Gegenstand dieser Arbeit ist die Erzählung Reka Okkervil` von Tat`jana Tolstaja mit ihren deutschsprachigen Übersetzungen Die Okkerwil und Der Fluß Okkerwil. Beide Übersetzungen sind im Jahr 1989, jedoch unabhängig voneinander in den beiden deutschen Staaten publiziert worden. Die DDR-Publikation Die Okkerwil stammt von Ilse Tschörner. Der Fluß Okkerwil von Sylvia List erschien in der BRD. Die Übersetzungen sind daher zweifelsfrei aus synchronischer Sicht zu betrachten und sollen im Folgenden unter Einbeziehung des Originals anhand lexikalischer, grammatikalischer, semantischer und stilistischer Gesichtspunkte auf Wort- und Satzebene in direkter Gegenüberstellung miteinander verglichen und auf Adäquatheit überprüft werden. Dabei finden sowohl negative als auch positive Gesichtspunkte Berücksichtigung. Es werden jedoch, um dem Rahmen dieser Arbeit gerecht zu werden, in erster Linie frappante inhaltliche Divergenzen in den Zieltexten untersucht. Möglicherweise weisen diese auf Schwierigkeiten oder Mehrdeutigkeiten im Ausgangstext hin, die es herauszufinden gilt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ÜBERSETZEN LITERARISCHER TEXTE
3. REKA OKKERWIL’ UND SEINE ÜBERSETZUNGEN
3.1 Die Autorin und das Original
3.2 Übersetzungsvergleich
3.2.1 Rhetorik
3.2.2 Sprachstil
3.2.3 Sprachebene
3.2.4 Veränderungen durch die Übersetzer
3.3. Gesamteindruck der beiden Übersetzungen
4. SCHLUSSWORT
5. BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die zwei deutschsprachigen Übersetzungen der Erzählung "Reka Okkervil’" von Tatjana Tolstaja. Ziel ist es, anhand einer detaillierten sprachwissenschaftlichen Analyse auf Wort- und Satzebene zu prüfen, wie die Übersetzerinnen Ilse Tschörner und Sylvia List mit den komplexen rhetorischen und stilistischen Merkmalen des russischen Originals umgegangen sind und inwieweit die ästhetische Wirkung der Vorlage im Zieltext erhalten blieb.
- Grundlagen der Übersetzungskritik bei literarischen Texten
- Analyse der sprachlichen Komplexität und Metaphorik bei Tolstaja
- Direkter Vergleich der Übersetzungsstrategien im Hinblick auf Realia und Eigennamen
- Untersuchung von idiomatischen Wendungen und rhetorischen Stilmitteln
- Bewertung des Umgangs mit Nationalkolorit und kulturellen Anspielungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Rhetorik
Hierbei handelt es sich um Elemente eines bestimmten Volkes, Landes, Ortes, die keine Entsprechung bei anderen Völkern, in anderen Ländern, an anderem Ort haben. Realia sind durch Konnotation fest im Kontext verankert, daher ist die Untersuchung diesbezüglicher translatorischer Lösungen besonders interessant, denn oft sind sie zum Textverständnis nötig. Abhängig von seiner Übersetzungsstrategie muss sich der Übersetzer hier die folgenden Fragen stellen: Sollten Realia zugunsten des Nationalkolorits behalten werden und sollten dafür semantische Verluste in Kauf genommen werden? Überträgt man Realia besser in die ZS, und akzeptiert den daraus resultierenden Konnotationsverlust ? Wenn man Peterscher Anschlag durch eine deutsche Realie ersetzen würde, käme es, aufgrund der konnotativen Gebundenheit zum Schauplatz der Erzählung, zum Konnotationsverlust. Die Beibehaltung von Realia bei Konnotationsgebundenheit ist ergo unumgänglich. So wie Tschaikowski mit Musik in Verbindung gebracht wird, steht Peter der Erste für die Öffnung Russlands zum Westen hin, für die Expansion Russlands und für Modernisierungspolitik, was in der Erzählung relevant wird. Das Erkennen solcher Realia hängt stark von der Sprachkompetenz und der Allgemeinbildung des Übersetzers ab. Einfacher ist es bei Feiertagen, Titeln und Eigennamen, die leichter erkennbar sind. In der Belletristik stellen sie jedoch auch eine Schwierigkeit dar, da sie schwer in die ZS übertragbar sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise beim Vergleich der beiden Übersetzungen von Tatjana Tolstajas Erzählung.
2. ÜBERSETZEN LITERARISCHER TEXTE: Erörterung der theoretischen Grundlagen für die Übersetzung formbetonter literarischer Texte unter besonderer Berücksichtigung der Ästhetik und Expressivität.
3. REKA OKKERWIL’ UND SEINE ÜBERSETZUNGEN: Analyse der Autorin und ihres Werks sowie der formale Vergleich der beiden deutschen Übersetzungsfassungen anhand verschiedener Kategorien wie Rhetorik, Stil und Grammatik.
3.1 Die Autorin und das Original: Biografischer Überblick zu Tatjana Tolstaja und Charakterisierung der sprachlichen Eigenheiten sowie der musikalischen Struktur der Erzählung.
3.2 Übersetzungsvergleich: Methodische Herleitung der Übersetzungskritik mit Fokus auf die philologische Analyse von Ausgangs- und Zieltext.
3.2.1 Rhetorik: Untersuchung der Übersetzung von Realia, Namen, Diminutiva und idiomatischen Wendungen im direkten Vergleich.
3.2.2 Sprachstil: Analyse von Stilmitteln wie Parenthese, Emphase, Ellipse und Ironie in den verschiedenen Textversionen.
3.2.3 Sprachebene: Betrachtung der Vermischung von umgangssprachlichen Ausdrücken und poetischer Sprache bei der Übertragung in das Deutsche.
3.2.4 Veränderungen durch die Übersetzer: Evaluierung von Hinzufügungen, Auslassungen, Abschwächungen und grammatischen Anpassungen durch die Übersetzerinnen.
3.3. Gesamteindruck der beiden Übersetzungen: Zusammenfassende Bewertung der translatorischen Arbeit, wobei Sylvia List und Ilse Tschörner hinsichtlich ihrer Strategien und Erfolge gegenübergestellt werden.
4. SCHLUSSWORT: Abschließende Reflexion darüber, dass es keine universelle Lösung für literarische Übersetzungen gibt und Übersetzungskritik stets subjektiv bleibt.
5. BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der in der Arbeit verwendeten Fachliteratur sowie der Internetquellen.
Schlüsselwörter
Literaturübersetzung, Tatjana Tolstaja, Reka Okkervil, Übersetzungskritik, Philologie, Rhetorik, Realia, Nationalkolorit, Metaphorik, Sprachstil, Äquivalenz, Ilse Tschörner, Sylvia List, Literaturwissenschaft, russische Gegenwartsliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht zwei unterschiedliche deutsche Übersetzungen der Erzählung "Reka Okkervil’" von der russischen Autorin Tatjana Tolstaja.
Welche zentralen Themenbereiche werden untersucht?
Im Zentrum stehen die translationstheoretischen Herausforderungen, insbesondere der Umgang mit kulturell spezifischen Inhalten (Realia), die Bewahrung von rhetorischen Stilmitteln und die Übertragung von Sprachebenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Qualität und die unterschiedlichen translatorischen Strategien der beiden Übersetzerinnen zu bewerten und zu hinterfragen, wie die ästhetische Wirkung des russischen Originals im Deutschen abgebildet wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Übersetzungskritik (philologische Analyse) auf Wort- und Satzebene unter Einbeziehung des russischen Originals.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Autorin, die theoretische Verortung der Übersetzungskritik und eine detaillierte Analyse von Rhetorik, Sprachstil und Sprachebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen gehören Übersetzungskritik, Äquivalenz, Nationalkolorit, Metaphorik und der direkte Vergleich der beiden Zieltexte.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Ilse Tschörner von dem von Sylvia List?
Tschörner arbeitet eher erklärend mit Fußnoten und Editionstechniken, während List eine stärker zielsprachlich orientierte Strategie verfolgt, um die Illusion eines Originaltexts zu wahren.
Welches Fazit zieht die Arbeit über die Qualität der Übersetzungen?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass beide Übersetzerinnen sehr fähig sind, wobei Ilse Tschörner aufgrund ihres präziseren Umgangs mit der Tonart der Autorin insgesamt als fähigere Übersetzerin für dieses Werk betrachtet wird.
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- Dipl.-Übersetzerin Nancy Hadlich (Author), 2006, Vergleich und Bewertung zweier Literaturübersetzungen anhand der Erzählung Reka Okkervil` , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88537