In dieser Arbeit wird die Möglichkeit betrachtet, eine Personalauswahl für die Rettungsdienstausbildung mit Hilfe der Durchführung eines Assessment Centers (AC) zu tätigen. Dabei steht die Entwicklung eines AC für die Auswahl von Auszubildenden zum Notfallsanitäter im Mittelpunkt.
Ziel ist es eine Alternative zu herkömmlichen Personalauswahlverfahren im Rettungsdienst zu präsentieren. Es wird ein Anforderungsprofil für Auszubildende zum Notfallsanitäter vorgestellt und der Ablaufplan eines möglichen AC diskutiert.
Bei der Erstellung wurden etablierte AC-Übungen an die Anforderungen im Rettungsdienst angepasst und dabei auf eigene Erfahrungen im Rettungsdienst, der Ausbildung von Rettungsdienstpersonal und der Personalauswahl für den Rettungsdienst zurückgegriffen.
Da die allgemeinen Voraussetzungen für den Zugang zur Ausbildung zum Notfallsanitäter im § 8 des Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters geregelt sind und spezielle Fachkompetenzen vor der Ausbildung nicht verlangt werden, wurde sich bei der Erstellung des Anforderungsprofils auf die Bereiche der Sozialkompetenzen und der physischen Konstitution beschränkt.
Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein theoretischer Entwurf, der als Grundlage für die Durchführung eines AC zur Personalauswahl von Auszubildenden zum Notfallsanitäter genutzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Definition des Anforderungsprofils
Formale Gestaltung des Anforderungsprofils
Inhaltliche Gestaltung des Anforderungsprofils
Auswahl der AC-Übungen
Eingruppierung in eine Anforderungen-Aufgaben-Matrix
Erläuterung einer abgewandelten Postkorbübung
Zeitlicher Ablauf des AC
Diskussion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Assessment Centern (AC) als alternatives Personalauswahlverfahren für die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Ziel ist die Erstellung eines theoretischen Anforderungs- und Ablaufkonzepts, das soziale Kompetenzen und physische Eignung in den Mittelpunkt stellt, um eine fundierte Auswahlgrundlage zu schaffen.
- Entwicklung eines kompetenzbasierten Anforderungsprofils
- Konzeption rettungsdienstspezifischer Assessment Center-Übungen
- Integration der Anforderungen aus dem Notfallsanitätergesetz (NotSanG)
- Methodische Gestaltung einer Anforderungen-Aufgaben-Matrix
- Analyse von Chancen und Risiken des AC-Einsatzes im Rettungsdienst
Auszug aus dem Buch
Erläuterung einer abgewandelten Postkorbübung
Exemplarisch soll hier die in vielen Veröffentlichungen beschriebene Postkorbübung abgewandelt und in einer für den Rettungsdienst passenden Version als Notfallsituation erläutert werden.
Die Postkorbübung ist zusammen mit der Gruppendiskussion eine der am weitesten verbreitetsten Übungen in einem Assessment Center. Unter der Postkorbübung versteht man alle Übungen, bei denen es um das Filtern und Priorisieren einer Fülle von verschiedenen Informationen geht. Der Name leitet sich von einem vollen Posteingangskorb ab, in dem verschiedene Nachrichten, Emails, Aufgaben und Anfragen liegen. Das ist eine in der Praxis ständig präsente Situation, in der man filtern muss, was relevant ist, und welche Inhalte man zuerst bearbeitet.
Da es sich bei der klassischen Postkorbübung um eine AC-Übung im Management oder Verwaltungsbereich handelt ist diese für ein AC zur Auswahl von Bewerbern für eine Ausbildung zum Notfallsanitäter nicht eins zu eins übertragbar. In ähnlicher Form wie oben beschrieben gibt es jedoch auch rettungsdienstlich relevante Situationen. In dieser Version der Postkorbübung, nachfolgend Notfallsituation genannt, wird der Bewerber als Praktikant in einen Rettungswagenteam zugeteilt, welches zusammen mit einem Notarzt eine fiktive Notfallsituation abarbeitet. Dabei wird der Patient durch einen Mimen dargestellt und die Situation zum Beispiel durch Angehörige, Nachbarn, Polizeibeamte oder andere Dritte erweitert. Bei der Notfallsituation soll es sich um eine realistisch gespielte Situation aus dem Rettungsdienstalltag handeln, in der unter Zeitdruck in einem beengten Raum viele Personen tätig sind, laut reden, schnell handeln und Angehörige emotional betroffen reagieren. Somit wird eine stressige, laute, unangenehme Atmosphäre geschaffen, in die der Bewerber integriert wird. Abwechselnd werden ihm Aufgaben zugerufen, Fragen von den Angehörigen gestellt und Vorwürfe eines Kollegen oder Notarztes gemacht, wenn er im Weg steht oder zu langsam handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Historie des Assessment Centers und dessen zunehmende Bedeutung für das Gesundheitswesen sowie die Relevanz des neuen Notfallsanitätergesetzes.
Definition des Anforderungsprofils: Hier wird die Begrenzung auf Sozialkompetenzen und physische Konstitution begründet sowie die formale und inhaltliche Strukturierung des Anforderungsprofils dargelegt.
Auswahl der AC-Übungen: Dieses Kapitel beschreibt die strategische Auswahl von Übungen, um grundlegende Kompetenzen von Bewerbern ohne rettungsdienstliche Vorkenntnisse zu evaluieren.
Zeitlicher Ablauf des AC: Die organisatorische Planung mit zwei möglichen Durchführungsvarianten sowie der Ablauf der einzelnen Teststationen werden hier konkretisiert.
Diskussion: Abschließend werden die Chancen und Risiken des Konzepts beleuchtet, insbesondere hinsichtlich der notwendigen Vorauswahl und der Qualität der Beobachter.
Schlüsselwörter
Assessment Center, Personalauswahl, Notfallsanitäter, Rettungsdienst, Anforderungsprofil, Sozialkompetenz, Postkorbübung, Notfallsanitätergesetz, NotSanG, physische Konstitution, Stressresistenz, Personalkonzeption, Eignungsdiagnostik, Bewerberauswahl, Rettungsdienstausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzeption eines Assessment Centers, um zukünftige Auszubildende zum Notfallsanitäter auf Basis ihrer sozialen und physischen Kompetenzen strukturiert auszuwählen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Erstellung eines Anforderungsprofils, die Auswahl geeigneter Übungsformate sowie die organisatorische Planung eines AC-Tages im Rettungsdienstkontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines theoretischen Entwurfs als Alternative zu herkömmlichen Auswahlverfahren, um die Eignung von Bewerbern für die anspruchsvolle Ausbildung zum Notfallsanitäter besser einschätzen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse zur Fundierung der Kompetenzdimensionen sowie eine konzeptionelle Erarbeitung von AC-Übungen, basierend auf dem Notfallsanitätergesetz und praktischer Erfahrung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Anforderungsprofils, die Auswahl passender Übungen (wie der Notfallsituation), den zeitlichen Ablaufplan und eine abschließende Diskussion der Chancen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Assessment Center, Notfallsanitäter, Anforderungsprofil, Sozialkompetenz und Personalauswahl charakterisiert.
Warum wurde bei der Postkorbübung eine abgewandelte Form gewählt?
Die klassische Postkorbübung stammt aus dem Managementbereich. Da Notfallsanitäter in dynamischen Einsätzen agieren, wurde sie zur realistischen "Notfallsituation" umgestaltet, um Stressresilienz und Kooperation unter Druck zu testen.
Welche Rolle spielt das NotSanG bei der Erstellung des Profils?
Das Notfallsanitätergesetz gibt die allgemeinen Voraussetzungen vor; da keine spezifischen Fachkompetenzen vorab verlangt werden, konzentriert sich das Profil auf überfachliche Sozialkompetenzen und physische Belastbarkeit.
Welche Anforderungen werden an die Beobachter gestellt?
Beobachter sollten erfahrene Rettungsdienstmitarbeiter mit Zusatzqualifikationen in Lehre oder Management sein und zwingend in die Bewertungssystematik eingewiesen werden, um objektive Ergebnisse zu erzielen.
- Quote paper
- Sebastian Heil (Author), 2015, Das Assessment Center. Möglichkeiten und Grenzen in der Personalauswahl für Auszubildende zum Notfallsanitäter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/300236