In dieser Arbeit, die den Taylorismus als Managementlehre behandelt, soll die folgende Fragestellung behandelt werden: Inwiefern werden Vorgaben von Krankenhausorganisationen durch das Personal beachtet oder missachtet, um die anfallenden Arbeiten in problematischen Situationen in einem Krankenhaus hinreichend zu bewältigen?
Die These, die durch die folgende Analyse bestätigt oder gegebenenfalls widerlegt wird, lautet: Das Krankenhauspersonal ist durch die Entstehung von Informalität dazu in der Lage, die anfallenden Arbeiten eines Krankenhausalltags in problematischen Situationen zu erledigen.
Um die Informalität in Krankenhausorganisationen darzustellen, wird anfangs der Begriff der wissenschaftlichen Betriebsführung erklärt. Der Taylorismus dient als Beispiel dafür, die grundlegenden Prinzipien der Managementlehren und ihren Zweck zur Optimierung von Handlungsabläufen zu verdeutlichen. Folgend sollen die Begriffe der brauchbaren Illegalität und Informalität dargestellt werden. Der Begriff der Formalisierung wird zusätzlich als Abgrenzungshilfe zu Informalität und brauchbarer Illegalität erläutert. Zum Schluss werden diese Begriffe auf den Krankenhausalltag übertragen, um den Umgang Personals mit den Anforderungen an ihre Arbeit zu erklären und den Zusammenhang mit der Informalität zu verdeutlichen. Um den Zustand in den Krankenhausorganisationen beschreiben zu können, wird ein Beitrag, der neun Krankenhäuser in Nordostdeutschland untersucht, verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wissenschaftliche Betriebsführung nach Taylor
3 Formalität, Informalität und brauchbare Illegalität
4 Informalität in Krankenhausorganisationen
5 Fazit
6 Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Krankenhauspersonal auf den zunehmenden wirtschaftlichen Druck und daraus resultierende Problemsituationen reagiert. Dabei wird analysiert, inwieweit formale Vorgaben bewusst umgangen werden, um den Arbeitsalltag durch informelle Strukturen oder gar brauchbare Illegalität effizient zu bewältigen und die Patientenversorgung sicherzustellen.
- Taylorismus als Grundlage moderner Managementlehren
- Differenzierung zwischen Formalität, Informalität und brauchbarer Illegalität
- Analyse von Problemsituationen im Krankenhausalltag (z.B. Fachkräftemangel)
- Die Rolle informeller Initiativen zur Arbeitsentlastung
- Konflikt zwischen ökonomischer Effizienz und pflegerischer Versorgungsqualität
Auszug aus dem Buch
3.3. Brauchbare Illegalität
Illegale Handlungen beschreiben solche, die den informellen Handlungen ähnlich sind. Auch sie sind nicht durch Formalstrukturen abgesichert, darüber hinaus verletzen sie diese aber auch, wie Kühl nach Luhmann (1964, S.304) beschreibt (Vgl. Kühl 2007, S.273). Illegale Handlungen gehen also noch einen Schritt weiter, als informelle Handlungen.
So Tacke: „Angesprochen ist damit der besondere Fall einer „Unvermeidbarkeit nichtlegitimierbaren Handelns“ (ebd. [Luhmann 1964],S.305), der darauf beruht, dass in jeder einigermaßen komplexen Organisation Situationen entstehen, in denen Schwierigkeiten im Umgang mit Erwartungskonstellationen zu Verhalten führen, das zwar Probleme des Systems löst, die Lösung aber im faktischen Widerspruch zu dessen formalen Erwartungen steht.“ (Tacke 2015, S.65).
Die Mitglieder handeln also weiterhin der Zielorientierung der Organisation entsprechend. „Anders als bei Informalität müssten Vorgesetzte oder Kontrollinstanzen einschreiten und das verantwortliche Mitglied sanktionieren“ (Kühl 2007, S.273). So beschreibt Stefan Kühl in einem Beitrag einen weiteren Unterschied zur Informalität.
Kühl verweist erneut auf Luhmann (1964, S.305), wenn er brauchbare Illegalität als Merkmal für die hohe Anpassungsfähigkeit der Organisationen und als Reaktionen auf widersprüchliche Anforderungen bezeichnet (Vgl. Kühl 2007, S.273). „Organisationen müssen […] ein gewisses Maß an Normabweichungen akzeptieren“ (Kühl 2007, S.273). Dies wird auch als „Strecken problematischer Legalität“ (Tacke 2015, S.62) bezeichnet, wie Tacke es in ihrer Ausführung unter Zitation Luhmann´s (1964,S.304 ff.) darlegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Personalmangel und Zeitdruck in Krankenhäusern und führt die zentrale Fragestellung zur Rolle von Informalität bei der Bewältigung von Problemen ein.
2 Wissenschaftliche Betriebsführung nach Taylor: Dieses Kapitel erläutert die Prinzipien des Taylorismus als Managementlehre zur Prozessoptimierung und Standardisierung.
3 Formalität, Informalität und brauchbare Illegalität: Hier werden die theoretischen Begrifflichkeiten basierend auf Niklas Luhmann definiert, um das Spannungsfeld zwischen formalen Regeln und notwendigen Abweichungen zu klären.
4 Informalität in Krankenhausorganisationen: Der Hauptteil überträgt die theoretischen Konzepte auf den Krankenhausalltag und analysiert konkrete Beispiele wie Waschtrupps oder das sogenannte Upcoding.
5 Fazit: Das Fazit bestätigt die These, dass informelle Handlungen und brauchbare Illegalität für das System Krankenhaus notwendig sind, um Zielkonflikte zwischen Wirtschaftlichkeit und Patientenwohl zu lösen.
6 Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen für die vorliegende Arbeit.
Schlüsselwörter
Organisationssoziologie, Taylorismus, Wissenschaftliche Betriebsführung, Krankenhausmanagement, Formalität, Informalität, Brauchbare Illegalität, Niklas Luhmann, Personalmangel, Arbeitsverdichtung, Zweck-Mittel-Tausch, Normabweichung, Organisationsziele, Gesundheitswesen, Systemtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen formalen Organisationsvorgaben und der tatsächlichen Praxis in Krankenhausorganisationen unter dem Einfluss von Personalmangel und wirtschaftlichem Druck.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die klassische Managementlehre, organisationssoziologische Begriffe wie Informalität und brauchbare Illegalität sowie deren Anwendung in der medizinischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu belegen, dass Krankenhauspersonal informelle und teils regelwidrige Strategien nutzt, um trotz Problemlagen wie Überlastung die anfallenden Arbeiten erfolgreich zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Ausarbeitung, die auf systemtheoretischen Ansätzen (insb. Luhmann) basiert und eine Analyse bestehender Fallstudien zu Krankenhausorganisationen durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Begriffe und eine detaillierte Übertragung auf den Klinikalltag, wobei spezifische Probleme wie Medikamentenvergabe oder Patientenbetreuung diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Organisationssoziologie, Formalität, Informalität, brauchbare Illegalität, Taylorismus und die Krankenhausorganisation als spezifisches Arbeitsfeld.
Was genau ist mit „brauchbarer Illegalität“ in einem Krankenhaus gemeint?
Damit sind Handlungen gemeint, die zwar gegen formale Vorschriften verstoßen (z.B. Medikamentengabe ohne ärztliche Anordnung), jedoch zur Lösung eines akuten Problems beitragen und somit den Zielvorgaben der Organisation im Sinne der Patientenversorgung dienen.
Warum bilden sich in Krankenhäusern überhaupt informelle Strukturen?
Diese Strukturen bilden sich als notwendige Reaktion auf eine hohe Arbeitsverdichtung, Personalknappheit und die Unmöglichkeit, komplexe klinische Anforderungen ausschließlich durch strikte, formale Regeln zu erfüllen.
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- Theresa G. (Autor), 2020, Informalität in Krankenhausorganisationen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703996