibt IAS 19.63 die Anwendung versicherungsmathematischer Verfahren vor. Einzig zulässiges Verfahren nach IAS ist die, zu den Ansammlungsverfahren gehörende Methode der laufenden Einmalprämie (Projected Unit Credit Method). Dabei können die Versorgungsansprüche linear über die Dienstzeit verteilt werden, aber auch stärken den späteren (backloading) oder den früheren (frontloading) Dienstjahren zugerechnet werden.
Da es dem Unternehmen zumeist nicht möglich ist diese komplexe Vorgehensweise selbständig zu bewältigen, empfiehlt IAS 19.57 die Hinzuziehung eines anerkannten Versicherungsmathematikers, fordert dies jedoch nicht zwingend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der betrieblichen Altersversorgung und die Komplexität der Bilanzierung nach IAS 19 für kapitalmarktorientierte Unternehmen.
2. Rechnungslegung als Basis wertorientierter Kennzahlen: Dieses Kapitel stellt die theoretische Verbindung zwischen externem Rechnungswesen und wertorientierten Steuerungsgrößen wie dem EVA her.
3. Die Bilanzierung von Pensionen nach IAS 19: Hier werden die methodischen Anforderungen des IAS 19, insbesondere die Bewertung der DBO und die Behandlung von Planvermögen, detailliert beschrieben.
4. Auswirkungen von IAS 19 auf den Economic Value Added: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Verknüpfung der Bilanzierungsvorschriften mit den Rechengrößen des EVA und diskutiert Anpassungsbedarfe.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung der Ergebnisse und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Eignung der aktuellen IAS 19-Vorschriften für interne Steuerungskonzepte.
Schlüsselwörter
IAS 19, Economic Value Added, EVA, Pensionsverpflichtungen, DBO, Planvermögen, Projected Unit Credit Method, Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste, Korridoransatz, Funding Conversions, NOPAT, Kapitalkosten, Bilanzierung, Altersversorgung, Unternehmenssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der Rechnungslegungsvorschriften für Pensionsverpflichtungen nach IAS 19 auf wertorientierte Steuerungskonzepte, insbesondere auf den Economic Value Added (EVA).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Bilanzierung von leistungsorientierten Pensionszusagen, die Anwendung des EVA-Konzepts unter Berücksichtigung externer Rechnungslegungsdaten sowie die methodischen Herausforderungen bei der Auslagerung von Versorgungsverpflichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu erarbeiten, wie sich die spezifischen Wahlrechte und Bewertungsvorschriften des IAS 19 auf die interne Kennzahl EVA auswirken und ob diese Auswirkungen für eine zielgerichtete Unternehmenssteuerung sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Der Autor nutzt eine Kombination aus theoretischer Fundierung der Bilanzierungsvorschriften und einer beispielorientierten Analyse, die Auswirkungen auf die Komponenten NOPAT, capital und Kapitalkostensatz quantitativ verdeutlicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Bilanzierung von Pensionen nach IAS 19 sowie die Analyse der Verknüpfung dieser Daten mit dem EVA, inklusive der Behandlung von Planvermögen und versicherungsmathematischen Gewinnen/Verlusten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie IAS 19, Economic Value Added (EVA), Pensionsverpflichtungen, Planvermögen und Funding Conversions definieren.
Welchen Einfluss hat die Wahl des Zinssatzes auf die Pensionsverpflichtung?
Die Wahl des Rechnungszinses beeinflusst den Barwert der Verpflichtung (DBO) maßgeblich. Eine Senkung des Zinsniveaus führt zu einem Anstieg der DBO und kann, je nach gewählter Bilanzierungsmethode, zu erheblichen Ergebnisbelastungen führen.
Warum ist das Thema Contractual Trust Arrangement (CTA) für den EVA relevant?
Das CTA ermöglicht die Auslagerung von Vermögenswerten als Planvermögen. Dies erfordert im EVA-Konzept spezifische Anpassungen (Funding Conversions) des investierten Kapitals, da die operativen Vermögenswerte für die Leistungserstellung weiterhin relevant bleiben.
Warum erscheint eine erfolgsneutrale Erfassung von Gewinnen und Verlusten für den EVA vorteilhaft?
Die erfolgsneutrale Erfassung vermeidet Volatilität im NOPAT und ermöglicht eine stetigere Steuerung, da keine unerwarteten, starken Ergebnisänderungen durch versicherungsmathematische Effekte in die betriebliche Erfolgsgröße einfließen.
- Quote paper
- Jörg Brauckmann (Author), 2006, Berücksichtigung von Pensionszusagen in wertorientierten Kennzahlen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61252