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Aspekte der Ars Moriendi in Henrik Ibsens "Peer Gynt"

Title: Aspekte der Ars Moriendi in Henrik Ibsens "Peer Gynt"

Seminar Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Katharina Milde (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Geprägt durch vor allem große Pestepidemien, Hungersnöte und Kriege, erlebt Europa im 7. Jahrhundert eine drastische Minderung der Bevölkerung. Ein Drittel der Bevölkerung findet durch eben diese Ereignisse den grausamen Tod. Die politische Einheit Europas findet ein jähes Ende, und erst im 12. Jahrhundert können die Menschen sich in Sicherheit wiegen. Doch bereits im 14. Jahrhundert folgen erneut die Pest, sowie Hungersnöte, Judenpogrome und der Hundertährige Krieg. Hinrichtungen oder die Verbrennung von Hexen und die Hetze gegen die Juden standen fortan an der Tagesordnung.* Gerade aus diesen Sachverhalten entsteht zu Beginn der frühen Neuzeit im 15. Jahrhundert eine Literaturgattung , die als Ars moriendi bezeichnet wird. Sie zeigt sich vor allem in Sterbebüchern und Erbauungsheften. Das herrschende Lebensgefühl und die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit werden darin deutlich gemacht. Was genau Gegenstand der Ars moriendi ist, soll hier untersucht werden. Wie genau gestaltete sich der Umgang der Menschen mit dem Tod im Mittelalter? Zentrale Frage soll aber des Weiteren sein, ob und welche Wirkung die Ars moriendi noch bis in die frühe Neuzeit und Moderne gehabt hat. Untersucht und deutlich gemacht werden soll dies an einem literarischen Beispiel, an Henrik Ibsens Peer Gynt. Inwieweit existieren hier Aspekte der Ars moriendi? [* Vgl. Arno Borst, Tod im Mittelalter, S. 395ff]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ars moriendi

2.a Der Tod im Mittelalter

2.b Gegenstand der Ars moriendi

3. Henrik Ibsens Peer Gynt

3.a Kurze Zusammenfassung von Peer Gynt

3.b Aspekte der Ars moriendi in Henrik Ibsens Peer Gynt

(1) Ein Leben im rechten Glauben

(2) Sinnvoll gelebtes Leben?

(3) Der Teufel

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz der literarischen Gattung der „Ars moriendi“ (Sterbekunst) für die moderne Literatur, exemplifiziert am Versdrama „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen. Dabei wird erforscht, inwieweit zentrale Motive der Sterbekunst – wie der rechte Glaube, das sinnvoll gelebte Leben und die Versuchungen durch den Teufel – im Handlungsverlauf und in der Charakterentwicklung des Protagonisten Peer Gynt verankert sind und welche Bedeutung der Beistand im Sterbeprozess für das Individuum hat.

  • Historische Auffassung des Todes und Sterbens im Mittelalter
  • Strukturelle und inhaltliche Analyse der Literaturgattung Ars moriendi
  • Thematisierung christlicher Werte und Nächstenliebe in Peer Gynt
  • Die Figur des Peer Gynt im Spannungsfeld von Lebenslüge und Reue
  • Die Rolle des Teufels und des Knopfgießers als moralische Instanzen

Auszug aus dem Buch

Gegenstand der Ars moriendi

Gegenstand der Ars moriendi ist die Kunst des Sterbens. Sie beschreibt eine Literaturgattung, die sich zu Beginn der frühen Neuzeit aus oben genanten Gründen entwickelt hat. Mit der Ars moriendi sollte erreicht werden, dass die betroffenen Menschen alles daran setzten, ihr eigenes Seelenheil in letzter Minute doch noch zu erreichen. Der Sterbestunde kam im Mittelalter eine viel höhere Bedeutung zu als es in der Gegenwart der Fall ist. Was das persönliche Seelenheil betrifft, so glaubten die Menschen früher noch daran, dass sie es auch in der allerletzten Minute noch retten konnten und in der Sterbestunde zu entscheiden vermochten. Es bestand noch immer der feste Glaube, dass der Teufel die Seelen von denjenigen holen kommt, die nicht gottgefällig gelebt haben oder ihr Leben nicht nach Gottes Regeln gestaltet haben. Voraussetzung für ein gutes Sterben ist also ein Leben im rechten Glauben.

Zur Form der Ars moriendi ist zu sagen, dass sie meist nicht mehr als 24 Seiten Umfang hatte, die aus einer Einleitung bestand, die sich meist nicht über mehr als zwei Seiten erstreckte; sowie Illustrationen mit dazugehörigen Texten, die in erläuternder Funktion auftraten. Das Wichtigste hierbei waren allerdings nicht die Texte, sondern die Illustrationen, da im Mittelalter sowieso nur wenige Menschen des Lesens mächtig waren und durch die Bilder mehr Menschen erreicht wurden. Inhaltlich zeigt sich in der Literaturgattung der Ars moriendi zumeist ein Disput zwischen Teufel und Engel, den am Ende aber natürlich stets der Engel für sich gewinnen kann. Schließlich sollte die Ars moriendi eine aufbauende Wirkung haben und nicht demoralisieren. Zudem wollte sie vor allem allen Menschen helfen, auch den Schwachen, die nicht lesen konnten und somit auf die Illustrationen angewiesen waren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel skizziert den historischen Kontext von Pestepidemien und gesellschaftlichen Krisen, aus denen sich die Gattung der Ars moriendi entwickelte, und stellt die Forschungsfrage bezüglich ihrer Präsenz in Henrik Ibsens Peer Gynt.

2 Die Ars moriendi: Hier werden der alltägliche Umgang mit dem Tod im Mittelalter sowie die inhaltliche und funktionale Ausgestaltung der Sterbeliteratur, insbesondere der Disput zwischen Engel und Teufel um die Seele des Sterbenden, analysiert.

3. Henrik Ibsens Peer Gynt: Dieses umfangreiche Kapitel fasst das Drama zusammen und untersucht detailliert die drei Aspekte: „Ein Leben im rechten Glauben“, „Sinnvoll gelebtes Leben?“ sowie „Der Teufel“ im Hinblick auf ihre Verbindung zur mittelalterlichen Sterbekunst.

4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Ars moriendi zwar nicht mehr direkt im Vordergrund steht, aber ihre Kernaspekte wie Nächstenliebe und die Frage nach einem sinnerfüllten Leben auch in der Moderne von hoher Bedeutung für die Begleitung Sterbender sind.

Schlüsselwörter

Ars moriendi, Sterbekunst, Henrik Ibsen, Peer Gynt, Tod im Mittelalter, Seelenheil, Nächstenliebe, christlicher Glaube, Sterbebeistand, Knopfgießer, Reue, Lebenslüge, Identität, Teufelsdarstellung, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern die mittelalterliche Sterbeliteratur (Ars moriendi) als Analysemodell für das Verständnis von Henrik Ibsens Drama Peer Gynt dienen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind das Sterben im Mittelalter, die christliche Lebensführung, die Bedeutung von Nächstenliebe und die Auseinandersetzung des Individuums mit den Konsequenzen eines nicht gelebten, authentischen Lebens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Verbindung zwischen der historischen „Kunst des Sterbens“ und der modernen literarischen Figur des Peer Gynt aufzuzeigen, um die zeitlose Relevanz des menschlichen Beistands im Sterbeprozess hervorzuheben.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Dramas mit fachliterarischen Quellen zum historischen Kontext von Tod und Sterben im Mittelalter in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Ars moriendi, eine Zusammenfassung des Dramas und eine tiefgehende Untersuchung von Aspekten wie Glauben, Lebenssinn und der Teufelsthematik in Peer Gynt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ars moriendi, Sterbekunst, Seelenheil, Nächstenliebe, Reue, Knopfgießer und Identität bestimmt.

Welche Rolle spielt die Figur der Solveig für Peer Gynt?

Solveig fungiert als Repräsentantin christlicher Nächstenliebe und als Gegenentwurf zur moralischen Verlorenheit Peers, der ihn letztlich durch Glauben und Liebe rettet.

Inwiefern unterscheidet sich der „Knopfgießer“ vom Teufel der Ars moriendi?

Während der Teufel in der klassischen Ars moriendi die Seele aktiv rauben will, agiert der Knopfgießer eher als Handlanger und moralische Instanz, die Peer Gynt mit seinem Scheitern konfrontiert, eine echte Identität zu bilden.

Welche Bedeutung kommt der „Reue“ in der Untersuchung zu?

Die Reue wird als entscheidender, aus der Ars moriendi überlieferter Mechanismus dargestellt, der es dem Menschen ermöglicht, selbst in der letzten Lebensminute noch eine Änderung des Schicksals herbeizuführen.

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Details

Title
Aspekte der Ars Moriendi in Henrik Ibsens "Peer Gynt"
College
Bielefeld University  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Course
Schrift, Tod und Teufel: Die Literalität der letzten Dinge
Grade
1,7
Author
Katharina Milde (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V79328
ISBN (eBook)
9783638867443
Language
German
Tags
Aspekte Moriendi Henrik Ibsens Peer Gynt Schrift Teufel Literalität Dinge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Milde (Author), 2006, Aspekte der Ars Moriendi in Henrik Ibsens "Peer Gynt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79328
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