Jeder von uns kennt das Sprichwort “die Hölle auf Erden“, aber wer von uns weiss eigentlich was es bedeutet? Menschen glauben an das Leben nach dem Tod, aber wo soll es sein? In verschiedenen Religionen und Kulturen sieht diese andere Welt des Jenseits unterschiedlich aus. Was sie aber gemeinsam haben, ist die Aufteilung auf Orte für die Guten und für die Bösen. Diese Arbeit soll sich hauptsächlich mit dem Ort der Verdammten, also mit der Hölle, auseinandersetzten. Es wird zunächst der Roman „La vorágine“ von J.E. Rivera vorgestellt, dann wird es auf das eigentliche Thema des Urwald als eine grüne Hölle eingegangen. Es wird auch die mittelalterliche Vorstellung von dem Reich des Teufels in Dante Aligheri „Divina commedia“ dargestellt und schlieβlich nach Parallelen zwischen beiden Werken gesucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „La vorágine“ von José Eustasio Rivera
2.1. Entstehung des Romans
2.2. Inhaltliche Analyse des Werkes
3. Der urwald und seine gesichter im Text von „La vorágine“
3.1. Das Steppenland als paradies und der Urwald als grünes gefängnis?
4. „La vorágine“ und „Divina commedia“ im Vergleich
4.1. Die Hölle und ihre Strukturen in „Divina commedia“
4.2. Die Parallelen zu „La vorágine“ von J. E. Rivera
5. Schluβteil
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Roman „La vorágine“ von José Eustasio Rivera unter der zentralen Fragestellung, inwiefern der lateinamerikanische Urwald als „Hölle auf Erden“ im literarischen Sinne interpretiert werden kann. Dabei wird die Natur nicht als bloße Kulisse, sondern als übermächtiger Gegenspieler des Menschen analysiert, wobei ein Vergleich mit Dantes „Divina commedia“ die strukturellen und symbolischen Parallelen der „höllischen“ Abstiege verdeutlicht.
- Die Darstellung des Urwalds als bedrohliche, unkontrollierbare Urgewalt.
- Die menschliche Psyche unter dem Einfluss existenzieller Ausnahmesituationen.
- Sozio-politische Kritik an Ausbeutung, Gewalt und der Zerstörung menschlicher Identität.
- Literarischer Vergleich der Höllenkonzeptionen bei Rivera und Dante Alighieri.
- Die Rolle der Natur als moralische Instanz und Rächerin gegenüber dem zivilisierten Menschen.
Auszug aus dem Buch
3. Der Urwald und seine Gesichter im Text von “La vorágine“
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kolumbien ist vor allem von der Suche nach der Identität, die den Ausdruck der Mischung der Kulturen Lateinamerikas geben könnte, geprägt. Kolumbien befand sich in dieser Zeit in stabilen politischen Verhältnissen und den wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte man sich in der Errichtung von Plantagen und in der Förderung von Erdöl. Jedoch erwiesen sich die Versuche, die bislang kaum bekannter Urwaldregionen zu erobern, als äußerst schwirig und man musste nicht nur die romantische Vorstellung von der unberührten und wunderschönen Natur aufgeben, sondern sich auch mit ihrer Untastbarkeit und feindlichen Haltung der Zivilisation gegenüber auseinandersetzten.
Die Natur wird nicht mehr als eine paradiesische Stimmungslandschaft dargestellt, sonder als eine „unkontrollierbare Urgewalt, die den Menschen immer wieder in seine allzu engen Schranken verweist.“ So beginnt die Ära der Urwaldromane, auch Selvaromane gennant, von denen das Werk von José eustasio Rivera „La vorágine“ als der erste dieser Reihe bezeichnet wird. In folgenden Punkten wird eine Interpretation im Hinblick auf den Urwald, mit seiner überwältigenden Kraft und seiner Auswirkung auf die Protagonisten des Romans, vorgenommen. Es wird auch ein Vergleich zwischen dem Dschungel und den Steppebenen geschildert und die Parallelen zu Dantes „Divina comedia“ gesucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Auseinandersetzung mit dem Bild der „Hölle auf Erden“ ein und umreißt den Vergleich zwischen Riveras Roman und Dantes „Divina commedia“.
2. „La vorágine“ von José Eustasio Rivera: Hier werden der historische Entstehungshintergrund des Romans sowie die wesentliche Handlung rund um den Protagonisten Arturo Cova und seine Reise durch die Wildnis skizziert.
3. Der urwald und seine gesichter im Text von „La vorágine“: Dieses Kapitel analysiert die symbolische Bedeutung des Urwalds, der als destruktive Kraft und Gegenspieler zur menschlichen Zivilisation fungiert.
4. „La vorágine“ und „Divina commedia“ im Vergleich: Die Arbeit stellt hier die strukturellen Ähnlichkeiten zwischen Dantes Unterwelt und dem Dschungel bei Rivera gegenüber, um die literarische Qualität des „grausamen Abstiegs“ zu verdeutlichen.
5. Schluβteil: Der Verfasser resümiert die Erkenntnisse und betont die bleibende Relevanz von Riveras Werk in der lateinamerikanischen Literaturgeschichte.
Schlüsselwörter
La vorágine, José Eustasio Rivera, Urwald, Grüne Hölle, Lateinamerikanische Literatur, Dante Alighieri, Divina commedia, Natur, Ausbeutung, Kautschuk, Identität, Selvaroman, Allegorie, Dschungel, Mensch-Natur-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des lateinamerikanischen Urwalds bei José Eustasio Rivera und untersucht, inwieweit dieser als „Hölle auf Erden“ wahrgenommen wird.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die Konfrontation des zivilisierten Menschen mit einer als feindlich wahrgenommenen Natur, die Kritik an kolonialer Ausbeutung und die psychologische Transformation der Romanfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die „Grüne Hölle“ als literarisches Motiv zu analysieren und durch einen komparativen Vergleich mit Dantes „Divina commedia“ tiefergehende Parallelen in der Struktur und Symbolik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der literaturwissenschaftlichen Textanalyse und vergleichende Literaturwissenschaft, um die Thematik des „Höllenabstiegs“ in beiden Werken herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte und Handlung von „La vorágine“, untersucht die Rolle des Urwalds als Akteur und stellt diesen Dantes mittelalterlicher Höllenkonzeption gegenüber.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind „La vorágine“, „Grüne Hölle“, „Natur vs. Zivilisation“, „Dante Alighieri“ und „Lateinamerikanische Identität“.
Wie unterscheidet sich Riveras Abstieg von Dantes Aufstieg?
Während Dante eine göttliche Ordnung und einen glorreichen Aufstieg aus der Hölle beschreibt, thematisiert Rivera einen unaufhaltsamen und grausamen Abstieg des Menschen in die rohe Gewalt der Natur.
Welche Rolle spielt die Figur Mapiripana im Kontext des Werkes?
Mapiripana agiert als mythologische Beschützerin des Urwalds, die diejenigen bestraft, welche die Natur missachten oder mit Gewalt ausbeuten wollen.
Warum wird der Urwald als „grünes Gefängnis“ bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die allgegenwärtige Macht des Dschungels, der den Menschen seiner Freiheit beraubt, ihn moralisch korrumpiert und ihn letztlich in seinem Sog gefangen hält.
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- Magister Slawomir Kolazinski (Author), 2005, Der Urwald, die Hölle? Zu „La vorágine“ von José Eustasio Rivera, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88229