Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Schriften von Mary Rowlandson konzentriert sich häufig auf die Gattung der Captivity Narrative. Diese Texte werden als komplexe Schnittstellen zwischen religiöser Selbsterfahrung und der Konstruktion eines kolonialen Selbstverständnisses betrachtet. Dabei rücken Forschungsfragen zur Darstellung von Gewalt, zur Wahrnehmung des Anderen sowie zur Rolle der Religion als Deutungsrahmen für traumatische Ereignisse in den Vordergrund. Die Analyse dieser Erzählungen erlaubt tiefe Einblicke in die mentalitätsgeschichtlichen Spannungsfelder des 17. Jahrhunderts. Über die rein literarische Betrachtung hinaus werden die Texte oft im Kontext postkolonialer Theorien und gendergeschichtlicher Ansätze diskutiert. Es geht um die Frage, wie Geschlechterrollen in Extremsituationen verhandelt werden und wie die Berichterstattung über indigene Gemeinschaften zur Legitimierung europäischer Expansionsbestrebungen beigetragen hat. Die Debatten um die Authentizität und die ideologische Aufladung dieser Narrative sind bis heute Bestandteil der nordamerikanischen Literaturgeschichte. Du findest zu diesem Thema wissenschaftliche Arbeiten bei GRIN, viele davon als PDF und eBook oder im Print-on-Demand.