Geschlechtsspezifische Bildung in der Koedukation


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern und dessen Entstehung
2.1 Im Vorschulalter
2.2 Im Schulalter
2.2.1 Interessen und Fähigkeiten von der Grundschule bis zum Studium
2.2.2 Lernstrategien
2.2.3 Verhalten, Lernbereitschaft und Sozialisation im Unterricht

3. Probleme in der koedukativen Unterrichtsform
3.1 Das Verhalten der Lehrer
3.2 Das Selbstkonzept der Mädchen
3.3 Probleme für beide Geschlechter

4. Lösungsansätze
4.1 Monoedukation
4.2 Reflexive Koedukation
4.3 Mit gutem Beispiel vorangehen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit findet der Schulunterricht, zumindest in Deutschland und Europa, in ge- mischten, also heterogenen Klassen statt. Das entscheidende daran ist, dass der Unterricht für beide Geschlechter gleichwertig ist. Eine solche, für uns weitestgehend „normale“ Unter- richtsform, war vor etwas mehr als hundert Jahren in Deutschland noch unvorstellbar. Bil- dung war eine Instanz, die den Männern vorbehalten blieb. Anfang des 19. Jahrhunderts wur- de von Humboldt und den Philologen die „allgemeine Menschenbildung“ verlangt, worunter auch Frauen der Zugang zur Bildung ermöglicht werden sollte. Allerdings war die, über die elementare Bildung hinausgehende Edukation in höheren öffentlichen Schulen, weiterhin für das männliche Geschlecht bestimmt. Mädchen der mittleren und höheren Stände blieb der Besuch der „höheren Töchterschulen“, welche im Großen und Ganzen dazu dienten, die Mäd- chen auf ihr späteres Leben als Ehefrau und Mutter vorzubereiten (vgl. Kraul 2009, S. 352). Der Stundenplan sollte nach dem Grundbild des Ideales einer patriotischen und christlich ge- bildeten Frau gestaltet werden (vgl. Kraul 1991, S. 281). So steht in der Denkschrift der ersten deutschen Hauptversammlung von Dirigenten und Lehrenden der höheren Mädchenschulen geschrieben:

„Es gilt, dem Weibe eine der Geistesbildung des Mannes in der Allgemeinheit der Art und der Interessen ebenbürtige Bildung zu ermöglichen, damit der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herde gela- ngweilt … werde“ (Monatsschrift für das gesamte Deutsche Mädchenschulwesen 1873, S. 23 zitiert nach Kraul 1991, S. 281)

Im Laufe der Geschichte hat sich dieses Bild glücklicherweise geändert, so dass es den Frauen und Mädchen in der heutigen Zeit möglich ist, sich gleichberechtigt in gemischten Schulen zu Bilden und somit auch ihrem jeweiligen Berufswunsch nachzukommen. Allerdings werden auch heute in der Schulforschung immer noch Stimmen laut, nach denen die Mädchen, besonders im koedukativen Unterricht immer noch das Nachsehen haben, vor allem was die Umsetzung ihrer guten Leistungen in ihrem späteren Berufsweg anbelangt. Auch bei den Jungen wird einiges bemängelt, z.B. dass sie sich weniger für soziale Berufe interessieren, als durch die Koedukation beabsichtigt (vgl. Koch-Priewe 2009, S. 151).

Wie begründet diese Kritiken sind, woran es liegen kann, dass diese Ungleichheit auch nach jahrelanger Koedukation immer noch herrscht und wie die möglichen Lösungswege aussehen, soll in dieser Arbeit ergründet werden.

2. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern und dessen Entstehung

2.1 Im Vorschulalter

Fragt man heute einen beliebigen Mitmenschen ganz allgemein nach dem Unterschied zwi- schen Mädchen und Jungen, bekommt man meist das gleiche zu hören, z.B. dass Mädchen lieber mit Puppen spielen, sich gerne hübsch machen und braver sind, während den Jungen nachgesagt wird, dass sie lieber mit Autos oder dem Computer spielen und kleine, freche Raufbolde sind. Diese Voreinstellungen entstanden nicht von alleine und sie sind auch nicht völlig bedeutungslos für die Umwelt. Auch wenn man das kindliche Verhalten im Bezug auf geschlechtertypische Vorlieben und Tätigkeiten nicht pauschalisieren kann, so zeigt sich doch ein gewisser Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, der in den meisten Fällen auch so von der Gesellschaft und natürlich den Eltern gewollt ist. Während das Kind als Säugling ge- schlechtsspezifisch noch schwer zu beeinflussen ist, abgesehen etwa. von der Gestaltung des Kinderzimmers, der Namensgebung und der Kleidung, (vgl. Blossfeld; Bos; Hannover; Len- zen; Müller-Böling; Prenzel; Wößmann 2009, S. 54) so beginnen die Eltern ihr Kind meist im Kleinkindalter zu geschlechtsspezifischen Aktivitäten zu ermuntern, indem Söhne eher mit Technikspielzeug beschenkt und im Sportverein angemeldet werden und Töchter Puppen be- kommen und zum Ballet tanzen ermuntert werden (vgl. Hannover; Kessels 2008, S.117). Al- lerdings ist nicht nur die soziale Umwelt ausschlaggebend für das Selbstverständnis, dass ein Kind von seinem eigenem Geschlecht entwickelt, sondern auch das Kind selbst möchte sich von sich aus in geschlechtsspezifische Stereotype eingliedern und das spezifische Verhalten nachahmen bzw. aneignen (vgl. ebd., S. 117). Dies zeigt sich auch in der Präferierung gleich- geschlechtlicher Spielkameraden, welche etwa ab dem dritten Lebensjahr stattfindet und das geschlechtstypische Verhalten noch weiter unterstützt (vgl. Blossfeld u.a. 2009, S. 55).

Die geschlechtsspezifische Verhaltensweise fängt also schon im frühesten Kindesalter an, wobei sich erkennen lässt, dass das Wort „Geschlecht“ in diesem Zusammenhang weniger auf biologische Merkmale zutrifft bzw. von diesen abhängt, sondern vielmehr im Sinne von typi- schen Handlungsformen und Eigenschaften auf das Kind projiziert wird, wodurch es sich die „Geschlechtlichkeit selbst aktiv aneignet“ (Nissen 1998, S. 103). Dieser Vorgang wird auch als „doing gender“, bezeichnet, was sich darauf bezieht, dass das soziale, bzw. erwartete Geschlecht - das Gender - im Gegensatz zum körperlichen Geschlecht, von der Gesellschaft und der Kultur, in der wir leben, selbst erstellt wird (vgl. ebd., S. 103ff), wobei „Spielzeuge und Spiele ... als sexuierte kulturelle Objekte von besonderer Bedeutung [sind], da sie offensichtlich späteres Sozial- und Berufswahlverhalten beeinflussen (ebd., S. 104).

2.2 Im Schulalter

Der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen ist mit der Wahl der Spielkameraden und des Spielzeuges allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Die verschiedenen Neigungen und Interessen, sowie das soziale Verhalten, lassen sich ab dem Schulalter noch intensiver feststel- len.

2.2.1 Interessen und Fähigkeiten von der Grundschule bis zum Studium

Oberflächlich gesehen ergibt sich das Bild, dass Mädchen bzw. junge Frauen in ihrer gesamten Schullaufbahn erfolgreicher sind als Jungen. Mädchen werden z.B. öfter früher bzw. seltener später eingeschult als Jungen (vgl. Blossfeld u.a. 2009, S. 79). Außerdem müssen Mädchen seltener eine Jahrgangsstufe wiederholen, haben öfter den besseren Bildungsabschluss und durchlaufen ihre Schullaufbahn schneller als ihre männlichen Altersgenossen. Ebenso besuchen Mädchen seltener Lernbehindertenschulen, welche zu zwei-drittel von Jungen aufgesucht werden (vgl. Faulstich-Wieland 2004, S. 676f).

Fächerspezifisch gesehen, unterscheiden sich die Vorlieben und das Können der Mädchen und Jungen in der Grundschule vor allem im Deutschunterricht, in welchem Mädchen wäh- rend der gesamten Grundschule konstant bessere Leistungen als Jungen erzielen. Die interna- tionale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU), in welcher 2003 u. a. das Lese- und Recht- schreibverhalten an Schülern der vierten Klasse untersucht wurde, ergab, dass Mädchen dieser Altersgruppe eine kleinere Fehlerdichte haben und mehr Wörter korrekt schreiben als ihre männlichen Klassenkameraden. Es zeigte sich jedoch, dass die, im allgemeinen orthografisch schwächeren Jungen, beim schreiben bestimmter Wörter aus dem technischen bzw. abenteu- erspezifischen Bereich, wie „ölig“, „sinkt“ oder „spucken“, den Mädchen ebenbürtig sind, was auf ein interessengeleitetes Lernen der Rechtschreibung schließen lässt (vgl. ebd., S. 678). Im naturwissenschaftlichen und mathematischen Bereich allerdings, sind die Jungen den Mädchen überlegen (vgl. ebd. S. 678).

In den weiterführenden Schulen werden die Differenzen noch ausführlicher, so bevorzugen über 60 Prozent der Mädchen die Fächer im sprachlichen bzw. künstlerischen Bereich, in welchen sie auch erfolgreicher sind als die Jungen, von denen sich über die Hälfte zu den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, wie Physik und Mathematik, hingezogen fühlen und dort auch bessere Leistungen bringen. Eine Ausnahme stellte die Biologie da, die bei beiden Geschlechtern relativ beliebt ist (vgl. ebd. S. 680f).

Im Studium entscheiden sich die meisten jungen Frauen vorwiegend für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, sowie Germanistik bzw. Deutsch. Auffällig ist hier, dass diese Fächer, mit Ausnahme der Germanistik, auch bei den jungen Männern sehr beliebt sind. Die meisten Frauen studieren also nicht unbedingt die als frauentypisch angesehene Fächer, sondern sol- che die bei beiden Geschlechtern beliebt sind. Die Männer bevorzugen allem voran das Studi- um der Ingenieurwissenschaften, welches nur von wenigen Frauen gewählt wird (vgl. Bloss- feld u.a. 2009, S. 127).

2.2.2 Lernstrategien

In den Lernstrategien unterscheiden sich die Geschlechter darin, dass die Jungen häufiger Elaborationsstrategien gebrauchen, was bedeutet, dass sie bereits bekannte Dinge mit den neuen Inhalten verknüpfen oder Memorierstrategien verwenden, also möglichst viel Auswen- diglernen. Mädchen hingegen setzen eher auf Kontrollstrategien, das heißt sie üben mehr und überprüfen ihr Können öfter (vgl. Hannover; Kessels 2008, S. 120). Auch bei der Hausaufga- benerledigung investieren die Mädchen mehr Zeit als die Jungen (vgl. ebd., S. 120).

2.2.3 Verhalten, Lernbereitschaft und Sozialisation im Unterricht

Nicht nur an den Leistungen, auch am Verhalten der Schüler lassen sich Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht erkennen. Es wurde beobachtet, dass Mädchen sich im Unterricht seltener in den Vordergrund drängen und die Aufmerksamkeit des Lehrers eher durch die Erfüllung seiner Erwartungen auf sich ziehen wollen. Bei den Jungen hingegen sind die Disziplinprobleme stärker, sie benötigen mehr Aufmerksamkeit und bekommen diese indem sie sich auffälliger verhalten. Auch wenn sie dadurch eventuell öfter getadelt werden, haben sie die Botschaft „du bist mir wichtig“ durch die Ansprache des Leh- rers erhalten (vgl. Faulstich-Wieland 1995, S. 125).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsspezifische Bildung in der Koedukation
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Einführung in die Pädagogik der Kindheit und Jugend - Vertiefung
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V213852
ISBN (eBook)
9783656421627
ISBN (Buch)
9783656422204
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechtsspezifische, bildung, koedukation
Arbeit zitieren
Regina Marsch (Autor), 2010, Geschlechtsspezifische Bildung in der Koedukation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213852

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