Empathie im Religionsunterricht mithilfe des WITH-Modells


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition Empathie

3. Das WITH Modell

4. Empathischer Religionsunterricht

5. Fazit

6. Quellenangaben

7. Personliche Reflektion des Seminars

l.Einleitung

Die Welt dreht sich schneller als jemals zuvor. So schnell, dass wir den Uberblick verlieren. Uns stehen alle Turen often und wir haben mehr Optionen als wir uns ertraumen konnen. Schneller, hoher, weiter. Besser, grower, schoner. In Zeiten von Jch-AG", „Ellbogen-Gesellschaft" und dem gesellschaftlichen Druck sich sowohl beruflich als auch privat, gegen alle anderen ohne Rucksicht auf Verluste, zu beweisen und erfolgreich zu sein, stellt sich die Frage ob es uberhaupt wichtig ist, Empathie fur andere zu empfinden. „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist alien geholfen" heiftt ein bekanntes Sprichwort. Aber stimmt das wirklich?

„lch habe mich getrennt, weil Er/Sie mich einfach nicht versteht", „Wir haben den Kontakt abgebrochen, weil er/sie sich einfach nicht in mich hineinversetzen kann" sind Satze, die ich mehrmals wochentlich von Freunden, Arbeitskollegen und Familie hore. In ihnen zeigt sich ganz klar der Wunsch und das tiefe Bedurfnis der Menschen sich verstanden zu fuhlen, in ihrer Gesamtheit wahrgenommen und geliebt zu werden.

Menschen, die sich nicht in andere Menschen hineinversetzen konnen, die Gefuhlslage anderer nicht oder schlecht einschatzen konnen und folglich auch im Handeln nicht berucksichtigen gelten umgangssprachlich als „empathielos". Sie werden haufig gemieden und haben esoftschwerzwischenmenschliche Beziehungen aufrecht zu erhalten. Doch wer tragt Schuld an der mangelnden Empathie? Ist sie angeboren oder erlernt?

„Mit einem Wisch ist alles weg!" ist eben nicht mehr nur der Werbeslogan fur eine Kuchenrolle sondern auch fur viele zwischenmenschliche Beziehungen. Ein Swipe zur Seite und ein neues Gesicht erscheint auf dem Bildschirm. Dank vieler Apps und dem Internet konnen wir Menschen kennenlernen, aber auch schneller ersetzen als wir uberhaupt gucken konnen. Wir sind nicht mehr gezwungen uns mit Problemen und Sorgen einer anderen Person auseinanderzusetzen, denn irgendwo da drauften ein paar Klicks entfernt wartet schon die nachste Person, mit der man oberflachlich eine gute Zeit verbringen kann. Wir stumpfen ab.

Diese Arbeit schafft es leider nicht weiteren moglichen Grunden fur mangelnde Empathie oder der Schuldfrage auf den Grund zu gehen.

Vielmehr versucht diese Arbeit ihren Beitrag zu leisten, indem sie Lehrern und Lehrerinnen aufzeigt, wie sie Schuler und Schulerinnen darin unterstutzen konnen Empathie auszubilden. Mit Empathie verbindet sich die Einsicht, dass Menschen in respektvoller Art und Weise voneinander lernen konnen und eroffnet die Chance des prosozialen, interaktiven oder interreligiosen Lernens. Langfristig fCihrt diese Einsicht bestenfalls zu einer gesellschaftlichen Veranderung. Weg von einer egozentrierten, schnelllebigen Gesellschaft, in der man sich selbst am nachsten steht, hin zu einer Gesellschaft, in der man sich akzeptiert, wertschatzt, fureinander da ist, in guten wie in schlechten Zeiten, und in der man aufeinander Acht gibt. Denn wenn das eintritt, sind wir alle Gewinner.

In einem ersten Schritt wird also der Begriff „Empathie" definiert, bevor in einem nachsten Schritt das WITH-Modell dargestellt und erklart wird, bevor es in einem nachsten Schritt auf den empathischen Religionsunterricht angepasst wird. Neben einem Fazit folgt eine personliche Reflektion des Seminars.

2. Begriffsdefinition Empathie

Bedeutungsgeschichte" (Stettberger, 2012, S.8), die bereits im antiken Griechenland beginnt. Maximos von Tyros beschreibt die Menschen bereits urn 125 n. Chr als „empfindend und sterblich" wahrend er im Vergleich dazu Gott, der „empfindungslos und unsterblich" (ebenda., S.9) und die Damonen, die als „unsterblich und empfindend" (ebenda.) charakterisiert.

Das Altgriechische Wort £UTTa0£ia setzt sich aus dem Morphem „TTa9" (Empfinden, Leiden) und dem Prafix „£u" (in bzw. hinein) zusammen. Jedoch findet man bei genauer Betrachtung antiker Quellen keine Bedeutungsvariante des Morphems euttoG- , die der heutigen entspricht.

Urn den Begriff „Empathie" in seiner heutigen Bedeutung „im Sinne des Hineinleidens bzw. des Sich-Hineinversetzens in eine andere Person" mit alien Facetten verstehen und deuten zu konnen, muss man neben einer etymologischen und morphologischen Analyse, ebenfalls eine deskriptive Analyse durchfuhren (Stettberger, 2012, S.10). Der Grund dafur liegt darin, dass Empathie ein komplexes dynamisches Phanomen ist, da es neben „emotionalen", auch „kognitive", „sensitiv-sensorische" und „handlungsorientiere Aspekte" enthalt (Stettberger, 2012, S.192). Bekannte Erscheinungsformen wie „Mitgefiihl" oder „Mitleid" sind nicht gleichzusetzen mit der Empathie, sondern stellen „Teilphanomene" des Gesamtkonzeptes „Empathie" dar (Stetteberger, 2012, S.192). Auch das mitfiihlen von Freude, Trauer, Wut, quasi das komplette Gefuhlsspektrum sind Teil der Empathie. Grundlage der Empathie ist laut Goleman (Vgl. Goleman, 1997, S.127) in erster Linie die Selbstwahrnehmung - je offener eine Person mit den eigenen Gefuhlen ist, desto besser kann sie auch die Gefuhleandererdeuten.

Verschiedene Faktoren (exogen + endogen) beeinflussen die Intensitat empathischer Interaktionen.

3. Das WITH Modell

In der Empathieforschung gibt es seit 1970 zahlreiche Modelle, die zum Ziel haben „bestimmte Aspekte und Ablaufe" von Empathie zu veranschaulichen (Stettberger, 2012, 192), auf „wesentliche Komponenten empathischer Interaktion aufmerksam zu machen und relevante, miteinander verknupfte empathische Ablaufe aufzuzeigen" (ebenda. S.193). Im Bezug auf das Schulfach „katholische Religion" ist besonders die Anwendbarkeit eines Modells im Religionsunterricht entscheidend. Urn den Kriterien der bibeldidaktischen- und religionsdidaktischen Praxis zu entsprechen muss es laut Stettberger (2012, S.193) „reprasentativ, uberschaubar, stringent und erweiterungsfahig" sein.

Ein Modell, das in diesem Kontext besonders hervorzuhaben ist, ist das WITH Modell. Die englische Proposition „WITH" stellt die Abkurzung fur die folgenden vier Aktivierungsschritte des Modells dar. Wahrnehmung, Imitation, Teil-ldentifikation und Handlung. Ubersetzt man die Proposition ins Deutsche so erhalt man das Prafix „mit-„. Treffender konnte diese Abkurzung in jedem Fall nicht sein, denn bei WITH Modell steht vor alien Dingen eines im Vordergrund: Das „MIT-einander Sehen, Fuhlen, Denken, Handeln" (Stettberger, 2012, S.194).

Mithilfe des englischen Wortes „WITH" lassen sich die logisch, aufeinander aufbauenden Phasen des Modells leicht einpragen.

Wahrnehmung: Stettberger (2012) betont, dass Empathie mit der „Wahrnehmung von Mitmenschen" (ebd., S.194) beginnt. Das heilit die Menschen ganzheitlich und vor ihren jeweiligen Hintergrunden wahrzunehmen. Voraussetzung dafur ist, dass verbale und nonverbale Signale zugeordnet und interpretiert werden konnen. Diese verbalen und nonverbalen Signale z.B. Mimik, Gestik, Klang der Stimme, Grundemotionen, Uberraschung oder Verachtung, Formen von Anspannung unterliegen bei der Interpretation und Deutung immer der subjektiven Wahrnehmung.

Imitation: Laut Stettberger (Vgl. ebd.) wird ein tieferes emotionales und kognitives Verstandnis erst durch die Imitationserfahrung moglich. Menschen spiegeln Gestik und Mimik anderer, sobald bestimmte Areale im Nervensystem aktiviert werden. Diese Spiegelung von Emotionen und Handlungen fCihrt z.B zu ansteckenden Gefuhlen, der Erwiderung eines Lachelns oderauch zu geteiltem Schmerzempfinden. Je nach Erfolg oder Ahnlichkeit zum Betrachter, kann ein Mensch nun zum Modell, zum Vorbild werden. Stettberger (2012, S.194) hebt hervor: „Diese empathische Bewusstseins- oder Verarbeitungsebene eroffnet Chancen auf eine gelingende Perspektiven- induktion und einen Rollenwechsel, so dass sich eine Teil-identifikation ergibt."

Teil-ldentifikation: Infolge dieser Imitation findet eine intensivere Auseinander-setzung mit dem Mitmenschen statt, wodurch sich neben Sorgen und Noten, auch Momente der Hoffnung und des Glucksgefuhls mit Hinblick sowohl auf die aktuelle Situation sowie auf die gesamte Lebensbiographie besser nachempfinden lassen (Vgl. Stettberger, 2012, S.194). Man identifiziert sich sozusagen ein Stuck weit mit dem anderen. Diese Identifikation ist allerdings nur in Ansatzen und nie im Gesamten moglich, weswegen man von einer „Teil-ldentifikation" spricht. Je mehr man sich mit einer Person identifizieren kann, desto eher kann man Gedanken und Gefuhle dieser Person nachvollziehen - man fiihlt MIT und denkt MIT.

Handlunq: Als Ergebnis und Prozess wird beim WITH Modell die Handlung, die eine ubergreifende Position als wahrnehmbare Komponente einnimmt, in den Blick genommen. Unterschieden wird dabei zwischen konstruktiver (Wahrnehmen), prozeduraler (innerhalb des Prozesses - Imitation) und finaler (Reaktion - Teil-ldentifikation) Handlung. Die Handlung ist von den drei vorangehenden Phasen abhangig und orientiert sich an den Bedurfnissen der Mitmenschen. Diese Komponente soil nicht nur kurzfristige Anderungen im Verhalten, der Haltung und im Handeln hervorbringen, sondern langfristige und nachhaltige (Vgl. Stettberger, 2012, S.195).

Das WITH Modell orientiert sich unter anderem am ..organizational model" von Mark H. Davis (1994) 1, welches ebenfalls vier Stufen beinhaltet. Wie schon das WITH Modell, ist auch das Modell von Davis ..ausbaufahig" und ..erweiterbar" (Stettberger, 2012, S.196). Der Unterschied besteht darin, dass das WITH Modell aktuelles Wissen der neurobiologischen Empathieforschung miteinbezieht. Sowohl bei der Wahrnehmung, als auch bei der Handlung werden neuronale Verarbeitungs-musteraktiviert, welche analog zueinander ablaufen (Vgl. ebd.).

Am ehesten zu vergleichen ist das WITH Modell mit dem vierschrittigen Prozessmodell von Schwartz (1977), welches allerdings nur die mentalen Entscheidungsschritte im Hinblick auf das prosoziale Handeln einer Person mit Hinblick auf die Notlage einer anderen Person, zeigt.

Der Unterschied beider Modelle besteht darin, dass das WITH Modell Empathie mit all seinen Facetten darstellt und fordert (z.B. „lch freue mich fur dich, weil es dir gut geht" „lch bin traurig, weil du traurig bist" „lch bin aufgeregt, weil ich wie wie wichtig diese Prufung fur dich ist") und das Modell von Schwartz nur den Aspekt des ..Mitgefuhls" Oder ..Mitleidens" mit Personen in einer Notlage skizziert.

Dennoch wird dieses Modell von Schwartz im Religionsunterricht gerne verwendet, da es Schulern und Schulerinnen erleichtert mogliche Gedanken und subjektive Argumente verschiedener biblischer Figuren nachzuvollziehen, Erklarungsversionen fur prosoziales Handeln liefert, und so einen perfekten Einstieg in das Verstehen und Erlernen von Empathie bietet.

4. Empathischer Religionsunterricht

Der Religionsunterricht birgt ein enormes Potential urn Empathie ganzheitlich und in hohem Mafte zu fordern.

[...]


1 Im Zuge dieser Ausarbeitung wird darauf verzichtet die Modelle von Schwartz und Davis darzustellen, da dies den Rahmen sprengen wiirde. Bei Interesse findet man eine Darstellung dieser Modelle aber im Buch „Empathische Bibeldidaktik" von Herbert Stettberger (2012, S.196ff.)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Empathie im Religionsunterricht mithilfe des WITH-Modells
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Institut für Theologie und Psychologie)
Veranstaltung
Empathische Religionsdidaktik
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V704514
ISBN (eBook)
9783346177513
ISBN (Buch)
9783346177520
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionsdidaktik, didaktik, empathie, religion, WITH, Religionsunterricht, katholisch, Konfession, Schule
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Empathie im Religionsunterricht mithilfe des WITH-Modells, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704514

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