Zwischen Innovationsdruck und Dienstweg — handlungsfähig bleiben, wenn das Mandat fehlt.
Ein KI-Chatbot wird in der Berliner Verwaltung eingeführt. Die Technik steht, die Begeisterung fehlt. Und mittendrin jemand, der die Sache trotzdem vorantreibt: mit Rückendeckung der Abteilungsleitung, aber ohne eine einzige Zeile dazu in der eigenen Aufgabenbeschreibung.
Diese Arbeit erzählt keine Erfolgsgeschichte über Digitalisierung. Sie erzählt, was das Arbeiten in der Grauzone mit dem macht, der es tut — und wie man darin steuerungsfähig bleibt.
Der Befund überrascht: Nicht das fehlende Mandat und nicht die knappen Ressourcen sind das eigentliche Problem. Es ist der Moment, in dem Widerstand im Raum steht, der Kiefer sich anspannt und der Blick vom Möglichen zum Fehlenden kippt. Genau dieser Kippmoment wird hier seziert — mit der PSI-Theorie nach Kuhl — und anschließend bearbeitbar gemacht: über das Zürcher Ressourcen Modell, ein somatisch verankertes Motto-Ziel und Wenn-Dann-Pläne, die im Ernstfall binnen 60 Sekunden greifen sollen.
Anschlussfähig, wenn Sie …
- als Multiplikator:in, Trainer:in oder Poweruser:in Kolleg:innen an neue Tools heranführen und dabei auf Skepsis statt Neugier treffen;
- Themen vorantreiben, für die es (noch) keine formale Zuständigkeit gibt;
- in Organisationen arbeiten, die Fehlervermeidung stärker belohnen als Gestaltung;
- Ambidextrie nicht als Strategiefolie, sondern als Kalenderproblem erleben: Tagesgeschäft und Innovation, beides, gleichzeitig;
- ZRM, PSI oder Rubikon-Modell kennen und ein durchgerechnetes Anwendungsbeispiel statt Lehrbuchtheorie suchen.
Was Sie mitnehmen: eine Diagnostik, die sich auf die eigene Situation legen lässt (Affektbilanz, somatische Marker, SWOT-Synthese), zwei ausformulierte Wenn-Dann-Pläne für Widerstands- und Zweifelsmomente — und drei Messmechanismen, die zeigen, ob Haltungsarbeit tatsächlich etwas verändert oder nur gut klingt.
Die Klammer bildet ein Rollenverständnis zwischen Intrapreneur und „Corporate Rebel“: Kulturwandel nicht als Ansage von oben, sondern als geduldiges Säen einzelner Samen — und als Frage, wie man sich selbst so aufstellt, dass man das Ernten noch erlebt.
- Citation du texte
- Matthias Pirog (Auteur), 2026, Vom Defizit zur Selbstwirksamkeit. Volitionale Selbststeuerung in der KI-Transformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1750187