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Die Gefährdung des Humboldt'schen Bildungsideals durch den Bologna-Prozess

Titre: Die Gefährdung des Humboldt'schen Bildungsideals durch den Bologna-Prozess

Dossier / Travail de Séminaire , 2011 , 36 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Diplom Pädagogin Jessica Weinem (Auteur)

Pédagogie - Général
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In allen deutschen Einzelstaaten fanden zwischen 1790 und 1830 grundlegende Universitätsreformen statt. Als Vorbildfunktion für diese galten die Universitäten zu Göttingen und Halle, nicht etwa die 1810 gegründete Berliner Universität (vgl. PALETSCHEK, S. 4.). Hauptaufgaben und -ziele dieser Universitäten waren die wissenschaftliche Berufsausbildung, die Vermittlung allgemeiner (Menschen-) Bildung, sowie die Fortentwicklung der Wissenschaften. Mit jener Bildungsidee werden Persönlichkeiten wie Schleiermacher, Fichte und Steffens, vor allem aber Wilhelm von Humboldt , Begründer der Berliner Universität in Verbindung gebracht. Als Hauptmerkmal der europäischen Universitäten galt die Freiheit von Lehre und Forschung, welche auf die korporative Eigenständigkeit der Universitäten und die Durchsetzung von Aufklärung und Rationalismus zurückführt (vgl. ebd.). Die Freiheit zur Forschung war zentraler Grundgedanke für den Übergang zu Forschungsuniversitäten, welcher im 19. Jahrhundert begann und um die Jahrhundertwende als abgeschlossen galt. Termini wie Forschendes Lernen wurden seit etwa 1890 im Sinne der Humboldt´schen Universitätsidee zum wichtigen Bestandteil der deutschen Hochschulen (vgl. KRULL 2009, S. 4).
Aktuell wird die Idee der deutschen Hochschullandschaft bereits seit Jahrzehnten erneut diskutiert. Auch im internationalen Raum beschäftigen sich Bildungsforscher wie Daniel Fallon mit der Fragestellung: „The European Research University - An Historical Paranthesis?“ (Ebd., S. 1)
Seit den universitären Reformänderungen im Zuge der Bologna-Erklärung im Jahre 1999 im italienischen Bologna steht in Deutschland die Frage nach der Wirksamkeit der traditionellen Humboldt´schen Bildungsidee wieder ganz oben auf der hochschulpolitischen Diskussionsagenda (vgl. ebd.). Hinsichtlich dieser Problematik wird die Analyse bezüglich der Gefährdung des traditionellen Humboldt´schen Bildungsideals durch die Bologna-Erklärung Gegenstand dieser Arbeit sein. Der zentrale Schwerpunkt liegt dabei auf folgenden Fragestellungen:
Inwiefern stellt der Bologna-Prozess eine Gefährdung für die ursprüngliche Universitätsidee nach Wilhelm von Humboldt dar?Hat die Humboldt´sche Bildungsidee noch eine Zukunft?

Kapitel 2 wird in Kürze auf den historischen Entstehungskontext der Humboldt´schen Bildungsidee Bezug nehmen. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehungskontext des neuhumanistischen Bildungsbegriffes

3 Wilhelm von Humboldts Ideen zur Bildung des Menschen

3.1 Zur Person Wilhelm von Humboldt

3.2 Die Allgemeine (Menschen-) Bildung

3.3 Die Spezielle Bildung

3.4 Humboldts Reformpädagogik

3.5 Die Rolle des Staates im Humboldt´schen Bildungsmodell

4 Der Bologna-Prozess

4.1 Die Intention Bolognas

4.2 Die Zielvereinbarungen der Bologna-Erklärung

4.3 Bologna und die Widersprüchlichkeit der realistischen Umsetzung

4.4 Evaluation: Gegenüberstellung des Humboldt´schen Bildungsideals mit den Umsetzungsarbeiten der Bologna-Erklärung

5 Bologna - Gefährdung des Humboldt´schen Bildungsideals?

5.1 Kritik an den Umsetzungsarbeiten der Bologna-Erklärung seitens der Humboldt-Gesellschaften

5.2 Bologna als Abschied vom Humboldt´schen Bildungsideal

6 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der Bologna-Prozess eine Gefährdung für das traditionelle, neuhumanistische Bildungsideal nach Wilhelm von Humboldt darstellt und welche Zukunftsaussichten für dieses Ideal in der heutigen Hochschullandschaft bestehen.

  • Historischer Kontext des neuhumanistischen Bildungsbegriffs
  • Wilhelm von Humboldts Philosophie der allgemeinen und speziellen Bildung
  • Analyse der Ziele und der praktischen Umsetzung des Bologna-Prozesses
  • Kritische Evaluation der Bologna-Reform im Vergleich zum humboldtschen Modell
  • Diskussion über die Rolle des Staates und die Wissenschaftsfreiheit

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Allgemeine (Menschen-) Bildung

Grundgedanke der allgemeinen Bildung nach Wilhelm von Humboldt ist, dass der Mensch im Mittelpunkt aller Tätigkeiten steht. Der Mensch muss sein eigenes Wesen vordergründig erkunden und soll seinen Fokus nicht auf etwas spezielles ausrichten (vgl. HUMBOLDT 1969, S. 235). Der Mensch strebt in Humboldts Idealbild danach, sein eigenes Wissen und Erkenntnisse über sich und die Welt stets zu erweitern und nie auf einem Wissensstand stehen zu bleiben. Laut Humboldt ist diese Unruhe, die eigenen Gedanken verstehen zu können, in jedem Menschen verankert. Um keine oberflächliche Existenz zu führen und um Freiheit sowie Unabhängigkeit zu verspüren, handelt und denkt der Mensch. Voraussetzungen zum autonomen Denken und Handeln des Menschen ist, dass stets die Umwelt in jene Prozesse mit einbezogen wird. Diese Einbeziehungsprozesse verhelfen dem Menschen sich etwas vorzustellen. Um etwas zu bearbeiten, muss der Mensch eine Vorstellung von dem haben, womit er sich auseinandersetzt.

Das unterscheidet den Menschen vom Nicht-Menschen, da diese laut Humboldt keine spezifische Vorstellung benötigen um zu agieren, denn sie handeln instinktiv (vgl. ebd., S. 235f.). Die natürlichen Kräfte des Menschen, sprich der Mensch selbst, soll laut Humboldt durch die Verknüpfung des individuellen Ichs mit der Welt zu der „allgemeinen, regesten und freiesten Wechselwirkung“ (ebd., S. 235) gestärkt und gebildet werden. Folglich ist mit Welt alles zu verstehen, womit das Ich - der Mensch - in Wechselwirkung steht. Durch jene Wechselwirkung soll der Mensch seine Umwelt wahrnehmen und sich somit selbst erkennen. Erst durch diesen Bildungsprozess wird der Mensch zu einem Ganzen, denn „der wahre Zweck des Menschen, nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ (HUMBOLDT 1962, S. 12).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert die historische Rolle der Universität und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Gefährdung des humboldtschen Bildungsideals durch den Bologna-Prozess.

2 Entstehungskontext des neuhumanistischen Bildungsbegriffes: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Rahmenbedingungen der liberalen Hochschulreform des frühen 19. Jahrhunderts und die Rolle Wilhelm von Humboldts als Reformpädagoge.

3 Wilhelm von Humboldts Ideen zur Bildung des Menschen: Hier werden Humboldts Konzepte der allgemeinen Menschenbildung, der speziellen beruflichen Bildung sowie seine Vorstellungen zur Rolle des Staates und der universitären Forschung detailliert erläutert.

4 Der Bologna-Prozess: Das Kapitel analysiert die Intentionen, Zielsetzungen und die tatsächliche Umsetzung des Bologna-Prozesses in der europäischen Hochschullandschaft.

5 Bologna - Gefährdung des Humboldt´schen Bildungsideals?: Basierend auf kritischen Stimmen aus Humboldt-Gesellschaften wird untersucht, ob die neuen Studienstrukturen den endgültigen Abschied vom traditionellen Bildungsideal bedeuten.

6 Fazit und Ausblick: Das Fazit führt die Argumentationslinien zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Bologna-Reform den humboldtschen Bildungsgedanken zugunsten einer ökonomisch orientierten Berufsausbildung verdrängt hat.

Schlüsselwörter

Wilhelm von Humboldt, Bologna-Prozess, Bildungsideal, Allgemeine Menschenbildung, Wissenschaftsfreiheit, Universität, Bachelor, Master, Neuhumanismus, Hochschulreform, Berufsausbildung, Forschung, Lehre, Selbsterkenntnis, Wissensgesellschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des Bologna-Prozesses und der Frage, ob dieser die traditionelle Universitätsidee nach Wilhelm von Humboldt gefährdet oder bereits abgelöst hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind das neuhumanistische Bildungsmodell von Wilhelm von Humboldt, die historische Entwicklung der Universität sowie die kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Ausrichtung moderner Hochschulstrukturen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist zu klären, inwieweit die durch Bologna eingeführten Strukturen mit den Idealen Humboldts vereinbar sind und ob die Humboldt'sche Bildungsidee in der heutigen Zeit noch eine Zukunft hat.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt eine analytische Gegenüberstellung von theoretischen Grundlagentexten Humboldts und aktuellen bildungspolitischen Diskursen bzw. Evaluationsergebnissen des Bologna-Prozesses.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des humboldtschen Bildungsideals, die Analyse der Bologna-Reform und die Evaluation der Auswirkungen dieser Reformen auf Forschung, Lehre und die individuelle Persönlichkeitsbildung der Studierenden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildung, Individualität, Autonomie der Wissenschaft, Ökonomisierung, Studienstruktur und Kompetenzorientierung charakterisiert.

Warum sieht die Autorin den Bologna-Prozess kritisch?

Die Autorin kritisiert insbesondere, dass die Universitäten durch die Reform zunehmend zu "Stätten der Berufsausbildung" nivelliert werden, wodurch das humboldtsche Ideal der freien, zweckfreien Wissenschaft und Forschung verloren geht.

Welche Rolle spielt der Staat laut Humboldt im Bildungsprozess?

Nach Humboldt sollte sich der Staat aus dem Bildungsprozess und der inhaltlichen Ausgestaltung der Lehre heraushalten; seine Aufgabe beschränkt sich primär auf die finanzielle Ermöglichung und die Gewährleistung des Freiraums für die Individuen.

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Résumé des informations

Titre
Die Gefährdung des Humboldt'schen Bildungsideals durch den Bologna-Prozess
Université
University of Trier
Note
2,0
Auteur
Diplom Pädagogin Jessica Weinem (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
36
N° de catalogue
V287964
ISBN (ebook)
9783656881421
ISBN (Livre)
9783656881438
Langue
allemand
mots-clé
gefährdung humboldt bildungsideals bologna-prozess
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Diplom Pädagogin Jessica Weinem (Auteur), 2011, Die Gefährdung des Humboldt'schen Bildungsideals durch den Bologna-Prozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/287964
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Extrait de  36  pages
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