In der rechtswissenschaftlichen Forschung bilden die Mauerschützenprozesse einen zentralen Bezugspunkt für die Diskussion um das Verhältnis von positiver Gesetzgebung und übergesetzlichem Recht. Ein wesentlicher Aspekt ist die Prüfung, inwieweit staatliches Handeln, das zum Zeitpunkt der Ausführung legal war, nach einer Systemänderung als unrechtmäßig eingestuft werden kann. Hierbei kommen Theorien wie die Radbruchsche Formel zur Anwendung, um die Grenze zwischen Gesetz und extrem ungerechtem Unrecht zu definieren. Die Debatte berührt fundamentale Prinzipien wie das Rückwirkungsverbot und die Frage, wie das Rechtsstaatsprinzip in Übergangsphasen politischer Transformation gewahrt werden kann. Über die reine Strafrechtsproblematik hinausgehend, untersucht die wissenschaftliche Literatur auch die organisatorische Struktur der Befehlskette und die Rolle der sogenannten Schreibtischtäter. Es geht um die Frage der mittelbaren Täterschaft und der moralischen sowie rechtlichen Zurechenbarkeit von Taten, die durch staatliche Machtapparate legitimiert wurden. Disziplinen wie die Rechtsphilosophie, die Zeitgeschichte und die politische Wissenschaft verknüpfen diese Fragestellungen, um die Mechanismen staatlicher Gewaltanwendung und die Mechanismen der rechtlichen Aufarbeitung zu verstehen. Du findest zu diesem Thema wissenschaftliche Arbeiten bei GRIN als PDF und eBook, viele davon auch als Print-on-Demand.