Die vorliegende quantitative Studie widmet sich der Untersuchung der Determinanten von Bildungsaspirationen bei Schüler:innen mit Migrationshintergrund. Das primäre Anliegen besteht in der Beantwortung der Forschungsfrage: Besteht ein Zusammenhang zwischen den sprachlichen Fertigkeiten in der deutschen Sprache von Schüler:innen mit Migrationshintergrund und der Höhe ihrer Bildungsaspirationen? Auf der Grundlage des Modells der rationalen Wahl von Raymond Boudon, dem Wisconsin Modell und dem Erwartung-Wert-Modell der Leistungsmotivation von Eccles und Wigfield werden fünf Prädiktoren von Bildungsaspirationen identifiziert, zu denen der sozioökonomische Status, intrinsische und extrinsische Motivation, das Selbstkonzept und die Erwartungen der Eltern gehören.
Zusätzlich wird die sprachliche Kompetenz in der deutschen Sprache als ein möglicher Einflussfaktor untersucht. Die empirischen Daten von insgesamt 100 Schüler:innen mit Migrationshintergrund werden durch eine Kombination von Fragebogen und Sprachtest erhoben und mittels einer binär logistischen Regressionsanalyse auf statistische Signifikanz
analysiert. Nach einer gründlichen Auswertung der Ergebnisse werden drei von vier aufgestellten Hypothesen abgelehnt, da lediglich der Prädiktor der elterlichen Erwartungen einen bedeutsamen und positiven Zusammenhang mit dem Ausmaß der Bildungsaspirationen der untersuchten Zielgruppe zeigt. Bei der Forschung sind zahlreiche Limitationen zu berücksichtigen, um die interpretative Genauigkeit der vorliegenden Befunde angemessen zu bewerten.
Einige der Einschränkungen sind eine begrenzte Stichprobengröße, ungeeignete Fragestellungen bei zwei der untersuchten Konstrukte im Fragebogen sowie mögliche Verzerrungen aufgrund subjektiver Interpretationen. In Bezug auf die praktische
Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse ergibt sich die Implikation, dass eine verstärkte Einbindung der Eltern in den schulischen Alltag bei der Förderung der individuellen Bildungsaspirationen der Schüler:innen unterstützen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gang der Untersuchung
2 Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
2.1 Forschungsstand
2.2 Definition und Bedeutung von Bildungsaspirationen
2.3 Sprachliche Kompetenz
2.4 Schüler:innen mit Migrationshintergrund
3 Einflussfaktoren von Bildungsaspirationen
3.1 Das Modell der rationalen Wahl nach Raymond Boudon
3.2 Wisconsin Modell
3.3 Das Erwartung-Wert-Modell der Leistungsmotivation von Eccles und Wigfield
3.4 Ableitung der Fragestellung und Aufstellen von Hypothesen
4 Methode
4.1 Rekrutierung und Beschreibung der Stichprobe
4.2 Gütekriterien quantitativer Forschung
4.3 Auswertung des Fragebogens
4.4 Auswertung des C-Tests
4.5 Auswertung der logistischen Regressionsanalyse
5. Ergebnisse
5.1 Deskriptive Auswertung
5.2 Inhaltliche Auswertung
6 Diskussion
6.1 Limitationen der Forschung
6.2 Theoretische und praktische Implikationen
6.3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der vorliegenden Masterarbeit ist es, den Zusammenhang zwischen sprachlichen Fertigkeiten in der deutschen Sprache und der Höhe der Bildungsaspirationen bei Schüler:innen mit Migrationshintergrund empirisch zu untersuchen. Anhand theoretischer Modelle wird analysiert, welche Prädiktoren diese Aspirationen maßgeblich beeinflussen.
- Determinanten von Bildungsaspirationen bei Lernenden mit Zuwanderungsgeschichte.
- Rolle der sprachlichen Kompetenz als möglicher Einflussfaktor auf schulische Ambitionen.
- Anwendung von ökonomischen und psychologischen Erklärungsmodellen (Boudon, Wisconsin-Modell, Eccles & Wigfield).
- Empirische Überprüfung mittels quantitativer Datenerhebung und binär logistischer Regressionsanalyse.
Auszug aus dem Buch
2.4 Schüler:innen mit Migrationshintergrund
Im Schuljahr 2021/2022 wurden in Deutschland an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen insgesamt 10.889.500 Schüler:innen beschult (Statistisches Bundesamt, 2022, 10. März). Von diesen knapp 10.9 Millionen Schüler:innen weisen den Ergebnissen der letzten repräsentativen Volkszählung nach, die im Jahr 2021 im Rahmen von Mikrozensus durchgeführt wurde, ungefähr 39 % einen Migrationshintergrund auf (Statistisches Bundesamt, 2022,12.Apr). Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass demnach im Jahr 2021/2022 ungefähr 4.2 Millionen Schüler:innen einen Migrationshintergrund hatten, von denen immerhin 12,4 %, also 1.3 Millionen Menschen, ausschließlich eine ausländische Staatsbürgerschaft innehatten (Statistisches Bundesamt, 2022, 10. März). Unter einem Migrationshintergrund werden in dieser Arbeit Menschen verstanden, deren Elternteile nicht in Deutschland geboren wurden. Die Gründe für die Migration nach Deutschland sind dabei sehr different. Es wird zwischen soziopolitischen, humanitären, klimatischen oder wirtschaftlichen Ursachen unterschieden. Eine eminente Herausforderung, die alle Individuen dieser Personengruppe gemein haben, sind sprachliche Schwierigkeiten in der Zielsprache. Ursächlich dafür ist, dass die erste Alphabetisierung in der Muttersprache bereits vor vielen Jahren stattfand, während die deutsche Sprache erst zu einem sehr späten Zeitpunkt in der Entwicklungsstufe neu erlernt werden muss (Khan, 2017, S. 54–55).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise der Studie.
2 Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand: Definition zentraler Begriffe und Darstellung des aktuellen Forschungsstands zu Bildungsaspirationen und sprachlichen Kompetenzen.
3 Einflussfaktoren von Bildungsaspirationen: Theoretische Herleitung von Prädiktoren auf Basis etablierter Modelle und Entwicklung der Forschungshypothesen.
4 Methode: Detaillierte Beschreibung der wissenschaftlichen Methodik, der Stichprobe sowie der Instrumente (Fragebogen und C-Test) und der statistischen Auswertungsverfahren.
5. Ergebnisse: Präsentation der Deskriptivstatistik und der inhaltlichen Analyse der erhobenen Daten.
6 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Limitationen sowie Ableitung theoretischer und praktischer Implikationen.
Schlüsselwörter
Bildungsaspirationen, Migrationshintergrund, Sprachliche Kompetenz, Schule, Elternerwartungen, Leistungsmotivation, Sozioökonomischer Status, Selbstkonzept, Quantitative Forschung, C-Test, Regressionsanalyse, Schulerfolg, Akkulturationsstress, Integration, Bildungschancen
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen den sprachlichen Fertigkeiten in der deutschen Sprache bei Schüler:innen mit Migrationshintergrund und dem Niveau ihrer Bildungsaspirationen besteht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der sprachlichen Kompetenz stehen sozioökonomische Faktoren, Leistungsmotivation, das Selbstkonzept sowie der Einfluss des Elternhauses im Zentrum der Betrachtung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Besteht ein Zusammenhang zwischen den sprachlichen Fertigkeiten in der deutschen Sprache von Schüler:innen mit Migrationshintergrund und der Höhe ihrer Bildungsaspirationen?“
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Querschnittsstudie durchgeführt, bei der Daten mittels Fragebögen und eines C-Tests erhoben und anschließend mittels binär logistischer Regressionsanalyse ausgewertet wurden.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Modelle von Boudon, Eccles/Wigfield sowie das Wisconsin-Modell, gefolgt von einer detaillierten Methodikbeschreibung und der Präsentation sowie Diskussion der empirischen Studienergebnisse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Bildungsaspirationen, sprachliche Kompetenz, Migrationshintergrund, Elterneinfluss und statistische Prädiktorenanalyse.
Welche Rolle spielt die elterliche Erwartung in dieser Studie?
Der Prädiktor „Erwartung der Eltern“ erwies sich als der einzig statistisch signifikante Faktor, der einen starken positiven Zusammenhang mit den Bildungsaspirationen der Zielgruppe aufweist.
Warum konnte für die sprachliche Kompetenz kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden?
Die Autorin führt dies auf die Heterogenität der Zielgruppe, Limitationen im Versuchsdesign (z. B. geringe Stichprobengröße, fehlende Erprobung des C-Tests) und die komplexe Lebenssituation der Migranten/Flüchtlinge zurück.
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- Torge Sellmer (Author), 2023, Sprachliche Kompetenz und andere Indikatoren von Bildungsaspirationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382167