Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Humorbegriff in E.T.A. Hoffmanns "Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern."
Dem Begriff „Humor“ in Hoffmanns Kater Murr wird sich auf zwei Weisen genähert, woraus sich die zwei Teile der Hausarbeit ergeben: Die theoretische Erarbeitung auf der Grundlage von Wolfgang Preisendanz‘ 1976 erschienener Arbeit "Humor als dichterische Einbildungskraft" ergibt den ersten und die konkrete Textarbeit am Kater Murr den zweiten Teil.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretische Grundlage
II.1. Solgers Humorbegriff
II.2. Humor bei E.T.A. Hoffmann
II.3. Hoffmann und Solger: Gemeinsamkeiten des Humorbegriffs
II.4. Der Humor in Abgrenzung zur Ironie
III. Textarbeit: Untersuchung des Humorbegriffs im Kater Murr
III.1. Der Humorbegriff einzelner Figuren
III.2. Der Humorbegriff des Erzählers
III.3. Humor und Ironie
IV. Schlußbemerkung
V. Literaturliste
VI. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Humors in E.T.A. Hoffmanns Roman Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern. Ziel ist es, eine Humordefinition zu erarbeiten, die spezifisch aus dem Werk abgeleitet ist und sie gegen das Verständnis von Ironie abzugrenzen, um zu klären, wie der Begriff innerhalb der Romanhandlung verwendet wird.
- Theoretische Fundierung des Humorbegriffs durch K.W.F. Solger und E.T.A. Hoffmann
- Unterscheidung zwischen Humor und Ironie als philosophische und ästhetische Kategorien
- Analyse des Humorbegriffs der Romanfiguren Kreisler, Rätin Benzon und Prinzessin Hedwiga
- Untersuchung des Humors als Bewältigungsstrategie der Duplizität
- Bedeutung der körperlichen Darstellung von Humor im Werk
Auszug aus dem Buch
III.1. Der Humorbegriff einzelner Figuren
Die erste Passage, die hier behandelt werden soll, ist zugleich auch die aussagekräftigste. Sie befindet sich im vierten Kreisler-Kapitel, in dem Kreisler ein Gespräch mit der Rätin Benzon führt und geklärt wird, wie es dazu kam, daß er sich nun in Sieghartshof aufhält. In dem Gespräch mit der Rätin Benzon gibt Kreisler eine Beschreibung von sich und dem ihm eigenen Humor:
In diesen Kreisen kreiselt sich der Kreisler, und wohl mag es sein, daß er oft, ermüdet von den Sprüngen des St. Veits-Tanzes, zu dem er gezwungen, rechtend mit der dunklen unerforschlichen Macht, die jene Kreise umschrieb, sich mehr als es einem Magen, der ohnedies nur schwächlicher Konstitution, zusagt, hinaussehnt ins Freie. Und der tiefe Schmerz dieser Sehnsucht mag nun eben wieder jene Ironie sein, die Sie Verehrte! so bitter tadeln, nicht beachtend, daß die kräftige Mutter einen Sohn gebar, der in das Leben eintritt wie ein gebietender König. Ich meine den Humor, der nichts gemein hat mit seinem ungeratenen Stiefbruder, dem Spott!“ – „Ja“, sprach die Rätin, „ebendieser Humor, dieser Wechselbalg einer ausschweifenden grillenhaften Fantasie ohne Gestalt, ohne Farbe, von dem ihr harten Männerseelen selbst nicht wißt, für wen ihr ihn ausgeben sollt nach Stand und Würden, ebendieser ist es, den ihr uns gern als etwas Großes, Herrliches unterschieben möchtet, wenn ihr alles, was uns lieb und wert, in bittern Hohn zu vernichten trachtet, -
Das Besondere an dieser Passage ist, daß Kreisler nicht nur seinen Humor beschreibt, sondern ihn gleichzeitig auch lebt. Wenn er in der vierten zitierten Zeile auf seinen Magen zu sprechen kommt, muß der Leser davon ausgehen, daß es sich nicht um einen ernsthaften Beitrag handeln kann. Ein weiterer Hinweis dafür, daß der Humor hier nicht nur inhaltlich sondern auch formal beschrieben wird, ist auch die Tatsache, daß Kreisler von sich in der dritten Person spricht, und dieser Abstand zu sich selbst, den man bildet um sich zu betrachten, ist ein charakteristisches Moment des Humors.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Untersuchungsziel und die theoretische Ausgangslage, basierend vor allem auf den Arbeiten von Wolfgang Preisendanz.
II. Theoretische Grundlage: Dieses Kapitel erarbeitet die philosophischen Voraussetzungen des Humorbegriffs bei Solger und Hoffmann sowie dessen Abgrenzung zur Ironie.
III. Textarbeit: Untersuchung des Humorbegriffs im Kater Murr: Der Hauptteil untersucht die konkreten Textstellen im Roman, in denen Humor explizit thematisiert wird, und analysiert die Perspektiven verschiedener Figuren.
IV. Schlußbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass der Humorbegriff im Kater Murr zwar anwendbar ist, aber eng mit dem Gesamtwerk Hoffmanns verknüpft bleibt.
V. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
VI. Anhang: Detaillierte Übersicht der Kapitelstruktur des Romans.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, Kater Murr, Humor, Ironie, Phantasie, Duplizität, Johannes Kreisler, Solger, Romantik, Poetischer Realismus, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Gefühl, Intellekt, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Humorbegriff von E.T.A. Hoffmann unter besonderer Berücksichtigung seines Romans "Kater Murr".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die philosophische Herleitung des Humors bei Solger und Hoffmann, der Dualismus von innerer und äußerer Welt sowie die Unterscheidung zwischen Humor und Ironie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Verfasserin?
Das Ziel ist eine präzise Humordefinition, die ausschließlich aus Hoffmanns Roman "Kater Murr" hervorgeht, um den Begriff vom verbreiteten, aber oft ungenauen Ironiebegriff abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die theoretische Grundlagen (insbes. Preisendanz) mit einer konkreten werkimmanenten Untersuchung vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert explizite Humor-Passagen im Roman, speziell die Äußerungen der Figuren Kreisler, Rätin Benzon und Prinzessin Hedwiga sowie Erzählerkommentare.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Kater Murr, Humor, Ironie, Duplizität, Phantasie und Johannes Kreisler.
Warum spielt der Begriff der Duplizität eine so zentrale Rolle?
Die Duplizität, also das Zusammentreffen von innerer und äußerer Welt, ist für Hoffmann die notwendige Voraussetzung, damit Humor überhaupt als vermittelnde Kraft entstehen kann.
Wie unterscheidet sich das Humorverständnis von Kreisler und der Rätin Benzon?
Während Kreisler den Humor als Mittel zur versöhnenden Erkenntnis der Duplizität begreift, betrachtet die Rätin Benzon ihn rein negativ als Mittel zur destruktiven Verhöhnung ihrer konventionellen Werte.
- Quote paper
- Magistra Artium Verena Linde (Author), 2000, Über den Humorbegriff in E.T.A. Hoffmanns 'Kater Murr', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62181