Im Rahmen des Seminars ‚Fastnachtspiel‘ beleuchtet die Ausarbeitung im Speziellen die beliebtesten Stoffe, Motive und Charaktere des Fastnachtspieles im 15. und 16. Jahrhundert. Angesichts des geringen Umfangs dieser Ausarbeitung kann nur ein grober Überblick geliefert werden. Die Ausarbeitung berücksichtigt aber die literarische Tradition, in der die Fastnachtspiele stehen, und vergleicht diese mit den genannten Topoi und auch hinsichtlich ihrer Darstellungsweise.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Obszönität als ein hervorstechendes Kennzeichen im Fastnachtspiel
1.1 Verschlüsselung des Sexualbereichs durch Verbildlichung
1.2 Grobianismus in Schimpfszenen
1.3 ‚Arztspiele’ und Obszönität
2. Die Bauernfigur als Repräsentant der Geschlechtlichkeit und menschlichen Fehlverhaltens
3. Menschliches Fehlverhalten als Thema im Fastnachtspiel
4. Stoffe und Motive
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die charakteristischen Stoffe, Motive und Figuren des Fastnachtspiels im 15. und 16. Jahrhundert, um deren Funktion innerhalb der literarischen Tradition und für das städtische Bürgertum zu beleuchten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie durch die Darstellung von Obszönität, menschlichem Fehlverhalten und stereotypen Figuren eine Distanzierung geschaffen wurde, die es dem Publikum ermöglichte, eigene gesellschaftliche Normen und Verhaltensweisen spielerisch zu reflektieren.
- Die literarische Tradition und Funktion von Fastnachtspielen
- Obszönität als Ausdrucksmittel und komisches Element
- Die Rolle der Bauernfigur als Repräsentant menschlicher Schwächen
- Menschliches Fehlverhalten im Spiegel der sieben Todsünden
- Die Parodierung höfischer Minnedichtung durch profane Motive
Auszug aus dem Buch
1.1 Verschlüsselung des Sexualbereichs durch Verbildlichung
Werden Verdauungsfunktionen und andere Themen des Fäkalienbereiches unverhüllt präsentiert, erfährt dagegen die Darstellung der Triebspähre fast durchweg eine Entfremdung, eine Maskierung. Die Darstellungen des Sexualbereichs zwischen Mann und Frau waren allein dadurch schon karikiert, dass Männer die Frauenrollen übernahmen. Aber einen hohen Grad an komischer Objektivierung und Distanzierung erhält der sexuelle Bereich durch den Gebrauch von Bildern, Metaphern, Vergleichen und Rätseln. Gerade Bezeichnungen für Organe und Handlungen des Trieblebens werden durch Ausdrücke aus einem anderen Bereich ersetzt. Catholy begründet dies damit, dass die Triebsphäre dadurch ihre drohende Absolutheit verliere, sie würden daher verharmlost und so weniger dämonisch wirken. Aber auch deswegen wird das komische Moment noch verstärkt. Eine weitere Entfremdung bzw. Distanzierung ergibt sich auch dadurch, dass die Metaphern meist aus der Welt des Bauern, aber auch des Ritters oder des Spielmanns, und nicht aus dem städtisch-bürgerlichen Alltag der Fastnachtsgesellschaft genommen wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Stoffe, Motive und Charaktere des Fastnachtspiels im 15. und 16. Jahrhundert unter Berücksichtigung der literarischen Tradition.
1. Obszönität als ein hervorstechendes Kennzeichen im Fastnachtspiel: Dieses Kapitel analysiert die Nutzung von derbsinnlicher Sprache, Fäkalsprache und Schimpfszenen als Mittel zur Erzeugung von Komik.
1.1 Verschlüsselung des Sexualbereichs durch Verbildlichung: Es wird dargelegt, wie die Triebsphäre durch metaphorische Umschreibungen aus der bäuerlichen, ritterlichen oder spielmännischen Welt entfremdet und maskiert wird.
1.2 Grobianismus in Schimpfszenen: Dieses Unterkapitel behandelt die maßlose Häufung von Scheltwörtern in Wettstreitszenen, die durch Prügelszenen und Vulgarität zur komischen Wirkung beitragen.
1.3 ‚Arztspiele’ und Obszönität: Der Fokus liegt hier auf den Arztspielen, die als Plattform für die Thematisierung von Fäkal- und Sexualproblemen sowie der Scharlatanerie jener Zeit dienten.
2. Die Bauernfigur als Repräsentant der Geschlechtlichkeit und menschlichen Fehlverhaltens: Hier wird analysiert, warum der Bauer als Stereotyp für Grobheit und Sündhaftigkeit dient, um das städtische Bürgertum von eigenen Verhaltensweisen zu entlasten.
3. Menschliches Fehlverhalten als Thema im Fastnachtspiel: Das Kapitel untersucht die Belehrungsabsicht der Spiele anhand des Katalogs der sieben Todsünden und der antithetischen Struktur der Handlungen.
4. Stoffe und Motive: Es wird aufgezeigt, wie literarische Traditionen wie Sagen, Mythen und insbesondere die Minnedichtung parodiert und für die Fastnachtspielszenarien umgewandelt wurden.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass alle Motive und Charaktere durch Übertreibung und Distanzierung dazu dienten, das menschliche Fehlverhalten satirisch vor Augen zu führen.
Schlüsselwörter
Fastnachtspiel, Obszönität, Bauernfigur, Schimpfszenen, Minnedichtung, Menschliches Fehlverhalten, Fäkalsprache, Sterotypen, Komik, Arztspiele, Literaturgeschichte, Satire, Maskierung, Triebsphäre, Sünden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der inhaltlichen Merkmale, Motive und Figuren, die das Fastnachtspiel des 15. und 16. Jahrhunderts prägten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die Darstellung von Obszönität, die Rolle des Bauern als literarisches Stereotyp und die Thematisierung menschlicher Laster.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zweck dieser oft derben Darstellungen zu ergründen, insbesondere wie sie dazu dienten, städtische Zuschauer durch Distanzierung und Komik zu belehren oder zu entlasten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Ausarbeitung, die durch den Vergleich von Primärtexten mit der literarischen Tradition sowie unter Einbeziehung von Forschungsliteratur fundiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung obszöner Bildsprache, die soziologische Bedeutung der Bauernfigur, eine Einordnung menschlicher Sünden sowie die Herleitung von Stoffen aus klassischen literarischen Quellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fastnachtspiel, Obszönität, Bauernfigur, Minnedichtung und menschliches Fehlverhalten.
Welche Funktion hat die „Verschlüsselung“ im Fastnachtspiel laut der Autorin?
Die Verschlüsselung durch Metaphern dient dazu, die als bedrohlich empfundene Triebsphäre zu verharmlosen, zu objektivieren und eine komische Distanz zum Geschehen zu wahren.
Warum fungiert die Bauernfigur als Repräsentant für das Bürgertum?
Indem das Bürgertum seine eigenen Laster auf den bäuerlichen Stand projizierte, konnte es sich als maskierter Zuschauer von der eigenen Sexualität und Obszönität moralisch entbinden.
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- Annika Singelmann (Autor), 2009, Fastnachtspiel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131656