Der Charakter eines guten Lehrers und die Theorie Bubers und Kants. Erzieher oder auch Vorbild?

Eine Unterrichtseinheit in der 9. Klasse des Gymnasiums


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakter und Erziehung
2.1. Immanuel Kant über den Charakter und die Temperamente
2.2. Martin BuberüberCharakterund Erziehung
2.3. Kritische Beleuchtung derTheorien

3. Bezug zum schulischen Kontext
3.1. Erziehung und Erziehungszielen nach Klaus Hurrelmann
3.2. Anwendung aufdie Lehrerrolle

4 .Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1.Einleitung

„Man muß nur solche Lehrmeister wählen, die von unbescholtenem Lebenswandel, untadeligem Charakter und reich an Erfahrung sind, denn die Quelle und der Grund aller Tüchtigkeit ist eine vollendete Erziehung.“- Plutarch von Chäronea Beschreibt dieses Zitat einen guten Lehrer1 ? Muss ein Lehrer frei von charakterlichen Fehltritten sein? Diesen Fragen und der Problematik, was den Charakter eines guten Lehrers tatsächlich ausmacht, versucht diese Arbeit auf den Grund zu gehen. Zudem soll geprüft werden, ob die Lehrerrolle über die Wissensvermittlung und die Erziehung hinausgeht und ob Lehrer ebenso eine Vorbildfunktion für die SuS2 aufweisen sollten.

Dieser Gegenstand ist für angehende Lehrkräfte besonders reizend, da immer präsent ist, wie Unterrichtsmaterial didaktisch reduziert und aufbereitet werden muss, welche Inhalte relevant sind und wie eine Stunde sinnvoll zu planen ist. Doch wie es um den Charakter eines guten Lehrers steht, wie er bestenfalls sein sollte, um seinem Bildungs- und Erziehungsauftrag nachzukommen, hinterlässt stets Wissenslücken.

Um diese Thematik zu erörtern werden zuerst die Positionen von Immanuel Kant (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983) und Martin Buber (Buber, 1953) zum Charakter und zur Erziehung gegenübergestellt. Danach sollen die Theorien kritisch beleuchtet werden. Um sie dann in Bezug zum schulischen Kontext zusetzen, wird das Erziehungsmodell von Klaus Hurrelmann (2002) hinzugezogen. Somit wird eine moderne Theorie genutzt, um die Gedanken von Kant und Buber zur Thematik zu ergänzen.

Die Arbeit schließt mit der Anwendung der Theorien auf die Lehrperson und einem Fazit, mit eigenen Gedanken zum Charakter eines Lehrers, ab.

2.Charakter und Erziehung

2.1. Immanuel Kant über den Charakter und die Temperamente

Immanuel Kant ist einer der größten Denker des 18. Jahrhunderts und prägte eine ganze Epoche. Innerhalb seines Werkes „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ (1983) widmet er sich dem menschlichen Charakter, wie er sich zusammensetzt und welche Rolle die vier Temperamente dabei spielen.

Wird der Mensch aus der Sicht Kants betrachtet, so ist es wichtig zu beachten, dass das Wesen des Menschen stets in Naturwesen und Vernunftwesen zu differenziert ist. Konstitutiv für das Naturwesen, also den empirischen Teil, sei die Naturanlage und das Temperament. Sie stehen dafür, was sich aus dem Menschen machen ließe, diese gibt es in unterschiedlichsterAusführung. (Trampota, 2018)

Für den vernünftigen, freiheitsbegabten oder auch intelligiblen Teil gilt jedoch, dass der Mensch diese Denkungsart habe oder nicht. Hat er sie, so sei es ihm möglich aus der Kausalkette (Beziehung zwischen Ursache und Wirkung) herauszutreten. Es gibt hierbei keinerlei Variation, sondern nur diese eine Art und Weise, wie der Mensch zu sein habe. Die Denkungsart steht dafür, was der Mensch bereit sei, aus sich selbst zu machen (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983). Dieser Zuspruch sei sehr selten und verdient, laut Kant, Hochachtung.

Interesse sei ,,[...] das, wodurch Vernunft praktisch [...] eine den Willen bestimmende Ursache wird [...]“ (Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1986), dies sei so zu verstehen, dass der Mensch von der Vernunft geleitet werden solle und sie ihn zum moralisch richtigen Handeln führe. Kant zu folge, ist die Bindung an praktische Prinzipien eine Eigenschaft des Willens (Trampota, 2018). Diese Denkungsart sei keineswegs angeboren, sondern müsse mit der Erziehung einher gehen, bei der Moral das oberste Ziel ist. Dabei sei die praktische Anwendung reiner moralischer Prinzipien die Hauptaufgabe die mit Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung und Moralisierung vermittelt werden solle. Diesem mit Vernunft ausgestatteten Wesen steht nun das Naturwesen mit seinem jeweiligen Temperament gegenüber. Das Naturell des Menschen sei von Grund auf ein gutes Gemüt mit Antrieb zum praktisch Guten (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983). Das Temperament entspricht hierbei dem Gefühls- und Begehrungsvermögen und sei eine Gelegenheitsursache, keine Naturanlage. Sie lassen sich in Temperamente des Gefühls und der Tätigkeit unterteilen.

Die Temperamente des Gefühls sind das sanguinische und das melancholische. Dabei bildet das sanguinische, das leichtblütige Temperament ab, welches sich durch Sorglosigkeit, gute Hoffnung und Impulsivität charakterisieren ließe. Wer ein sanguinisches Gemüt hat, sei keinesfalls ein schlechter Mensch, nur ein großer Schuldner, der Dinge verspricht, die er nicht zuhalten vermag und nicht besonders beharrlich ist.

Ein Melancholiker ist ein schwerblütiges Temperament. Erzeichnet sich durch eine eher pessimistische Haltung aus. Seine Aufmerksamkeit richtet sich zuerst auf die Schwierigkeiten einer Sache, weswegen er meist besorgt, misstrauisch und für Fröhlichkeit unempfänglich ist. Worthalten ist ihm, im Gegensatz zum Sanguiniker, von großer Bedeutung, weswegen sein Vermögen dazu bedenklich ist. (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983)

Die Temperamente der Tätigkeit sind das cholerische und das phlegmatische. Ein Choleriker ist durch und durch warmblütig, hitzig und zürnt schnell, seine Tätigkeiten sind rasch, aber nicht anhaltend. Er liebt sich selbst am meisten, ist habsüchtig und steif, aber von allen

Temperamenten, jenes, welches am wenigsten glücklich ist, da es sich am meisten gegen sich selbst auflehnt.

Das genaue Gegenteil dazu bildet der Phlegmatiker, er ist ein kaltblütiges Gemüt mit Affektlosigkeit und einem Hang zur Untätigkeit. Seine Neigungen gehen wenig über Sättigung und Schlaf hinaus. Er ist nicht rasch, sondern bewegt sich langsam, aber dafür konstant. Nach Kant bedarf es der Vernunft an einer gewöhnlichen Dosis Phlegma, um sich erst zu besinnen bevor eine Handlung vollzogen wird (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983).

Die Temperamente lassen sich in ein Verhältnis aus Neutralisation und Widerstand setzen. So neutralisieren sich das sanguinische und das cholerische Temperament ebenso wie das melancholische und das phlegmatische Temperament. Das sanguinische und das melancholische, und das cholerische widerstehen sich hingegen. Dabei ist zu beachten, dass es laut Kant keine zusammengesetzten Temperamente gibt und sie nur Neigungen zu bestimmten Verhaltensweisen in bestimmten Situationen sind.

Einen Charakter zu haben bedeutet jedoch, sich an bestimmte praktische Prinzipien zu halten, die sich der Mensch selbst, durch seine Vernunftbegabung, obligatorisch vorgeschrieben hat. Dadurch erlangt der Charakter einen inneren moralischen Wert, der diesen Grundsätzen folgen soll: nicht lügen, nicht heucheln, nicht Versprechen brechen, sich nicht mit schlechten Menschen einlassen und sich nicht durch Vorurteile anderer beeinflussen lassen (Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, 1983).

So zeigt sich, dass auch Charaktererziehung nach Kant ganz nach dem Prinzip des kategorischen Imperativs verläuft. Der kategorische Imperativ ist das grundlegende Prinzip in Kants Philosophie zum moralisch guten Handeln. Die Person solle sich dabei eine Verhaltensmaxime zu einem unbedingten, unumstößlichen moralischen Gesetz machen, nach dem er handeln, leben und streben soll. (Schönecker, 2018)

2.2. Martin Buber über Charakter und Erziehung

Martin Buber war ein Religionsphilosoph der sich in seinem Werk „Reden überdie Erziehung“ (1953) dem Thema Charakter und Charaktererziehung gewidmet hat.

Echte Erzieher haben, laut Buber, mehrere Aufgaben und legen ihr Augenmerk aufden gesamten Menschen mit all seinen Möglichkeiten.

Er differenziert dabei Charakter und Persönlichkeit. Der Charakter bildet den Zusammenhang zwischen der Wesenseinheit und der Folge von Handlungen und Haltungen. Die größte Aufgabe des Erziehers sei es daher, bei dessen Ausbildung mitzuwirken, denn der Charakter kann und soll erzogen werden (Buber, 1953). Anders ist es jedoch bei der Persönlichkeit. Diese sei die einzigartige geistleibliche Gestalt des Menschen und entwickelt sich außerhalb der Einwirkung des Erziehers. Die Persönlichkeit darf gepflegt und gefördert werden, ist aber bereits in Vollendung und außerhalb des Wirkungskreises des Erziehers (Buber, 1953).

Möchte der Erzieher nun den Charakter seiner SuS erziehen, so muss er sich auf einige Probleme einstellen, z.B. dass sich ethisches Bewusstsein nicht unterrichten lässt, da dieses den Charakter nicht aufbaut. Zudem wollen sich SuS nicht erziehen lassen und lehnen sich gegen offensichtliche Erziehung auf. Sollte der Erzieher also aktiv versuchen, seine SuS zu erziehen, wird er, Buber zufolge, schnell merken, dass Erziehung sich nicht systematisieren lässt und keinem bestimmten Schema folgt. Auf die Ganzheit der Schülerschaft wirkt daher auch nur die Ganzheit des Lehrers, welcher sie am stärksten prägt und beeinflusst, wenn er gar nicht daran denkt, dass er sie gerade erziehen möge. Lebendigkeit hat eine Ausstrahlung, die auf die SuS wirkt und besonders im Einklang mit Heterogenität der äußeren Umstände prägend für ihren Charakter ist.

[...]


1 Im Folgenden für Lehrerinnen und Lehrer

2 Im Folgenden für Schülerinnen und Schüler

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Charakter eines guten Lehrers und die Theorie Bubers und Kants. Erzieher oder auch Vorbild?
Untertitel
Eine Unterrichtseinheit in der 9. Klasse des Gymnasiums
Hochschule
Universität Leipzig  (Philosophie)
Veranstaltung
Geschichte der praktischen Philosophie
Note
1,7
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V999716
ISBN (eBook)
9783346377364
ISBN (Buch)
9783346377371
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charakter, Erziehung, Lehrer, philosophische Perspektive
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der Charakter eines guten Lehrers und die Theorie Bubers und Kants. Erzieher oder auch Vorbild?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999716

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