Wenn die Hindernisse beseitigt und die nationalen Märkte geöffnet sind, können mehr Anbieter miteinander in Konkurrenz treten. Dies hat zur Folge, dass die Verbraucher niedrigere Preise zahlen und aus einem größeren Waren- und Dienstleistungsangebot wählen können. Dem gegenüber stehen immer neuere, komplexere und vor allem globale Entwicklungen, die eine einheitliche Regelung verlangen, um den Verbraucher vor unüberschaubaren Konsequenzen schützen zu können.
Der Verbraucherschutz setzt auf Sicherheit, Information und vor allem auf die Wahlfreiheit. Je weitgehender diese Kriterien erfüllt sind, desto besser funktioniert der Binnenmarkt. Verbraucherschutz ist ein ausschlaggebender Bestandteil einer modernen Wirtschaftspolitik. In einer globalisierten Welt lässt sich der Verbraucherschutz nicht mehr allein auf die nationale Ebene begrenzen. Nationaler Verbraucherschutz muss auch immer europäischer Verbraucherschutz sein.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese Arbeit speziell mit der Einführung bzw. der Verwirklichung des EU-Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen unter Berücksichtigung des Verbraucherschutzes für alle europäischen Bürger.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER BINNENMARKT
2.1 DIE ENTSTEHUNG
2.2 AUSWIRKUNGEN DES BINNENMARKTPROGRAMMS
3 FINANZDIENSTLEISTUNGEN
3.1 UMFANG VON FINANZDIENSTLEISTUNGEN
3.2 FINANZDIENSTLEISTUNGEN IM ENGEREN SINNE
4 BINNENMARKT FÜR FINANZDIENSTLEISTUNGEN
4.1 DIE ENTWICKLUNG
4.2 AUSWIRKUNGEN AUF DEN PRIVATKUNDENMARKT
4.3 FERNVERTRÄGE FÜR FINANZDIENSTLEISTUNGEN
5 FERNABSATZ VON FINANZDIENSTLEISTUNGEN
5.1 ZIEL UND DURCHFÜHRUNG DER STUDIE
5.2 HEMMNISSE BEI DEM GRENZÜBERSCHREITENDEN FERNABSATZ VON FINANZDIENSTLEISTUNGEN
5.3 ERGEBNISSE DER STUDIE
6 ZIELE DER EU-KOMMISSION 2007-2013
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit analysiert die Etablierung und Verwirklichung eines europäischen Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte des Verbraucherschutzes. Dabei wird untersucht, inwiefern grenzüberschreitende Fernabsatzangebote für Finanzprodukte in der Praxis durch regulatorische Rahmenbedingungen und kulturelle Faktoren beeinflusst werden.
- Struktur und Entwicklung des europäischen Binnenmarktes für Finanzdienstleistungen
- Definition und regulatorische Einordnung von Finanzdienstleistungen
- Analyse von Fernabsatzmechanismen und Verbraucherschutzrechten
- Hemmnisse beim grenzüberschreitenden Vertrieb von Finanzprodukten
- Strategische Ziele der EU-Kommission für den Zeitraum 2007-2013
Auszug aus dem Buch
4.3 Fernverträge für Finanzdienstleistungen
Mit dem Internet ist das Medium für den Distanzhandel mit Finanzprodukten bereits vorhanden. Die Entwicklung der „virtuellen Bank“ als Hauptvertriebskanal zwischen Verbrauchern und Finanzdienstleistern wurde maßgeblich dadurch beschleunigt, dass in nahezu jedem Privathaushalt ein Computer existiert. Der bedeutendste Klärungsbedarf besteht in diesem Zusammenhang bei den Schutzmechanismen für grundlegende Verbraucherrechte. Zu einzelnen Aspekten sind bereits Regeln festgelegt worden. So kann der Verbraucher von dem Vertrag innerhalb eines festgelegten Zeitraums zurücktreten, ohne Rechtfertigungsgründe angeben zu müssen und ohne eine Vertragsstrafe auferlegt zu bekommen. Weiterhin wird dem Verbraucher eine Bedenkzeit eingeräumt, in der er sich über die Vertragsbedingungen informieren kann, bevor er eine Unterschrift leistet. Der Anbieter ist verpflichtet die Vertragsbedingungen während der Bedenkzeit nicht zu modifizieren. Sollten die erbrachten Finanzdienstleistungen nicht mit den in Auftrag gegebenen übereinstimmen oder sie nicht beziehungsweise nicht vollständig zur Verfügung stehen, so hat der Verbraucher das Recht auf Rückerstattung durch den Anbieter. Die Erbringung unbestellter Finanzdienstleistungen, ohne vorherige Einwilligung des Verbrauchers, ist verboten.
Finanzdienstleistungen sind durch ihre immaterielle Beschaffenheit für den Fernverkauf ideal geeignet. Sie werden als Dienstleistungen definiert und ebenso als solche behandelt. Sie unterliegen bereits Gemeinschaftsregelungen. Einige Ausnahmen, wie Hypothekenkredite, werden nach nationalen Bestimmungen behandelt.
Der vom Parlament beschlossene verfassungsmäßige Ansatz aus dem Jahr 2000, befasste sich mit einer Rahmenverordnung zu Fragen bezüglich nahezu aller Finanzdienstleistungen. Beispiele hierfür sind das Recht auf Zugang zu Dienstleistungen, Transparenz von Informationen und der Schutz von gesetzlich verbrieften Rechten.
Im Bereich der Fernverträge unterstützte die Kommission einen maximalen Harmonisierungsansatz, vor allem bei dem Richtlinienvorschlag über Fernabsatz. Bedenken in diesem Sektor existierten bei fehlerhaften oder unvollständigen Lieferungen, sowie bei unverlangten Dienstleistungen oder Waren. Insbesondere in Fällen, bei denen die Identität des Auftraggebers nicht konkret festgestellt werden konnte und in Situationen, in denen Verbraucher unverlangte Anrufe von Anbietern erhalten, ohne den Geschäftsgrund zu erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der historischen Entwicklung der EU und des Binnenmarktes sowie die Hinführung zur Problematik des Verbraucherschutzes bei Finanzdienstleistungen.
2 DER BINNENMARKT: Erläuterung der Entstehung des europäischen Binnenmarktes und der Auswirkungen des Binnenmarktprogramms auf die europäische Politik und Wirtschaft.
3 FINANZDIENSTLEISTUNGEN: Abgrenzung der Finanzdienstleistungen im weiteren und engeren Sinne sowie Erläuterung der Allfinanz-Konzepte und gesetzlicher Aufsicht durch die BaFin.
4 BINNENMARKT FÜR FINANZDIENSTLEISTUNGEN: Untersuchung der historischen Entwicklung, der Auswirkungen auf Privatkunden und der besonderen Rahmenbedingungen für Fernverträge.
5 FERNABSATZ VON FINANZDIENSTLEISTUNGEN: Detaillierte Betrachtung einer Studie zum Fernabsatz sowie Analyse der Hemmnisse für grenzüberschreitende Geschäfte im Finanzsektor.
6 ZIELE DER EU-KOMMISSION 2007-2013: Zusammenfassung der strategischen Ausrichtung der Kommission zur Stärkung des Verbraucherschutzes und des Marktvertrauens bis zum Jahr 2013.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Kritische Würdigung der Integrationsbestrebungen und Begründung, warum der lokale Finanzvertrieb für den Kunden weiterhin von zentraler Bedeutung bleibt.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Binnenmarkt, Finanzdienstleistungen, Verbraucherschutz, Fernabsatz, Marktintegration, Bankgeschäfte, EU-Kommission, BaFin, Wettbewerb, grenzüberschreitende Dienstleistungen, Privatkundenmarkt, Fernverträge, Harmonisierung, Vertrauensbasis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den europäischen Binnenmarkt mit Fokus auf Finanzdienstleistungen und diskutiert dabei kritisch den Verbraucherschutz im Kontext des grenzüberschreitenden Fernabsatzes.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen zählen die regulatorischen Grundlagen der EU für Finanzmärkte, die Praxis des Fernabsatzes, die Rolle des Verbraucherschutzes sowie die Herausforderungen bei der grenzüberschreitenden Erbringung von Finanzdienstleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Status quo der Marktintegration für Finanzdienstleistungen zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die Vision einer Vollharmonisierung angesichts nationaler Besonderheiten und des Kundenverhaltens realistisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien und Mitteilungen der Europäischen Kommission und der Verbraucherzentralen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Finanzdienstleistungen, die spezifische Entwicklung des Binnenmarktes, die Auswertung von Fernabsatzstudien sowie die Zielsetzungen der EU-Politik für den Zeitraum 2007-2013.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Europäische Union, Binnenmarkt, Finanzdienstleistungen, Verbraucherschutz, Fernabsatz, grenzüberschreitende Dienstleistungen und Marktintegration.
Warum spielt der grenzüberschreitende Fernabsatz laut Arbeit nur eine untergeordnete Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass Finanzprodukte Vertrauensgeschäfte sind, bei denen Kunden die Beratung vor Ort in einer Geschäftsstelle bevorzugen und sprachliche sowie rechtliche Hürden eine größere Rolle spielen als technologische Möglichkeiten.
Wie bewertet die Arbeit die Strategie der EU-Kommission für 2007-2013?
Die Strategie wird als notwendig erachtet, jedoch wird in der Schlussbetrachtung davor gewarnt, dass eine erzwungene Vollharmonisierung ein Irrweg sein könnte, da sie den Wunsch der Kunden nach Vielfalt und lokaler Präsenz vernachlässige.
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- Claudia Haferkorn (Author), 2007, Der Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen unter Berücksichtigung des Verbraucherschutzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90631