Das Kind und der Glaube

Theorien zur kindlichen Religiosität


Seminararbeit, 2007

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Begriffsdefinitionen: Religion, Glaube, Religiosität

III.) Theorien zur kindlichen Religiosität
3.1 Anthropologische Definition
3.2ziologische Definition
3.3 Psychologische Definition
3.4 Neurowissenschaftliche Erklärung

IV.) Theorie zur religiösen Entwicklung

V.) Religiosität des Kindes und die Entwicklungines Gottesbildes

VI.) Religiöse Erziehung und ihre Probleme

VII.)hlussbetrachtung

VIII.) Literaturnachweis

I. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es darum, zu der Fragestellung, ob Kinder in der Lage sind und die Fahigkeit besitzen an Gott zu ’glauben’, Stellung zu nehmen. Die Religion ist eine Institution, die von Erwachsenen praktiziert wird, aber wo bleibt das Kind? Und wenn das Kind an Gott glaubt, wie sieht sein Gottesbild aus? Und verändert es sich im Laufe der Entwicklung des Kindes? Es soll versucht werden, die kindliche Religiosität erkennbar zu machen und es soll untersucht werden wie anthropologische, soziologische, psychologische und neuerdings auch neurowissenschaftliche Faktoren die Religiosität bedingen (können) und welche Rolle alle vier Faktoren zusammen spielen.

Zunächst muss hierzu aber geklärt werden, was Religion überhaupt bedeutet und wie Glaube und Religiosität in dem Zusammenhang definiert werden und wie sie sich unterscheiden.

Im ersten Teil der Arbeit soll daher zunächst versucht werden, die Begriffe Religion, Glaube und Religiosität zu beschreiben und ihre Unterschiede darzustellen.

Im weiteren Schritt werden anthropologische, soziologische, psychologische und neurowissenschaftliche Theorien zur kindlichen Religiositat dargestellt. Hier soll auf die Religionsdefinitionen von Johann Sebastian Drey (1777-1853), Rudolf Otto (1869-1937), Emile Durkheim (1858-1971), Sigmund Freund (1856-1939), Erik H. Erikson (1902-1994), Andrew Newberg (1966- ) und Eugene D’Aquili eingegangen werden. Der dritte Punkt wird sich mit der Theorie der religiosen Entwicklung von Fritz Oser (1937-) und Paul Gmunder (1951-) befassen. Danach soll die Religiositat des Kindes und sein Gottesbild beschrieben werden. Als vorletzten Punkt beschaftigt sich die Hausarbeit noch mit der Ausgestaltung der religiosen Erziehung und mit welchen Problemen diese in der heutigen Gesellschaft zu kampfen hat. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der unter anderem eine kurze Zusammenfassung gegeben werden soll.

II. Begriffsdefinitionen: Religion, Glaube, Religiosität

Eine umfassende und allgemeingültige Definition von dem Begriff Religion scheint sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Schon um 1920 stellte J. Leuba 48 Definitionen zusammen und in der heutigen pluralistischen Zeit gibt es sicherlich weit mehr (vgl. Fraas 1973, S. 60).

Im Zusammenhang mit dem Religionsbegriff soll hier kurz auf Immanuel Kant (1724-1804), M. J. Langeveld und Rudolf Otto (1865-1937) eingegangen werden.

Kant siedelt Religion im Sittlichen an. Er sieht die Religion als “Erkenntnis aller unserer Pflichten als gottliche Gebote” (Fraas 1973, S. 61).

Langeveld bezeichnet Religion als das, was dem Menschen eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt, als eine Art Orientierung in der Welt. Wenn die Antwort jedoch auf einer rationalen Evidenz aufbaut, spricht er von Philosophie statt von Religion. Man könne dort von Religion sprechen, wo das Evidenzerlebnis, d.h. das Erlebnis der überzeugenden Sicherheit nicht rational, sondern gefühlsmäßig sei und wo beispielsweise religiöse Offenbarungen, die nicht rational ableitbar sind, bewusst als integrierende Bestandteile des Ganzen bejaht werden würden (vgl. Langeveld 1959, S. 74).

Der Theologe R. Otto sagt, dass das Erlebnis des Numinosen, also des Unbegreiflichen, primär für alle Religionen sei (vgl. Langeveld 1959, S. 79). Die religiöse Erfahrung wird hier als wichtigster Wesenskern von Religion herausgestellt.

Wie unterscheidet sich nun Religion von Glaube? Man kann sagen, dass die Religion sich zum Glauben wie die Moral zur Ethik verhält. Das bedeutet, der Glaube ist nur dann mit der Religion identisch, wenn alle Inhalte der Religion als wahr anerkannt und erlebt werden (vgl. Langeveld 1959, S. 87).

Der Begriff Religiositat lasst sich als individuelle religiose Erfahrung bezeichnen. Die religiose Erfahrung lasst sich nicht nur wie bei R. Otto als Wesenskern der Religion, sondern auch als Voraussetzung von Glauben nennen. P. Tillich begreift die Religiositat als personliches “Ergriffensein” von dem, was uns unbedingt angehe (vgl. Fraas 1973, S. 62).

III. Theorien zur kindlichen Religiosität

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie Theologen, Religionssoziologen, Psychologen und neuerdings auch Neurotheologen die Religiosität begründen.

3.1) Anthropologische Definition

Die Vorstellung von dem Vorhandensein einer religiösen Anlage ist die älteste Theorie und in der katholischen Theologie beheimatet. Hier soll exemplarisch nur auf die zwei Theologen Johann Sebastian Drey (1777-1853) und Rudolf Otto (1869-1937) eingegangen werden, die diese Theorie unterstützen.

Nach J. S. Dreys Meinung beweise die Religion in ihrer allgemeinen Verbreitung das Vorhandensein eines eigenen Erkenntnisprinzips “fur Gott in uns” (Drey 1821, o.S.; zit. nach: Tiefensee 1988, S. 73). Denn ohne diese sei es nicht moglich Gott in der auBeren Offenbarung zu erkennen. Damit ergebe sich als Postulat jeglichen Gottesbewusstseins ein eigenes Erkenntnisprinzip im Menschen. Denn man konne das auBere Bild Gottes als Offenbarung nur erkennen, wenn man ein inneres Bild zum Vergleich habe (vgl. Tiefensee 1988, S. 73f). Diesem Erkenntnisprinzip gibt Drey neben den Namen Idee und Gefuhl auch die Bezeichnung der religiosen Anlage bzw. des religiosen Keims. Mit dem Begriff der religiosen Anlage begrundet Drey sein Bild des Menschen vom homo religiosus. Er sei es vom ersten Tag seiner Existenz an (vgl. Tiefensee 1988, S. 113). Die religiose Anlage stellt demnach als ‘Keim’ den Anfangspunkt jeglichen religiosen Bewusstsein dar. Das Selbstbewusstsein erwache und entwickle sich in der Konfrontation mit einem Nicht-Ich. Dieses sei die Welt und Gott (vgl. Tiefensee 1988, S. 104f). “Fur beides musse eine Empfanglichkeit vorhanden sein, denn die Entstehung des klaren Bewusstsein stelle sich immer als seine Differenzierung in Selbst-, Gottes- und Weltbewusstsein dar” (Tiefensee 1988, S. 105). Drey nimmt also an, dass die Religion nicht von auBen kommt, sondem im Menschen “als erstes Gefuhl, als ursprungliche, wesentliche Richtung des Geistes” liegt (Drey 1819, KE; zit. nach: Tiefensee 1988, S. 105). Man kann sagen, dass die religiose Anlage bei Drey die Fahigkeit des Menschen ware, religios angeregt werden zu konnen (vgl. Tiefensee 1988, S. 86f).

Eine ahnliche Definition gibt auch Rudolf Otto. Statt von 'Erkennen' oder 'Angeregt werden' spricht er von 'Erweckung'. In seinen Buchern "Das Heilige" und "Aufsatze, das Numinose betreffend" stellt R. Otto die These auf, dass religiose Gefuhle nur durch Gefuhle geweckt werden können. Diese bräuchten aber nicht von religiöser Art zu sein. Hier nimmt Otto einen Parallelismus zwischen nichtreligiösen und religiösen Gefühlen an. Nach R. Ottos Auffassung sieht es nun so aus, als ob eine spezifisch angelegte Disposition verantwortlich für ein spezifisches Gefühl ist. Denn wie sonst könne ein Gefühl ein religiöses Gefühl erwecken, wenn dieses nicht anlagemäßig im Menschen vorhanden sei (vgl. Langeveld 1959, S. 79).

3.2) Soziologische Definition

Die Religionssoziologen beschaftigen sich mit dem Einfluss von Gesellschaft auf Religion und mit dem Einfluss von Religion auf Gesellschaft (Knoblauch 1999, S. 14). Emile Durkheim (1858­1971) ist einer der Reprasentanten der Religionssoziologie. In seinem Hauptwerk “Die elementaren Formen des religiosen Lebens” bezeichnet er die Religion als Ausdruck des Sozialen (vgl. Knoblauch 1999, S. 64f). Seiner Ansicht nach sei das Objekt der Verehrung nicht Gott, sondern die Gesellschaft selbst. Knoblauch bezeichnet Durkheims Bild von Religion als “metaphorisches Spiegelbild der Gesellschaft” (Knoblauch 1999, S. 65).

Zu seinem soziologischen Religionsbegriff kam Durkheim durch Beobachtungen und Forschung an der Religion der Aborigines und der amerikanischen Indianer-Kulturen. Er wollte aus den fruhesten Formen der Religion die einfachsten Elemente der Religion herausfinden, die er sowohl bei den primitiven als auch bei den ‘fortgeschritteneren’ Formen der Religion annahm (vgl. Knoblauch 1999, S. 59f). Er stellt fest, dass die Religion der Aborigines zum einen aus Glaubenssatzen uber das Heilige und zum anderen aus Riten bestehen, die den Umgang der Klan- Mitglieder mit dem Heiligen festlegen. Diese Feststellung fuhrt Durkheim zu der Uberzeugung, dass der Kern der Religion, ein System aus Glaubensuberzeugungen und religiose Praktiken, die sich auf sakrale Gegenstande stutzen, beinhaltet (vgl. Knoblauch 1999, S. 61ff).

Es wird sichtbar, dass er zwischen einem profanen und einem sakralen Bereich unterscheidet. Diese Trennung sei auch das Zentrale fur Religion und nicht der Glaube an ein spirituelles Wesen. Das Sakrale sei eine der Wirklichkeiten, die andere sei die Gesellschaft selbst, die aber das Individuum ubersteige. Dieses Transzendieren des Individuums verleihe der Gesellschaft den ‘religiosen’ Charakter (vgl. Knoblauch 1999. S. 62ff).

Das Sakrale konne erfahren werden durch kollektive Aufwallungen, auch “Efferveszenz“ genannt (Knoblauch 1999, S. 63f). Die Ursache der Efferveszenz sei das Kollektiv. Da diese Aktivitat von der Gemeinschaft komme, sei diese die eigentliche Kraft des Religiosen. Verpflichtungen, Regeln und Normen, die die Religion auszeichnen, gingen auch vom Kollektiv aus und wurden das Individuum gleichzeitig an sie binden. Daher sei die Religion sozial, weil alles, was verpflichtend ist, einen sozialen Ursprung habe (vgl. Knoblauch 1999, S. 64f). Durkheim ist der Auffassung: “Wenn die Religion alles, was in der Gesellschaft die Seele der Religion ist, dann deshalb, weil die Idee der Gesellschaft die Seele der Religion ist” (Durkheim, Die elementaren Formen, op. Cit., 561; zit. nach: Knoblauch 1999, S. 65).

[...]

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Details

Titel
Das Kind und der Glaube
Untertitel
Theorien zur kindlichen Religiosität
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut )
Veranstaltung
Anthropologie II - Anthropologie der Kindheit
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V164634
ISBN (eBook)
9783640796267
ISBN (Buch)
9783640796052
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Glaube, Religiosität, Gottesbild, religiöse Erziehung
Arbeit zitieren
Thusinta Mahendrarajah (Autor:in), 2007, Das Kind und der Glaube, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164634

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